Podkoliessin und Kotschkarjow (treten herein).
Kotschkarjow. Warum nach Hause? Was für ein Unsinn ist das wieder? Warum
nach Hause?
Podkoliessin. Ja, wozu soll ich denn hierbleiben? ... Ich habe doch
alles gesagt, was nötig war.
Kotschkarjow. So? Hast du dich ihr ganz erklärt? ...
Podkoliessin. Ja, das wäre vielleicht noch das einzige; erklärt habe ich
mich allerdings noch nicht!
Kotschkarjow. Eine schöne Geschichte! ... Warum denn nicht? ...
Podkoliessin. Ich bitte dich, ich kann doch nicht so plötzlich, so ohne
alle einleitenden Worte mit der Tür ins Haus fallen: Mein Fräulein,
wollen wir uns doch heiraten!
Kotschkarjow. Worüber habt ihr denn die ganze Zeit gesprochen? Mehr als
eine halbe Stunde lang?
Podkoliessin. Nun. Über alles mögliche! Und ich muß sagen, ich bin sehr
befriedigt. Ich habe die Zeit sehr angenehm verbracht.
Kotschkarjow. Nein, höre mal, sage doch selbst, mein Bester, wie sollen
wir denn noch heute mit der ganzen Geschichte fertig werden? In einer
Stunde spätestens müssen wir in die Kirche fahren ... zur Trauung ...
Podkoliessin. Du bist wohl verrückt? ... Heut sollen wir schon Hochzeit
machen?
Kotschkarjow. Weshalb denn nicht? ...
Podkoliessin. Noch heute zur Trauung fahren! ... Welch ein Wahnsinn!
Kotschkarjow. Aber du hast mir doch selbst dein Wort gegeben und hast
gesagt, sobald die Freier heraus sind, bist du bereit, dich zu
verheiraten!
Podkoliessin. Nun ja, ich nehme auch jetzt mein Wort nicht zurück. Aber
doch nicht gleich. Laß mir doch wenigstens einen Monat Zeit dazu.
Kotschkarjow. Was? ... Einen Monat!
Podkoliessin. Nun ja, freilich!
Kotschkarjow. Du hast wohl den Verstand verloren, was?
Podkoliessin. Ja, einen Monat brauche ich mindestens.
Kotschkarjow. Aber ich habe doch schon das Souper beim Traiteur
bestellt. Du Klotz du! ... Nein, hör mal, Iwan Kusmitsch, sei jetzt
nicht eigensinnig, Bruder. Laßt euch doch gleich trauen!
Podkoliessin. Ich bitte dich, Freund, was redest du da? ... Wie ist denn
das gleich möglich?
Kotschkarjow. Iwan Kusmitsch, sieh mal, ich bitte dich recht herzlich
... wenn nicht für dich selbst, so tue es doch meinetwegen! Mir zuliebe!
Podkoliessin. Nein, tatsächlich -- es geht nicht!
Kotschkarjow. Doch, doch, es geht schon, Liebster! Es geht alles,
Liebling; laß die Launen.
Podkoliessin. Nein, wirklich nicht. Es geht nicht. Es ist wirklich nicht
möglich.
Kotschkarjow. Warum nicht möglich? ... Wer hat dir das bloß eingeredet?
Überlege doch selbst. Du bist doch ein gescheiter Kerl! Ich spreche
nicht so, um dir zu schmeicheln oder weil du Expeditor bist, nein,
einfach, weil ich dich liebe! -- Genug, Herzchen, entschließe dich. Sieh
doch die Sache mit vernünftigen Augen an!
Podkoliessin. Ja, wenn ich nur eine Möglichkeit sehen würde -- ich wäre
gerne bereit ...
Kotschkarjow. Iwan Kusmitsch, alter Kerl, lieber Freund ... willst du,
daß ich vor dir auf die Knie falle? ...
Podkoliessin. Ja, wozu nur das alles?
Kotschkarjow (fällt auf die Knie). Nun gut, hier knie ich. Jetzt siehst
du es, wie sehr ich dich bitte. Ich will dir's mein Leben lang nicht
vergessen. Herzchen, sei nicht eigensinnig!
Podkoliessin. Nein, Freund, es geht nicht! Wirklich nicht!
Kotschkarjow (steht auf, wütend). Schweinehund!
Podkoliessin. Gut, schimpf nur!
Kotschkarjow. Rindvieh! ... Einen größeren Esel, wie dich, hat es
tatsächlich noch nie gegeben!
Podkoliessin. Schimpfe doch meinetwegen. Schimpfe nur!
Kotschkarjow. Für wen habe ich mich nun geplagt und abgerackert? Doch
nur für dich; in deinem Interesse, du Schaf! Was geht mich die ganze
Geschichte im Grunde an? ... Gut, ich gehe sofort meiner Wege und laß
dich laufen. Was hab' _ich_ denn davon?
Podkoliessin. Ja ... hab' ich dich denn um deine Bemühungen gebeten? Geh
doch nur, bitte!
Kotschkarjow. Und ich sage dir, daß du zugrunde gehen wirst. Ohne mich
wirst du zu nichts kommen. Wenn dich nicht ein anderer verheiratet,
bleibst du dein Leben lang ein ... Dummkopf.
Podkoliessin. Und was kümmert's dich? ...
Kotschkarjow. Ich bin doch nur um dich besorgt, du Dummkopf.
Podkoliessin. Und ich verzichte auf deine Besorgnis.
Kotschkarjow. Nun, so geh zum Teufel!
Podkoliessin. Gut. Ich gehe.
Kotschkarjow. Da gehörst du auch hin.
Podkoliessin. Nun schön, ich gehe schon.
Kotschkarjow. Geh nur, geh! Wenn du dir nur gleich ein Bein brächst!
Wahrhaftig, es ist mein innigster Wunsch, daß dir irgendein besoffener
Droschkenkutscher mit der Deichsel in die Gurgel fährt. Du Lappen du!
Und das will ein Beamter sein, ... Das schwöre ich dir, von nun an ist
alles zwischen uns aus. Komm mir nicht mehr unter die Augen!