Transatlantische Reiseskizzen

und

Christophorus Bärenhäuter.

Vom Verfasser des Legitimen und der Republikaner.

Zweites Bändchen.

Zürich,

bei Orell, Füßli und Compagnie.

1834.

Die Fahrt am Red-River.

Es war ein heiterer, heißer Junimorgen, als ich das Redriver[1]-Dampfschiff

betrat. Die Sonne brannte wie ein glühender Hochofen, kein Lüftchen

wehte, nur der Strom hauchte erfrischende Kühle aus seinen ungeheuern

Wassermassen. Ich blickte noch einmal zurück an das Ufer, wo meine

Quasi-Freunde standen, erwiederte ihre Grüße mit einem _Hang ye_[2], und

eilte dann in den Salon.

[1]: =Redriver=, der rothe Fluß, der sich unter Natchez auf der

westlichen Seite in den Missisippi ergießt. Weiter oben bildet er

die Gränze zwischen den V. St. und Mexico.

[2]: =_Hang ye!_= Häng euch! Hol' euch der Henker!

Noch immer gellten mir die Worte in den Ohren: Wohl denn, laß ihn als

Hagestolz vegetiren; ohnedem ist er ein wunderlicher Kauz. Beinahe hätte

mir mein Spleen gleich beim Eintritte in das Staatszimmer Händel mit einem

meiner Reisegefährten zugezogen, der in der Phrase: gemeine tückische

Seelen, die ich wiederholt ausstieß, eine ehrenrührige Anspielung auf

seine werthe Person zu hören wähnte. Im Grunde genommen, hatte die pfiffige

Bostonerinn so unrecht nicht. Ich war wirklich ein ganzer Narr, achttausend

Dollars seit vier Jahren Menschen hingegeben zu haben, die, um sie noch

andere vier Jahre zu behalten, mir den hämischsten Streich spielten. Ich

hätte aus der Haut fahren mögen. Mein ganzes Wesen zuckte. Ich hatte weder

Rast noch Ruhe.

_Qu'est ce qu'il y a donc, Monsieur Howard?_ sprach plötzlich ein etwas

bejahrter aber ziemlich respectabel aussehender Mann mich an: _Est-ce que

vous êtes indisposé? Allons voir du monde._

Ich schaute den sonderbaren Mann mit aufgerissenen Augen an, der so ganz

sans façon meine werthe Person in Anspruch zu nehmen beliebte, und war

schon willens ihm recht vornehm befremdet den Rücken zu kehren, als er

mich bei der Hand nahm, und ganz gemächlich zur Thüre des Damensaales zog.

_Allons voir, Monsieur Howard._

_Mais que voulez-vous donc?_ fragte ich ziemlich ärgerlich den

zudringlichen Menschen.

_Faire votre connaissance_, erwiederte er artig und lächelnd, indem er die

Thür aufthat, und mich so ins Innere des Salons blicken ließ.

_Monsieur Howard!_ redete er zwei Mädchen an, die so eben beschäftigt

waren, ein Schock Ananasen und Bananen an den Säulen des Staatszimmers

aufzuzuknüpfen, wie sie in Alt-England mit den Söhnen Erins und im Neuen

mit Zwiebeln zu thun pflegen. _Mes filles, voilà Monsieur Howard votre

voisin!_ Beide kamen auf mich zu, grüßten mich wie einen alten Bekannten,

und boten mir, als hätten wir seit Jahren aus einer Schüssel gegessen, von

ihren süßen Vorräthen an. Das ist doch sehr zuvorkommend in der That! Ich

könnte zehn Jahre bei meinen lieben Landsmänninnen herumreisen, ohne in die

Gefahr zu kommen, mir den Magen auf eine so schöne Weise zu verderben. Ich

mußte zugreifen, wir setzten uns, und die Mädchen fingen an zu plappern und

zu lachen, daß ich, so weh es mir im Herzen that, nicht unterlassen konnte

mit einzustimmen. Eine ganz angenehme Stunde war vergangen, und eine zweite

und dritte würde gefolgt sein, wenn meine angeborne Virginische steife

Etiquette mir diesen Genuß inmitten der fröhlichen Geschöpfe länger

gestattet hätte.

Wir nehmen zusammen unsern Thee hier, Papa, riefen die beiden Mädchen, als

ich mich vom Sessel erhob, und wahrlich ich habe Ursache diese Einladung

und meinen Glücksstern zu segnen; denn unsere Reisegesellschaft ist nichts

weniger als gewählt. Ein sonderbarer Schlag Menschen! Beinahe sollte man

glauben, man sei im alten Kentuck. Viehhändler und Metzger von Neworleans,

die sich nach den nordwestlichen Counties spediren, halb wilde Jäger und

Trappers[3], die von Begierde brennen, recht bald die Steppen jenseits

Nacogdoches[4] zu sehen, und da die Indianer zu zivilisiren, oder, besser

zu sagen, zu betrügen; Krämer, in und um Alexandria herum angesessen, diese

bilden die sogenannte respectable Masse unserer Gesellschaft, und eine

derbe Masse ist's, nach der Dicke ihrer Sohlen und behuften Absätze zu

schließen. -- Das dichte Laubwerk vor uns, ja das ist die Mündung des

Red-Rivers! Sie ist halb überwölbt von den ungeheuren Bäumen, die zu beiden

Seiten über den Fluß hin hängen. Welch ein Contrast mit dem Missisippi, der

hinströmt, breit, gewaltig und finster, das leibhafte Bild eines nordischen

Eroberers, der mit seinen stinkenden Horden hervorbricht aus seinen öden

Steppen, um eine halbe Welt zu verwüsten, während der Red-River -- den wir

hochtrabend den Nil von Louisiana mit gerade so viel Fug und Recht nennen,

als ein Schuhmacher irgendwo in Massachusets seinen Sohn Alexander Cäsar

Napoleon taufte -- durchs Gebüsch und die Ebene hinschleicht, wie die

verrätherisch lauernde giftige Kupferschlange, -- _Cocytus_ sollte er

heißen.

[3]: =Trapper=, ein Biberfänger-Jäger in den Steppen zwischen den

Felsenbergen und den Staaten Missouri und den Gebieten Missouri und

Arkansas.

[4]: =_Nacogdoches_=, der erste mexikanische Ort, auf den man

stößt, wenn man Louisiana verläßt.

Da sind wir denn am Eingange des ersten Sumpfes, aus dem dieser

vermaledeite rothe Fluß herausströmt. Es ist ein unheimlicher Anblick

dieser Sumpf, der, durch den Zusammenfluß des Tensaw, des White und

Red-River gebildet, einen ungeheuren Spiegel des üppigsten Grüns dem Auge

darbietet, das beim ersten Anblick eine Terra-Firma erscheint, mit Bäumen,

von denen Wurzel und grasiger Schlamm in langen Festons herabhängen. Eine

ungeheure Wiese, möchte man schwören, bis man allmälig die dunkelgrünen

Sumpflilien sich bewegen, und zwischen diesen weißlich-braune häßliche

Rachen sich aufthun sieht, die Töne ausstoßen, vor denen der Neuling

schaudert. Es sind Hunderte von Alligatoren, die gleich Sechzigpfündern

durch die üppig giftige Pflanzenwelt auf ihre Beute hinschießen. Ihre

Brunftzeit hat begonnen, und das dumpfe schauerliche Gebrüll, das rings

um uns her ertönt, hat wirklich etwas Grauenerregendes. Man glaubt sich

im Hauptquartier des Todes, der seine Pfeile in den tausend verschiedenen

Fieberarten aussendet.

_Boys a head_, schallt die Stimme des Capitains.

Wir haben den Sumpf passirt und nähern uns dem Ufer, auf welchem ein

schwarzbraunes Paar an einen Holzstoß gelehnt uns erwartete. Wir nehmen

Feuerung ein. Mein Auge folgte bewußtlos der Rotte, die sich über die

Breter drängte, als ein wildes Lachen und die Worte _tallow face_ an

meine Ohren schlugen. So zeitlich schon, dachte ich, und so ganz in meiner

Nachbarschaft, und ich schritt über die Bretter ans Ufer hinan. Ja es war

wirklich so, und das Opfer stand in dem armen Kaisergardisten leibhaft

vor mir. Seine Haut ist bereits durchsichtig, aber es ist dieses eine

Durchsichtigkeit, die scheußlich anzusehen ist. Die Farbe weder blaß

noch gelb, eine Mischung von Talglicht- und Bronzefarbe, -- wir nennen

es _tallow face_, Unschlitt-Gesicht, -- um seine Augen glänzt bereits der

weiße Ring; die Linse rollt, als wäre sie von einem innerlichen Feinde

umher getrieben. Der Neid, so fürchterlich vom alten Naso gezeichnet, ist

Kinderspiel gegen diesen Anblick. Und doch scheint und ist er gleichgültig.

_Monsieur Devigne_, rief ich ihm zu, _comment s'en vat-il?_ Der Mann

starrte mich an, drückte mir die Hand und murmelte ein très-bien, während

die häßliche Negerinn mich am Rocke zupfte, und mir grinsend zuflüsterte:

_Ah Massa! tallow face soon ague cake_[5].

[5]: =_Tallow face soon ague cake_=, so viel, als sein Gesicht

hat bereits das Aussehen eines Talglichtes -- bald wird er den

Fieberkuchen haben. Dieser letztere ist eine Anschwellung

des Unterleibes wie ein Brodlaib und der unmittelbare Vorbote

gänzlicher Auflösung.

Ich stieß das ekelhafte fühllose Wesen unwillig zurück, und wollte eben

mit dem armen Franzosen einige Worte sprechen, als die Stimme des Capitains

wieder erschallte: _All hands on board!_ Armer Teufel! dachte ich, als

ich über die Brücke hinschritt. Die Wüsten Egyptens, die Schlachtfelder

Marengos und Waterloos haben dich verschont, damit das Ague-Fieber sein

Opfer nicht verliere. Und statt des Bedauerns schallt ein wüstes rohes

Lachen vom Verdeck herüber. Beinahe scheint es, als ob sie Freude über

seine baldige Auflösung empfanden.

Welch eine Erscheinung ist doch der Mensch! Wäre dieser Elende auf diesen

unheimlichen oder einen ähnlichen Pestort von seinen Obern gesandt worden,

alles Gold der Erde würde kaum vermocht haben, ihn hier zu halten. Nun aber

kam er aus freier Wahl, wahrscheinlich vertrieben aus besserer Gesellschaft

durch seine Verbindung mit der Schwarzen, und so fällt er denn seiner

Leidenschaft, ein vielleicht nur zu wohl verdientes Opfer. Das Plätzchen,

worauf seine Hütte steht, ist nicht einmal sein Eigenthum, aber das

kümmert ihn nicht. Er hat einige Morgen Waldes gelichtet, Korn und Tabak

hingepflanzt, und diese, mit dem Verkauf des Holzes, fristen sein Leben,

und würden ihn wahrscheinlich wohlhabend gemacht haben, wenn diese häßliche

Schwarze nicht sein Abzugskanal gewesen wäre. Einige Schritte rückwärts

steht seine Hütte, und vor der Thüre wühlen ein paar nackte dunkelbraune

Ungeheuer im Schlamm herum. Sie sehen mehr Schweinen, denn menschlichen

Wesen ähnlich, aber sie sind gesund und munter, und sie sind es, die die

Natur zu Bebauern dieses Landes bestimmt hat. Ihre Aeltern vegetiren ein

paar Jahre, bis die _ague cake_ ihren Leiden ein Ende macht. Sie haben sich

mühsam eine Hütte gebaut, im Schweiße ihres Angesichtes ein Plätzchen urbar

gemacht, ihren Kindern kommt ihre Arbeit zu gut. Geboren in dem giftigen

Qualme, gewohnt an die pestilenzialischen Ausdünstungen, sind sie von

Mutterleib an gezeitigt und wachsen heran, so wie die Sumpfrose unter

giftigen Thieren und Pflanzen, um Kindern und Kindeskindern Leben und

Gedeihen zu geben. So entsprang die Bevölkerung Nieder-Louisianas, und

so wird sich der Same hier mehren. Der erste ist lange verwittert und

vermorscht; er kam von allen Weltgegenden, allen Ländern. Schuldner,

Revolutionäre, Verbrecher, Exilirte, und wieder Männer, die ein besseres

Schicksal verdienten, alle haben sie hier ihr Grab gefunden; aber gerade

in diesen werthlosen Geschöpfen, wie wir sie in unserm Stolze nennen, zeigt

die Natur ihre waltende Sorgfalt. Ja, was als der Krebsschaden der Welt

betrachtet wird, der Abschaum, die Hefe der civilisirten Gesellschaft,

das dient ihr, diese Wildnisse zu bevölkern, und uns -- aus dieser Saat

vielleicht eine neue Art Heloten zu bilden, und so einen Schaden mit einem

ärgern zu verkleistern.

