8. Auftritt

Kotschkarjow und Schewakin.

Kotschkarjow (fährt fort zu lachen). Herrgott, ich kann einfach nicht

mehr! Bei Gott, ich kann nicht mehr! Ich halt's nicht mehr aus, ich

platze vor Lachen. (Lacht weiter.)

Schewakin (sieht ihn an und fängt gleichfalls an zu lachen).

Kotschkarjow (ermüdet in einen Stuhl sinkend). Wahrhaftig, mir geht die

Puste aus! Ich fühle, wenn ich noch lange so weiter lache, so verrecke

ich.

Schewakin. Ihr fröhliches Naturell gefällt mir außerordentlich. Wissen

Sie, bei unserm Geschwader, das unter Kapitän Bolderow stand, war auch

ein Kadett, namens Petuchow. Anton Iwanowitsch. Der war auch immer so

fröhlich. Dem brauchte man nur den kleinen Finger zu zeigen, und schon

lachte er los! Bei Gott! Und dann lachte er den ganzen Tag hindurch, bis

zum späten Abend ... Wenn ihn einer nur ansah, kriegte er schon das

Lachen, und eh' man's sich versah, lachte man selber mit.

Kotschkarjow (atemholend). Ach Gott, erbarme dich meiner. Diese dumme

Gans, was die sich einbildet. Wie soll sie es fertig kriegen, einen

Menschen zu verheiraten. Die will einen verheiraten! Ja, wenn ich die

Sache in die Hand nehme, dann will ich schon eine Heirat zustande

bringen.

Schewakin. Wirklich? ... In der Tat, könnten Sie den Heiratsvermittler

spielen? ...

Kotschkarjow. Selbstverständlich! Ich übernehme es, jedes beliebige Paar

zusammenzubringen.

Schewakin. Hören Sie mal, wenn das stimmt, so .... verschaffen Sie mir

doch das Fräulein.

Kotschkarjow. Ihnen? ... Was brauchen Sie denn zu heiraten?

Schewakin. Warum denn nicht! Erlauben Sie mal, das ist doch eine

seltsame Frage! Es ist doch klar, wozu.

Kotschkarjow. Sie haben doch eben gehört, daß sie nichts mitbekommt.

Schewakin. Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren! ... Das

ist ja nicht schön, aber bei diesem entzückenden Fräulein mit den

reizenden Manieren, da kann man schließlich auch ohne Mitgift auskommen.

Ein kleines Kämmerchen, (macht eine entsprechende Geste) ein kleiner

Flur, eine kleine spanische Wand oder so etwas wie ein Vorhang ...

Kotschkarjow. Ja, aber was gefällt Ihnen denn an ihr so sehr?

Schewakin. Wenn ich offen sein soll, so ist es grade jene Fülle, die sie

auszeichnet. Sehen Sie, ich bin ein großer Amateur in bezug auf ... auf

... rundliche Frauen.

Kotschkarjow (sieht ihn von der Seite an und sagt dann zu sich selbst).

Na, damit kann er gerade nicht allzusehr Staat machen. Sieht selbst aus,

wie ein ausgeschüttelter Tabaksbeutel. (Laut.) Wissen Sie, Sie sollten

überhaupt nicht heiraten.

Schewakin. Wie meinen Sie das? ...

Kotschkarjow. Ganz einfach. Was haben Sie denn für eine Figur? Unter uns

gesagt, Sie haben ja die reinsten Hahnenfüße.

Schewakin. Hahnenfüße? ...

Kotschkarjow. Natürlich! ... Gewiß! ... Wonach sehen Sie denn aus?

Schewakin. Nein, erlauben Sie mal, wie können Sie sagen, ich hätte

Hahnenfüße?

Kotschkarjow. Sehr einfach! Das sind doch Hahnenfüße! ...

Schewakin. Gestatten Sie mal, mir scheint, in Ihren Worten liegt etwas:

mir scheint, Sie werden _persönlich_!

Kotschkarjow. Ich sage Ihnen das doch nur, weil ich weiß, daß Sie ein

vernünftiger Mensch sind. Einem andern hätte ich das doch nicht gesagt.

Also gut, ich verschaffe Ihnen eine Frau; aber eine andere.

Schewakin. Dann möchte ich Sie doch bitten ... keine andere. Seien Sie

schon so gut ... bleiben wir bei dieser.

Kotschkarjow. Schön, wenn Sie denn durchaus wollen ... meinetwegen. Aber

unter einer Bedingung ... Sie dürfen sich nicht hineinmischen. Sie

dürfen sich dem Fräulein überhaupt nicht zeigen. Ich werde alles allein

machen.

Schewakin. Erlauben Sie mal, ohne mich geht es denn doch nicht. Immerhin

werde ich mich doch wohl dabei sehen lassen müssen.

Kotschkarjow. Nein, durchaus nicht. Gehen Sie nach Hause und warten Sie

auf mich. Heute abend ist alles in schönster Ordnung.

Schewakin (reibt sich die Hände). Famos! Das wäre ja famos. Sagen Sie,

brauchen Sie denn kein Attest, kein Dienstzeugnis? Vielleicht dürfte

sich das Fräulein doch dafür interessieren. Ich werde sofort laufen und

es holen.

Kotschkarjow. Nein, nein, ich brauche nichts! Gehen Sie nur ruhig nach

Hause. Verlassen Sie sich drauf, Sie bekommen noch heute Nachricht. (Er

begleitet ihn hinaus.) Teufel auch, das würde dir wohl passen! ... Doch

was ist das nur? Warum kommt denn der Podkoliessin nicht wieder? Das ist

doch sehr merkwürdig! Er kann doch seine Hosenträger nicht ewig in

Ordnung bringen ... Am Ende muß ich noch selbst hinlaufen und ihn holen.

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 116 / 240 题