Ihr

~David Livingstone~.

Dem obigen Briefe habe ich nichts hinzuzufügen; er spricht für sich

selber; damals aber war ich der Ansicht, dass er den besten Beweis für

den Erfolg meiner Expedition abgebe. Was mich betraf, kümmerte ich

mich durchaus nicht um seine Entdeckungen, ausser insoweit sie die

Zeitung, die mir den Auftrag gegeben hatte, ihn aufzusuchen, betrafen.

Freilich empfand ich eine gewisse Neugier in Bezug auf das Resultat

seiner Reisen, aber da er mir gesagt, dass er seine Aufgabe noch nicht

vollendet habe, so hielt ich es für unzart, ihn nach mehr zu fragen,

als er freiwillig gab. Denn seine Entdeckungen sind die Früchte

seiner eigenen Arbeit und gehörten ihm. Durch ihre Veröffentlichung

hoffte er seinen Lohn zu empfangen, den er auf seine Kinder vererben

wollte. Doch hatte Livingstone einen höhern und edlern Ehrgeiz als den

blossen Geldlohn, den er zu erhalten hofft; denn er folgt den Geboten

der Pflicht. Nie hat es jemand gegeben, der sich so völlig dieser

abstracten Tugend hingegeben hat. Seine Neigungen trieben ihn zur

Heimkehr an und es gehörten die ernstesten Entschlüsse dazu, diesen

Lockungen Widerstand zu leisten. Dagegen schmiedete er mit jedem neuen

Schritt, den er zurücklegte, eine Kette der Sympathie, welche später

die christlichen Nationen mit den Heiden des tropischen Afrika durch

Nächstenliebe verbinden soll. Wenn es ihm gelänge, diese Liebeskette

durch Entdeckung und genaue Beschreibung von Völkerschaften,

die noch im Dunkel leben, zu vollenden, sodass er die Guten und

Menschenfreundlichen unter seinen Landsleuten dazu veranlasst, sich

für ihr Heil und ihre Erlösung zu interessiren, so sieht Livingstone

darin eine reichliche Belohnung. Einige werden dies zwar für das

Unternehmen eines Wahnsinnigen, den Plan eines Don Quixote erklären. So

steht es aber doch nicht, meine Freunde; denn so sicher wie die Sonne

über Christen und Ungläubige, civilisirte Menschen und Heiden scheint,

wird der Tag der Erleuchtung kommen. Und wenn auch weder der Apostel

Afrikas, noch wir jüngern Leute und vielleicht auch nicht einmal

unsere Kinder ihn erblicken mögen, so wird eine spätere Zukunft es

doch erleben und dem kühnen Pionnier der Civilisation ihre Anerkennung

zollen. --

Das Folgende entnehme ich meinem Tagebuche:

12. März. Die Araber haben mir nicht weniger als 45 Briefe an die Küste

mitgegeben. In den letzten Tagen bin ich Kurier geworden. Der Grund

hiervon ist, dass regelrecht organisirte Karavanen Unyanyembé wegen des

Krieges mit Mirambo nicht verlassen können. Wenn ich nun auch diese

ganze Zeit über in Unyanyembé geblieben wäre, um das Ende des Krieges

abzuwarten! Ich glaube nämlich, dass die Araber vor Ablauf von neun

Monaten von jetzt ab noch nicht im Stande sein werden, den Mirambo zu

besiegen.

Heute haben sich die Eingeborenen versammelt, um mir zu Ehren vor

meinem Hause einen Abschiedstanz aufzuführen. Es sind, wie ich sehe,

die Pagazi von Singiri, des Führers von Mtesa’s Karavane. Meine Leute

betheiligten sich gleichfalls, und durch die Musik mir selbst zum Trotz

gefesselt, nahm ich auch daran theil und tanzte zur grossen Bewunderung

meiner Tapfern mit, welche darüber sehr erfreut waren, ihren Herrn von

seiner gewöhnlichen Steifheit ablassen zu sehen.

Es ist ein wilder Tanz. Die Musik ist lebhaft und entsteht durch

den sonoren Ton von vier Trommeln, welche vier in der Mitte des

Zauberkreises stehende Leute umgehängt haben. Der stets komische

Bombay, der sich beim Tanz der Mrima am gemüthlichsten fühlt, hat

meinen Wassereimer auf dem Kopfe; der kräftige, flinke, festauftretende

Tschaupereh eine Axt in der Hand und ein Ziegenfell auf dem Haupt.