Ei, die Natur meint es gut, aber unser frostiger, kalkulirender,

aristokratischer Geist -- aber _silentium,_ und kehren wir zu den

Demoiselles zurück, deren Namen ich, so wahr ich lebe, vergessen habe. Doch

da kommt mein freundlich zudringlicher Creole selbst, und führt mich den

holden Töchterchen zu. Eine derselben lies't den Guillaume Tell, und das

andere schäkert mit einem schwarzen Mädchen so familiär, daß es der Mistreß

Houston Vapeurs verursacht haben würde.

Sie sind, höre ich, auf ihrer Heimreise vom Ursulinerinnen-Kloster

in Neworleans, wo sie ihre Erziehung erhalten haben. Aber wo sie den

musternden Feldherrnblick herhaben, dürfte schwer zu errathen sein. Doch

nicht von den frommen Schwestern, hoffen wir? Die ältere examinirt mein

werthes Ich mit wahren Kenneraugen, gleichsam als wollte sie sich zuerst

überzeugen, ob der Versuch sich auch der Mühe lohne. Sie scheint um die

Neunzehn herum zu sein, und sich ein wenig zum _Embonpoint_ zu neigen. Es

ist wirklich amüsant, die comfortable Manier zu beobachten, mit der sie

zuerst sich selbst im gegenüber hängenden Spiegel und dann meine

Wenigkeit mißt; ihr Blick gleitet vom Kopf zu den Füßen, der nähern

Beaugenscheinigung wegen, und um sich zu überzeugen, ob man auch Stand

halten könne. Niemand wünscht bei uns in einem so wichtigen Geschäft

hinters Licht geführt zu werden. Doch ich werde boshaft, und ich sollte

wirklich meinem guten Gestirne danken, daß es mich unter so liebe Menschen

brachte, wirklich liebe Menschen, trotz des argen Kokettirens der Aeltern.

Es würde einen ganzen Katalog füllen, alle die Items aufzuzählen, mit

denen sie das Damenzimmer vollgepfropft haben. Ein Glück, daß sie alleinige

Besitzer, und folglich ausschließende Gewalt in diesem ihrem zeitweiligen

Territorium haben. Sonst müßte es Krieg geben. Sie führen eine halbe

Briggsladung von Citronen, Orangen, Ananas und Bananen mit sich, und der

Alte hat wenigstens drei Dutzend Kisten mit Chambertin, Lafitte und Medoc.

Er ist doch kein Weinhändler? Auf alle Fälle zeigt der Mann Geschmack; er

ist erhaben über die so gemeinen Stoffe Hollands, Gin und Whisky, bei deren

bloßem Anblicke einem schon übel wird. Todes- und Laster-Essenzen sollte

man diese grünen und braunen Compositionen nennen, zusammengekocht von

spitzbübischen Quacksalbern zur Schande und zum Verderben Bruder Jonathans.

Und doch ist dieser Bruder Jonathan von Natur nichts weniger als ein

Zecher, ja eher nüchtern und mäßig. Aber diese unglückseligen Söhne und

Töchter Erins! -- Es thut mir leid, aber ich kann es nicht verhehlen, sie

sind die Verführer. Und was das Schlimmste ist, sie wollen auch nicht den

guten Rath hören, den ihnen unsere Temperanz-Gesellschaften so salbungsvoll

spenden, um sie nüchtern und mäßig zu machen. Nein, sie wollen absolut

nicht, noch wollen sie die Zeitungen lesen, die zu gleichem Behufe für

zwei Dollars per annum etablirt sind; das heißt zwei Dollars, wenn voraus

bezahlt, und drei, wenn am Ende des Jahres -- oder gar nicht.

Aber es ist nicht artig so herumzuwandern, und die lieblichen Demoiselles

allein zu lassen. Wir haben denn beschlossen, unsern Thee _en famille_

zu nehmen. Monsieur Menou jedoch hält sich zu seinem Chambertin. Und ich

gedenke beide zu versuchen. Sie, ich meine die Demoiselles, sind wirklich

ganz nette Geschöpfe, so heiter, so lebendig; ihre Zungenfertigkeit ist

ganz einzig, und ihr naives Geplapper möchte einen Misanthropen zum Lachen

bringen. Aber es gibt Momente, wo man nun einmal trübegelaunt sein muß,

Momente, wo das Gemüth von einer Windstille niedergedrückt ist, einer

Windstille, so lähmend und entnervend wie die, welche im heißen August nach

einem westindischen Orkane eintritt. Das Bischen Vernunft, umhergetrieben

und gelähmt im vorhergegangenen Sturme, ist erschöpft, der Körper

selbst hat seine Kraft verloren, und die Ruhe, die eintritt, ist die

unleidentlichste Pause, ein ekelhafter Stillstand. Jedes Objekt berührt

dann unsere Sinne unangenehm, und unser Verstand erliegt hülflos wie das

Schiff, das, auf seine Beamsends von den riesig anschwellenden Wellen

geworfen, sich nur allmälig oder gar nicht zur Thätigkeit aufrichtet. Ich

war just in dieser Lage. Nie hatte mich oder vielmehr meine Eigenliebe

Schlag auf Schlag so getroffen -- erstens diese tolle Liebe, dann die

erlauschte Entdeckung der Falschheit meines besten Freundes. -- Wir hatten

uns seit unserer frühen Kindheit gekannt und geliebt. Unsere Herzen und

Börsen, und letzteres will viel bei uns sagen, waren sich wechselseitig

offen. Die Verschiedenheit unserer Charaktere bestand bloß in gewissen

leichten Schattirungen, in der Hauptsache stimmten wir wie zwei Uhren

überein, die in ihren Sekundenschlägen abweichen, aber im Ausschlage

zusammentreffen. Und nun --! Eine halbe Stunde mit dieser verführerischen

Eva -- und Freundschaft und alles ist dahin. -- Und, was das schönste

ist, wäre ich guter Narr mit meinen achttausend Dollars nicht ein _Deus

ex machina_ erschienen, so wäre Mistreß Richard noch zu dato Miß Bowstring

genannt. Ich konnte es nicht mehr aushalten; ich mußte hinaus ins

Freie. Die Nacht ist sternenhell; bloß der Fluß ist mit einem schmalen

Nebelstreifen überhangen. Die hohlen Schläge der Dampfmaschine scheinen

aus weiter Ferne herüberzuprallen; es ist das Gebrülle der Alligatoren;

zwischen diesen die Klagetöne der Whippoorwill. Kein einziges Licht am

Ufer, aber Milliarden von Feuerkäfern, die über die Cypressen und Papaws

ein magisches Helldunkel verbreiten. Zuweilen streifen wir so nahe am Ufer

hin, daß die Zweige der Bäume rasselnd an unserm Bote zusammenbrechen.

Morgen denn um diese Zeit werde ich in meinem Tusculum ruhen, für heute

wollen wir mit unserm winzigen Staatsbettchen vorlieb nehmen. So eben kommt

der Capitain mir anzuzeigen, daß endlich unsere lärmenden Reisecompagnons

zur Ruhe befördert sind. Die Uhr schlägt zwölf.

Ja diese Nacht! diese Träume! Es war mir, als ob alle Drangsalen meiner

frühen Jugend sich über mich hingelagert, und in einem Vampyre vereinigt

meine Geistes- und Körperkraft erdrückt, und ausgesogen hätten. Und so

schwer wurde die Last, daß ich ausrief im Schlafe, und beinahe die ganze

Gesellschaft in Schrecken versetzte. Ich hatte ihn wirklich abgeschüttelt

den Vampyr, und ich fühlte mich erleichtert. Ich bin herzlich froh, denn

sollte dieser liebenswürdige Spleen noch vierundzwanzig Stunden länger

gedauert haben -- wahrlich, ich hätte allen Umgang mit Menschen aufgeben

mögen. Wohl denn, ein frischer Windzug hat sich erhoben, und der wird die

an einander schlagenden Segel schon wieder füllen. Das _bon jour!_ des

Creolen lautet jedoch ziemlich trocken und prüfend. Es schien, als wollte

er in meiner Miene lesen, ob seine Höflichkeit nicht wieder mit einer

unartigen Steifheit vergolten werden dürfte. Wohl, ich will mir Mühe geben,

die üblen Eindrücke zu vertilgen. Es sind gute Menschen diese Creolen,

nicht allzu gescheidt, immer sind sie mir aber lieber als die pfiffigen

Yankees, trotz ihrer närrischen Tanzlust, die sie selbst nicht bei ihrer

ersten Ansiedelung verläugnen konnten. Es muß toll genug ausgesehen haben,

wie sie so in ihren Wolldecken umher trabten und französische Menuets

aufführten. -- Doch, es ist zwölf Uhr, der Auszugsdampf läßt sich hören,

das Schiff nimmt wieder Feuerung ein.

_Monsieur! voilà votre terre_, sagte der Creole auf das Ufer und die

Holzstöße deutend. Ich blickte durch das Fenster, und wirklich ich finde,

der Creole hat Recht. Wir hatten so lange mit den Demoiselles geplaudert,

daß Stunden und Meilen wie Augenblicke dahin flogen. Mein Aufseher

hatte seit meiner Abwesenheit ein Holzlager für Dampfschiffe errichtet.

Wenigstens eine Verbesserung! Und da ist er selbst, der leibliche

Mister Bleaks. Der Creole scheint gute Lust zu haben, mich nach Hause zu

begleiten. Ich kann es nicht hindern, hoffe jedoch, er wird nicht gar so

artig sein. Ich hoffe. Nichts abschreckender als eine derlei Visite, wenn

man Jahre lang von Haus und Hof entfernt gewesen; die Laren und Penaten

eines Hagestolz sind die sorglosesten aller Götter.

Mister Bleaks! sprach ich, indem ich an ihn herantrat, der in seinem rothen

Flanellhemde und Calicot-Inexpressibles und Strohhute sich eben nicht

sonderlich um seinen Oberherrn zu kümmern schien, wollt ihr so gut sein,

die Gig und Koffer ans Ufer bringen zu lassen?

Ah, Mister Howard! erwiederte der Mann, sind Sie es! hatte Sie nicht so

bald vermuthet.

Hoffe doch nicht unwillkommen zu sein? erwiederte ich ein wenig ärgerlich

über des Mannes echt pensylvanische Trockenheit.

Sie sind doch nicht allein gekommen? fuhr er in eben dem Tone fort. Sind

Sie? frug er mich mit einem Seitenblicke messend. Dachte, Sie würden uns

ein Dutzend Blackee's mitbringen; wir brauchen sie.

_Est-il permis, Monsieur?_ fragte nun der Creole, seine Hand in die meinige

legend und auf das Haus hinweisend.

