Hafen von Udschidschi 6 --

Am 17. October sagten wir Mrera Lebewohl, um unsern Weg nach

Nordwesten fortzusetzen. Ich stand jetzt mit allen meinen Leuten auf

freundschaftlichem Fusse; alles Streiten hatte lange aufgehört. Bombay

und ich hatten unsern Zank vergessen; vielmehr waren der Kirangozi

und ich bereit, uns zu umarmen, auf so cordialem Fuss standen wir

zueinander. Das Vertrauen ist in alle Herzen zurückgekehrt, denn jetzt

konnten wir ja wie Mabruk-Unyanyembé sagte, „die Fische des Tanganika

riechen“. Weit hinter uns lag Unyanyembé mit aller seiner Unruhe. Wir

konnten uns über den furchtbaren Mirambo und seine frevelhaften Banden

lustig machen, und nach und nach werden wir wol auch den furchtsamen

Propheten, Scheikh, den Sohn Nasib’s, der uns stets schreckliche

Ereignisse in Aussicht stellte, auslachen können. Als wir in einer

Reihe wie Indianer durch das jenseits der Wiesen von Mrera liegende

junge Walddickicht zogen, lachten wir fröhlich und waren stolz auf

unsere Grossthaten. Ja, wir waren an jenem Morgen wirklich tapfer!

Als wir aus dem Dickicht traten, kamen wir in einen offenen Wald,

dessen zahlreiche Ameisenhügel wie Sanddünen aussahen. Ich denke, diese

Ameisenhaufen sind während einer besonders nassen Jahreszeit aufgebaut

worden, wo die waldbedeckte Ebene wol unter Wasser steht. Ich habe die

Ameisen zu tausenden am Bau ihrer Hügel in andern Districten, die von

Ueberschwemmungen litten, beschäftigt gesehen. Welch wunderbares System

von Zellen erbauen doch diese winzigen Insekten! Ein vollständiges

Labyrinth, Zelle in Zelle, Kammer in Kammer, Halle in Halle! Welche

Talente als Ingenieure und bedeutende Architekten legen sie an den Tag!

Wie musterhaft ist die Stadt, die sinnreich zu ihrer Sicherheit und

Bequemlichkeit angelegt ist!

Nach einem Marsch von kaum einer Stunde kamen wir aus dem Walde heraus

und begrüssten den Anblick eines klaren, murmelnden Baches, der rasch

nach Nordwesten floss, den wir mit dem Vergnügen ansahen, das nur Leute

nachempfinden können, die lange Zeit an dem schlechtesten Trinkwasser,

das man in Salzebenen, Mbugas, Pfützen und Wasserlöchern findet,

gelitten haben. Auf der andern Seite dieses Baches erhebt sich ein

rauher, steil abfallender Gebirgszug, von dessen Gipfel unsere Augen

sich an malerischen, belebten Landschaften weiden! Sie bilden für

unsere an dem Anblick tiefer Wälder, hoher Baumstämme und buschiger

Laubkronen übersättigten Augen ein ungewöhnliches Fest. Jetzt haben

wir Dutzende von Kegeln über die weite Ebene zerstreut vor uns, welche

sich über Süd-Ukonongo in das Gebiet der Wafipa erstreckt und bis

an die Rikwa-Ebene reicht. Die weit ausgedehnte Aussicht, die sich

plötzlich vor uns eröffnet, ist sehr mannichfaltig. Ausser Bergkegeln

und hochstrebenden, einzelstehenden Bergen mit flachen Gipfeln sehen

wir die Wasserscheide des Rungwa-Flusses, der sich südlich von uns

in den Tanganika ergiesst, und die des Malagarazi-Flusses, den der

Tanganika etwa einen Grad nördlich von unserm jetzigen Standpunkt

aufnimmt. Ein einzelner länglicher, dem geographischen Breitengrade

folgender Bergrücken trennt die Wasserscheide des Rungwa und Malagarazi

voneinander, und etwa 20 engl. Meilen westlich von diesem Höhenzuge

erhebt sich ein anderer, welcher sich von Norden nach Süden hinzieht.