Baraka hat meine Bärenhaut und hantiert mit einem Speer herum. Der

stierköpfige Mabruki ist auf den Geist der Sache eingegangen und

schreitet feierlich auf und ab, wie ein Elefant. Ulimengo hat eine

Flinte und geberdet sich wie ein wüthender Bramarbas, sodass man meinen

sollte, er wolle sich auf eine Schlacht mit Hunderttausenden einlassen.

Khamisi und Kamna stehen, Rücken an Rücken, vor den Trommlern

und werfen um die Wette die Füsse in die Luft. Auch Asmani, die

personificirte Riesenkraft, ein wirklicher Titane, hat ein Gewehr, mit

dem er in der Luft herumfuchtelt, als ob er Thor sei, der mit seinem

Hammer Tausende erschlägt. Unser aller Skrupel und Leidenschaften

ruhen; wir sind Dämonen, die sich unter dem himmlischen Licht der

Sterne bekämpfen und theilnehmen an einem Zauberdrama, in welchem

wir durch den furchtbaren Donner der Trommeln zur thätigen Bewegung

angeregt werden.

Die Kriegsmusik ist beendet und eine neue beginnt. Der Chorführer ist

auf die Knie gesunken und taucht mit dem Kopf zwei- bis dreimal in

eine Aushöhlung des Bodens. Ein Chor, der auch auf den Knien ruht,

wiederholt in klagenden Tönen die letzten Worte eines feierlichen

langsamen Refrains. Wörtlich übersetzt lautet der Gesang so:

_Chorführer._

Oh, oh, oh! der weisse Mann geht nach Hause!

_Chor._

Oh, oh, oh! er geht nach Hause!

Er geht nach Hause, oh, oh, oh!

_Chorführer._

In das glückliche Eiland auf dem Meere,

Wo es Perlen gibt in Menge. Oh, oh, oh!

_Chor._

Oh, oh, oh! Wo es Perlen gibt in Menge.

Oh, oh, oh!

_Chorführer._

Während Singiri uns zurückgehalten hat, oh, so lange

Von unserer Heimat, so lange; oh, oh, oh!

_Chor._

Von unserer Heimat, oh, oh, oh!

Oh, oh, oh!

_Chorführer._

Und wir hatten gar kein Essen so sehr lange Zeit.

Wir sind halb verhungert, oh, sehr lange Zeit!

Bana Singiri!

_Chor._

Sehr lange Zeit, oh, oh, oh!

Bana Singiri-Singiri!

Singiri! oh, Singiri!

_Chorführer._

Mirambo ist in den Krieg gezogen

Zu kämpfen gegen die Araber;

Die Araber und Wangwana

Sind fort, Mirambo zu bekämpfen!

_Chor._

Oh, oh, oh! Mirambo zu bekämpfen!

Oh, Mirambo! Mirambo!

Oh, Mirambo zu bekämpfen!

_Chorführer._

Aber der weisse Mann wird uns erfreuen,

Er geht nach Hause! Denn er geht nach Hause,

Und er wird uns erfreuen! Sch-sch-sch!

_Chor._

Der weisse Mann wird uns erfreuen. Sch-sch-sch!

Sch -- sch-h-h -- sch-h-h-h-h-h!

Um-m -- mu -- um-m-m -- sch!

Dies war der eigenthümliche Abschied, der mir von den Wanyamwezi

Singiri’s zutheil wurde. Ich habe denselben wegen seiner merkwürdigen

epischen Schönheit, rhythmischen Vortrefflichkeit und gewaltigen

Leidenschaft als eins der wunderbarsten Erzeugnisse der chorliebenden

Kinder Unyamwezis durch diese Blätter unsterblich machen wollen.

13. März. Endlich ist der letzte Tag meines Zusammenseins mit

Livingstone vorüber; der letzte Abend, den wir gemeinsam zu verleben

haben, ist da und ich kann dem Morgen nicht ausweichen. Es ist mir

zu Muthe, als ob ich gegen das Schicksal rebelliren möchte, das mich

von ihm trennt. Rasch folgen sich die Minuten und werden zu Stunden.

