10. Szene

Polizeimeister. Chlestakóff. Dóbtschinski.

Polizeimeister. Würden Sie jetzt vielleicht geneigt sein, einige unserer

städtischen Anstalten zu besichtigen, etwa die Hospitäler und anderes?

Chlestakóff. Was gibt's denn da zu sehen?

Polizeimeister. Nun, Sie könnten da zum Beispiel einen Einblick gewinnen

in die Art unserer Verwaltung ... die Reinlichkeit ...

Chlestakóff. Mit dem größten Vergnügen, bin gern bereit. (Bóbtschinski

steckt den Kopf durch die Tür.)

Polizeimeister. Und von dort könnte man sich, wenn Sie es wünschen

sollten, zur Kreisschule begeben, um die Ordnung, in der sich der

Unterricht vollzieht, in Augenschein zu nehmen.

Chlestakóff. Schön, schön.

Polizeimeister. Dann, falls Sie das Gefängnis und die städtischen

Arrestlokale zu besuchen wünschten -- könnten Sie sich überzeugen, wie

bei uns die Verbrecher gehalten werden.

Chlestakóff. Gefängnis? -- ach wozu? Sehen wir uns dann doch lieber die

Hospitäler an.

Polizeimeister. Ganz wie Sie wünschen. Befehlen Sie Ihre eigene Equipage

oder nehmen Sie mit meinem bescheidenen Wagen vorlieb?

Chlestakóff. Na, ich fahre dann schon besser mit Ihnen zusammen.

Polizeimeister (zu Dóbtschinski). Pjótr Iwánowitsch, nun habe ich für

Sie keinen Platz.

Dóbtschinski. O bitte, hat nichts zu sagen!

Polizeimeister (leise zu Dóbtschinski). Hören Sie, laufen Sie, aber was

Ihre Beine laufen können, und bestellen Sie mir zwei Billetts, eins an

Semljaníka ins Hospital, das andere meiner Frau. (Zu Chlestakóff.) Darf

ich Sie um die Erlaubnis bitten, in Ihrer Gegenwart eine Zeile an meine

Frau zu richten, damit sie sich zur Aufnahme eines so geschätzten Gastes

vorbereiten kann?

Chlestakóff. Aber weshalb denn? ... Übrigens Tinte ist vorhanden, nur

weiß ich nicht, ob Papier ... Vielleicht auf dieser Rechnung?

Polizeimeister. Genügt vollkommen! (Schreibt und spricht während dieser

Zeit vor sich hin.) Nun wollen wir doch einmal sehen, wie die Sache nach

dem Frühstück und ein paar tüchtigen Flaschen in Gang kommen wird. Wir

haben da so einen hiesigen Madeira, äußerlich ganz harmlos, aber

kräftig, um einen Elefanten umzuwerfen. Wenn ich nur herausbekäme, was

er ist und von welcher Seite man sich vor ihm in acht nehmen muß.

(Übergibt das Papier Dóbtschinski: dieser wendet sich zur Türe, aber im

selben Augenblick bricht diese aus den Angeln und fliegt zusammen mit

dem dahinter horchenden Bóbtschinski auf die Szene. Alle stoßen einen

Ruf der Überraschung aus. Bóbtschinski erhebt sich.)

Chlestakóff. Oh, haben Sie sich verletzt?

Bóbtschinski. Durchaus nicht, durchaus nicht, habe fast nichts

abbekommen, nur über der Nase eine unbedeutende Schramme. Ich laufe

gleich zum Doktor Hübner; er hat ein großartiges Pflaster, da heilt's

geschwind.

Polizeimeister (macht Bóbtschinski ein Zeichen des Vorwurfs; zu

Chlestakóff). Das hat gar nichts auf sich. Bitte untertänigst

voranzugehen. Ich werde Ihren Diener bescheiden, daß er den Koffer

hinüberbringt. (Zu Ossip.) Mein Freundchen, trage das alles zu mir

herüber, zum Polizeimeister, jeder kann dich hinweisen. Bitte

untertänigst! (Läßt Chlestakóff den Vortritt und folgt ihm; im

Hinausgehen dreht er sich noch einmal um und sagt in vorwurfsvollem Ton

zu Bóbtschinski.) Sie sind mir auch der Rechte! Konnten sich keinen

besseren Ort zum Hinpflanzen aussuchen! Und auf allen vieren wie -- weiß

der Teufel wie! (Ab. Bóbtschinski hinterher. Der Vorhang fällt.)

(Ende des zweiten Aufzuges.)

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 25 / 240 题