An diesem Tage lagerten wir in den an einer engen Schlucht mit

Moorboden liegenden Dschungels, durch deren Schlammmassen das Wasser

des Rungwa langsam nach Süden, der Rikwa-Ebene zu sickert. Dies

war aber nur eine der vielen Schluchten, von denen einige mehrere

hundert Fuss, andere nur wenige Schritt breit sind, und deren Gründe

gefährliche von dichten hohen Binsen und Papyrus überwachsene Sümpfe

bilden. Auf der Oberfläche dieser grossen Kothabgründe sieht man

Hunderte von dünnen Streifen schlammigen, ockerfarbigen Wassers, in

denen kleine Thierchen wimmeln. Allmählich, einige Meilen südlich vom

Fusse des Höhenzugs (den ich Kasera nenne) nach dem Lande, das er

durchschneidet, kommen diese verschiedenen Wasserläufe zusammen und

münden in dem weiten, marschigen, schlammigen „Fluss“ Usense, welcher

hier schräg in südöstlicher Richtung ablenkt. Hierauf wird er, nachdem

er den Inhalt der Wasserläufe aus Norden und Nordwesten in seinen

breitern Kanal aufgenommen hat, bald zu einem Bache von einiger Breite

und Bedeutung und trifft mit einem von Osten, aus der Gegend von Urori

kommenden Flusse zusammen, mit dem er gemeinschaftlich die Rikwa-Ebene

durchfliesst und sich etwa 60 engl. Meilen, in gerader Linie, weiter

westlich in den Tanganika-See ergiesst. Der Rungwa-Fluss wird, wie man

mir sagt, als eine Grenzlinie zwischen dem nördlich gelegenen Lande

Usowa und dem südlichen Ufipa betrachtet.

Kaum hatten wir den Bau unserer Lagerumzäunung vollendet, als einige

unserer Leute eine kleine Anzahl Eingeborner anriefen, die sich auf

unser Lager zu bewegten, und an deren Spitze ein Mann war, den wir

nach Kleidung und Kopfputz als aus Zanzibar kommend erkannten. Nachdem

wir die gewöhnlichen Begrüssungen ausgetauscht, sagte man mir, dass

diese Leute eine Gesandtschaft von Simba (dem Löwen) sei, der über

Kasera in Süd-Unyamwezi herrscht. Simba sollte der Sohn von Mkasiwa,

König von Unyanyembé, sein und führte Krieg mit den Wazavira, vor

denen man mich gewarnt hatte. Er hatte so viel von meiner Grösse

gehört, dass er es bedauerte, dass ich meinen Weg nicht nach Ukawendi

nähme, damit er Gelegenheit erhalte, mich zu sehen und sich mit mir

zu befreunden. Anstatt mich persönlich zu besuchen, hatte Simba mir

diese Gesandtschaft nachgeschickt in der Hoffnung, dass ich ihm ein

Zeichen meiner Freundschaft in Gestalt von Tuch geben werde. Obwol ich

durch dieses Verlangen etwas überrascht wurde, so war es doch gewiss

politisch, diesen mächtigen Häuptling mir zum Freunde zu machen, um auf

meinem Rückwege nicht etwa mit ihm aneinander zu gerathen.

Da ich also um des Friedens willen durchaus ein Geschenk machen musste,

so war es nöthig, dass ich meine Friedensliebe durch etwas vorzügliches

an den Tag legte. Der Gesandte nahm daher Simba, dem Löwen von Kasera,

zwei prächtige Tücher und noch zwei Doti Merikani und Kaniki von mir

mit, und wenn ich dem Botschafter trauen durfte, so hatte ich mir nun

Simba auf immer zum Freunde gemacht.

