Golden lodern die Feuer

Der Völker rings.

Über schwärzliche Klippen

Stürzt todestrunken

Die erglühende Windsbraut,

Die blaue Woge

Des Gletschers

Und es dröhnt

Gewaltig die Glocke im Tal:

Flammen, Flüche

Und die dunklen

Spiele der Wollust,

Stürmt den Himmel

Ein versteinertes Haupt.

OFFENBARUNG UND UNTERGANG

IN HELLBRUNN

Wieder folgend der blauen Klage des Abends

Am Hügel hin, am Frühlingsweiher --

Als schwebten darüber die Schatten lange Verstorbener,

Die Schatten der Kirchenfürsten, edler Frauen --

Schon blühen ihre Blumen, die ernsten Veilchen

Im Abendgrund, rauscht des blauen Quells

Kristallne Woge. So geistlich ergrünen

Die Eichen über den vergessenen Pfaden der Toten,

Die goldene Wolke über dem Weiher.

KLAGE

Jüngling aus kristallnem Munde

Sank dein goldner Blick ins Tal;

Waldes Woge rot und fahl

In der schwarzen Abendstunde.

Abend schlägt so tiefe Wunde!

Angst! des Todes Traumbeschwerde,

Abgestorben Grab und gar

Schaut aus Baum und Wild das Jahr;

Kahles Feld und Ackererde.

Ruft der Hirt die bange Herde.

Schwester, deine blauen Brauen

Winken leise in der Nacht.

Orgel seufzt und Hölle lacht

Und es faßt das Herz ein Grauen;

Möchte Stern und Engel schauen.

Mutter muß ums Kindlein zagen;

Rot ertönt im Schacht das Erz,

Wollust, Tränen, steinern Schmerz,

Der Titanen dunkle Sagen.

Schwermut! einsam Adler klagen.

NACHTERGEBUNG

Mönchin! schließ mich in dein Dunkel,

Ihr Gebirge kühl und blau!

Niederblutet dunkler Tau;

Kreuz ragt steil im Sterngefunkel.

Purpurn brachen Mund und Lüge

In verfallner Kammer kühl;

Scheint noch Lachen, golden Spiel,

Einer Glocke letzte Züge.

Mondeswolke! Schwärzlich fallen

Wilde Früchte nachts vom Baum

Und zum Grabe wird der Raum

Und zum Traum dies Erdenwallen.

OFFENBARUNG UND UNTERGANG

Seltsam sind die nächtigen Pfade des Menschen. Da ich nachtwandelnd an

steinernen Zimmern hinging und es brannte in jedem ein stilles Lämpchen,

ein kupferner Leuchter, und da ich frierend aufs Lager hinsank, stand

zu Häupten wieder der schwarze Schatten der Fremdlingin und schweigend

verbarg ich das Antlitz in den langsamen Händen. Auch war am Fenster

blau die Hyazinthe aufgeblüht und es trat auf die purpurne Lippe des

Odmenden das alte Gebet, sanken von den Lidern kristallne Tränen,

geweint um die bittere Welt. In dieser Stunde war ich im Tod meines

Vaters der weiße Sohn. In blauen Schauern kam vom Hügel der Nachtwind,

die dunkle Klage der Mutter, hinsterbend wieder und ich sah die schwarze

Hölle in meinem Herzen; Minute schimmernder Stille. Leise trat aus

kalkiger Mauer ein unsägliches Antlitz -- ein sterbender Jüngling -- die

Schönheit eines heimkehrenden Geschlechts. Mondesweiß umfing die Kühle

des Steins die wachende Schläfe, verklangen die Schritte der Schatten

auf verfallnen Stufen, ein rosiger Reigen im Gärtchen. --

* * * * *

Schweigend saß ich in verlassener Schenke unter verrauchtem Holzgebälk

und einsam beim Wein; ein strahlender Leichnam über ein Dunkles geneigt,

und es lag ein totes Lamm zu meinen Füßen. Aus verwesender Bläue trat

die bleiche Gestalt der Schwester und also sprach ihr blutender Mund:

Stich schwarzer Dorn. Ach noch tönen von wilden Gewittern die silbernen

Arme mir. Fließe Blut von den mondenen Füßen, blühend auf nächtigen

Pfaden, darüber schreiend die Ratte huscht. Aufflackert ihr Sterne in

meinen gewölbten Brauen; und es läutet leise das Herz in der Nacht.

Einbrach ein roter Schatten mit flammendem Schwert in das Haus, floh mit

schneeiger Stirne. O bitterer Tod.

Und es sprach eine dunkle Stimme aus mir: Meinem Rappen brach ich im

nächtigen Wald das Genick, da aus seinen purpurnen Augen der Wahnsinn

sprang; die Schatten der Ulmen fielen auf mich, das blaue Lachen des

Quells und die schwarze Kühle der Nacht, da ich ein wilder Jäger

aufjagte ein schneeiges Wild; in steinerner Hölle mein Antlitz erstarb.

