Der Revisor

Diese Komödie ist im Jahre 1834 begonnen. Das Bühnenmanuskript wurde am

4. Dezember 1835 vollendet und am 2. März für die Aufführung

freigegeben, trotzdem fuhr der Autor fort, auch nach der Freigabe durch

die Zensur an diesem Texte weiterzuarbeiten. Am 19. April 1836 fand die

erste Aufführung am Alexandertheater zu St. Petersburg, und zwar an

einem Sonntage statt -- das kleine Theater in Moskau folgte am 25. Mai

desselben Jahres. Zugleich mit der Aufführung erfolgte die Drucklegung

der Buchausgabe des Revisor, die sich in vieler Hinsicht von der

Bühnenausgabe unterschied. Das Buch erschien im April 1836 (die

Unterschrift des Zensors trägt das Datum: den 13. März 1836). Von diesem

Zeitpunkt ab ist der Revisor mehrmals und zu verschiedenen Zeiten immer

wieder umgearbeitet worden, bis er die Fassung erhielt, die im dritten

Bande der ersten Ausgabe der »Werke Gogols« abgedruckt ist. Die

endgültige Umarbeitung des Textes fällt in den Zeitabschnitt zwischen

dem März 1841 und dem 15. Juli 1842. Eine der letzten Fassungen, die im

Druck vorliegen, weist folgende Abweichungen gegenüber den

vorhergehenden Ausgaben auf:

1) Ist die stumme Schlußszene, die in den früheren Ausgaben

folgendermaßen lautete, weit ausführlicher behandelt: »Alle stoßen einen

Schrei der Überraschung aus und bleiben mit offenem Munde und langen

Gesichtern stehen. Stumme Szene. Der Vorhang fällt.«

2) In der zweiten Ausgabe von »Gogols Werken« fehlen folgende

Ausführungen über die Gäste, die offenbar vom Verfasser herstammen: »Die

Gäste müssen einen möglichst verschiedenartigen Charakter haben. Es

müssen große und kleine, dicke und dünne, ungekämmte und gekämmte

darunter sein. Auch müssen sie verschieden angezogen sein, die einen

müssen Fräcke, die andern ungarische Röcke und andre Röcke von

verschiedener Farbe und verschiedenem Schnitt tragen. Auch die Kostüme

der Damen müssen dieselbe Mannigfaltigkeit aufweisen, die einen müssen

ziemlich anständig angezogen sein, sogar mit einem gewissen Anspruch auf

Modernität, doch aber muß es immer an etwas fehlen: entweder sitzt die

Haube schief, oder sie haben einen ganz seltsamen Pompadour usw., wieder

andre haben Kleider an, die überhaupt keiner Mode entsprechen -- sie

tragen große Tücher und Hauben in Form eines Zuckerhutes -- überhaupt

muß man auf das Ganze des Stückes achten. Angst, Entsetzen,

Überraschung, Unruhe -- das alles muß plötzlich und überall in der

ganzen Gruppe der handelnden Personen zum Ausdruck kommen und sich

zugleich in jedem Einzelnen in seiner Weise und gemäß seinem besonderen

Charakter spiegeln« (Vergl. Seite 8).

3) Die Stelle im Monolog Chlestakoffs (Seite 35 »Dieser Hauptmann« usw.)

hatte in den beiden ersten Ausgaben folgende Fassung: »Dieser Hauptmann

hat mich am meisten ausgebeutelt, übrigens: man kann sagen, was man

will, die Bestie konnte glänzend die Volte schlagen. Kaum ein

Viertelstündchen gespielt und ratzekahl geschoren! Er spielt wirklich

fein! Wenn ich doch noch einmal irgendwo mit ihm zusammentreffen könnte!

Übrigens, wie sollten wir noch einmal zusammentreffen? Zu alledem

bedarf's eines glücklichen Zufalls. Wenn ich doch nur schnell nach Hause

fahren könnte. Wirklich, ich habe das Reisen satt. Und dazu muß es noch

so ein ekelhaftes Nest sein! In andern Städten, da findet man doch noch

wenigstens etwas: hier dagegen gibt es auch gar nichts. Im Obstladen, da

gibt es zwar noch einen passablen Stör, aber die verdammten Verkäufer

geben einem so schrecklich wenig zum Probieren«.

