Der Bazar »Zum kleinen Geldbeutel«.
Unser Held zählte jetzt elfeinhalb und Bob acht Jahre, so daß beide
zusammen noch nicht einmal das majorenne Alter dargestellt hätten.
Findling schon mitten in der Geschäftsthätigkeit, im Begriff, ein
Handelshaus zu gründen. Es gehörte wirklich die blinde Vorliebe eines
Grip dazu, um zu glauben, daß er damit gleich Glück haben, daß sein
Handel nach und nach Umfang genug erreichen werde, um damit ein Vermögen
zu erwerben.
Jedenfalls besaß das Quartier Saint Patrik zwei Monate nach dem
Eintreffen der beiden Knaben in der Hauptstadt Irlands einen Bazar,
der die Aufmerksamkeit der Leute erregte und auch eine große Kundschaft
heranlockte.
Dieser Bazar aber war nicht etwa in den ärmlichen Straßen der Freiheiten
zu suchen, die sich in der Umgebung der Saint-Patrick-Street kreuzen.
Findling hatte es vorgezogen, sich mehr nach der Liffey zu, in der
Bedfort-Street, zu etablieren, wo man nichts überflüssiges, sondern
nur Bedarfsgegenstände einzukaufen pflegt. Für die nothwendigsten
Gegenstände finden sich ja stets Käufer, wenn jene gut und nicht zu
theuer sind. Das hatte die Erfahrung dem jungen Kaufmann schon gelehrt,
als er noch mit dem Karren durch die Straßen von Cork zog und dann die
Grafschaften von Munster und Leinster durchwanderte.
Ein wirkliches Magazin war es, treu bewacht von Birk, der jetzt nicht
mehr zum Zugthier erniedrigt wurde. Der Laden führte ein in die Augen
fallendes Schild mit der Inschrift »Zum kleinen Geldbeutel«, und
darunter die Firma »Little Boy and Co.«
Little Boy, das war Findling; and Co., das war Bob... und ohne Zweifel
auch Birk.
Das betreffende Haus in der Bedfort-Street bestand aus drei Stockwerken.
Eine Treppe hoch wohnte darin der Besitzer O'Brien, ein früherer
Colonialwaarenhändler, der sich nach erfolgreicher Thätigkeit vom
Geschäft zurückgezogen hatte, übrigens ein rüstiger alter Junggeselle
von fünfundsechzig Jahren, der mit Recht im Rufe eines hochachtbaren
Mannes stand. O'Brien war natürlich nicht wenig erstaunt, als ein Kind
von elfeinhalb Jahren kam, um einen seit einigen Monaten leerstehenden
Laden im Erdgeschoß von ihm zu miethen. Die verständigen und praktischen
Antworten aber, die er auf seine Fragen von dem Knaben erhielt, nahmen
ihn schnell für diesen ein, und so kam ein Miethcontract bald zu Stande,
vorzüglich, da der junge Miether sich erbot, den Zins für ein ganzes
Jahr gleich im Voraus zu entrichten.
Der freundliche Leser will nicht vergessen, daß der Held unsrer
Erzählung wegen seiner Größe und Schulterbreite älter erschien, als er
war. Doch wenn man ihn auch für vierzehn oder fünfzehn Jahre schätzte,
so erschien er doch jedem Fernstehenden gewiß noch als viel zu jung,
um einen selbständigen Ladenhandel anzufangen, wenn dieser auch die
bescheidne Bezeichnung »Zum kleinen Geldbeutel« trug.
Jedenfalls handelte O'Brien nicht, wie es vielleicht viele gethan
hätten. Als sich der ordentlich gekleidete Knabe mit einer gewissen
Sicherheit vorstellte, sein Anliegen klar und deutlich vorbrachte, da
führte er ihn nicht ohne Erwiderung hinaus, sondern hörte ihn bis zum
Ende ruhig an. Was er da von der Vergangenheit desselben, von seinem
Handel in Cork, seiner Wanderung nach der Hauptstadt vernahm, das rief
unwillkürlich sein Interesse wach. Er erkannte in Findling einen so
gereiften Verstand, eine solche Klarheit der Gedanken, daß er an
dessen glücklicher Zukunft gar nicht zweifeln konnte. Der alte Kaufmann
versprach daher, Findling mit seinem Rathe beizustehen, indem er sich
vornahm, alles, was sein junger Miethsmann thäte, zu beobachten.
Mit Unterzeichnung des Contractes und Zahlung des Miethpreises wurde
Findling endgiltig zu einem der Ladeninhaber der Bedfort-Street.
