Das Recht der öffentlichen Aufführung ist ausschließlich zu erwerben
von dem
Theaterverlag Eduard Bloch,
Berlin C 2, Brüderstraße 1
Personen.
Antón Antónowitsch Skwósnik-Dmuchánowski, Polizeimeister.
Anna Andréjewna, seine Frau.
Márja Antónowna, seine Tochter.
Lúka Lúkitsch Chlópoff, Schulinspektor.
Frau Chlópoff.
Ammós Fjódorowitsch Ljápkin-Tjápkin, Kreisrichter.
Artémij Filíppowitsch Semljaníka, Hospitalverwalter.
Iwán Kusmítsch Schpékin, Postmeister.
Pjotr Iwánowitsch Dóbtschinski }
Pjotr Iwánowitsch Bóbtschinski } Bürger.
Iwán Alexándrowitsch Chlestakóff, Beamter aus Petersburg.
Ossip, sein Diener.
Christian Iwánowitsch Hübner, Kreisarzt.
Fjódor Andréjewitsch Ljuljukóff }
Iwán Lasaréwitsch Rastakówski } pensionierte Beamte,
Stepán Iwánowitsch Koróbkin } Honoratioren der Stadt.
Stepán Iljitsch Uchowjértoff, Polizeiinspektor.
Swistúnoff }
Pugowízyn } Polizeidiener.
Djerschimórda }
Awdúlin, Kaufmann.
Fewrónja Pjetrówna Poschljópkina, Schlossersfrau.
Die Frau eines Unteroffiziers.
Míschka, Diener des Polizeimeisters.
Ein Kellner.
Ein Gendarm.
Gäste, Kaufleute, Volk, Bittsteller.
* * * * *
Zeit: Um 1835. -- Ort: Eine kleine russische Provinzialstadt.
Charaktere und Kostüme
(Bemerkungen für die Herren Schauspieler)
Der Polizeimeister: Ein im Dienst bereits ergrauter und in seiner Art
gescheiter Mann. Obgleich bestechlich, gibt er sich als soliden und
ernsthaften Menschen und ist in gewissem Sinne sogar Räsoneur. Er
spricht weder laut noch leise, noch viel, noch wenig; jedes seiner Worte
hat Gewicht. Seine Gesichtszüge sind grob und hart, wie bei allen, die
in einer mühsamen Karriere von der Pike auf gedient haben. Der Übergang
von Furcht zu Freude, von Unterwürfigkeit zu Hochmut vollzieht sich bei
ihm ziemlich unvermittelt, wie bei allen Leuten mit roh entwickelten
Charakteranlagen. Er trägt die übliche Uniform mit Litzenkragen und
Stulpstiefel mit Sporen; sein graues Haar ist kurzgeschoren.
Anna Andréjewna, seine Frau: Eine noch leidlich konservierte
Provinzialkokette, die zur Hälfte in der Lektüre von Romanen und
Poesiealbums, zur Hälfte im Kleinkram von Hauswirtschaft und
Gesindeplackerei aufgeht. Sehr neugierig, kehrt sie gelegentlich auch
Hoffart hervor; erlangt oftmals dadurch Übergewicht über ihren Mann, daß
dieser ihr nichts zu antworten weiß; doch erstreckt sich solches
Übergewicht nur auf Kleinigkeiten und besteht lediglich in Vorwürfen und
Hohn. Im Verlaufe des Stückes wechselt sie viermal die Toilette.
Chlestakóff: ein junger Mann von 23 Jahren, schmächtig und unansehnlich,
etwas einfältig und hat, wie man zu sagen pflegt, das Pulver nicht
erfunden; einer von den Leuten, die man in den Kanzleien Windbeutel
nennt. Er ist nicht imstande längere Zeit bei einem Thema zu verweilen,
spricht unzusammenhängend, und die Worte sprudeln ihm unberechenbar aus
dem Munde. Je mehr Freimut und Harmlosigkeit der Darsteller dieser Rolle
zur Schau trägt, desto größeren Erfolg wird er erzielen. Seine Kleidung
ist modern (1835).
Ossip, sein Diener: Von dem Wesen, das Diener in vorgerückten Jahren zu
haben pflegen; er spricht gelassen, hält den Blick etwas gesenkt,
räsoniert und liebt es, seinem Herrn in dessen Abwesenheit Vorhaltungen
zu machen. Seine Stimme ist fast immer monoton, nimmt aber im Gespräch
mit seinem Herrn einen mürrischen, kargen, zuweilen sogar groben
Ausdruck an. Er ist pfiffiger als sein Herr und weiß sich deshalb
rascher zurechtzufinden, spricht aber nicht gern viel und ist ein
stilles Wasser. Seine Kleidung ist ein grauer oder blauer verschlissener
Kittel.
Bóbtschinski und Dóbtschinski: Beide von kleinem, niedrigem Wuchs, sehr
neugierig; einander sehr ähnlich; beide mit leichtem Embonpoint. Sie
sprechen hastig und unterstützen ihre Rede durch reichliches
Gestikulieren mit den Händen. Dóbtschinski ist ein wenig größer und
ernsthafter als Bóbtschinski, dieser aber ist dafür beweglicher und
lebhafter als jener.
Ljápkin-Tjápkin, der Kreisrichter: ein Mensch, der fünf bis sechs Bücher
gelesen hat und daraufhin den Freigeist herauskehrt. Ist stark in
Hypothesen und spricht deshalb jedes Wort mit wichtigem Ton. Der
Darsteller dieser Rolle sollte stets eine vielsagende Miene aufsetzen.
Er spricht in tiefem Baß, sehr gedehnt, heiser und mit Räuspern, wie
eine alte Wanduhr, die erst schnarrt, ehe sie schlägt.
Semljaníka, der Hospitalverwalter: Ein sehr korpulenter, schwerfälliger
und plumper Mann; bei alledem Intrigant und Gauner; sehr zuvorkommend
und gefällig.
Der Postmeister: Ein bis zur Naivität einfältiger Mensch.
Die übrigen Rollen bedürfen keiner besonderen Anweisungen; ihren
Originalen begegnet man auf Schritt und Tritt.
Die Herren Schauspieler sollten der letzten Szene besondere Sorgfalt
angedeihen lassen. Das zuletzt ausgesprochene Wort muß auf alle wie ein
elektrischer Schlag wirken; gleichzeitig und plötzlich. Die ganze Gruppe
muß ihre Stellung in einem Augenblick wechseln; den Ausruf der
Überraschung müssen alle Damen einstimmig ausstoßen, wie aus einem
Munde. Die Nichtbeachtung dieser Hinweise könnte die gesamte Wirkung in
Frage stellen.