4) Ferner ist folgende Stelle aus den ersten beiden gedruckten Ausgaben

des Revisor umgearbeitet: »Chlestakoff (erschrocken). Da haben wir die

Bescherung! Daran hätte ich weiß Gott niemals gedacht. Diese Bestie von

Wirt! Was nun, wenn er mich wirklich ins Loch steckt! Hm! In ein

standesgemäßes Gewahrsam ... das wäre noch nicht so schlimm, da ginge

ich vielleicht noch mit. Nein, was sage ich, ich ginge noch mit? Gestern

haben mir zwei Kaufmannstöchter nachgesehen, und dann treiben sich da

auch immerfort Offiziere herum ... Nein damit bin ich nicht

einverstanden. Das kann er nicht machen, oder wenn er es täte, wäre er

ein solches Schwein ... Das kann man sich wohl mit irgendeinem Krämer

oder mit einem Handwerker erlauben ... Nein, nur nicht nachgeben (Mut

fassend). Was kann er mir antun? Ich sags ihm geradezu. Wie können Sie!

... Ich will nichts davon wissen. (Die Türklinke bewegt sich,

Chlestakoff erbleicht).«

5) Auch folgende Stelle aus der ersten und zweiten Ausgabe hat leichte

Änderungen erfahren: Seite 120. »Schweig still, gar nichts weißt du, und

menge dich nicht in anderer Leute Angelegenheiten. Anna Andrejewna,

glauben Sie mir, ich bitte nur _darum_ um Ihre Hand oder um die Ihrer

Tochter, weil ich mich von herzlicher Liebe ergriffen fühle, und von

Bewunderung für Ihre Vorzüge erfüllt bin. In so schmeichelhaften

Ausdrücken bewegte er sich, ... und als ich sagen wollte, wir erkühnen

uns nie, auf eine solche Ehre zu hoffen, da sagte er kein Wort, fiel

plötzlich auf die Knie und rief in derselben vornehmen Art: Anna

Andrejewna, machen Sie mich nicht unglücklich! Wenn Sie meine Gefühle

nicht erwidern, so macht der Tod meinem Leben ein Ende. Und weiter --

Kreisrichter. In der Tat! Ein außerordentliches Ereignis!

Schulinspektor. Das gnädige Schicksal hat es so gefügt. --

Hospitalverwalter (beiseite). Diesem Schwein fliegen auch immer die

gebratenen Tauben ins Maul.«

Alle Korrekturen und Verbesserungen, die in der endgültigen Fassung des

Revisors Aufnahme fanden, sind von Gogol in die erste in Druck

erschienene Ausgabe eingetragen (1836).

_Abriß aus einem Brief, den der Autor bald nach der ersten Aufführung an

einen Schriftsteller richtete._ Der erste Entwurf stammt aus dem April

des Jahres 1836. Die endgültige Ausarbeitung für den Druck fand Anfang

März 1841 statt.

_Vorbemerkung für diejenigen, die den Revisor sachgemäß aufzuführen

beabsichtigen._ Ist wahrscheinlich gegen Ende des Jahres 1842

niedergeschrieben.

_Zwei Szenen, die schon bei der ersten Ausgabe, als den Gang der

Handlung störend, ausgeschieden wurden._ Der erste Entwurf stammt aus

den Jahren 1834 und 1835. Ende 1835 wurden sie noch einmal umgearbeitet.

Die zweite von diesen Szenen erschien zum erstenmal im »Moskwitjanin«

(Der Moskauer) Band 3, 1841, und dann um einige Stellen vermehrt in der

zweiten Ausgabe des »Revisor«, 1841 wurden beide Szenen für den Druck

umgearbeitet.

_Eine vom Autor in die Buchausgabe nicht mit aufgenommene Szene des

»Revisor«._ Stammt aus dem Jahr 1835.

_Vorwort zu einer zum Besten der Armen geplanten Ausgabe des »Revisor«._

Ist im Oktober des Jahres 1846 niedergeschrieben.

_Die Deutung des »Revisors«._ Stammt aus dem Jahre 1846.

_Nachtrag zur »Deutung des Revisor«_ stammt aus der zweiten Hälfte des

Jahres 1847.

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 209 / 240 题