Das an Little Boy and Co. vermiethete Erdgeschoß bestand aus zwei
Räumlichkeiten, von denen eine nach der Straße, die andre nach dem Hofe
zu lag. Die erste sollte als Geschäftslocal, die andre als Schlafzimmer
dienen. Nach dem Hofe schloß sich hieran noch ein Kämmerchen und eine
Küche, wo eine Köchin hausen konnte... wenn einmal eine solche da war.
Jetzt erschien eine solche für die zwei Knaben noch nicht nöthig. Sie
wollten essen, wenn sie dazu Zeit hatten und keine Kunden zu bedienen
waren. Zuerst immer die Kundschaft!
Auf Zuspruch konnte Findling ja rechnen, da er in seinem saubern Laden
eine große Auswahl von Waaren bot. Mit dem nach Zahlung des Miethzinses
übrig gebliebnen Geld hatte der junge Kaufmann alles von den
Großhändlern und Fabrikanten gegen baar bezogen, und jetzt war der Bazar
»Zum kleinen Geldbeutel« auf Tischen und Regalen reichlich ausgestattet.
Nach Beschaffung des nothwendigen Mobiliars für Laden und Schlafstube
war von den hundertundfünfzig Pfund, die Findling mit nach Dublin
gebracht hatte, freilich nur noch der dritte Theil übrig. Weitere
Ausgaben vermied er weislich, um sich für den Nothfall eine Reserve zu
sichern. Lücken, die in seinen Waarenvorräthen entstanden, hoffte er mit
den laufenden Einnahmen wieder füllen zu können.
Selbstverständlich verlangte eine geordnete Geschäftsführung die Anlage
eines sogenannten Journals für die täglichen Verkäufe, ferner eines
Hauptbuches -- das Hauptbuch Findlings! -- wo Einnahmen und Ausgaben
eingetragen werden sollten, um jeden Abend die Richtigkeit der Casse
prüfen zu können. Wahrlich, O'Bodkins von der Lumpenschule hätte seine
Sache auch nicht besser machen können.
In dem Bazar von Little Boy fand man etwas von allem, was in diesem
Stadttheil vorwiegend gebraucht wurde. Was der Papierhändler, der
Kurzwaaren-, der Eisenwaaren-, der Buchhändler und andre ihren Kunden
einzeln boten, das vereinigte der Laden Findlings an einer Stelle. Im
Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« konnte man nahezu alles zu festem,
aber billigem Preis haben. Neben den eigentlichen Bedarfsgegenständen
enthielt der Laden noch eine reiche Auswahl von Spielwaaren aller
Art, doch nur solche für Kinder von fünf bis zu zwölf Jahren. Diese
Abtheilung besorgte Bob mit besondrer Vorliebe und bemühte sich, sie in
bester Ordnung zu halten, wenn er sich auch nicht überwinden konnte,
das eine oder das andre Spielzeug einmal selbst zu versuchen. Vorzüglich
beschäftigte er sich da mit den Schiffen und Booten -- für wenige Pence,
wobei er sich sorglich hütete, dieselben irgendwie zu beschädigen, denn
der Principal scherzte damit nicht und ermahnte ihn manchmal.
»Sei doch ernsthaft, Bob! Wenn Du das jetzt nicht bist, könnte man
glauben, daß Du es niemals würdest!«
Wir haben nicht nöthig, Tag für Tag die Fortschritte zu verfolgen, die
der Bazar von Little Boy and Co. in der Achtung und dem Vertrauen der
Leute machte. Auf jeden Fall erfreute er sich des besten Erfolges.
O'Brien konnte sich nicht genug wundern über die Gewandtheit und
den richtigen Blick seines jungen Miethers, der stets vortheilhaft
einzukaufen und wieder zu verkaufen verstand. So hatte es auch der alte
Kaufmann gemacht und sich dadurch ein recht schönes Vermögen erworben.
Freilich begann er sein Geschäft im Alter von fünfundzwanzig Jahren,
nicht in dem von zwölf Jahren. Auch O'Brien theilte bald die Ansicht
Grips, daß es Findling gar nicht fehlen könne, bald zu Vermögen zu
kommen.