Und schimmernd fiel ein Tropfen Blutes in des Einsamen Wein; und da ich

davon trank, schmeckte er bitterer als Mohn; und eine schwärzliche Wolke

umhüllte mein Haupt, die kristallnen Tränen verdammter Engel; und leise

rann aus silberner Wunde der Schwester das Blut und fiel ein feuriger

Regen auf mich.

* * * * *

Am Saum des Waldes will ich ein Schweigendes gehen, dem aus sprachlosen

Händen die härene Sonne sank; ein Fremdling am Abendhügel, der weinend

aufhebt die Lider über die steinerne Stadt; ein Wild, das stille steht

im Frieden des alten Holunders; o ruhlos lauscht das dämmernde Haupt,

oder es folgen die zögernden Schritte der blauen Wolke am Hügel, ernsten

Gestirnen auch. Zur Seite geleitet stille die grüne Saat, begleitet auf

moosigen Waldespfaden scheu das Reh. Es haben die Hütten der Dörfler

sich stumm verschlossen, und es ängstigt in schwarzer Windesstille die

blaue Klage des Wildbachs.

Aber da ich den Felsenpfad hinabstieg, ergriff mich der Wahnsinn und ich

schrie laut in der Nacht; und da ich mit silbernen Fingern mich über die

schweigenden Wasser bog, sah ich, daß mich mein Antlitz verlassen. Und

die weiße Stimme sprach zu mir: Töte dich! Seufzend erhob sich eines

Knaben Schatten in mir und sah mich strahlend aus kristallnen Augen an,

daß ich weinend unter den Bäumen hinsank, dem gewaltigen

Sternengewölbe.

* * * * *

Friedlose Wanderschaft durch wildes Gestein ferne den Abendweilern,

heimkehrenden Herden; ferne weidet die sinkende Sonne auf kristallner

Wiese und es erschüttert ihr wilder Gesang, der einsame Schrei des

Vogels, ersterbend in blauer Ruh. Aber leise kommst du in der Nacht, da

ich wachend am Hügel lag, oder rasend im Frühlingsgewitter; und

schwärzer immer umwölkt die Schwermut das abgeschiedene Haupt,

erschrecken schaurige Blitze die nächtige Seele, zerreißen deine Hände

die atemlose Brust mir.

* * * * *

Da ich in den dämmernden Garten ging, und es war die schwarze Gestalt

des Bösen von mir gewichen, umfing mich die hyazinthene Stille der

Nacht; und ich fuhr auf gebogenem Kahn über den ruhenden Weiher, und

süßer Frieden rührte die versteinerte Stirne mir. Sprachlos lag ich

unter den alten Weiden und es war der blaue Himmel hoch über mir und

voll von Sternen; und da ich anschauend hinstarb, starben Angst und der

Schmerzen tiefster in mir; und es hob sich der blaue Schatten des Knaben

strahlend im Dunkel, sanfter Gesang; hob sich auf mondenen Flügeln über

die grünenden Wipfel, kristallene Klippen das Antlitz der Schwester.

* * * * *

Mit silbernen Sohlen stieg ich die dornigen Stufen hinab, und ich trat

ins kalkgetünchte Gemach. Stille brannte ein Leuchter darin und ich

verbarg in purpurnen Linnen schweigend das Haupt; und es warf die Erde

einen kindlichen Leichnam aus, ein mondenes Gebilde, das langsam aus

meinem Schatten trat, mit zerbrochenen Armen steinerne Stürze hinabsank,

flockiger Schnee.

IM OSTEN

Den wilden Orgeln des Wintersturms

Gleicht des Volkes finstrer Zorn,

Die purpurne Woge der Schlacht,

Entlaubter Sterne.

Mit zerbrochnen Brauen, silbernen Armen

Winkt sterbenden Soldaten die Nacht.

Im Schatten der herbstlichen Esche

Seufzen die Geister der Erschlagenen.

Dornige Wildnis umgürtet die Stadt.

Von blutenden Stufen jagt der Mond

Die erschrockenen Frauen.

Wilde Wölfe brachen durchs Tor.

KLAGE

Schlaf und Tod, die düstern Adler

Umrauschen nachtlang dieses Haupt:

Des Menschen goldnes Bildnis

Verschlänge die eisige Woge

Der Ewigkeit. An schaurigen Riffen

Zerschellt der purpurne Leib.

Und es klagt die dunkle Stimme

Über dem Meer.

Schwester stürmischer Schwermut

Sieh ein ängstlicher Kahn versinkt

Unter Sternen,

Dem schweigenden Antlitz der Nacht.

GRODEK

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder

Von tötlichen Waffen, die goldnen Ebenen

Und blauen Seen, darüber die Sonne

Düster hinrollt; umfängt die Nacht

Sterbende Krieger, die wilde Klage

Ihrer zerbrochenen Münder.

Doch stille sammelt im Weidengrund

Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt,

Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;

Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.

Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen

Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,

Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;

Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.

O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre,

Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,

Die ungebornen Enkel.

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