Dieselben und der Beamte Samuchrischkin; er ist mit einem etwas
schäbigen Frack bekleidet und steckt den Kopf durch die Tür.
Samuchrischkin. Gestatten Sie die Frage, ist hier Glow, Alexander
Michailowitsch Glow?
Schwochnew. Nein, er ist eben fortgegangen. Was wünschen Sie denn?
Samuchrischkin. Ich komme in Geschäften wegen der Herausgabe der Gelder.
Uteschitelny. Wer sind Sie denn?
Samuchrischkin. Ich bin ein Beamter aus dem Fiskus.
Uteschitelny. Ah, bitte sehr, bitte gehorsamst, Platz zu nehmen. Für
diese Sache haben wir alle das lebhafteste Interesse, um so mehr, als
wir freundschaftliche Abmachungen mit Alexander Michailowitsch
abgeschlossen haben. Deshalb werden Sie begreifen, daß Sie von ihm und
von ihm und von ihm (zeigt mit den Fingern auf alle) den aufrichtigsten
Dank zu gewärtigen haben. Es handelt sich nur darum, daß man die Gelder
aus dem Fiskus möglichst schnell erhalte.
Samuchrischkin. Wie Sie wollen, vor zwei Wochen geht's nicht.
Uteschitelny. Nein, das ist aber furchtbar lang. Sie vergessen ja, daß
wir uns unsererseits bedanken ...
Samuchrischkin. Das versteht sich ja von selbst, es wird alles
angenommen: wie könnte ich das vergessen? Wir sprechen auch deshalb von
zwei Wochen, sonst würden wir Ihnen vielleicht drei Monate lang zu
schaffen machen. Das Geld wird bei uns nicht vor anderthalb Wochen
eintreffen, und augenblicklich haben wir im ganzen Amt auch nicht eine
Kopeke. In der vorigen Woche haben wir hundertundfünfzigtausend
erhalten, die haben wir aber alle ausgegeben. Jetzt warten noch drei
Gutsbesitzer auf Geld, die bereits im Februar ihre Güter verpfändet
haben.
Uteschitelny. Nun, das gilt für andere. Für uns aber machen Sie es aus
Freundschaft. Wir müssen uns etwas näher kennen lernen. Nun ja, wir
stehen einander doch nahe. Ja, wie heißen Sie gleich? Fentafléj
Perpéntitsch, nicht?
Samuchrischkin. Psoj Stáchitsch.
Uteschitelny. Nun, das ist ja fast dasselbe. Also hören Sie, Psoj
Stachitsch. Seien wir wie alte Freunde. Nun wie steht's, wie gehen die
Geschäfte? Wie ist Ihr Dienst?
Samuchrischkin. Ja, wie soll denn der Dienst sein? Wie gewöhnlich: Man
dient eben.
Uteschitelny. Nun, und wie ist es mit den verschiedenen Einkünften,
verstehen Sie? Sagen wir einfach, nehmen Sie viel Geschenke?
Samuchrischkin. Aber ich bitte Sie: natürlich, wovon soll man denn
leben?
Uteschitelny. Nun sagen Sie mal ganz aufrichtig, wie ist es bei Ihnen im
Amt: Greifen alle zu?
Samuchrischkin. Ach Gott, nun lachen Sie auch, wie ich sehe. Ach, meine
Herren! ... Sehen Sie mal: auch die Herren Schriftsteller, die lachen
alle über die, die sich bestechen lassen; aber wenn man genauer zusieht,
so lassen sich auch andere Leute bestechen, die besser als wir zu sein
scheinen. Z. B. Sie meine Herren, Sie haben nur einen vornehmeren Namen
dafür erfunden. Eine Spende für wohltätige Zwecke oder so was. Weiß der
Himmel, wie das heißt. Aber sieht man genauer zu, so ist's in
Wirklichkeit dieselbe Bestechung: wie sagt man doch, dieselbe Couleur in
grün.
Uteschitelny. Wie ich sehe, fühlt sich unser Psoj Stachitsch gekränkt.
So ist es, wenn man dem Ehrgefühl zu nahe tritt.
Samuchrischkin. Ja, das Ehrgefühl ist eine kitzlige Sache, das wissen
Sie wohl selber. Aber ich bin gar nicht böse. Ich habe schon ein langes
Leben hinter mir, Väterchen.
Schwochnew. Schon gut, wir wollen ganz freundschaftlich miteinander
sprechen, Psoj Stachitsch. Wie steht's mit Ihnen, was machen Sie, wie
geht's bei Ihnen? Wie schlagen Sie sich in der Welt durch? Haben Sie ein
Frauchen und Kinderchen?
Samuchrischkin. Gott sei Dank, Gott hat mich gesegnet. Zwei Jungens
besuchen schon die Kreisschule, die zwei anderen sind noch etwas jünger.