Zur Erklärung des wirklich außergewöhnlichen Erfolges, dessen sich der
Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« erfreute, diene die Bemerkung, daß es
sich in der ganzen Stadt mit Windeseile verbreitet hatte, daß dieses
Geschäft von einem kaum den Schuljahren entwachsenen Knaben begründet
worden war, und von ihm nur mit Unterstützung eines noch weit jüngeren
Knaben geführt wurde. Das genügte, um Findlings Laden sozusagen in die
Mode zu bringen. Dieser hatte auch nicht unterlassen, sich durch einige
Annoncen in den Blättern zu empfehlen, die er recht theuer bezahlen
mußte. Bald begannen aber die hervorragendsten Blätter der Hauptstadt
seines ungewöhnlichen Geschäftes auch aus freien Stücken Erwähnung
zu thun, und nun stellten sich viele Reporter ein, die Little Boy and
Co. -- ja, auch Bob selbst! -- mit ebenso vieler Sorgfalt interviewten,
als wenn es dem Lord Gladstone gegolten hätte. Ueberall sprach man
schon von dem jugendlichen Kaufmann der Bedfort-Street und von seinem
Unternehmen, dem sich die allgemeine Theilnahme zuwandte. Er wurde der
Held des Tages und -- was das Wichtigste ist -- die Leute drängten sich,
seinen Bazar zu besuchen.
Natürlich wurde hier die Kundschaft mit größter Höflichkeit und
Zuvorkommenheit behandelt. Findling hatte die Augen überall und Bob mit
dem Lockenkopfe sprang hin und her, um jeden nach Wunsch zu bedienen.
Sogar Damen aus dem vornehmen Viertel kamen zu Wagen an und machten es
sich zum Vergnügen, wenigstens das Spielwaarenlager Findlings bald zu
vermindern oder gar zu leeren.
Mit einem Worte, Findling konnte sich eines glänzenden Erfolges rühmen,
und um sich diesen auch weiter zu sichern, ließ er sich's an keiner Mühe
fehlen.
Als der »Vulcan« in Dublin wieder eingelaufen war, galt der erste
Ausgang Grips natürlich seinen Freunden. Ueber den Bazar in der
Bedford-Street konnte er seiner Verwunderung gar nicht laut genug
Ausdruck verleihen; ja, seiner Meinung nach hatte sich die ganze Straße
dadurch so verwandelt, daß sie wenigstens der Sackevillestraße hier
in Dublin, womöglich auch gar dem Strand in London, dem Broadway in
Newyork, dem Boulevard des Italiens in Paris gleichkam. Bei jedem
Besuche hielt er sich für verpflichtet, etwas zu kaufen, »um das
Geschäft in Gang zu erhalten«, wie er sagte, obgleich er das gewiß nicht
nöthig hatte.
Einmal wählte er eine Brieftasche, um diejenige zu ersetzen, die er...
niemals besessen hatte, ein andermal eine hübsche, bunt angestrichene
Brigg, die er den Kindern eines seiner Kameraden vom »Vulcan« zum
Geschenk machen wollte. Schließlich erwarb er sogar einmal eine ziemlich
theure Pfeife aus falschem Meerschaum, deren Mundstück aus gelbem
Bernstein geschnitzt war.
Findling mußte von ihm natürlich wie von andern Leuten Bezahlung
annehmen.
»Siehst Du, mein Boy, die Sache macht sich!... Das geht ja wie mit
hundert Schraubenumdrehungen, nicht wahr? Jetzt bist Du Befehlshaber an
Bord des »Kleinen Geldbeutel« und brauchst nur darauf zu achten, daß das
Feuer nicht ausgeht. Es ist lange her, daß wir zwei noch in Lumpen durch
die Straßen von Galway trabten, oft Hunger und Kälte zu erleiden hatten,
damals in der =Ragged-School=. Da fällt mir ein, ist Carker denn gehenkt
worden?
-- So viel ich weiß, noch nicht, Grip.
-- Das kann aber nicht mehr lange dauern, und jedenfalls legst Du mir
das Journal bei Seite, das darüber ausführlich berichtet!«
Grip fuhr mit dem »Vulcan« wieder hinaus aufs weite Meer, und kaum
von der Reise zurückkehrend, erschien er auch aufs neue im Bazar und
ruinierte sich durch fortwährende Einkäufe.
Da sagte Findling eines Tags zu ihm:
»Glaubst Du es denn noch immer, Grip, daß ich es einmal zu einem
gewissen Vermögen bringe?
-- Natürlich, mein Boy, so sicher, wie ich glaube, daß unser einstiger
Kamerad Carker mit einem Strick um den Hals endigen wird!
-- Nun aber Du selbst, mein guter Grip, denkst Du denn niemals an die
Zukunft?
-- Ich?... Weshalb sollte ich daran denken?... Hab' ich nicht einen
Beruf, den ich doch gegen keinen andern vertauschen möchte.