Und das Dampfschiff? bemerkte ich in einem Tone, so gedehnt, das einen nur

mittelmäßig in der Physiognomik oder Psychologie Bewanderten belehrt haben

müßte, daß er wahrlich überflüssig sei.

Oh, das wird warten, erwiederte er lächelnd. Was wollte ich machen? ich

mußte die Reise nach meinem Hause mit dem wunderlichen Manne antreten,

so schwer es mir auch fiel. Und wahrlich, es fiel mir schwer! Es war ein

gräulicher Anblick, ein Gräuel der Verwüstung. Alles sah so hinfällig, so

verloren, so verdorben aus, daß mir der Ekel aufstieg. So hatte ichs nicht

erwartet. -- Von der Einzäunung um den Hausgarten standen bloß einzelne

Fragmente; im Garten selbst trieb das liebe Borstenvieh sein Wesen. Und das

Haus! Gott sei mir gnädig! Keine Scheibe ganz; alle Fensterrahmen mit alten

Hosen und Kitteln und zerrissenen Weiberröcken ausgestopft. Ich konnte

keine Orangen- und Citronenlauben erwarten, ich hatte sie nicht gepflanzt;

aber dieß! -- nein, es war wirklich zu arg.

Jedes Gemälde sollte seine Schattenseite haben, wenn es nicht ein _à la_

Fresco-Gemälde ist; aber hier war Alles Schatten -- Nacht. Keine

lebendige Seele zu sehen während unserer Tour vom Ufer durch die modernden

Riesenstämme, zwischen denen wir uns durchzuwinden hatten. Hier endlich

läßt sich etwas Lebendiges sehen. Es ist ein Trio schwarzer Ungethüme, die

mit Marius und Sylla sich im Kothe herumbalgen, ein halbes Hemde am Leibe,

und schmutzig wie es nur Menschenkinder sein können. Und die Affen, sie

starren mich mit ihren rollenden Augen an, und galloppiren dann lachend

hinters Haus. Ah! die alte Sibylle! Sie steht vor einem Kessel, der von

einer Stangenpyramide herabhängt: ein wahres Contrefait der Macbethischen

Hexen. Nun starrt sie auf uns, ohne sich jedoch zu bewegen. Ich muß ihr

schon selbst meine Aufwartung machen. Ah, nun erkennt sie mich, und kommt

mit ihrem ungeheuren Löffel auf mich zugeschritten. Es wundert mich, daß

sie ihren Truthahnkragen noch nicht umgedreht, der mich fünf und siebenzig

Thaler kostete. Nun rennt sie und schreit und weint vor Freuden. Ein

Wesen denn wenigstens, das Freude bei meiner Ankunft äußert. Und die

Aengstlichkeit, mit der sie auf den Kessel und die drei Pfannen hinsieht,

in denen Schinken und getrocknetes Schweinefleisch kochen; sie ist

augenscheinlich noch nicht mit sich eins, ob sie Kessel und Pfannen oder

mich im Stiche lassen soll. Doch der Creole scheint ihren Jammer aufs

höchste zu steigern. Sie erhebt ihre gellend durchdringende Stimme; niemand

läßt sich jedoch blicken.

_Et les chambres_, heult sie, _et la maison et tout, tout --_

Ich wußte nicht, was sie mit ihrer Jeremiade wollte. Sie deutete auf meinen

Begleiter, krächzend: _Mais mon Dieu! pourrais-je seulement un moment --

Tenez-la, Massa!_ bat sie, indem sie mir den Löffel hinhielt, und eine

Bewegung des Umrührens machte, und wieder auf das Haus deutete.

_Que voulez-vous donc!_ rief ich aufgebracht, und nun kam die Aufklärung:

die Zimmer waren nicht gereinigt, nicht gelüftet, kurz, in einem Zustande,

der nicht zuließ, daß ein Fremder sie betrete. Sie brauchte nichts als eine

kleine Viertelstunde, sie in Ordnung zu bringen, und während dieser Zeit

würde ich wohl so gut sein, der Ehre des Hauses wegen einstweilen das

Gemüse und die Fleischklumpen im Kessel umzuwenden, und die Pfannen dabei

nicht vergessen. Ich hieß sie zu allen Teufeln gehen und kehrte mich

dem Hause zu. Einen Trost hatte ich, den nämlich, daß meines Begleiters

Residenz wahrscheinlich nicht glänzender, wenn ja noch so gut war; diese

Creolen oberhalb Alexandria leben noch wie die halben Indianer. Auch

schien Monsieur Menou der horrible Zustand meines Hauswesens gar nicht

zu befremden. Als wir in den Salon kamen, fand ich, statt der Sophas und

Sessel, Haufen von grünem und mexikanischem Cotton-Samen; in einer Ecke

alte Wolldecken, in der andern einen Waschzuber. Die Zimmer waren noch

ärger hergenommen: in meinem Schlafkabinette hatte Bangor seine Residenz

aufgeschlagen, und die Musquittovorhänge waren wahrscheinlich in Mistreß

Bleaks Behausung gewandert. Ich eilte von dieser gräuelvollen Unordnung dem

Hofe zu, mein ganzes Wesen war aufgeregt.

_Mais tout cela est bien charmant!_ sprach der Creole. Ich schaute den Mann

an; er war ganz ernsthaft. Ich schüttelte den Kopf, denn fürwahr ich war

nicht in der Laune, Spott zu ertragen. Der creolische Plagegeist jedoch

ergriff wieder meinen Arm und zog mich den Hütten meiner Neger und weiter

den Cottonfeldern zu. Es waren die üppigsten Felder trotz der gränzenlosen

Nachlässigkeit; der unglaublich fette Boden hatte die Stauden beinahe

mannshoch hinaufgetrieben, und es war im Juni. Der Creole prüfte mit

Kenneraugen und schüttelte den Kopf.

Die Glocke ertönte vom Dampfschiffe her. Gott sei Dank, dachte ich.

_Monsieur!_ sprach er, _la plantation est bien charmante, mais ce Mistère

Bleak ne vaut rien, et vous -- vous êtes trop gentilhomme._

Ich verbiß das derbe Compliment, meine Zähne knirschten jedoch

unwillkürlich.

_Écoutez!_ fuhr er fort, _vous irez avec moi_.

_Moi!_ sprach ich. Ist der Mann toll, mir einen solchen Vorschlag zu thun,

kaum zehn Minuten nachdem ich mein Haus betreten!

_Oui oui Monsieur!_ sprach er, _vous irez avec moi. J'ai des choses bien

importantes à vous communiquer._

_Mais Monsieur!_ erwiederte ich ziemlich frostig, _je suis bien étonné

d'une proposition si étrangère --_

_Et faite par un étranger_, fügte der Creole lächelnd hinzu. _Mais

vraiment, Monsieur Howard! vous êtes venu sans prendre les précautions

nécessaires comme je vois -- -- et la fièvre. Ah Monsieur, quand on est

forcé de s'échapper de ses amis --_

Ich blickte den Mann staunend an; woher wußte er dies? Die Glocke ertönte

ein zweites Mal.

_Eh bien!_ fragte er, _plaît-il ou non?_

Ich stand verlegen, sinnend, ärgerlich. _J'accepte de votre offre_, sprach

ich endlich meiner selbst nicht bewußt, und eilte schnell mit ihm dem

Dampfschiffe zu. Mister Bleaks schüttelte verwundert den Kopf. Ich

bedeutete ihm, etwas mehr Acht auf die Pflanzung zu haben, und wollte

eben die auf das Dampfschiff führenden Breter betreten, als meine fünf und

zwanzig Neger heulend hinter dem Hause hervorgerannt kamen.

Massa! um Gotteswillen, Massa, bleibt bei uns! riefen die Männer. Massa,

guter, lieber Massa, nicht gehen! Mister Bleaks! heulten die Weiber.

Ich winkte dem Kapitain, eine Weile zu halten.

Was fehlt euch? fragte ich ein wenig betroffen.

Einer meiner Sklaven trat vor und entblößte seine Schultern, zwei andere

folgten seinem Beispiele.

Ich warf einen durchbohrenden Blick auf Mister Bleaks, der grinsend

lächelte. Es war für meine Ehre und mein Gewissen ein wahrhaft rettender

Moment, der meine armen Neger herbeigeführt hatte. In der Tollheit meines

Wesens wäre ich dem Creolen gefolgt, ohne mich auch nur im mindesten um das

Loos von fünfundzwanzig Menschen zu erkundigen, die ich unter so schlechten

Händen gelassen. Ich entschuldigte mich kurz beim Creolen, versprach einen

baldigen Besuch, um nähere Aufklärung über seine räthselhaften Worte zu

erhalten, und verbeugte mich. Der Mann erwiederte kein Wort, rannte über

die Breter, wisperte dem Capitain etwas in die Ohren, und verschwand in den

Staatssalon.

Ich hatte weder Zeit noch Lust mich länger mit ihm zu befassen, und war

schweigend, umgeben von meiner schwarzen Bevölkerung, dem Hause zugegangen.

Das Dampfschiff ging so eben ab, als mich etwas am Arme anfaßte, -- es war

der Creole. Nun bei Gott, das ist zu toll. Es fehlte nur noch, daß er seine

beiden Demoiselles auch mitbrachte. Der Mann jedoch sprach ganz trocken:

_Vous aurez besoin de moi avec ce coquin-là. Nous nous arrangerons

aujourd'hui, demain viendra mon fils et après-demain vous irez avec moi._

-- Ich schwieg und ließ den Mann reden, denn wirklich seine Zudringlichkeit

schien an Narrheit zu gränzen.

Meine armen Neger und Negerinnen weinten und lachten vor Freude; die Kinder

schmiegten sich an ihre Eltern; Alle aber hingen mit erwartendem Blicke

an mir. Ich befahl ihnen, in ihre Hütten zu gehen, von woher ich sie rufen

lassen würde.

_Damn these blakies!_[6] sprach Mister Bleak, als sie den Rücken gewandt

hatten: sie haben schon lange nicht wieder die Peitsche gekostet.

[6]: G--tt verdamme diese Schwärzlinge, Schwarzköpfe.

Ich gab dem Manne keine Antwort, bedeutete der alten Sibylle, Beppo und

Miza zu rufen, und winkte ihm, sich zu entfernen.

Das soll wohl gar ein Verhör sein? höhnte Mister Bleaks; da wollen wir auch

dabei sein.

Keine eurer Unverschämtheiten, Mister Bleaks! sprach ich; erwartet meine

Verfügungen und entfernt euch.

Und keine Ihrer Vornehmheiten, erwiederte der Mister. Wir sind in einem

freien Lande, und Sie haben keinen Neger vor sich.

Der Mann trieb mirs ein wenig zu bunt. Mister Bleak, sprach ich mit

so vieler Fassung, als ich vermochte, ihr seid hiemit entlassen. Eure

Anstellung geht bis 1. Juli; wir haben noch zwanzig Tage, sie sollen euch

bezahlt werden.

Ich setze keinen Fuß von der Schwelle, bis ich meinen Gehalt und Auslagen

und Vorschüsse empfangen, erwiederte der Mann trocken.

Bringt mir eure Rechnungen, erwiederte ich; das Blut fing an in meinen

Adern zu kochen.

Der Mann hatte durchs Fenster seinem Weibe zugerufen, die zur Thüre

hereinkam; nachdem sie einige Worte mit einander gewechselt hatten,

entfernte sie sich wieder.

Ich hatte unterdessen meinen Koffer geöffnet und einige Rechnungen, Briefe,

Quittungen durchgesehen.

Das Weib kam mit den Rechnungsbüchern herein, und stellte sich mit

gespreizten Armen hin. Ihr Mann ging ganz gemächlich in die nächste Stube,

brachte zwei Sessel, und die beiden Eheleute setzten sich.

Wahrlich, unsere liebe Freiheit hat doch auch verwünscht viel Unbequemes!

