Dampfer und Leichter, auf dem Zambesi-Schire, weil das deutsche
Kapital zu bedächtig, zögernd vorging, den Engländern auch noch zur
Verfügung gestellt, womit, wenn entschlossener der deutsche Handel hier
vorgegangen und der mächtigen Expedition unmittelbar gefolgt wäre,
nicht blos ein ebenbürtiger Konkurrent dem Engländer erwachsen wäre,
sondern auf der internationalen Wasserstraße hätte deutscher Einfluß
sich schnell ein ertragreiches Feld erobert, was um so dringender
geboten war, als der mit so enormen Kosten und Mühen am Nyassa-See
erbaute Dampfer »H. v. Wißmann« dann nicht blos ein Machtobjekt,
sondern dem deutschen Handel auch eine starke Stütze geworden wäre.
Mit der schnellen Entwicklung des Landes steigt der Verkehr und Bedarf,
immer mehr erschließen sich die reichen Quellen, die Wohlstand und
sichern Gewinn versprechen. Selbst Portugal, den Reichthum seiner
Kolonie nicht ahnend, durch seinen schlimmsten Gegner, den Engländer,
der es überall abzudrängen sucht, erst darauf aufmerksam gemacht, rafft
sich auf; Zuckerplantagen, die ölhaltige Erdnuß etc. werden am Zambesi
und Schire angelegt und angebaut. Die Morambala-Berge kultivirt,
versprechen wie das Schire-Hochland für Kaffee etc. ein ergiebiges
Feld, und namentlich ist es hier ein Deutscher, Herr Wiese, der für
Portugal gewaltige Anstrengungen macht.
Liegt es auch im Interesse der Deutschen Ostafrikanischen Kolonie
möglichst unabhängig vorzugehen auf eigenem Gebiet, und direkte
Handelswege mit den großen Seeen herzustellen, so war doch das
Natürlichste, vorerst den gewiesenen Weg zu gehen und in doppelter
Beziehung für den deutschen Kaufmann geboten, hier festen Fuß zu fassen
und den friedlichen Konkurrenzkampf aufzunehmen, als erstens, wo
England reiche Früchte erhofft, blühen uns solche nicht minder für die
Zukunft, und zweitens, unter der Aegide des deutschen Schutzes wäre das
deutsche Kapital eine Macht geworden, das, wenn über kurz oder lang der
Fall eintritt, daß Portugal seine Kolonie aufgeben muß, den englischen
Uebergriffen Halt gebieten konnte. Nichts liegt im Interesse der
deutschen Kolonie näher, als zu verhindern, daß einst der Rowumafluß
deutsch-englische Grenze wird. Noch ist es an der Zeit, das reiche und
fruchtbare portugiesisch Ostafrika für uns zu sichern, ehe englische
Handelspolitik uns den Weg verlegt und wir einen geschulten Gegner
finden, der rücksichtslos vorwärts schreitet.
Es ist eine dringende Pflicht, und jede Verzögerung bringt Gefahr, auch
hier mit aller Kraft das Feld zu behaupten, schnelles Entschließen und
rasches Handeln ist erforderlich, denn mit Riesenschritten schreitet
die Entwicklung fort und Deutschland sollte gewonnenen Einfluß nicht
gefährden dadurch, daß dem englischen Kapital auf streitigem Gebiet
der Vorrang gelassen wird, was wir versäumen, wird voraussichtlich für
immer uns verloren sein.