Am 18. October brachen wir das Lager zur gewöhnlichen Zeit ab und

setzten unsern Marsch nordwestlich auf einem Wege fort, welcher

sich längs des Fusses der Kasera-Berge im Zickzack hinzog und uns

allerhand Beschwerden brachte. Wir überschritten wenigstens ein Dutzend

Sumpfschluchten, deren tiefer Koth und vieles Wasser uns grosse

Angst verursachten. Ich sank bis an den Hals in tiefe, von Elefanten

ausgetretene Löcher wahrhaft stygischen Schlammes und musste durch die

weichen durchsickerten Bette der Rungwa-Quellen mit nassen, von Koth

und Schlamm beschmutzten Kleidern hindurch. Der Anstand verbot es mir,

mich zu entkleiden und nackt durch den Binsenmoor zu waten; auch hätte

die heisse Sonne meinen Körper mit Blasen bedeckt. Ausserdem waren

diese Moräste zu häufig, um mit An- und Auskleiden Zeit zu verlieren,

und da ein Jeder meiner Leute mit einer gehörigen Last versehen war, so

wäre es grausam gewesen, sie dazu zu zwingen, mich hinüberzutragen. Es

blieb also nichts übrig, als belastet wie ich war mit meinen Kleidern

und meiner Ausrüstung in diese verschiedenen sumpfigen Wasserläufe

weiter hineinzumarschiren und mir all den philosophischen Stoicismus

zu bewahren, den meine Natur für solche Fälle aufzubieten hat. Zum

mindesten gesagt war dieser Marsch aber höchst ungemüthlich.

Alsbald kamen wir in das Gebiet der gefürchteten Wazavira, doch liess

sich kein Feind sehen. Simba hatte in seinem Kriege den nördlichen

Theil von Uzavira rein ausgeplündert, und wir sahen dort nichts

schlimmeres als das verwüstete Land, das einst, wenn man nach der Zahl

der verbrannten Hütten und Reste zerstörter Dörfer urtheilen darf, sehr

bevölkert gewesen sein muss. Auf den Feldern sprosste üppig junges

Gebüsch und sie wurden rasch die Heimat der wilden Bewohner des Waldes.

In einem der verlassenen und zerstörten Dörfer fand ich ein durchaus

nicht unangenehmes Quartier für die Expedition. In der Umgegend von

Misonghi, des verlassenen Dorfes, das wir bewohnten, schoss ich

drei Paar Perlhühner und einer meiner Jäger, Ulimengo, erlegte eine

Antilope, welche „Mbawala“ heisst und gegen deren Fleisch einige der

Wanyamwezi einen abergläubischen Widerwillen haben. Ich halte diese

Gattung Antilopen, die ungefähr 3½ Fuss hoch ist, rothes Fell, langen

Kopf und kurze Hörner hat, für die von Speke in Uganda entdeckte

„Nzoe“-Antilope, deren lateinischer Name nach Dr. Sclater „Tragelaphus

Spekii“ ist. Sie hat einen kurzen, buschigen Schwanz und langes Haar

den Rücken entlang.

Ein langer Marsch von sechs Stunden Dauer, in einer Richtung von West

zu Nord, der uns durch einen Wald führte, wo die schwarze Antilope zu

sehen und der auch sonst noch reich an Jagdthieren war, brachte uns

an einen Bach, der am Fusse eines hohen Bergkegels vorbeifliesst, zu

dessen Abhängen ein ganzer Wald von Federbambus blühte.

Am 20. verliessen wir unser Lager, das zwischen dem Bache und dem eben

erwähnten Bergkegel lag, und gingen über einen niedrigen Bergrücken,

der von dem Fusse des Hügelkegels sich hinabzieht. Hier wurden wir

von einem andern malerischen Anblick begrüsst, von Kegeln nämlich und

Bergabdachungen, welche sich nach allen Richtungen erhoben. Ein Marsch

von fast fünf Stunden durch dieses malerische Land brachte uns an den

Mpokwa-Fluss, einen Nebenfluss des Rungwa, und an ein vor kurzem von

den Wazavira verlassenes Dorf. Die Hütten desselben waren fast alle

unversehrt, genau so wie sie von ihren früheren Bewohnern verlassen

worden. In den Gärten fand man noch essbare Gemüsepflanzen, die uns,

nachdem wir uns so lange von Fleisch genährt, sehr gelegen kamen. Auf

den Zweigen der Bäume ruhten noch die Laren und Penaten der Wazavira

in Gestalt von grossen und sehr wohl geformten irdenen Töpfen.

[Illustration: DORF IN UZAVIRA. -- EINHEIMISCHE TÖPFERWAAREN.]