Den 20. December 25 Ballen Cotton, 4 Fässer Tabak in Blättern an Mr. M--n

abgeliefert, begann er; den 24. Jänner dito 25 Ballen und 1 Faß Tabak in

Blättern.

Richtig! erwiederte ich.

Das war unsere ganze Ernte, fuhr der Mann fort.

Ein ziemlicher Abstand vom vorletzten Jahre, bemerkte ich, 95 Ballen und

50.

Wenns dem Gentleman nicht recht ist, so hätte er nicht in der halben Welt

herumvagiren sollen, fuhr Mister Bleaks heraus.

Und uns da in diesem Fieberpfuhle verschmachten lassen, ohne Geld und

alles, bemerkte Mistreß Bleaks.

Weiter! sprach ich zu ihrem Manne.

Das ist Alles; davon habe ich von Mr. M--n empfangen als Besoldung

sechshundert Dollars, kommen mir noch dreihundert Dollars zu.

Gut! erwiederte ich.

Ferner, fuhr der Mann fort, für Wälschkornmehl und Schinken und gesalzenes

Schweinefleisch und Wolldecken und Cottonzeuge ausgelegt vierhundert

Dollars, macht siebenhundert; ferner viertausend Zaunpfosten zu

Fenceriegeln: Summa siebenhundert vierzig Dollars.

Ich rannte um Schreibzeug und Feder nach der Stube, wo die Trümmer meines

Sekretairs standen, schrieb einen Gutschein an meinen Banquier, und kehrte

zurück. Diesen Menschen wollte ich um keinen Preis länger im Hause haben.

Erlauben Sie, -- sprach der Creole, der dem Vorgange als stummer Zeuge

zugesehen hatte, indem er nach dem Papiere griff.

Vergebung, mein Herr! erwiederte ich beinahe aufgebracht über des Mannes

Zudringlichkeit; in =diesen= Angelegenheiten wünsche ich mein eigener Herr

und Rathgeber zu sein.

Halten Sie ein, und erlauben Sie mir einige Fragen an Mister Bleaks, fuhr

der Mann fort, ohne sich durch meine Abweisung irre machen zu lassen. Will

Herr Bleaks seine Rechnung nochmals lesen?

Wüßte nicht warum! Kümmert euch um's Eurige! war die Antwort.

Dann will ichs für Herrn Bleaks thun, sprach der Creole.

Den 20. December fünf und zwanzig Ballen Cotton und vier Fässer

Tabaksblätter an Mr. M--n abgeliefert. Ists nicht so?

Mister Bleaks gab keine Antwort.

Den 23. December zwanzig Ballen Cotton und ein Faß Tabak an Mr. G--s

abgeliefert. Ists nicht so?

Die beiden Eheleute fingen an ihre Farbe zu verlieren.

Den 24. Januar fünf und zwanzig Ballen Cotton und ein Faß Tabak

abgeliefert, fuhr der Creole fort, und den 10. Februar wieder zwei und

zwanzig Ballen Cotton und zwei Fässer Tabak an Mr. G--g abgeliefert. Ists

nicht so?

Verdammte Lüge! platzte der Aufseher heraus.

Die wir sehr bald zu beweisen gedenken, fuhr der Creole fort. Herr Howard,

Sie haben an diesen Mann eine Anforderung von netto zweitausend fünfhundert

zehn Dollars, um die er sie schändlich betrogen; fünfhundert Dollars werde

ich später nachweisen.

Das Ehepaar schnaubte vor Wuth; ich war wie aus den Wolken gefallen.

Wir müssen eilig mit diesen Menschen sein, wisperte mir der Creole zu,

sonst sind sie verschwunden, ehe man es sich versieht. Senden Sie sogleich

zum Friedensrichter M. wegen des Verhaftsbefehls, und geben Sie dem Sherif

und beiden Constables einen Wink. Unten kann er nicht hinaus; er wird es

aber oben versuchen.

Ich traf sogleich die Anstalten, und sandte Bangor, meinen gewandtesten

Burschen, ab. Der Junge hüpfte vor Freude.

Und an das Haus G--gs, bemerkte der Creole, muß sogleich geschrieben

werden.

In einer Stunde war Alles geschehen. Der Montezouma kam so eben den Fluß

herab. Wir riefen den Capitain ans Land, gaben ihm einige Winke wegen des

Vorgefallenen, empfahlen ihm unsere Briefe, und waren so eben im Begriffe,

ihn zu seinem Boote zu begleiten, als eine Gestalt sich durch die

Baumstämme hin schob und wand, und längs dem Holzstoße sich dem

Dampfschiffe zu schlich. Es war Mister Bleaks, so eben im Begriffe, eine

Excursion nach Neworleans zu machen. Wir fanden den ehrlichen Mann

unter den Schiffsleuten und bereits zum halben Neger mittelst Kohlenruß

geschwärzt. Natürlich unterblieb die Reise und vier handfeste Gesellen

beförderten ihn wieder in seine Wohnung. Für ein zweites Reißaus hatten wir

gesorgt, und am folgenden Morgen wanderte der Mister in festeres Gewahrsam.

Aber lieber Monsieur Menou, fragte ich den Mann, als wir bei Tische saßen

und er so eben die zweite Bouteille von seinem Chambertin öffnete, denn

auch diesen hatte der gute Mann nicht vergessen, -- wie kommt es doch, daß

Sie so viele unverdiente Theilnahme mir beweisen?

Ei, ei! Ihr gebornen Bürger-Aristokraten sollte ich sagen, versetzte der

Mann halb lächelnd, halb ernst: Ihr könnt dieses freilich nicht begreifen

in eurem echt republikanischen, starren, stolzen Egoismus, der nur auf sich

selbst denkt und vornehm auf uns Creolen und die übrige Welt herabschaut,

als Wesen einer untergeordneten Race; wir vergessen uns selbst nicht,

gedenken jedoch auch unserer Nachbarn. Ihre Affairen, sowohl des Herzens

als der zeitlichen Güter, sind mir ganz genau bekannt, und wie Sie sehen

weiß ich guten Gebrauch davon zu machen.

Ich drückte dem Manne herzlich und schweigend die Hand.

Wir lieben euch nordische Herren nicht sonderlich, aber Sie machen eine

Ausnahme; Sie haben etwas von der französischen Etourderie im Geblüte, und

vieles von unserer Generosität.

Ich lächelte über den vorgehaltenen Sittenspiegel.

Sie haben sich von ihren Freunden lange zum Besten halten lassen, und man

amüsirt sich über den Korb, den Sie für bloßes Beschauen empfangen.

Ich sprang von der Tafel auf. Bei allen T.....n!

Ja, ja, mein Herr! lassen Sie das gut sein; Emilie Warren ist ein

treffliches Mädchen, aber doch eine Yankeein, für Sie zu gescheid.

Danke fürs Compliment.

Morgen kommt mein Sohn; ihre Pflanzung bedarf nur einer festen Richtung und

eines kleinen Kapitals von acht- oder zehntausend Dollars, dann kann sie

sich in ein paar Jahren mit jeder am Missisippi messen. Mein Sohn wird ihr

diese Richtung geben, und Sie bleiben einige Monate bei mir.

Aber Mister Menou!

Keine Aber, Herr Howard! Sie haben die nöthigen Summen; sie schaffen noch

zwanzig Hände herbei -- für gute wollen wir sorgen. Morgen das Weitere.

Am Morgen kam der junge Menou, ein schlichter, gewandter Jüngling von etwa

zwanzig Jahren. Der Tag verging in Besichtigung der Pflanzung. Der junge

Mensch hatte mein volles Zutrauen in wenig Stunden gewonnen. Ich empfahl

ihm die Meinigen, und am Abende schifften wir uns nach seines Vaters

Pflanzung im Ploughboy[7] ein.

[7]: Ploughboy, der Name eines Dampfbootes.

Nicht sehr interessant, aber recht natürlich.

Der gute Creole hatte christlich an mir gehandelt. Als wir vor dem Hause

des Friedenrichters anhielten, und ich ihm -- er war bereits im Schlafrocke

-- die näheren Ursachen meines Ansuchens um Verhaftung Mister Bleaks

eines weitern auseinander setzte, kam mir der gute Mann mit dem naiven

Geständnisse entgegen: Wußte Alles, lieber Mister Howard, sonnenklar; sah

jeden Ballen, um den er Sie bestahl, oder bestehlen wollte.

Aber um's Himmelswillen, Mann! fuhr ich heraus, warum ließen Sie dieses so

angehen?

Weil es mich nichts anging, Lieber, versetzte er mir trocken.

Hätten Sie wenigstens meinen Anwald benachrichtigt.

Ging mich nichts an, war wieder die Antwort; doch plötzlich seine

Augen starr auf mich richtend, fing er ziemlich derb an, mir eine Art

Strafpredigt zu halten, auf die ich nichts weniger als gefaßt war. Ei,

ei! begann er, die Schlafhaube aufs linke Ohr setzend, da kommt ihr jungen

Herren mit eurem Dutzend Blakies aus dem Norden, werft dem County ein

paartausend Dollars zu, glaubt dafür gemächlich den Absentee-Gentleman

spielen zu können, und uns recht sehr zu beehren, wenn ihr uns die

Mühe überlasset, euch die Dollars und Banknoten zusammenzuscharren und

nachzuschicken, daß ihr sie oben oder gar außer Landes verzehren möget.

Mir thut's beinahe leid, Mister Howard, daß Sie nicht sechs Monate später

kamen.

Und so dem Wichte Zeit ließ, sich mit der Beute davon zu machen?

Er hat wenigstens gearbeitet, und hat Weib und Kind, und ist dem County und

dem Lande nützlich geworden.

Ei der Teufel! fuhr ich dazwischen. Nun wirklich, für einen Friedensrichter

haben Sie einen sonderbaren Codex.

Der weder von Boni, noch von Livingston, aber echt patriotisch ist,

versetzte der Mann ernst, auf die Stirne deutend.

Ich sah ihn mit aufgerissenen Augen an; aber er mich auch. So unrecht hat

er im Grunde nicht. Worin bestünde auch der Unterschied zwischen einem

Louisianer oder Virginier, und einem irischen oder englischen Aristokraten?

Bei uns ist jedoch noch nicht viel Gefahr vorhanden. Echt vornehme

Reiseunternehmungen gedeihen nun einmal nicht; mich wenigstens hätte mein

Versuch bei einem Haare dreitausend Dollars gekostet. So, wie die Sachen

standen, waren sie jedoch gerettet: die Gelder noch in den Händen der Mst.

G--s, die wahrscheinlich in diesem Punkte wie Squire Turnips dachten. Ich

übergab dem Manne die nöthigen Vollmachten und Papiere, wünschte ihm eine

gute Nacht, und wir schüttelten einander herzlich die Hände. Der Morgen

graute bereits herauf, als wir das Dampfschiff zum zweitenmale verließen,

um eine Carosse zu besteigen, die zwar schrecklich aus der Mode war, uns

aber rasch fortbrachte. Eben hatte ich mich wieder dem lieblichen Morpheus

in die Arme geworfen, als eine sanfte Stimme nicht zehn Schritte von uns

rief: _Les voilà!_ Ich blickte auf, rieb mir die Augen, -- es war Louise,

die jüngere Tochter des Creolen, die nun vor der Veranda stand und uns

willkommen hieß. Welche von unsern lieben nordischen Evatöchtern würde

wohl dahin zu bringen gewesen sein, des Papa willen um sechs Uhr ihr

jungfräuliches Lager zu verlassen, und für uns schwarzen Kaffee bereit

zu halten, damit die bösen Ausdünstungen nicht unsern Appetit verderben?