Unsere Thüre ist verschlossen und jeder von uns ist mit seinen eigenen

Gedanken beschäftigt. Wie die seinigen beschaffen sind, weiss ich

nicht; die meinigen sind traurig. Es scheint mir, als ob ich meine

Tage in einem elyseischen Felde verlebt habe. Warum sollte ich sonst

die nahe Abschiedstunde so schwer empfinden? Haben mich nicht in

letzter Zeit eine Reihe von Fieberanfällen Tag für Tag kraftlos auf ein

schmerzhaftes Lager geworfen? Habe ich nicht in furchtbaren Phantasien

gerast? nicht im Delirium die Fäuste wüthend geballt und mit der wilden

Kraft der Verzweiflung um mich geschlagen? Dennoch bedauere ich es,

das Vergnügen aufgeben zu müssen, das ich in der so theuer erkauften

Gesellschaft dieses Mannes empfunden, und kann doch nicht den sichern

Fortschritt der Zeit hemmen, welche heute Abend dahin fliegt, als ob

sie meiner spotte und sich an meinem Elende weide. So mag es denn sein!

Wie oft habe ich nicht schon im Leben den Schmerz der Trennung von

Freunden empfunden, wie oft noch länger zu bleiben gewünscht, wo das

Unvermeidliche doch geschehen, das Schicksal uns trennen musste. Dieses

mal ist es dieselbe traurige Empfindung, nur dass sie tiefer schmerzt;

dass der Abschied auf immer stattfinden kann! +Auf immer? Ja, auf

immer!+ so hallte ein wehmüthiger Seufzer wieder.

Ich habe mir alles niedergeschrieben, was er heute Abend gesagt hat;

der Leser soll das aber nicht mit mir theilen; es gehöre mir allein.

Ich bin ebenso eifersüchtig auf sein Tagebuch wie er selbst und habe

in grossen gothischen Buchstaben und deutlicher Schrift auf jede

Seite des wasserdichten Segeltuchdeckels desselben geschrieben: „+Auf

keinen Fall zu öffnen!+“ was er mit seinem Namen unterschrieben hat.

Jedes Wort habe ich stenographirt, das er mir gesagt hat in Bezug auf

die gleichförmige Vertheilung einiger Seltenheiten an seine Freunde

und Kinder, und den letzten Wunsch betreffs „seines theuern alten

Freundes Sir Roderick Murchison“, wegen dessen er sich geängstigt hat,

seitdem wir in Uganda die Zeitung erhalten, aus der wir ersahen, dass

der alte Herr einen Schlaganfall gehabt. Sobald ich nach Aden komme,

soll ich ihm bestimmt Nachrichten über ihn schicken; und ich habe es

ihm versprochen, dass er sie von mir rascher erhalten soll, als es je

früher in Central-Afrika geschehen ist.

„Morgen Abend werden Sie allein sein, Herr Doctor.“

„Ja; das Haus wird so aussehen, als ob ein Todesfall darin

stattgefunden hat. Sie würden doch besser daran thun, hier zu bleiben,

bis der Regen, der jetzt nahe bevorsteht, vorüber ist.“

„Ich wünschte zu Gott, ich könnte das, lieber Herr Doctor; doch jeder

Tag, den ich jetzt noch hier verweile, wo keine Nothwendigkeit mehr

vorliegt, hält Sie von Ihrer Arbeit und Ihrer Heimat zurück.“

„Das weiss ich; aber denken Sie doch an Ihre Gesundheit. Sie sind nicht

im Stande zu reisen. Was haben ein paar Wochen mehr oder weniger zu

bedeuten? Sie werden ebenso rasch an die Küste gelangen, wenn der Regen

vorüber ist, als wenn Sie jetzt fortziehen. Zwischen hier und der Küste

werden die Ebenen überschwemmt sein.“

„Meinen Sie das? Ich will aber die Küste in 40, allerhöchstens 50 Tagen

erreichen. Der Gedanke, dass ich Ihnen dadurch einen wesentlichen

Dienst leiste, wird mich anspornen.“

14. März. Mit dem Morgengrauen waren wir aufgestanden; die Ballen und

das Gepäck wurden zum Hause hinausgetragen und die Leute bereiteten

sich auf den ersten Marsch nach Hause vor.

Wir nahmen ein trauriges Frühstück zusammen ein. Ich konnte nicht

essen, das Herz war mir so voll; auch mein Gefährte schien keinen

Appetit zu haben. Wir fanden noch etwas zu thun, was uns etwas länger

zusammenhielt. Um 8 Uhr war ich noch nicht fort und hatte doch die

Absicht gehabt, um 5 Uhr morgens abzuziehen.