In dem nahe gelegenen Fluss gelang es einem meiner Leute, in wenig

Minuten 60 Fische von einer Welsart mit blosser Hand zu fangen. Um

den Strom schwebte eine Anzahl Vögel, wie z. B. der weissköpfige

Fischadler, der schwarze Königsfischer, grosse schneeweisse

Löffelgänse, Ibisse, Schwalben u. dergl. m. Dieser Fluss kommt aus

einer etwa acht Meilen nördlich vom Dorfe Mpokwa belegenen Berggruppe

und fliesst als schmaler Wasserstreifen herab, der sich unter hohen

Binsen und dichten zu beiden Seiten wachsenden Farrnkräutern, der

Heimat von Hunderten von Antilopen und Büffeln, durchwindet. Südlich

von Mpokwa wird das Thal breiter, die Berge wenden sich nach Ost und

West, und jenseits beginnt die Ebene, die als das Rikwa bekannt ist,

welche während der Masikazeit überschwemmt ist, in der trockenen

Jahreszeit aber denselben verdorrten Anblick darbietet, wie die meisten

afrikanischen Ebenen, wenn das Gras reif ist.

Am 21. gelangten wir, das rechte Ufer des Mpokwa entlang ziehend, an

den Ursprung des Baches und die Quellen des Mpokwa, die aus tiefen, von

hohen Bergrücken umgebenen Engpässen herkommen. Das Mbawala und der

Büffel sind hier in Menge vorhanden.

Nach einem Marsche von 4½ Stunden kamen wir am 22. an den schönen

Bach Mtambu, dessen Wasser süss und klar wie Krystall ist, und der

nach Norden fliesst. Zum ersten male sahen wir hier die Heimat des

Löwen und Leoparden, und es fielen mir dabei Freiligrath’s Verse

über dieselbe ein, denn wir schlugen unser Lager wenige Schritte von

einem Orte auf, der genau der Beschreibung des Dichters entspricht.

Der Viehtreiber, der die Ziegen und Esel unter seiner Obhut hatte,

trieb die Thiere bald nach unserer Ankunft im Lager ans Wasser, und

um dahin zu kommen mussten sie einen von Elefanten und Rhinozeros

in dem Farrnkraut gemachten Tunnel passiren. Kaum hatten sie den

dunkeln Höhlendurchgang betreten, als ein schwarzgefleckter Leopard

hervorsprang und seine Klauen in den Nacken eines der Esel einschlug,

sodass dieser vor Schmerz furchtbar aufschrie. Die andern Esel stimmten

in den schrecklichen Chor mit ein und schlugen mit den Hinterbeinen

so sehr gegen die Räuberkatze in die Luft, dass der Leopard durch das

Dickicht davonsprang, als ob er geradezu von dem lärmenden Geschrei,

den sein Angriff erzeugt hatte, erschreckt worden sei. Der Hals des

Esels zeigte einige starke Wunden, doch das Thier war nicht gerade

gefährlich verletzt.

In der Hoffnung, dass ich vielleicht ein Abenteuer mit einem Löwen

oder Leoparden in jenem dunkeln Gürtel hoher Bäume haben könnte,

unter deren dichtem Schatten das undurchdringliche Dickicht sich

ausbreitete, das so vortreffliche Schlupfwinkel für die Fleischfresser

bildet, schlenderte ich den schrecklichen Platz entlang in Begleitung

des Gewehrträgers Kalulu, welcher zwei Flinten und grössern

Munitionsvorrath bei sich trug. Vorsichtig krochen wir dahin und

blickten scharf in die tiefen, dunkeln Höhlen, deren Eingang wir auf

unserm Wege erblickten. Jeden Augenblick erwarteten wir den berühmten

Monarchen des Dickichts zu erblicken, wie er eben auf uns zuspringen

wollte, und ich hatte ein besonderes Vergnügen daran, mir den Glanz

und die Majestät des wüthenden Thieres vorzustellen, wenn es vor mich

hintrete. In jede dunkle Oeffnung schaute ich genau hinein in der

Hoffnung, das tödliche Glänzen der grossen wüthenden Augen und die

finsterblickende Stirn des Löwen zu sehen, aber leider, nachdem ich

eine Stunde nach Abenteuern ausgeschaut, war mir nichts begegnet.

Dadurch wurde ich muthig und kroch in eine der belaubten, dornigen

Höhlen, wo ich mich alsbald unter einem Laubdach befand, das ungefähr

hundert Fuss über meinem Kopf von den stattlichen grossen Stämmen des

königlichen Mvule gebildet wurde. Wer kann sich die Lage vorstellen?