Monsieur Menou schien jedoch in der hingebenden Aufopferung seines

Töchterleins gar nichts Außerordentliches zu finden, und zögerte nicht,

Erkundigung einzuziehen, ob die Leute bereits ihr Frühstück im Leibe und

den Pflug und das Grabscheit in der Hand hätten. Auch über diesen Punkt

wußte Louise Auskunft. Zugleich erwies es sich, daß sie in den vier und

zwanzig Stunden ihres Daheimseins sich ziemlich tief in die Verhältnisse

ihrer schwarzen Liege-Subjekte einstudirt habe. Tom hatte sich nämlich

einen Splitter in den Fuß gerannt, Pompey hatte Augenweh, er schielte stark

nach Sarah, und Curgy hatte eine neue Eroberung am Cato eines Nachbarn

gemacht, -- Alles Dinge, die zwar für Menou und Louisen sehr interessant

sein mochten, mich aber sanft zum Gähnen brachten. So sah ich mich denn

unterdessen im Speisesaale um, dessen Ameublement mir einen Vorgeschmack

der hier existirenden Civilisirung geben sollte. Die Matten waren das

Neueste, und sehr elegant; aber das _sideboard_ war schrecklich aus der

Mode. Tische, Sesseln und Sopha französisch, statt amerikanisch. An den

Wänden hingen ein paar Kupferstiche; nicht die Schlacht von New-Orleans,

oder die glänzenden Siege Perry's und Bainbridge's über die Britten auf den

Champlain- und Erie-Seen; nein, ein paar Curiositäten aus _Louis-Quinze_

und _Seize_ Zeiten. Ueberhaupt hatte das Ganze einen ziemlich starken,

oder vielmehr matten Beigeschmack vom _ci-devant_ Franzosenthum, nicht dem

republikanischen, oder kaiserlichen, oder restaurirt-jesuitischen, nein,

dem verlorenen, verdorbenen alt-royalistischen.

Ja, die wahre comfortable Art zu leben und zu sein findet man nur beim

echten Amerikaner oder Engländer, vorausgesetzt, er habe Batzen; der

Ueberrest ist noch im Barbarenthum versunken: Prunk und Flitter im

Schauzimmer, und Schmutz und Fäulniß im Schlafgemach und auf dem Leibe.

Es ist eine arge Sache um unsern Stolz und Uebermuth und unser ewiges

Kritisiren; aber wir können es nun einmal nicht lassen. Wir schauen so

gerade zu und tief; der gute Pabst ist uns bloß ein alter Mann, und ein

König ein anderer, wenn er nicht jung ist, und Menschen und Bücher sind

vor uns aufgeschlagen, wie unser offenes Land, und wenn wir ja ein bischen

spöttisch unsere armen transatlantischen Brüder in Adam durchhecheln, so

wissen wir wohl, daß uns von ihnen auch nichts geschenkt wird. Wenn wir

so einander in die Haare geriethen, wie würden sich die alten

schleimig-schwammigten Legitimaten und ihre Laquaien freuen! -- Doch genug;

die stündige Relation ist vorüber, und wir erheben uns, um einen Blick auf

das Aeußere zu werfen. Nun, das Haus laßt einmal sehen! Es lehnt sich an

einen zuckerhutähnlichen Maulwurfshügel, den einzigen, den es für Meilen in

der Runde herum geben soll. Gegen Süden, Osten und Westen ist es mit einem

dichten Rahmen von Akazien- und Cottonbäumen eingefaßt; nur die Nordseite

liegt offen für das Flüstern des Boreas, der bei uns ein wunderlieblicher

Gast ist. Ein helles Bächlein (für Louisiana wenigstens) strömt seine

Gewässer von der sanften Anhöhe in einen kleinen See, der, würde ein Yankee

sagen, 180 Fuß lang, 80 breit, einen Fall von 45 Fuß hat, und so eine

herrliche Gelegenheit zu Maschinenwesen darbietet, wenigstens zu einer

Gerberei, ein sicheres Antidote gegen die Cholera. Wir hoffen, der Czar

wird uns mit seinem Cadeau verschonen; wir sind ja seine besten Freunde,

sagte die letzte Präsidentenbotschaft. Ich habe nichts gegen die

Freundschaft des Czars, das ist ein feiner, artiger Mann; aber mit seinen

stinkenden, loyalen Bojaren, da mag er uns in Ruhe lassen.

Doch, zu Monsieur Menou's Haus zurückzukommen. Es sind eigentlich drei

Bauwerke, die, zu verschiedenen Zeiten von Großvater, Vater und Sohn

gebaut, nun in eines vereint sind. Die Ursache dieser Vereinigung gereicht

dem Herzen des Creolen zur Ehre: -- Meine Kinder sollen sich stets

erinnern, wie schwer es ihren Großeltern geworden, welche Mühseligkeiten

sie zu erdulden hatten, um ihren Nachkommen bequemere Tage zu verschaffen.

-- »Ja, das sollen sie,« erwiederte eine Stimme hinter uns, gerade als

wir vor dem Seechen standen. -- _Madame Menou, j'ai l'honneuer de vous

présenter notre voisin, Monsieur Howard._ -- »_Qui restera chez nous

pendant long-tems_,« frohlockten die beiden Mädchen. -- Ich verbeugte mich

pflichtschuldigst vor der Dame, und konnte kaum eine Antwort geben, als

die beiden Geschöpfe mich, jede bei einer Hand ergriffen, und mich _nolens

volens_ ins Haus und durch ein halbes Dutzend Zickzack-Gänge und Gängchen

zogen, um mir mein Zimmer zu zeigen, wobei ich nicht wenig Gefahr lief,

mir Stirne und Knochen an den mannigfaltigen Ecken und Windungen zu

zerschellen. Glücklich langten wir jedoch in einem achteckigen Gemache an,

das sie mir als das wohnlichste bestimmt hatten, indem es unmittelbar über

dem Wasser und so stets kühle sei. Und wieder zogen sie mich heraus, und

hinunter ging es zu Pa und Ma. Die Ma war eine comfortable, behaglich

aussehende, gute Dame, mit einem etwas flachen Gesichte, in dem jedoch ein

Ausdruck von Gutmüthigkeit und _laisser aller_ vorherrschend war, bei dem

man sich recht wohl, so gleichsam zu Hause fühlte. Sie nahm mich so

ganz als alten Bekannten auf, als wäre ich ihr seit Jahren erkohrener

Schwiegersohn gewesen: keine Complimente, kein geschraubter Anstand;

selbst ihre Gesichtszüge nahmen sich nicht einmal die Mühe, das bei

Fremdenempfange gewöhnliche Feiertagskleid anzuziehen. -- Doch siehe da!

was hat dies zu bedeuten? Eine Dame mit zwei Gentlemen -- augenscheinlich

sind es Ausländer. Die Olivenfarbe des Einen verräth ihn als einen

spanischen Abkömmling, der Andere ist jedoch schwerer zu definiren.

Sie kommen von der Veranda herab und schließen sich an uns an, wie

Hausgenossen. Sie wurden mir aufgeführt als Signor Silveira und Signor

Pablo; die Dame ist die Gattin des Erstern. Eine edle Gestalt, Augen

schwarz, Nase römisch, stolz und fein geformt, ein prachtvoller Mund mit

herrlichen Reihen von Elfenbeinzähnen, ein Teint, brunett und zart, -- das

ganze Wesen hat für eine Ausländerin wirklich etwas Anziehendes. Ich habe

bisher immer unsere nordischen Mädchen für die schönsten gehalten,

selbst die Brittinnen nicht ausgenommen -- diese könnte unsern ersten

Prachtausgaben die Palme streitig machen. Doch _softly_ -- lieber Howard,

Don Silveira, scheint es, behält seine Frau gerne für sich, und auch Louise

ist ein wenig verstimmt über meine etwas zu republikanischen Blicke. Keine

Gefahr! eheliche Galanterien sind mir verhaßt. Freiheit und Eigenthum! ist

unser Wahlspruch, und Eheleute sind gegenseitiges Eigenthum. Ich halte mich

zur Bouteille, die mir vom Dejeunertische herüberblinkt, an dem wir uns,

dem Himmel sei Dank, niederlassen, denn es wird mir ganz curios zu Muthe

-- _squeamish_, wie wir in Virginien zu sagen pflegen. Unsere Gäste jedoch

sind ganz ernst und solenn, essen wenig, und die _steaks_ waren doch so

vortrefflich, und die jungen _quails_ unvergleichlich, und der Chambertin

so wahrhaft napoleonisch. Wohl, was den letztern betrifft, so habe ich gar

nichts dagegen einzuwenden; bleibt ja uns desto mehr übrig.

Wer sind diese Messieurs mit der Dame? fragte ich meinen Wirth, als sie von

der Tafel sich erhoben und den Saal verlassen hatten.

Mexikaner, antwortete Menou; aber wer sie sind, könnte ich Ihnen unmöglich

sagen.

Wie, Sie kennen sie nicht? fragte ich.

Ich kenne sie wohl, sonst wären sie nicht in meinem Hause; aber meine

Familie, flüsterte er mir zu, kennt sie nicht.

Arme Teufel! dachte ich; auch Freiheitsopfer, die ihre sieben letzten Dinge

am Altar der Göttin dargebracht, und zur Belohnung von Haus und Heimath

vertrieben worden sind. In dem Mexiko sieht es noch wüste aus; Guerrero,

Bustamente, Santa Anna obenan, und unten eine Race, der man nichts Besseres

wünschen könnte, als einen echt moskowitischen genialen Treiber, so einen

Peter, der sie so lange knutet, bis sie Raison lernen; meint Monsieur Menou

nicht? aber ich. Ei die Freiheit! ja, sie ist ein göttlicher Funke, der

leicht sprüht, aber nur dann fängt, wenn das erkannte Menschenrecht und

der feste Wille, es aufrecht zu halten, in Millionen wie Stahl und Stein

zusammenschlägt. Wo der Funke einzeln aufsprüht, da fängt er nicht im

morschen Zunder des verjährten Despotismus; es müssen Millionen Funken

sein, und dann brennen die morschen Trümmer lustig weg, und auf ihnen

läßt sich allenfalls der Altar der Göttin bauen. Es wird lange währen, bis

dieser miserable Sklavenhaufe sich aus dem Schlamm ganz erhebt; aber zum

Theile hat er es schon gethan, und aus dem Chaos bildet der göttliche Funke

ja seine Wunder!

