8. Auftritt

Anuschka, das Stubenmädchen aus dem andern Hause, tritt ein.

Der Hausmeister. Ah, Anna Gawrilowna! Meine Hochachtung! Ich begrüße Sie

mit außerordentlichem Vergnügen!

Anuschka. Machen Sie sich keine Mühe, Lawrenti Pawlowitsch. Ich komme

absichtlich nur auf eine Minute zu Ihnen; ich habe den Wagen Ihres Herrn

gesehen und erfahren, daß er nicht zu Hause ist.

Der Hausmeister. Daran haben Sie sehr wohl getan. Ich und meine Frau

werden uns sehr freuen. Bitte, setzen Sie sich doch.

Anuschka (setzt sich). Sagen Sie, Sie wissen doch etwas von dem Ball,

der in den nächsten Tagen stattfinden soll?

Der Hausmeister. Natürlich. Sehen Sie wohl, es war beispielsweise eine

Kollekte veranstaltet: ein Mensch gibt etwas, und ein anderer gibt

etwas, und wie gesagt, ein dritter ... Natürlich wird das sozusagen eine

größere Summe ausmachen. Ich und meine Frau haben zusammen fünf Rubel

gegeben. Natürlich: es ist doch ein Ball! Oder wie man zu sagen pflegt:

eine Soiree! Es wird auch was vorgesetzt werden, wie gesagt,

Erfrischungen und für die jungen Leute Tänze und Vergnügungen ähnlicher

Art.

Anuschka. Ich werde unbedingt kommen, unbedingt. Ich bin nur

hergekommen, um zu erfahren, ob Sie und Agafja Iwanowna da sein werden.

Der Hausmeister. Agafja Iwanowna spricht von nichts anderem als von

Ihnen.

Anuschka. Ich fürchte mich nur wegen der Gesellschaft.

Der Hausmeister. Nein, Anna Gawrilowna, die Gesellschaft wird sehr gut

sein. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich habe gehört, daß

der Kammerdiener des Fürsten Tolstogub, der Büfettier und der Kutscher

des Fürsten Brjuchowezki und das Stubenmädchen irgendeiner Fürstin da

sein werden. Ich hoffe, daß auch einige Beamte kommen werden.

Anuschka. Nur eins gefällt mir gar nicht, daß auch die Kutscher da sein

werden. Sie riechen immer nach schlechtem Tabak oder Wodka; und dabei

sind sie alle so ungebildet und haben schlechte Manieren.

Der Hausmeister. Erlauben Sie mir Ihnen zu sagen, Anna Gawrilowna, daß

es Kutscher und Kutscher gibt. Das ist natürlich richtig: die Kutscher

haben ununterbrochen mit den Pferden zu tun und manchmal müssen sie, mit

Verlaub zu sagen, sogar den Dung auskehren; gewiß, so ein einfacher

Mensch -- der trinkt ab und zu ein Glas Wodka und manchmal auch mehr,

raucht gewöhnlich Bakun, wie es das einfache Volk meistenteils zu tun

pflegt, und so ist es ja natürlich, daß er manchmal beispielsweise nach

Dung oder Wodka stinkt -- gewiß, das stimmt. Aber das müssen Sie doch

selbst sagen, Anna Gawrilowna, daß es auch Kutscher gibt, die zwar

Kutscher sind -- die man aber nach ihren Gewohnheiten eher Stallbeamte

als Kutscher nennen möchte. Ihr Amt oder ihre Obliegenheit sozusagen

besteht darin, daß sie Hafer herausgeben oder einem Vorreiter oder

Kutscher eine Zurechtweisung erteilen, wenn sie sich was zuschulden

kommen lassen.

Anuschka. Wie Sie schön reden können, Lawrenti Pawlowitsch, ich bin

immer ganz hingerissen.

Der Hausmeister (mit einem zufriedenen Lächeln). Oh, keine Ursache zu

danken, Gnädigste! Gewiß, nicht jeder Mensch kann reden, nicht jeder hat

sozusagen die Gabe des Wortes. Natürlich kommt es vor ... daß einer, wie

man zu sagen pflegt, nur stammelt ... oder andere Fälle ähnlicher Art

... was ja allerdings eine natürliche Anlage ist ... Aber belieben Sie

nicht, in mein Zimmer zu kommen? (Anuschka geht ab, Lawrenti Pawlowitsch

folgt ihr.)

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 202 / 240 题