„Doctor“, sagte ich, „ich werde zwei Leute bei Ihnen lassen, die heute

und morgen hier bleiben können, denn es kann doch sein, dass Sie bei

der Eile meiner Abreise etwas vergessen haben. Einen Tag bleibe ich in

Tura an der Grenze von Unyamwezi, um ein letztes Wort, einen letzten

Wunsch von Ihnen in Empfang zu nehmen. Jetzt müssen wir scheiden, es

hilft doch nichts. Leben Sie wohl!“

„Nun, ich werde Sie noch ein Stückchen begleiten. Ich muss sehen, wie

Sie sich auf den Weg machen.“

„Vielen Dank. Nun, Leute, nach Hause! Kirangozi, erhebe die Fahne, und

+Marsch+!“

Das Haus sah verödet aus, es entschwand unsern Blicken. Die

Vergangenheit, die Gedanken an meine Bestrebungen und Hoffnungen

überwältigten mich. An die alten Berge, die mir früher interesselos und

unbedeutend erschienen waren, hatten sich geschichtliche Erinnerungen

geknüpft. Auf jener Burzani hatte ich Stunden lang gesessen, geträumt,

gehofft, geseufzt. Auf jenem Hügel hatte ich gestanden und die Schlacht

und Zerstörung von Tabora beobachtet. Unter jenem Dache war ich krank

gewesen, hatte ich delirirt und wie ein Kind über das Geschick geweint,

das meiner Mission drohte. Unter jenen Bananenbäumen lag mein todter

Kamerad, der arme Shaw! Ich hätte ein Vermögen darum gegeben, wenn

ich ihn jetzt an meiner Seite gehabt hätte. Aus diesem Hause war ich

nach Udschidschi gezogen; mit einem neuen, theuern Gefährten war ich

in dasselbe wie zu einem alten Bekannten zurückgekehrt, und jetzt

musste ich alles verlassen. Schon jetzt erscheint mir alles wie ein

sonderbarer Traum.

Wir gingen Seite an Seite; die Leute stimmten einen Gesang an. Ich

blickte Livingstone lange an, um mir seine Züge recht genau ins

Gedächtniss zu prägen.

„Soweit ich es verstehen kann, liegt also die Sache so, Herr Doctor,

dass Sie nicht beabsichtigen heimzukehren, bis Sie sich über die

Quellen des Nils vergewissert haben. Wenn Sie sich darüber aber

zufrieden gestellt haben, so werden Sie nach Hause kommen und auch

andere zufrieden stellen, nicht wahr?“

„Ja wohl! Sobald Ihre Leute zurückkommen, werde ich sofort nach Ufipa

aufbrechen, dann über den Rungwa-Fluss nach Süden und um das Ende

des Tanganika gehen. Darauf werde ich in südöstlicher Richtung nach

Tschicumbi’s Wohnsitz am Luapula gehen, mich über den Luapula direct

nach den Kupferminen von Katanga begeben, und acht Tagereisen südlich

von Katanga sollen, nach den Angaben der Eingeborenen, die Quellen

sich befinden. Wenn ich sie gefunden, kehre ich über Katanga zu den

unterirdischen Behausungen von Rua zurück. Von diesen Höhlen werde ich

in zehn Tagen in nordöstlicher Richtung nach dem See Kamolondo ziehen.

In Ihrem Boote werde ich im Stande sein, von dem See den Lufira-Fluss

hinauf nach dem See Lincoln zu reisen; dann kann ich auf meinem

Rückwege nach Norden über den Lualaba an den vierten See gehen, von dem

ich meine, dass er das ganze Problem lösen wird, und da werde ich wol

finden, dass es entweder der Tschauambe (Baker’s See) oder Piaggia’s

See ist.“

„Wie viel Zeit aber meinen Sie, dass diese kleine Reise beanspruchen

wird?“

„Höchstens anderthalb Jahr von dem Tage an, wo ich Unyanyembé verlasse.“

„Nehmen wir zwei Jahre an; es könnten ja doch unvorhergesehene

Verhältnisse eintreten. Es wird doch gut sein, wenn ich die Leute auf

zwei Jahre miethe und zwar von dem Tage an, wo dieselben in Unyanyembé

ankommen.“

„Ja, das wird gut sein.“

„Nun aber, mein lieber Doctor, auch die besten Freunde müssen sich

trennen. Sie haben mich weit genug begleitet; daher bitte ich Sie,

umzukehren.“

„Ich kann Ihnen nur Folgendes sagen: Sie haben das geleistet, was nur

wenige zu thun im Stande sind, und zwar viel besser als verschiedene

grosse Reisende, die ich kenne. Ich bin Ihnen dankbar für das, was Sie

an mir gethan. Gott geleite Sie sicher nach Hause und segne Sie, mein

Freund!“

„Und möge Gott auch Sie uns allen glücklich heimführen, mein theurer

Freund! Leben Sie wohl!“

„Leben Sie wohl!“

Wir schüttelten uns die Hände und ich musste mich von ihm losreissen,

um nicht zu weich zu werden. Doch auch Susi, Dschumah und Hamoydah, die

getreuen Genossen des Doctors, mussten mir die Hand drücken und küssen,

ehe ich ganz fortkam. Daher verrieth ich meine Empfindungen!