Julie und Louise hatten sich mittlerweile in das anstoßende Zimmer begeben,

um die dritte oder vierte Revue über die tausend und eine Wichtigkeiten zu

halten, die sie von der Hauptstadt mitgebracht. Wer die Mama so sah, wie

sie mit wahrer Herzensfreude den Vorsitz bei der Musterung führte, welche

die Brüßler Spitzen, _Gros de Naples_, _Indiennes_, _Gauze_ und tausend

andere Dinge zu passiren hatten, konnte das Bild echt creolischer Comforts

malen. Kein Schmollen über die endlosen _Items_; Alles war charmant, Alles

hatte seine Bestimmung, und ich wunderte mich nur, an welchem Theile dieser

drei Leiber die hunderte von Ellen figuriren sollten, die auf Tischen,

Sesseln, Sopha's und Schränken ausgebreitet waren, und eine ganze

Grafschaft von New-Jersey's Schönen in Prachtausgaben hätten umwandeln

können. Die ganze Familie ist wahrlich ein Muster von fröhlich-harmlos

glücklichen Wesen; eine gewisse ungekünstelte Natur, ein fröhlicher

Muthwillen, der stets seine Gränzen kennt und nie dem Anstande zu nahe

tritt. Jeder und Jede verrichten ihre Aufgaben in einem lachenden, fröhlich

schäkernden Tone, der aber bei alle dem so wohl wie unser stattlich

steifes Wesen zu gedeihen scheint; wenigstens ist die Ordnung im Hauswesen

bewundernswerth, und das Dejeuner war deliciös. Selbst Mistreß Houston, die

wegen ihrer Diners und Dejeuners berühmte Mistreß Houston hätte hier noch

in die Schule gehen können, -- und ich bin Kenner in diesem Punkte. Ich

habe mich einmal sterblich, ich glaube, es war meine neunzehnte

ernstliche Liebschaft, in ein Massachusets-Prachtexemplar verliebt, deren

Lockenköpfchen, so wahr ich lebe, bereits drei Novellen entsprungen,

so sentimental und phantastisch albern, sie hätten einer Deutschen

Ehre gemacht. Ich war ganz rasend in sie versessen, bis es ihrer Ma

unglückseliger Weise beifiel, mich zu einem _dîner en famille_ zu bitten;

da ruinirten die ledernen Hammel-Cotelets für zwei Tage meine Zähne, und

für immer meine neunzehnte Liebe. Doch, versparen wir unsere weiteren

Lobeserhebungen, bis wir mehr Salz mit den Leutchen gegessen haben. Unser

Sprichwort ist: _Love me a little, but love me the longer._ Wir wollen die

lieblichen Geschöpfe der Obhut der Ma überlassen, und mit Herrn Menou seine

Pflanzung besehen. Sie ist so übel nicht; _au contraire_, die Lage

gegen den Fluß hin, die Bewässerung durch Gräben, die Cotton- und

Wälschkornfelder, prachtvoll. Der Mann hat über dreihundert Acker in Kultur

und eine jährliche Ernte von zweihundert fünfzig Ballen, -- ein hübsches

Einkommen! Nur drei Kinder, die Pflanzung hat viertausend Acker --

die Partie wäre nicht so übel. Was würde aber die Welt dazu sagen? Der

aristokratische Howard mit einer vielleicht _half-breed_[8]-Creolin! Er hat

jedoch sechzig Neger und Negerinnen, und eine ganze Herde von Nachwachs,

und die Mädchen sind so übel nicht -- Milch und Blut -- besonders Louise.

-- Wollen sehen.

[8]: =_Half breed_=, Schwarzhäute, oder =_half blood_=,

Halbblütige, wird die durch Vermischung mit den Indianern

entstandene Caste genannt.

Apropos! fragte der Creole, als wir so durch die Feldergassen hinstrichen;

Sie haben dreitausend Dollars bei G--gs?

Ich nickte.

Und achttausend bei Misthere Richards?

Woher wissen Sie dies, lieber Monsieur Menou?

(_Per parenthesin!_ -- Wir lieben es, den Franzosen und Ausländern, unsern

Cousin John Bull ausgenommen, den Titel Monsieur zu geben. Es ist so ein

Mittelding zwischen Herrn und Sklaven, während der Mister oder Master --

der Meister -- den freien selbstständigen Mann bezeichnet, und deshalb für

uns vorbehalten wird.)

Monsieur Menou lächelte auf meine Frage. Woher weiß ich, sprach er, daß

Misthere Howard fünfzehnhundert Meilen gereiset ist, um die schöne Emilie

Warren zu sehen, die von seiner Ankunft wußte, und doch sich an Misthere

Doughby vergab?

Und dabei ein Gesicht schnitt, wie eine wahre Iphigenie in Aulis, brummte

ich.

Der Mann nickte. So etwas weiß man, sobald man den _haut-ton_ der

Hauptstadt in seinen Ohren sausen gehört.

Siehe da! Monsieur Menou, der schlichte Monsieur Menou also auch ein

_haut-ton_-Mann, sprach ich beinahe ein bischen spöttisch, auf des Mannes

ungebleichte Pantalons und Jacke und Strohhut schielend.

Meine Frau ist eine geborne M--y, mein Großvater war Parlamentspräsident zu

Toulouse, war seine Antwort.

Ich verbeugte mich. Die indianische oder schwarze Race hat also zur

Verjüngung des Samens nicht, wie ich argwohnte, beigetragen.

Und wirklich hat denn, fuhr ich fort, der arme Howard zum Theegespräche

herhalten müssen?

Ja, sprach der Mann, und wenn ich der Mister Howard wäre, so wollte ich

meinen lieben Freunden einen recht herrlichen Spaß spielen.

Lassen Sie doch hören.

Der Mann schüttelte den Kopf. Leuten Rath geben, die sich klüger dünken,

und auch vornehmer, das thut Menou nicht.

Ich sah den Mann betroffen an. Er hat recht! Ein Sterling-Charakter, wie

er, kann für eine Weile den Hohn Unsereines mit ertragen; aber die Geduld

eines Job hatte auch ihr Ende.

Wir gingen eine Weile neben einander her. Wollen Sie meinen Vorschlag

hören? fing er endlich wieder an.

Sehr gerne.

Und versprechen, daß mir die Ausführung überlassen bleibt?

Ich bedachte mich, und sagte dann zu.

So überlassen Sie mir von den eilftausend Dollars, die Sie so werthlos

liegen gelassen, siebentausend zu freiem Schalten und Walten.

Und Richards? fiel ich ein.

Ist besser daran, wie Sie. Sein Sie großmüthig, wo es hilft und erkannt

wird; aber Güte wegzuwerfen und sich selbst zu schaden, ist thöricht. Hier

haben Sie das Recepisse für die Summe; ich werde Ihnen über die Verwendung

Rechnung tragen.

Und mit diesen Worten überreichte er mir wirklich das schon fertig

geschriebene Recepisse. -- Der Mann hat ein kleines Plänchen mit mir, und

griff mir ein wenig zu energisch in mein Sein und Handeln. Der Gedanke an

Richards fing an mir schwer am Herzen zu liegen. Mein indolentes Wesen mit

den albernen Begriffen von Generosität etc., die ich aus Wagenladungen von

Romanen zusammengeschöpft, empörte sich gegen die Idee, dem Freunde gerade

jetzt so mitzuspielen. Doch mein Wort war gegeben, und ich sagte zu. --

Julie und Louise schienen mich kaum zu bemerken, als wir ins Haus traten.

Die Eine hatte mit der Küche und dem Hauswesen alle Hände voll zu thun, die

Andere schnitt und riß in den Ginghams und Indiennes herum, daß man es auf

fünfzig Schritte krachen hörte; beim Souper jedoch ging das tolle Wesen

los, das Schäkern nahm kein Ende. Es schien, als ob die Mädchen, nachdem

sie die Tageslast abgeschüttelt, erst vor dem Schlafengehn zum eigentlichen

Leben erwachten.

Die drei Fremdlinge mit ihrer Grandezza genirten sie nicht im mindesten.

Gegen acht Uhr wurde die Ungeduld über das lange Sitzen zu rege. Sie

wisperten und wisperten, und ehe wir es uns versahen, hatten sie die Tafel

verlassen, und waren in den Salon geschlüpft.

Die Töne eines harmonischen Pianoforte wurden gehört.

Wir müssen eilen, sprach der Creole, sonst setzt es verdrießliche

Gesichter. Und so gingen wir denn in den Salon.

Nun, dieser Salon ist wirklich elegant. Am prachtvollen Instrumente sitzt

die fremde Dame, die einen Cotillon spielt, und Julie hat bereits mit dem

Papa sich arrangirt; mir fällt Louise zu, und Don Silveira hat die Ehre des

Hauses.

Und so ging es denn bis zwölf. Der Ball war just im besten Gange, als Menou

lächelnd vor mich hintrat.

_Voilà notre manière créole; mais c'en est assez._ Das ist unsre

Lebenswürze, fuhr er fort; Alles hat seine Zeit: Plappern, Scherzen,

Tändeln, Arbeiten, Beten und Tanzen. Der wahrhaft Vernünftige weiß Alles so

zu vereinigen, daß das Erste dem Letzten nicht Eintrag thut. Bloß auf diese

Weise kann unser einsam häusliches Leben erträglich und glücklich werden;

wir haben nie Langeweile. -- Gute Nacht!

Sehr unerwartet.

So verliefen acht volle Wochen wie eben so viele Stunden. Ich war ganz

heimisch in dem Kreise dieser lieben Menschen geworden, und so häuslich und

ökonomisch; beinahe wußte ich nicht mehr, wie unsere Dollars und Banknoten

aussahen. Alles ging hier wie spielend zu; dabei war eine Aufrichtigkeit,

eine Herzlichkeit und Sympathie zwischen den siebzig bis achtzig Gliedern

dieses kleinen Patriarchats zu bemerken, daß man leicht der Welt mit allen

ihren Leiden und Freuden vergessen konnte. Und ich vergaß ihrer wirklich;

ganze Stöße Zeitungen lagen ungelesen, und ich wurde jeden Tag mehr

Hinterwäldler. Des Morgens schlüpfte ich in meine weißleinenen Pantalons

und Jacke, warf einen Strohhut auf den Kopf, und folgte Monsieur Menou in

seine Felder und Cottonpresse. Der Nachmittag verging im Durchsehen von

Rechnungen oder Colonel Stones und Major Noahs[9] Seiten- und Querhieben,

und den Abend schloß Tag für Tag ein Impromptu, Tanz, oder ein rasches,

munteres Geplapper.

[9]: =Colonel Stone= und =Major Noah=, die Eigenthümer der

bekannten Zeitungen: der Morgen-Courier und die commercielle

Zeitung.

Eines Abends, wir setzten uns so eben zum Souper, machte uns Monsieur

Menou den Vorschlag zu einer nächtlichen Hirschjagd. Ich war dessen ganz

zufrieden, und er erließ sofort die nöthigen Weisungen. Die zwei Mexikaner

baten gleichfalls, uns begleiten zu dürfen, als die Dame mit halbem

Entsetzen dazwischenfuhr. Don Lop--! rief sie, hielt jedoch inne; das

Wort schien ihr auf der Zunge zu ersterben. Ich bitte dich, fuhr sie in

spanischer Sprache fort, nur diesmal nicht. Es war etwas so Weiches, Zartes

in ihrem edlen, scheuen Wesen, das uns Alle für einen Augenblick hinriß.

Ihr Mann bat sie, sich zu beruhigen, und versprach zu bleiben; es schien

ihn jedoch Mühe zu kosten. Ich versicherte sie, es sei keine Gefahr. --

»Keine Gefahr?« wiederholte sie in ihrer sonoren kastilianischen Sprache,

»keine Gefahr? -- Doch, Sie haben nirgends von Ihrem Vorhaben etwas

verlauten lassen?« wandte sie sich an Menou. »Gewiß nicht,« erwiederte

dieser. -- Nun erst fiel es mir auf, daß die zwei Eheleute sich während

ihres ganzen langen Hierseins auch nicht ein einziges Mal im Freien

ergangen hatten. Mein Auge fiel wieder auf den jungen Mann; er

hatte ausgezeichnet schöne Züge, eine bleiche, aber nicht ungesunde

Gesichtsfarbe, und eine hohe Stirne. Die Augen waren besonders schön; es

blitzte ein Feuer in diesen Augen, das wahrlich nicht bestimmt zu sein

schien, hier am Red-River zu verglühen. Sein ganzes Wesen drückte, so viel

er sich auch Mühe gab, es zu verbergen, etwas militairisch Gebietendes aus.

Es war eben dieses gebietende Wesen, das mich bewogen hatte, den jungen

Mann, der etwa dreißig sein mochte, ein wenig kalt zu behandeln. Wir

erlauben nicht leicht, oder vielmehr nie, Fremden, sich in unserm Lande

_airs_ zu geben; die Ergebung jedoch in den leise ausgesprochenen Willen

seines herrlichen Weibes hatte den übeln Eindruck einigermaßen verwischt.

Ich achte den Mann, der sein Weib liebt.

»Und ist wirklich keine Gefahr?« fragte mich das Engelsköpfchen, die Donna

nämlich. Ich versicherte sie, daß keine sei. Sie flüsterte ihm einige Worte

zu, und er, ihre Hand küssend, bat nochmals, uns begleiten zu dürfen.