Einer läuft noch im Hemdchen rum und der andere kriecht noch auf allen
Vieren.
Uteschitelny. Nun, und sie können wohl alle mit den Händchen schon so
machen, glaub ich. (Zeigt mit der Hand, wie man Geld nimmt.)
Samuchrischkin. Ach bitte, meine Herren, sind Sie aber! Sie fangen schon
wieder an.
Uteschitelny. Nun, nun, schon gut, Psoj Stachitsch. Das geschieht ja
alles aus Freundschaft. Was ist denn nun dabei, wir sind ja unter uns.
Heda, ein Champagnerglas für Psoj Stachitsch. Wir müssen ja jetzt gute
Freunde sein. Wir wollen Sie auch bald mal besuchen.
Samuchrischkin (nimmt das Glas). Ah, bitte schön, meine Herren, Sie
sollen herzlich willkommen sein! Ich kann Ihnen aufrichtig sagen, einen
solchen Tee wie Sie ihn bei mir trinken werden, finden Sie nicht einmal
beim Gouverneur.
Uteschitelny. Natürlich ein Geschenk vom Kaufmann?
Samuchrischkin. Jawohl, vom Kaufmann, direkt aus Kjachta bezogen.
Uteschitelny. Aber wie ist denn das, Psoj Stachitsch, Sie haben ja gar
keine amtlichen Beziehungen zu den Kaufleuten.
Samuchrischkin (trinkt das Glas aus und stützt sich mit den Händen auf
die Knie). Die Sache ist nämlich so. Der Kaufmann hat eigentlich nur aus
Dummheit blechen müssen. Der Gutsbesitzer Frakassow, wenn Sie den
vielleicht kennen, nimmt eine Hypothek auf sein Gut auf, alles ist
abgemacht, wie sich's gehört, und am nächsten Tag soll er das Geld
bekommen. Er plant die Errichtung irgendeiner Fabrik halbpart mit dem
Kaufmann. Nun, Sie begreifen wohl, uns geht es ja gar nichts an, ob das
Geld für eine Fabrik verwendet wird oder für etwas anderes, und wessen
Kompagnon er ist, das ist gar nicht unsere Sache. Aber der Kaufmann
plappert aus Dummheit in der Stadt herum, daß er mit dem Gutsbesitzer
halbpart ein Kompagnie-Geschäft abgeschlossen hat und von ihm von Stunde
zu Stunde Geld erwartet. Da ließen wir dem Kaufmann sagen: wenn er uns
zweitausend schickt, so wird das Geld gleich ausgezahlt, wenn nicht, so
kann er lange warten. Indessen aber, verstehen Sie wohl, sind ihm schon
die Kessel und die andern Gerätschaften für die Fabrik gebracht worden,
und man wartet bloß noch auf das Handgeld. Der Kaufmann sieht -- die
Sache ist schlimm, er bezahlt seine zweitausend und jedem von uns noch
drei Pfund Tee. Man wird vielleicht sagen, das ist Bestechung, aber es
geschieht ihm doch recht. Warum ist er so dumm, wer hat ihn denn zum
Reden gezwungen; er hätte doch seiner Zunge Halt gebieten können.
Uteschitelny. Hören Sie mal, Psoj Stachitsch, bitte erledigen Sie doch
unser Geschäftchen, wir werden Ihnen schon was geben, und Sie machen es
mit Ihrem Vorgesetzten ab, wie sich's gehört. Nur um Gottes Willen
möglichst schnell, Psoj Stachitsch, wie?
Samuchrischkin. Wir werden uns schon Mühe geben. (Steht auf.) Aber ich
will Ihnen ganz offen sagen, so schnell, wie Sie wollen, geht es nicht.
Bei Gott, bei uns im Amt ist keine Kopeke vorhanden, aber ich will mir
schon Mühe geben.
Uteschitelny. Nun, und wie soll ich nach Ihnen fragen?
Samuchrischkin. Fragen Sie ganz einfach nach Psoj Stachitsch
Samuchrischkin. Auf Wiedersehen, meine Herren! (Geht zur Tür).
Schwochnew. Psoj Stachitsch, bitte Psoj Stachitsch, (sieht sich um)
sehen Sie doch zu.
Uteschitelny. Psoj Stachitsch, bitte Psoj Stachitsch, helfen Sie recht
schnell.
Samuchrischkin. Ich habe ja schon gesagt, ich werde mir Mühe geben.
Uteschitelny. Zum Henker, das dauert aber lange, (schlägt sich mit der
Hand vor die Stirn) nein, ich will ihm nachgehen, vielleicht erreiche
ich etwas, ich werde kein Geld sparen, hol ihn der Teufel, ich werde ihm
dreitausend von meinem Geld geben. (Schnell ab).