Das war allerdings mehr, als man schlimmsten Falles erwarten durfte. –

Stephani war in großer Aufregung und ich? ... So war ich also auch

hintergangen! Ich hatte dieses Weib, diese Elisabeth, wirklich gern

gehabt; sie war mir immer sehr, sehr angenehm gewesen.

Einen Rath, eine Aufklärung vermochte ich nicht zu geben.

So wußten wir es dann schließlich auch zu ergründen, daß mich Elisabeth

in mehr als einem Falle betrogen! Während sie sagte, daß sie ihr Herz

dereinst „einem“ Mann geschenkt, mit welchem sie ihre Beziehungen

gelöst, erfuhr ich jetzt, daß die schöne hochmüthige Salondame nicht nur

ihre verbotene Liebe jenem erwähnten „Einen“ schenkte, sondern auch

anderen Cavalieren gegenüber nicht mit ihrer Gunst kargte.

Gleichgiltig war mir diese Entdeckung freilich nicht ... ich war ihr ja

so über Alles gewogen gewesen und glücklich, daß ich es vermochte, ihr

die erbetene Liebe und Zuneigung zu widmen. – Natürlich war ich fest

entschlossen, jeglichen Verkehr mit ihr abzubrechen; doch einmal noch

sollte sie an mich erinnert werden und vielleicht würde es ihr wehe

thun, daß sie mich in so unverantwortlicher Weise hintergangen hatte:

Ich schrieb ihr:

Ich habe geträumt so wundersüß

Ich habe geträumt vom Paradies

Ich habe geträumt von Lieb und Lust

Vom Glück in frommer Menschenbrust.

Ich habe geträumt Du wärst mir treu.

... Nun ist der schöne Traum vorbei!

Eh’ ich’s gedacht bin ich erwacht.

Den Traum umhüllt die Nacht.

Nur Eines weiß ich und fühle es klar,

Daß meine Liebe ein Traum nur war!

Was ich in meinen Armen hielt,

War nur ein nichtig Traumgebild. –

Zerflossen ist’s in leeren Schaum ...

Mir bleibt Enttäuschung nach dem Traum.

* * * * *

So war der gordische Knoten gelöst. Elisabeth sandte an Stephani Bücher,

Briefe, Bilder und die im Laufe der Jahre erhaltenen Geschenke an diese

zurück; sie sah sich erkannt und zog nun vor, einstweilen von der

Oberfläche zu verschwinden und weit lieber in Begleitung ihres

Cavaliers, einer hochgestellten Persönlichkeit die halbe Welt zu

bereisen ...

Ich aber zog aus dieser neuesten Erfahrung eine Warnung für mein ganzes

Leben; mein Vertrauen zu den Frauen hatte ebenso sehr gelitten, als mein

Interesse für dieselben erstickt worden war. Nie wieder begeisterte ich

mich für die Schönheit einer Dame – – ich hatte erkennen gelernt, daß

die Neigung der Frau zur Frau in Wirklichkeit nur eine geistige

Verirrung ist! Ich mißtraute von nun an allen Frauen, welche von ihrer

Frauenliebe entzückt waren; ich konnte spöttisch lächeln, wenn ich

später bemerken mußte, daß hier und da eine schöngeistige Mitschwester

sich um meine Gunst bewarb. Ich lebte nur noch meiner stolzen reinen

Edita und über unserer Liebe lag der Weihrauch eines unantastbaren

Idealismus!

Es werden Viele, welche des vorgeblichen Glückes der Frauenliebe

theilhaftig geworden sind, ebenso wie ich und meine süße Blume vom

Rhein, zurückkehren in die vorgeschriebenen Wege, welche das Weib von

Gottes- und Rechtswegen zu wandeln hat – – alles Andere ist Verirrung –

Druck von A. Winser, Berlin SW.

Der Liebe Lust und Leid der Frau zur Frau · 第 6 / 7 题