-- Einen beschwerlichen Beruf, der sich auch nicht besonders lohnt.
-- Wie?... Vier Pfund monatlich, und dazu Nahrung, Wohnung, Heizung,
daß man zuweilen fast selbst gebraten wird?
-- Und das in einem Schiffe! fiel Bob ein, dessen größtes Glück es
gewesen wäre, einmal auf dem Meere zu schwimmen.
-- Das thut nichts, Grip, fuhr Findling fort. Ein Heizer zu sein, hat
noch niemand Vermögen gebracht, und Gott will, daß man auf Erden sein
Glück suche....
-- Bist Du dessen so sicher? fragte Grip mit den Achseln zuckend. Steht
das mit in seinen Geboten?
-- Ja, antwortete Findling. Er will, daß man etwas erwirbt, nicht um
allein glücklich zu sein, sondern um auch die glücklich zu machen, die
es nicht sind und doch zu sein verdienten!«
In seinen Gedanken tauchte dabei die Erinnerung an Sissy auf, an seine
Leidensgefährtin in der Hütte der Hard, und an die Familie Mac Carthy,
deren Spuren er nicht zu entdecken vermocht hatte, sowie an sein
Pathenkind Jenny, der es jetzt gewiß recht traurig erging, während
er...
»Nun, Grip, nahm er wieder das Wort, überlege Dir wohl, welche Antwort
Du giebst. Warum willst Du nicht auf dem Lande bleiben?
-- Ich sollte den »Vulcan« verlassen?...
-- Ja, doch nur, um Dich mit mir zu associieren. Du weißt ja... Little
Boy and Co.... ist durch Bob nicht hinreichend vertreten, doch wenn Du
mit einträtest...
-- Ach, lieber, bester Grip, fiel Bob ein, das würde für uns beide das
größte Vergnügen sein.
-- Für mich auch, meine Kinder, erwiderte Grip sehr gerührt von diesem
Vorschlage, doch soll ich Euch etwas sagen?
-- So sprich, Grip.
-- Nun also... ich bin zu groß.
-- Zu groß?
-- Ja, wenn die Leute mich im Laden sähen, so einen langen Bengel,
so ginge das Geschäft nicht mehr, da wär es nicht mehr Little Boy and
Co.... and Co. muß klein sein, um die Leute heranzuziehen. Ich würde
die Handelsgesellschaft stören, würde Euch Unrecht thun. Gerade weil Ihr
noch Knaben seid, blüht das Geschäft so ganz besonders.
-- Vielleicht hast Du recht, Grip, antwortete Findling. Doch wir werden
auch größer...
-- Natürlich werden wir alle Tage größer, versetzte Bob, sich auf den
Zehen aufrichtend.
-- Gewiß, und hütet Euch nur, nicht allzuschnell zu wachsen!
-- Das kann man wohl nicht hindern, bemerkte Bob.
-- Nein, freilich nicht. Darum seht zu, daß Ihr Euer Geschäft gemacht
habt, so lange Ihr noch Knaben seid. Zum Kuckuck, ich messe fünf Fuß
sechs Zoll, und was über fünf Fuß ist, das paßt nicht in Euer Geschäft.
Wenn ich übrigens Dein Geschäftstheilhaber nicht sein kann, Findling, so
weißt Du doch, daß mein Geld Dir gehört....
-- Ich bedarf desselben nicht.
-- Na, wie es Dir beliebt. Wenn Du Dich indeß einmal vergrößern
willst....
-- Dann könnten wir zwei dem Geschäft nicht gut mehr allein
vorstehen....
-- Ei, warum nehmt Ihr nicht wenigstens eine Frau ins Haus, um Euch die
Wirthschaft zu besorgen?
-- Daran hab' ich allerdings bereits gedacht, Grip, und der
vortreffliche Herr O'Brien hat mir dasselbe angerathen.
-- Er hat ganz recht damit, der brave Mann. Kennst Du denn kein
weibliches Wesen, das Dein Vertrauen besäße?
-- Nein, Grip.
-- Das findet sich... wenn man danach sucht....
-- Ah warte... eben denke ich an eine alte Freundin... Kat!«
Bei Erwähnung dieses Namens erscholl ein lustiges Gebell. Birk hatte ihn
verstanden und sprang wie toll hin und her.
»Ah, Du erinnerst Dich ihrer, Birk? sagte sein junger Herr. Kat...
nicht wahr, der guten Kat?...«
Da scharrte Birk an der Thür und schien nur noch den Auftrag zu
erwarten, sofort in der Richtung nach dem Schlosse hinzulaufen.