Die zwei sonderbaren Leutchen hatten sich auch bei Tische beinahe

ausschließlich nur mit einander beschäftigt, und es schien ihm

gewissermaßen eine Anwandlung von Eifersucht aufzusteigen, wenn die Donna

sich mit Julien oder Louisen länger unterhielt. Ihr Gefährte war eine

unbedeutende Person, die mit einer Art abgöttischer Verehrung an dem Paare

zu hängen schien. Sie hatten sechs Diener bei sich.

Wir erhoben uns etwas früher von der Tafel, warfen uns in unsere

Wolldecken-Röcke, nahmen unsere Gewehre, und bestiegen die für uns bereit

gehaltenen Pferde. Sechs Neger mit Pechpfannen und eine Koppel Hunde waren

vorausgegangen. Die Glocke schlug zehn, als wir aufbrachen. Es war eine

finstere, schwüle Nacht; der Donner rollte her von Süden, und verkündete

den herannahenden Sturm, unsere tägliche Abendmusik in dieser Weltgegend;

die Atmosphäre war in den ersten zehn Minuten unseres Rittes beinahe zum

Ersticken gewesen; dann erhob sich jedoch ein säuselnder Luftzug in den

Baumwipfeln; der Donner brüllte stärker vom mexikanischen Busen herauf,

die ganze Atmosphäre schien sich wälzend zum gewaltigen Elementenkampfe

zu rüsten. Dann und wann schoß ein zackigter Blitz aus dem schwarzen

Firmamente heraus durch die Bäume hin, und der ganze Wald loderte

für einige Sekunden in einer Zauberflamme auf. Wieder kam ein langer

leuchtender Strahl, und näher und näher rollte der Donner, aber ein Donner,

gegen welchen der des Nordens ein bloßer Paukenschlag ist. Selbst unsere

Hunde fingen an zu winseln, und preßten sich so nahe an die Pferde, als

sie nur konnten. Wir hatten ein dichtes Lorbeergebüsche betreten, und der

Leithund war stehen geblieben und spitzte die Ohren. Sofort stiegen wir von

den Pferden und traten an die Hunde heran; zwischen uns die Neger mit ihren

Pechpfannen, und vor uns in der Entfernung von etwa zwanzig Schritten vier

leuchtende winzige Feuerballen, -- es waren die Hirsche, die mit rollenden

Augen das ungewohnte Schauspiel anstarrten. Wir legten an; der Creole und

ich nahmen den ersten, die zwei Mexikaner den zweiten. Wir schossen auf ein

gegebenes Losungswort, hörten ein rasselndes Niederschmettern, ein lautes

Krachen, und gleich darauf ein _Sacré!_ und _Damn ye!_ und _Diablo!_ und

_San Jago!_ Die sechs Pechpfannen waren zu und auf unsern Füßen; der Creole

war zur Seite gesprungen, die Neger lagen vor Schreck auf dem Boden, und

die beiden Dons neben ihnen.

_Santa Vierge!_ rief Don Pablo; _Maledito Gojo, Senor Don Lopez_. Und sich

aufraffend, stürzte er sich auf den jungen Mann: _Maledito Gojo! Nuestro

libertador Santa Anna!_ -- »_Callate!_« rief ihm die heilige Anna zu.

Monsieur Menou hatte sich vorsichtig mit seinen Negern beim ersten Anschein

von Gefahr zu Boden geworfen; der junge Mexikaner hingegen, weniger

erfahren in diesem zuweilen gefährlichen Nacht-Zeitvertreibe, war stehen

geblieben, und von dem aufgeschreckten Hirschen über den Haufen gerannt

worden. Ich zog den heulenden Senor Pablo von seinem Gefährten, und

untersuchte mit Menou, ob er Schaden gelitten. Sein Ueberrock war

zerrissen, und aus beiden Schenkeln begann Blut zu fließen; sie waren durch

die Geweihe des Hirsches aufgeschlitzt. Glücklicher Weise war die Wunde

nicht tief; sonst dürfte ihn sein Fehlschuß theuer zu stehen gekommen sein.

Wir hoben ihn auf den Rücken des Pferdes, und traten wieder den Heimweg an.

Es war Mitternacht, als wir mit dem todten Hirschen und dem verwundeten

Don vor dem Gitter des Parkes anlangten. Eine weiße Gestalt im Fenster des

Mexikaners verkündete, daß seine Gattin seiner noch warte. War es Vorgefühl

oder gewöhnliche Weiberangst, sie kam die Stiegen herabgeflogen, und mit

dem Ausrufe: _Perdito!_ fiel sie beinahe ohnmächtig vor der Hausthüre

nieder.

Um Gotteswillen! rief eine zweite weibliche Stimme, ein Unglück! Ist's

Howard? -- Es war Louise, die athemlos im Schrecken und im Nachtröckchen

aus ihrem Zimmer stürzte.

Mein Gott, es ist nur der Mexikaner! Gott sei Dank! lispelte sie.

Dank, liebe Louise, für Ihre Unbarmherzigkeit; sie macht mich glücklich!

Mit diesen Worten schloß ich das Mädchen in meine Arme, und drückte einen

Kuß auf ihre Lippen.

Bösewicht! rief sie, ins Haus zurückeilend.

Ich folgte nun dem Zuge in die Zimmer des Mexikaners. Die bleiche

Marmorgestalt seines Weibes hing über dem Verwundeten regungs-, bewußtlos.

Es kostete Menou Mühe, sie von ihm zu bringen; doch der wohlthätige Creole

war schnell. Wo er seine Chirurgie gelernt hat, weiß ich nicht; aber die

Sicherheit, mit der er die Wunden ausschnitt, ausbrannte und auswusch,

flößte wirklich Vertrauen ein. Sie waren nicht gefährlich, hätten es aber

leicht bei der Hitze der Temperatur, der Thermometer schwankte zwischen

85 und 87, und dem Umstande, daß sie von Hirschgeweihen herrührten, werden

können. Nach einer halben Stunde trat er vor die bewußtlose Donna Isabelle,

und verkündete ihr im zuversichtlichsten Tone, daß ihr Mann in wenigen

Tagen wieder hergestellt sein würde. Ich hatte während der Operation

eines der Lichter gehalten und konnte nicht umhin, die schöne Gestalt

anzuschauen. Als ihr nun Menou die tröstende Nachricht verkündete, richtete

sie ihre Augen mit einem so wahrhaft katholischen Blicke zum Himmel, daß

ich wahrlich den Heiligen beneidete, dem sie dankte. Als ich das Licht auf

den Tisch stellte, fiel mein Auge auf ein herrliches Miniaturgemälde, das

sie selbst vorstellte; daneben lagen Briefe an Don Senor Lopez S--

A--, Mariscal di Campo; zwei oder drei hatten die Aufschrift:

Lieutenant-General. Das war denn der berühmte Heerführer Mexiko's, der

zweite Würdige unter dem Generalgesindel dieser sein wollenden Republik.

Ich ging gedankenvoll meinem Schlafzimmer zu; allmälig drängte sich Louise

aus dem Hintergrunde meiner Phantasie hervor; das liebliche Mädchen hatte

denn gewacht, unruhig gewacht; auch sie hatte nicht schlafen können; auf

das erste dunkle Gerücht von einem Unglücke hatte ihre beflügelte Furcht

den Namen erpreßt, den sie im Herzen trug. Ich hatte während meines ganzen

Hierseins gar nicht an Liebe gedacht; Alles war so geschäftig in diesem

Hause, so rührig, so beweglich; man hatte gar nicht Zeit, auf sentimentale

Gedanken zu kommen, -- nun kamen sie aber doch. Es thut einem acht und

zwanzigjährigen Hagestolz, der so viele Körbe bekommen hat, daß er

damit einen mäßigen Handel treiben könnte, so wohl, sich im Herzen eines

siebzehnjährigen Kindes gebettet zu wissen.

Sie konnte mich beim Frühstücke gar nicht ansehen; aber ich sah sie desto

mehr an. Wo waren doch meine Augen? Julie war allerdings zu corpulent für

meinen _goût_; doch Louise -- sie ist ohne Widerrede ein ganz herrliches

Mädchen; schlank, mit einer lieblichen Taille, nicht zu üppig, nicht zu

bretern, Milch und Blut im Gesichtchen, aus dem Schalkheit, Wohlwollen und

Häuslichkeit blicken, ganz vorzüglich schöne Hände, und ein Gestelle --

kurz, ich wurde nachdenkend. Muß doch sehen, wie es zu Hause aussieht,

dachte ich.

Wollen Sie mir gefälligst Ihren Wagen bis an den Fluß geben? fragte ich den

Creolen.

Von Herzen gern. Eine bloße Spazierfahrt, wenn ich fragen darf?

Nein, ein wenig weiter. Ich will sehen, was die Meinigen thun.

Uns verlassen? schrie Louise, und etwas langsamer Julie und die Mama.

Wenn Sie erlauben, so will ich in kurzer Zeit wieder so frei sein, Sie zu

besuchen; aber für heute muß ich gehen.

Die Rosen waren von den Wangen Louisens gewichen, sie wandte sich, und ich

glaube, eine Thräne perlte ihr in den Augen.

Wir saßen eine Viertelstunde, ohne daß ein Wort über unsere Lippen gekommen

wäre. Der Creole sprach endlich: Sie schienen doch recht vergnügt bei uns;

hat sich etwas zugetragen?

Etwas für mich sehr Wichtiges; ich muß wirklich sogleich fort, war meine

Antwort.

Louise war aus dem Saale geeilt; ich folgte ihr, und fand sie ihrem Zimmer

zuschwankend.

Louise! rief ich. Sie weinte.

Ich verlasse Sie heute.

So habe ich gehört.

Um mein Haus zu bestellen.

Mein Bruder thut ja dieses ohnehin, lispelte sie; warum uns verlassen?

Weil ich so bald als möglich ein ganz liebliches Zimmerchen brauche für

mich und meine Louise. Wollen Sie mir in dieses als mein geliebtes Weib

folgen?

Sprechen Sie den Papa, lispelte sie, mit einem Freudenstrahle im lieblichen

Gesichte, und dann ihren zitternd verschämten Blick auf den Boden heftend.

Nehmen Sie sie, lieber Howard, sprach der Papa, der uns auf dem Fuße

gefolgt war. Sie werden ein treffliches Weib haben.

Louise sank mir in die Arme, und die nächste Stunde war ich auf dem Wege

nach Hause.

So war ich denn nun verpfändet, und mein Hagestolzthum näherte sich

dem Ende. Die Wahl war vernünftig, das fühlte ich; Louise ist eines der

trefflichsten Mädchen: züchtig, klug, thätig, reizend und munter; unter

ihren Händen gedeiht, wächst Alles; die Negerinnen behandelt sie wie

Schwestern, die Männer wie Brüder. Alle diese Gründe jedoch waren mir erst

nun klar geworden; noch gestern dachte ich des Mädchens so wenig wie des

Großsultans; der Gedanke, sie zur Frau zu nehmen, war wie ein Lichtfunke

durch mein Gehirn gefahren. Wird mich dieser Lichtfunke nie reuen? Ihre

ersten Tage werden wahrlich keine Honigmonde in meiner Wildniß sein. -- Es

war Nachmittags vier Uhr, als ich anlangte. Beinahe wäre es mir wieder wie

das letztemal gegangen; ich kannte meine Pflanzung nicht, wirklich nicht.

Die ungeheuern vom Sturm entwurzelten Stämme, die, acht bis zehn Fuß im

Durchmesser dick, vor meiner Wohnung chaotisch gelegen, waren verschwunden;

mein Garten neuerdings, nur vergrößert, mit einer eleganten Umzäunung

versehen; um die Vorderseite des Hauses hatte sich eine Veranda erhoben, an

der zwei fremde Schwarze arbeiteten.

Ich stieg aus; der junge Menou kam mir zufrieden lächelnd entgegen.