Es war eine ebene, wiesenartige Lichtung; dichtes undurchdringliches

Dickicht umgab uns, jene stattlichen, von der Natur geschaffenen

Säulen, eine herrliche Reihe ausgezeichneter Bäume, welche in

bedeutender Höhe lebhaft grüne Laubmassen trugen, durch welche kein

einziger Sonnenstrahl durchdringen konnte, standen ringsum, während

zu unsern Füssen der Bach über glatte Kiesel in sanften Tönen dahin

murmelte, welche der heiligen Ruhe des Schauplatzes entsprachen. Wer

hätte diese heilige feierliche Harmonie der Natur entweihen können?

Doch gerade als ich es für unmöglich hielt, dass jemand sich versucht

fühlen könne, die friedliche Einsamkeit des Ortes zu stören, erblickte

ich einen Affen hoch auf einem Baumzweige über meinem Kopfe, der sich

mit erschreckten Blicken die unten stehenden sonderbaren Eindringlinge

beschaute. Nun konnte ich nicht umhin, laut und lange zu lachen, bis

ich von dem Chaos von Geschrei und sonderbaren Geräuschen, die mein

Lachen zu erwidern schienen, zur Ruhe gebracht wurde. Eine Heerde

Affen, die in dem dichtem Laube oben verborgen war, war grausam

aufgeweckt worden, und durch den von mir verursachten Lärm erschreckt

eilten sie mit furchtbarem Geschrei und Geheule von dem Schauplatz.

Wieder ins helle Sonnenlicht hinaustretend, schlenderte ich weiter

und suchte nach etwas Schiessbarem. Bald sah ich in dem Walde, der

zur Linken an das Thal des Mtambu grenzt, einen grossen, röthlichen,

wilden, mit fürchterlichen Hauern bewaffneten Eber ruhig grasen. Ich

liess Kalulu sich hinter einen Baum verkriechen und warf meinen

Sonnenhut dicht daneben hinter einen andern, damit ich das Thier um

so sicherer stellen könne, ging darauf bis auf eine Entfernung von

etwa 40 Meter auf dasselbe zu, zielte bedächtig und feuerte auf seine

vordere Schulter. Das Thier machte einen wüthenden Sprung, als ob

es durchaus nicht verletzt sei, und stand dann mit emporstehenden

Borsten und aufwärts gebogenem buschigem Schweif da, ein furchtbarer

Anblick. Während es so aufhorchte und mit den scharfen kleinen Augen

die Nachbarschaft durchmusterte, jagte ich ihm noch einen Schuss

in die Brust, der ihm durch den Körper drang. Anstatt jedoch zu

fallen, wie ich erwartet hatte, machte es einen furchtbaren Angriff

in der Richtung, aus der die Kugel gekommen war, und da es an mir

vorbeischoss, feuerte ich noch eine Kugel ab, die es geradezu

durchbohrte. Trotzdem lief es weiter, bis es in einer Entfernung von

sechs bis sieben Schritt von den Bäumen anlangte, hinter denen Kalulu

und mein Hut versteckt lag, wo es plötzlich halt machte und dann

hinstürzte. Als ich mich ihm aber mit meinem Messer nähern wollte, um

ihm den Hals zu zerschneiden, sprang es plötzlich auf; es hatte den

kleinen Kalulu erblickt und fast unmittelbar darauf wurden seine Augen

durch meine weisse Kopfbedeckung angezogen. Diese sonderbaren vor ihm

liegenden Gegenstände schienen für den Eber zu viel zu sein, denn mit

einem schrecklichen Grunzen stürzte er sich seitwärts in ein dichtes

Gestrüpp, aus dem man ihn nicht herausziehen konnte. Da es aber jetzt

zu spät wurde und das Lager fast drei Meilen entfernt war, so musste

ich, obwol ungern, ohne diese Beute heimkehren.

Auf unserm Wege ins Lager wurden wir von einem grossen Thiere, das uns

beständig auf der linken Seite folgte, begleitet. Es war zu dunkel, um

deutlich sehen zu können, doch war eine grosse Gestalt in nicht ganz

klaren Umrissen erkennbar. Es muss ein Löwe gewesen sein, wenn es nicht

der Geist des todten Ebers war.

[Illustration: EBERJAGD.

Wie ich Livingstone fand; Zweiter Band · 第 34 / 88 题