Grip erhielt nun eine weitere Erklärung. Eine bessere als Kat konnte
man gar nicht finden; sie würde dem Haushalt vorstehen und die Küche
besorgen, ohne selbst gesehen zu werden, und so konnte sie auch die
sociale Lage der Firma Little Boy and Co. nicht durchkreuzen.
Freilich entstand die Frage, ob sie überhaupt noch in Trelingar-castle
war oder nicht.
Findling schickte mit der ersten Post einen Brief an sie. Schon am
nächsten Tage erhielt er eine Antwort in etwas grober, aber leserlicher
Schrift, und kaum waren achtundvierzig Stunden verflossen, als Kat auf
dem Dubliner Bahnhofe anlangte.
Den herzlichen Empfang nach achtzehnmonatlicher Entfernung kann man sich
wohl vorstellen. Findling sank ihr in die Arme und Birk sprang an ihr
empor. Sie wußte gar nicht, wem sie zuerst antworten sollte. Die Thränen
strömten ihr aus den Augen, und als sie in die Küche eingetreten war, wo
sie Bob kennen lernte, wiederholte sich der Empfang noch einmal.
An diesem Tage hatte Grip die Ehre und das Glück, mit seinen jungen
Freunden das erste, von der guten Kat bereitete Mittagsmahl zu theilen,
und als der »Vulcan« am nächsten Tage die Anker lichtete, trug er den
zufriedensten Heizer von der Welt mit aufs Meer hinaus.
Die Bedingungen, unter denen die gute Frau ihre neue Stellung übernahm,
waren bald und ohne Feilschen verabredet, denn sie empfand es
keineswegs als einen Rückschritt, jetzt bei Little Boy statt früher
im Trelingar-castle in Dienst zu stehen. Ihren neuen Herrn noch mit Du
anzureden, dazu war sie freilich nicht zu bewegen; dieser war ja nicht
mehr der Groom des Grafen Ashton, sondern der Chef des Hauses »Zum
kleinen Geldbeutel«. Auch Bob wurde von ihr nur Herr Bob genannt, und
höchstens Birk erfreute sich der alten vertraulichen Anrede. Bald machte
sich die Anwesenheit der braven Frau im Hause bemerkbar. Jetzt blieb die
Wirthschaft stets in schönster Ordnung und im Zimmer wie im Laden sah es
noch einmal so sauber aus. Nach einem Restaurant zu Tische zu gehen, das
mochte wohl für einen Commis passen; für den Principal eines Geschäfts
aber schickte es sich ja nicht mehr, dieser mußte sein völlig
eingerichtetes »Home« haben und am eigenen Tische speisen.
Das Jahr 1882 brachte für Little Boy and Co. einen sehr vortheilhaften
Abschluß. Während der letzten Wochen konnte der Bazar zu Weihnachten
und zum neuen Jahre kaum den Ansprüchen der Käufer genügen. Die
Spielwaarenabtheilung mußte wohl zwanzigmal erneuert werden und Bob
verkaufte mit einem Eifer sondergleichen Schaluppen, Kutter, Goëletten,
Briggs, Dreimaster und selbst mechanische Dampfboote. Doch auch die
andern Waaren fanden reißenden Absatz. In der feinen Welt gehörte es
zum guten Ton, seine Bedürfnisse im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel«
zu decken. Ein Geschenk galt nicht als »=select=«, wenn ihm die Marke
Little Boy and Co. fehlte. Ja, die »Mode« ist etwas werth, wenn die
Kinder sie machen und die Eltern diesen, wie es ihre Pflicht ist,
gehorchen.
Findling hatte keine Ursache sich zu beklagen, daß er Cork verlassen und
seinen Handel mit Zeitungen aufgegeben hatte. Den erweiterten Markt, den
er in der Hauptstadt Irlands suchte, hatte er gefunden. O'Brien freute
sich aufrichtig über die Zunahme der Geschäftsthätigkeit seines jungen
Miethers, die dieser mit eignen Kräften und eignen Hilfsmitteln erzielt
hatte. Seine Rathschläge wurden stets gern beachtet, sein Geld aber, das
er in die Firma einzuschießen bereit war, lehnte Findling höflich ab.
Kurz nach Abschluß der Inventuraufnahme des ersten Jahres, dessen
Verläßlichkeit O'Brien in allen Stücken anerkannte, konnte Findling
gewiß höchst zufrieden sein: binnen sechs Monaten, seit dem Eintreffen
in Dublin, hatte er sein Capital verdreifacht.