Ich schüttelte ihm die wackere Hand, und wies mit Verwunderung auf die

Reformen. »Das sind Kleinigkeiten; aber ihre Cottonpresse kostet uns

Arbeit; sie war ganz hin.«

Aus dieser tönte der Chorus von vierzig Stimmen im melancholischen

_Talla-i-hoe_ herüber.

Und wie haben sie diese Wunder alle ausführen können? fragte ich erstaunt.

Nun, Sie haben uns ja fünfzehn Leute gesandt, Vater lieh mir noch zehn der

Unsrigen, und so konnten wir schon etwas Tüchtiges leisten.

Ich ging mit dankbewegtem Herzen durch die Geländer der Umzäunung der

Veranda zu. Sie war im elegantesten Geschmacke errichtet; die Jalousien

liefen acht Fuß hoch auf der Ost-, Süd- und Westseite des Hauses herum;

die Nordseite war, wie gewöhnlich, frei geblieben. Der Saal war mit

glänzend-blaßgelben Matten belegt; in der Einrichtung, meinte jedoch

der junge Mann, hatte Papa nicht vorgreifen wollen; nur was zwei Zimmer

betrifft, machten wir eine Ausnahme. Ich näherte mich voll Erwartens meinem

Schlafzimmer. Prachtvoll! Ein allerliebstes Bette, und zwar ein doppeltes,

als wenn sie die Katastrophe vorausgesehen hätten, mit allem Nöthigen

versehen; ein fünfzehnjähriges schwarzes Mädchen arbeitete noch an den

Moschetto-Vorhängen. Das ganze Haus war wie durch einen Zauberschlag

umgewandelt. -- »Und wer hat den Plan zur Einrichtung dieses Zimmers

gegeben?«

Das Mädchen ist Louisens Kammerzöfchen, lachte Menou; sie wird wohl vom

Geiste ihrer Gebieterin inspirirt sein.

Die alte Sibylle kam mittlerweile an der Spitze meiner Unterthanen, die

frisch, munter und jubelnd einhertanzten. Es waren zehn Bursche und fünf

Mädchen darunter, die ich noch nicht kannte. Der junge Menou führte sie

mir nun als die Meinigen vor; sein Vater hatte sie für mich, der ich das

Sklavenhandeln verabscheue, durch einen bewährten Freund einkaufen und

hieher überschiffen lassen. Sie waren noch sammt und sonders, so wie die

Mädchen, ledig.

Ich blickte Menou bedenklich an. Die Creolen erlauben ihren Negern gewisse

Freiheiten, die unserm strengen sittlichen Gefühle schnurstracks entgegen

sind. Jedes meiner Paare war verheirathet, und selbst in meiner tollen

Wanderschaft hatte ich streng auf Zucht und Sitte gesehen. Der junge

Mann beschwichtigte meine Zweifel; die Mädchen waren unterdessen in der

ehemaligen Wohnung Mister Bleaks untergebracht, und die Bursche in zwei

Häuserchen, die er bereits erbaut; acht andere waren im Baue begriffen. --

So waren denn alle meine Wünsche erreicht, und ich stand im wohnlichsten

Hause am Red-River. Ich segnete den Blitzesfunken.

Ah! sprach der junge Mann, es sind mehrere Briefe an Sie eingelaufen, die

ich ganz im Drange der Geschäfte vergessen habe, Ihnen zu senden.

Ich erbrach sie. Es waren Briefe von Richards, der mich dringend bat, ihm

sogleich das Vergnügen meines Besuches zu gewähren. In einem andern war er

noch dringlicher, und schien ganz verwundert, daß ich so häuslich geworden;

in einem dritten war mir angekündigt, daß die schöne Emilie als Mistreß

Doughby zurückgekehrt, und als _Postscriptum_ beigefügt, daß sie eine der

Zierden Bostons, eine Cousine mit sich gebracht.

Kein Wort jedoch wegen der aufgekündigten achttausend Dollars; das ist doch

wirklich sonderbar. Richards ist doch nicht so indifferent für zeitliche

Güter, da seinen Groll zu verschmerzen, wo es seinen Beutel angreift. »Hier

ist ein Punkt,« sprach ich zu dem jungen Manne, dem ich nicht gerne eine

Blöße geben wollte, »der meine augenblickliche Rückkehr in Ihres Vaters

Haus erheischt.«

Wirklich! rief der junge Creole verwundert aus.

Ja, augenblicklich; ich höre so eben ein Dampfschiff herauf kommen; ich

will sogleich fort. -- Er blickte mich verlegen an, Sibylle schüttelte den

Kopf; aber es lag nun schon einmal in meiner ungeduldigen Natur: schnell

oder gar nicht. Ich winkte mit dem Tuche; es war der nämliche Red-River,

der mich vor acht Wochen nach Hause gebracht.

Mister Howard! rief der Capitain fröhlich, freut mich, Sie wieder auf

meinem Verdecke zu sehen. Ihre Pflanzung sieht doch ganz prächtig seit acht

Wochen aus; Sie sind ein wahrer Wundermann.

So halb und halb, versetzte ich bescheidentlich.

Es liegt in unserer amerikanischen Natur etwas gewisses rein Praktisches,

das uns von allen Nationen der Welt auszeichnet, ein gewisser gerader,

gesunder Menschenverstand, der durch allen Flitter hin auf das Reelle

sieht, ein ehrenvoller, unabhängiger Geist, der nur dem Achtung zollt,

der sie verdient. Der reichste Müßiggänger, der Hunderttausende in seinem

Portefeuille mit sich führt, wird hier vergebens den Tribut erwarten, den

ihm die Hälfte seines Reichthums in andern Ländern zu Wege bringt. Kalt

und stolz geht die Mehrzahl an ihm vorüber, um dem minder Bemittelten, der

seinem Kopfe und seinen Händen sein Emporkommen verdankt, achtungsvoll ihre

ächt republikanische Huldigung zu zollen. Es ist dieser freie männliche

Sinn, der in den letzten zehn Jahren die so gewaltige Staatsumwälzung zu

Stande gebracht, das Joch unserer erbärmlichen Aristokratie abgeschüttelt,

und unserer Freiheit eine gründliche Existenz gesichert hat. -- Ich, der

reisende, als reich geltende Pflanzer war kaum bisher beachtet gewesen;

mein Aufseher galt mehr in den Augen meiner Mitbürger, als ich selbst. Die

Metamorphose auf meinem Besitzthume hatte eine plötzliche Ideenrevolution

hervorgebracht, und man drängte sich um mich herum und horchte jedem meiner

Worte, als wäre ich einer unserer großen Reformatoren oder noch größeren

Demagogen gewesen. Es that mir ein bischen wohl, das muß ich gestehen.

Auch diesmal langte ich Morgens bei der lieben Familie an; aber der Wagen

war vergessen, und ich, der ich die Strecke in raschem Trabe zurückgelegt,

dachte mir meines künftigen Schwiegerpapa's Residenz gute zehn Minuten

vom Landungsplatze. Es dauerte eine gute Stunde, ehe ich vor dem Hause

schweißtriefend zur Verwunderung Aller anlangte. »Und so schnell und so

zeitlich zurück? Doch kein Unglück gehabt?«

Nein, erwiederte ich trocken; ich habe etwas vergessen.

Und was mag dieß sein?

Meine Louise! Ja gewiß, fuhr ich gerührt fort, ich fand bei meiner Ankunft

meine wüste Einöde in ein so liebliches Paradies verwandelt, daß ich nicht

umhin konnte, sogleich zurückzueilen, um mein liebes Mädchen zu bewegen,

es mit mir zu theilen. Morgen, so Gott will, gehen wir nach New-Orleans, um

bei dem alten Pater Antoine und unserm werthen Rector vorzusprechen.

Aber es ist noch gar nichts gerüstet, keine Ausstattung fertig, nichts in

der Welt, fingen hier die Ma und Pa an; lieber Howard, sein Sie doch nicht

närrisch.

Unsere Yankeeinnen, lachte ich, wenn sie sechs Hemden und ein und ein

halbes Kleid haben, hüpfen ins Brautbette, ohne sich zu bedenken.

Wohl, laßt ihm seinen Willen, sprach Menou; wir wollen schon sorgen, daß er

nicht zu kurz kommt.

Apropos, fragte ich, wie ist es doch mit den achttausend Dollars?

Ich habe Sie bloß auf die Probe stellen wollen, ob Sie auch Festigkeit

haben, Ihr eigenes Glück zu wollen. Hätten Sie mir dieses verweigert,

wahrlich, Louise sollte nicht die Ihrige geworden sein, und wenn Sie alle

Pflanzungen am Missisippi gehabt hätten. Ich habe unterdessen das Geld

vorgestreckt.

Der Mann wird mit jeder Minute achtbarer. Dieser Abend verging mir, einer

der seligsten, die ich noch verlebte.

Am Morgen fuhren wir dem Dampfschiffe zu. Die Mama war zurückgeblieben;

Julie, wie es sich von selbst versteht, war zur Brautjungfrau auserkohren.

Gerne hätte ich als meinen Assistenten den jungen Menou gebeten; doch der

war auf meiner Pflanzung vonnöthen. Wir begrüßten ihn im Vorbeifahren und

fuhren dann weiter. Zum ersten Male blickte ich ohne bitteres Gefühl auf

das prachtvolle Schauspiel, das die reichen Ufer des gewaltigen Missisippi

darbieten; diese herrlichen Wohnsitze der Pracht, so üppig, so friedlich

aus den deliciösen Hainen von Feigen-, Orangen- und Citronenbäumen

hervorragend, den majestätischen Strom, der, mit Hunderten von Fahrzeugen

bedeckt, den entferntesten Zonen unsere Produkte zuführt; die rastlose

Thätigkeit von Tausenden, die so friedlich, so verträglich unter der

göttlichen Freiheit Banner Glück und Segen sucht und findet. Ja, es ist

ein erhebender Anblick, diese Palläste Hunderte von Meilen sich an einander

reihen zu sehen, wenn man an die Zeit zurückdenkt, wo das ganze Thal ein

endloser Sumpf gewesen. Und diese Zeit habe ich in meinen jungen Tagen

gesehen.

Es war ein heiterer Morgen, der uns zwanzig Stunden nach unserer Abfahrt in

die Hauptstadt unseres Staates brachte. Wir waren bei der Schwester Menou's

abgestiegen. Ich eilte so eben zu dem wahrhaft ehrwürdigen Pater Antoine

und dem nicht minder ehrwürdigen Rector, als ich an der Ecke der Kathedrale

mich am Arme ergriffen fühlte.

So eben recht, Richards, sprach ich; willst du mich im

Merchants-Coffeehouse erwarten? Ich bin in einer kleinen Viertelstunde

dort.

Aber warum diese Eile?

Frage nicht und warte.

Wir schieden. Vater Antoine lächelte und der gute Rector auch, als ich sie

zu Madame beschied. Ich eilte, um Richards abzuholen.

Weißt du, daß Clara schrecklich mit dir zanken wird; du magst dich nur

zusammennehmen. Arthurine Macpherson ist ein ganz herrliches Geschöpf, und

sie hält viel auf Clara.

Ja, weißt du, daß ich im Ernst gesonnen bin, mein Hagestolzthum aufzugeben?

Wohl, wir wollen sehen; wenn du dich gut aufführst, so -- wollen wir dich

ein zweites Mal --

Prellen, dachte ich. -- Wir waren an der Thürschwelle angekommen. Mein

alter Freund sah ein wenig betroffen darein, als er Louisen erblickte, und

Vater Antoine und der Reverend ihre Glückwünsche begannen. Ich lächelte ein

wenig boshaft, und in wenig Minuten war ich der glückliche Gatte Louisens.

Transatlantische Reiseskizzen und Christophorus Bärenhäuter. Zweites Bändchen. · 第 1 / 8 题