Polizeimeister. Anna Andréjewna. Márja Antónowna.
Polizeimeister. Nun Frau, hättest du an so etwas gedacht? Solch einen
Fang zu tun? Du Närrin, gesteh' es, hättest du dir das träumen lassen?
-- Eben noch eine gewöhnliche Frau Polizeimeisterin und plötzlich -- du
Glückspilz, mit so einem Teufelskerl verschwägert.
Anna Andréjewna. O, freilich, das wußte ich längst. Nur dich nimmt das
Wunder, weil du ein gewöhnlicher Mensch bist und noch nie gebildete
Leute gesehen hast.
Polizeimeister. Ich bin auch ein gebildeter Mensch, aber um darauf
zurückzukommen, wahrhaftig, wenn man bedenkt, Frau, was wir beide jetzt
für stolze Vögel geworden sind! Nein, Frau, und diese erhabene Höhe,
hol's der Teufel! Halt, jetzt will ich doch mal dieser Bande ihre
Bittschriften und Denunziationen eintränken. He, niemand da?
Polizeidiener (kommt herein).
Polizeimeister. Ah, du, Iwán Karpówitsch, schaff mir mal die Kaufleute
her, ich will die Kanaillen! Sich über mich beschweren! Seht doch, ihr
verdammten Schacherseelen! Wartet nur, Bürschchen, habe ich euch bisher
nur geschoren, so sollt ihr mir jetzt geschunden werden! Notier mir
jeden, der sich über mich beschwert hat und vornehmlich dieses
Schmiererpack, das ihnen die Bittschriften aufgesetzt hat, und bringe
ihnen allen bei, daß sie wissen sollen, was Gott für einen Segen auf den
Polizeimeister herabgeschickt hat, daß er seine Tochter verheiratet,
aber nicht an den ersten besten gewöhnlichen Kerl, nein, sondern an
einen, wie es in der Welt noch keinen zweiten gegeben hat, der alles
vermag, alles, alles! Schärf's ihnen allen ein, daß sie's auch gut
wissen, laß es in der ganzen Stadt ausrufen, von sämtlichen Glocken
ausläuten. Den Teufel auch, wenn schon triumphieren, dann auch
ordentlich triumphieren!
Polizeidiener (ab).
Polizeimeister. Na, nun, Frau, was? Wo werden wir jetzt leben? Hier oder
in Petersburg?
Anna Andréjewna. Natürlich in Petersburg, wer soll's denn auch hier
aushalten.
Polizeimeister. Nun, Petersburg ist Petersburg, aber auch hier war's gar
nicht so übel, und das Polizeimeisterspielen, scheint mir, geht dann
auch zum Teufel, was Frau?
Anna Andréjewna. Selbstverständlich, was ist denn an dem Polizeimeister
gelegen?
Polizeimeister. Jetzt wird man denn auch, was meinst du Frau, hübsch im
Rang in die Höhe klettern können, da er ja mit allen Ministern auf du
und du steht und zu Hofe fährt. Er könnte einen dann so nett bugsieren,
daß man mit der Zeit auch in den Generalsrock hineinschlüpft. Was meinst
du, Frau, ob man das wohl erwischt?
Anna Andréjewna. Und ob! Kleinigkeit!
Polizeimeister. Teufel auch, schön wär's doch General zu sein, die ganze
Brust voller Orden und Ordensbänder. Welches ist dir denn lieber, Frau,
das rote oder das blaue?
Anna Andréjewna. Selbstredend das blaue.
Polizeimeister. Ei sieh doch, wie hoch sie hinauswill! Auch das rote ist
ganz nett. Sieh, warum wünscht man sich General zu sein? Deshalb, weil,
wenn man irgendwo hinreist, immer die Feldjäger und Adjutanten vor einem
herfliegen: »Pferde«! Und alle andern müssen auf der Station warten,
weil sie keine kriegen, alle diese Titulierten und Hauptleute und
Polizeimeister, und nur man selbst ist über alles erhaben. Man speist
jedesmal beim Gouverneur, und in der Ecke, sieh doch mal, steht dann so
ein Polizeimeister. Hahaha! Kanaillenmäßiger Spaß das! (Lacht, daß ihm
die Tränen über die Backen laufen.)
Anna Andréjewna. Dir gefällt auch immer nur das Brutale! Du solltest
daran denken, daß sich das Leben bald ganz anders wird gestalten müssen,
daß deine Bekannten nicht von dem Schlage sein werden, wie so irgendein
»Hetzpeitschen-Kreisrichter«, mit dem du auf die Hasenjagd fährst, oder
so ein Semljaníka; im Gegenteil, das werden Leute von feinster Lebensart
sein, Grafen und Männer der großen Welt ... Aber ich habe wirklich
deinetwegen Angst, dir entschlüpfen nicht selten Ausdrücke und Worte,
die man in der guten Gesellschaft nie zu hören bekommt.
Polizeimeister. Ach was, Worte tun einem keinen Schaden.
Anna Andréjewna. Allerdings, so lange du Polizeimeister warst, aber dort
ist das Leben ein ganz anderes.
Polizeimeister. Ach freilich, dort soll es ja auch zwei Fische geben,
Plötz und Stint, so köstlich, daß einem schon vor dem Essen das Wasser
im Munde zusammenläuft.
Anna Andréjewna. Ach du und deine Fische! Ich aber wünsche, daß unser
Haus das erste in der Residenz sei und daß in meinem Salon ein solcher
Ambraduft schwebt, daß man beim Eintreten vor Entzücken die Augen
schließt: (Schließt die Augen und tut, als wenn sie Duft einatmet.) Ah,
wie wunderbar!