„Adieu, Doctor, theurer Freund!“

„Adieu!“

„+Marsch!+ Was haltet Ihr? Vorwärts! Geht Ihr nicht nach Hause?“ So

trieb ich meine Leute vor mir her. Jetzt keine Schwäche mehr. Ich

werde sie marschiren lassen, dass sie an mich denken sollen. Von heute

in vierzig Tagen werde ich das abmachen, was mich früher drei Monate

gekostet hat. --

Freundlicher Leser! Ich habe die vorstehenden Tagebuchblätter am

Abend eines jeden Tages geschrieben. Ich sehe sie jetzt nach sechs

Monaten wieder an, schäme mich ihrer aber nicht. Noch jetzt werden

meine Augen trübe, wenn ich an die Trennung denke. Ich durfte das

nicht ausstreichen oder abändern, was ich niedergeschrieben, als

meine Gefühle so lebhaft waren. Gebe Dir Gott, dass Du, wenn Du Dich

jemals auf eine Reise nach Afrika begibst, einen ebenso edeln, treuen

Mann wie David Livingstone zum Gefährten haben mögest! Vier Monate

und vier Tage habe ich mit ihm unter einem Dache, auf demselben Boote

oder in demselben Zelte zugebracht und habe nie einen Fehler an ihm

entdeckt. Ich selbst bin ein hitziger Mensch und habe schon oft wol

ohne ausreichende Ursache Bande der Freundschaft zerrissen, aber bei

Livingstone habe ich nie eine Ursache gehabt, mich gekränkt zu fühlen.

Ein jeder Tag, den ich mit ihm zubrachte, hat meine Bewunderung für ihn

nur erhöht.

Ich habe nicht die Absicht, meine Leser mit einer genauen Schilderung

unseres Rückmarsches zu belästigen und werde ihnen nur einige

Ereignisse, die uns auf der Reise nach der Küste passirten, erzählen.

17. März. Wir kamen an den Kwalah-Fluss, welchen ein Eingeborener von

Rubuga Nyahuba, ein anderer Unyahuha nannte. Am heutigen Tage fiel

der erste Regen der Masikazeit. Ehe ich zur Küste komme, werde ich

angeschimmelt sein. Im vorigen Jahre begann die Masikazeit in Bagamoyo

am 23. März und hörte am 30. April auf.

Am nächsten Tage hielt die Expedition in West-Tura, auf der Grenze von

Unyamwezi, und am 20. kamen wir in Ost-Tura an. Bald darauf hörten wir

ein lautes Schiessen, und Susi und Hamoydah, Livingstone’s Diener,

erschienen mit Uredi und einem andern von meinen Leuten nebst einem

Brief für Sir Thomas MacLear auf der Sternwarte des Cap der Guten

Hoffnung, sowie einem Brief für mich, welcher folgendermassen lautete:

„Kwihara, 15. März 1872.

Lieber Stanley!

Wenn Sie bei Ihrer Ankunft in London telegraphiren können, so

berichten Sie mir genau, wie sich Sir Roderick befindet. Sie haben

gestern die Sache genau präcisirt, als Sie sagten, dass ich über

die Quellen mit mir noch nicht im Reinen sei, sowie ich aber eine

Ueberzeugung darüber gewonnen hätte, zurückkehren und andern

genügende Auskunft über dieselben geben werde. Gerade so steht die

Sache.

Ich wünschte, ich könnte Ihnen ein besseres Wort als das schottische

zurufen: «Mit starkem Muth den steilen Berg hinan!» Denn das werden

Sie thun und ich freue mich, dass Ihr Fieber vor Ihrem Abgange

die gefahrlosere Form der Intermittens angenommen hat. Ich hätte

Sie nur mit sehr grosser Sorge abziehen lassen, wenn Sie noch mit

dem continuirlichen Fieber behaftet gewesen wären. Es ist mir ein

Trost, Sie der Fürsorge des gütigen Herrn und Vaters aller Wesen zu

empfehlen.

Wie ich Livingstone fand; Zweiter Band · 第 61 / 88 题