Sehr oft schon ist von manchem berufenen Kenner unserer afrikanischen
Besitzung ein warmer Apell an das deutsche Volk und dessen Vertreter
gerichtet worden; mit felsenfester Ueberzeugung wurde für die
Rentabilität der deutschen Kolonien eingetreten und gefordert,
schneller und energischer vorzugehen. Die Eigenart und Bedächtigkeit
der deutschen Natur aber folgte den lockenden Rufen nicht; vor allen
jene Kreise, die durch überseeische Handelsbeziehungen und Erfahrung
die Berufensten gewesen wären, zögerten, dem freien Kaufmanne schien
die Entwickelung seiner Handelsprinzipien nicht sonderlich förderlich
unter der strengen Aufsicht eines bureaukratischen Systems, das
mit dem Militarismus Hand in Hand gedeihliche Zustände zu schaffen
sich bemühte. Bedenkt man aber, daß beide Kategorien nur so positiv
dauerndes schaffen können -- wie es der Aufbau des preußischen und
deutschen Staates auf solcher Grundlage bewiesen -- wird sich auch in
den deutschen Kolonien, langsam zwar aber sicher, System auf System
aufbauen und der rechte Weg gefunden werden; die Zugehörigkeit zum
Mutterlande wird eine dauernd bindende dadurch werden, und nicht wie im
Kolonialreich England sich nach erfolgtem Aufblühen, der Wunsch nach
Selbständigkeit und Unabhängigkeit frühzeitig regen.
Obwohl, und das sei ausdrücklich betont, der deutsche Kaufmann,
der im Auslande einen freien unbefangenen Ueberblick für sein
Streben gewonnen, sich durch ein gewisses Vorurtheil noch beengt
fühlt, wird doch, sobald sich auf Grund gemachter Erfahrungen ein
bestimmtes Kolonialsystem herausgebildet hat, wozu mit der Ernennung
des Herrn Majors von Wißmann zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika
glücklicherweise der Anfang gemacht ist, schließlich sich damit
befreunden und seine Erfahrung und Kapital, woran es bisher so
vielfach gemangelt hat, in die deutschen Kolonien hineinwerfen. Die
Nothwendigkeit, eine beschleunigte Erschließung des deutschen Gebietes
durch zeitgemäße Verkehrswege in die Wege zu leiten, tritt immer
zwingender hervor, durch sie aber wird auch das reiche Seeengebiet,
wo dem deutschen Geist und der deutschen Arbeit ein weites Feld sich
öffnet, schnell erschlossen werden.
Der Deutsche, durch seine Beständigkeit und Fleiß, ist der beste und
geeignete Kulturarbeiter der Erde, was er ja schon tausendfach bewiesen
hat und unter dem Schutze des mächtigen Vaterlandes, unter dem Schutze
einer seebeherrschenden, wehrkräftigen und starken Marine wird er auch
die deutschen Kolonien, das größere Deutschland über See, zur hohen
Blüthe bringen; hoffen wir solches für die Zukunft, und möge das Werk,
wofür die deutschen Pioniere, vor allem Major von Wißmann, gerungen und
gestrebt haben, dem Vaterlande und dem deutschen Volke zum dauernden
Segen gereichen! --
~Ende.~
Druckfehler-Verzeichniß.
Seite 65, Zeile 8 lies: Unsere Fahrt flußaufwärts ging dennoch gut
von Statten, auch änderte sich die Scenerie,
als nicht wie bisher blos Grassteppen, von
Busch und Wald unterbrochen, die einzigen
Objekte blieben, sondern neben den weithin
sichtbaren Moramballa-Bergen, bei klarem
Wetter auch die Sasuni-Hügel und Schimvara-
Berge zu sehen waren. Zu unserer Rechten
treten schon die Ausläufer etc.
" 84, " 43 " Mädchen statt Männer.
" 91, " 20 " flußabwärts statt flußaufwärts.
" 106, " 18 " Wissemann statt Wißmann.
" 151, " 20 " abwärts statt auswärts.
" 163, " 40 " nicht statt der.
" 164, " 12 " ich war nicht.
" 166, " 26 " wahren statt waren.
" 215, " 6 " genährt statt gewährt.
" 217, " 31 " von statt nach.
" 372, " 21 " Kayser-Bucht statt Kroyser-Bucht.
" 391, " 21 " Merere statt Marara.
" 404, " 20 " Rinne statt Ruinen.
" 419, " 30 " und doch.
" 420, " 27 " Station statt Nation.
[Illustration]