Polizeimeister. Chlestakóff. Dóbtschinski.
Polizeimeister. Würden Sie jetzt vielleicht geneigt sein, einige unserer
städtischen Anstalten zu besichtigen, etwa die Hospitäler und anderes?
Chlestakóff. Was gibt's denn da zu sehen?
Polizeimeister. Nun, Sie könnten da zum Beispiel einen Einblick gewinnen
in die Art unserer Verwaltung ... die Reinlichkeit ...
Chlestakóff. Mit dem größten Vergnügen, bin gern bereit. (Bóbtschinski
steckt den Kopf durch die Tür.)
Polizeimeister. Und von dort könnte man sich, wenn Sie es wünschen
sollten, zur Kreisschule begeben, um die Ordnung, in der sich der
Unterricht vollzieht, in Augenschein zu nehmen.
Chlestakóff. Schön, schön.
Polizeimeister. Dann, falls Sie das Gefängnis und die städtischen
Arrestlokale zu besuchen wünschten -- könnten Sie sich überzeugen, wie
bei uns die Verbrecher gehalten werden.
Chlestakóff. Gefängnis? -- ach wozu? Sehen wir uns dann doch lieber die
Hospitäler an.
Polizeimeister. Ganz wie Sie wünschen. Befehlen Sie Ihre eigene Equipage
oder nehmen Sie mit meinem bescheidenen Wagen vorlieb?
Chlestakóff. Na, ich fahre dann schon besser mit Ihnen zusammen.
Polizeimeister (zu Dóbtschinski). Pjótr Iwánowitsch, nun habe ich für
Sie keinen Platz.
Dóbtschinski. O bitte, hat nichts zu sagen!
Polizeimeister (leise zu Dóbtschinski). Hören Sie, laufen Sie, aber was
Ihre Beine laufen können, und bestellen Sie mir zwei Billetts, eins an
Semljaníka ins Hospital, das andere meiner Frau. (Zu Chlestakóff.) Darf
ich Sie um die Erlaubnis bitten, in Ihrer Gegenwart eine Zeile an meine
Frau zu richten, damit sie sich zur Aufnahme eines so geschätzten Gastes
vorbereiten kann?
Chlestakóff. Aber weshalb denn? ... Übrigens Tinte ist vorhanden, nur
weiß ich nicht, ob Papier ... Vielleicht auf dieser Rechnung?
Polizeimeister. Genügt vollkommen! (Schreibt und spricht während dieser
Zeit vor sich hin.) Nun wollen wir doch einmal sehen, wie die Sache nach
dem Frühstück und ein paar tüchtigen Flaschen in Gang kommen wird. Wir
haben da so einen hiesigen Madeira, äußerlich ganz harmlos, aber
kräftig, um einen Elefanten umzuwerfen. Wenn ich nur herausbekäme, was
er ist und von welcher Seite man sich vor ihm in acht nehmen muß.
(Übergibt das Papier Dóbtschinski: dieser wendet sich zur Türe, aber im
selben Augenblick bricht diese aus den Angeln und fliegt zusammen mit
dem dahinter horchenden Bóbtschinski auf die Szene. Alle stoßen einen
Ruf der Überraschung aus. Bóbtschinski erhebt sich.)
Chlestakóff. Oh, haben Sie sich verletzt?
Bóbtschinski. Durchaus nicht, durchaus nicht, habe fast nichts
abbekommen, nur über der Nase eine unbedeutende Schramme. Ich laufe
gleich zum Doktor Hübner; er hat ein großartiges Pflaster, da heilt's
geschwind.
Polizeimeister (macht Bóbtschinski ein Zeichen des Vorwurfs; zu
Chlestakóff). Das hat gar nichts auf sich. Bitte untertänigst
voranzugehen. Ich werde Ihren Diener bescheiden, daß er den Koffer
hinüberbringt. (Zu Ossip.) Mein Freundchen, trage das alles zu mir
herüber, zum Polizeimeister, jeder kann dich hinweisen. Bitte
untertänigst! (Läßt Chlestakóff den Vortritt und folgt ihm; im
Hinausgehen dreht er sich noch einmal um und sagt in vorwurfsvollem Ton
zu Bóbtschinski.) Sie sind mir auch der Rechte! Konnten sich keinen
besseren Ort zum Hinpflanzen aussuchen! Und auf allen vieren wie -- weiß
der Teufel wie! (Ab. Bóbtschinski hinterher. Der Vorhang fällt.)
(Ende des zweiten Aufzuges.)