An diesem unterscheidet man, falls die Drüse einigermaassen gut

entwickelt ist (und in einzelnen Fällen pathologischer Vergrösserung

wird dies besonders deutlich), schon mit blossem Auge kleine, neben

einander gelegene, rundliche, weisse oder graue Körner (Fig. 70, _A_, _F

F_). Ist eine mässige Blutfülle vorhanden, so erkennt man ziemlich

regelmässig um jedes Korn einen rothen Kranz von Gefässen. Diese Körner

hat man seit langer Zeit =Follikel= genannt, aber es war zweifelhaft, ob

es besondere Bildungen seien, oder blosse Windungen des Lymphgefässes,

welche an die Oberfläche treten. Bei einer feineren mikroskopischen

Untersuchung unterscheidet man leicht die eigentliche (drüsige) Substanz

der Follikel von dem faserigen Maschen- oder Balkenwerk (Stroma,

Trabekeln), welches dieselben umgrenzt und welches nach aussen

continuirlich mit dem Bindegewebe der Capsel zusammenhängt. Die innere

Substanz besteht überwiegend aus Haufen kleiner Rundzellen

(=Lymphdrüsenkörperchen=), die ziemlich lose liegen, eingeschlossen in

ein feines Netzwerk von sternförmigen, oft kernhaltigen Balken

(=Reticulum=). Letzteres ist zuerst von =Kölliker= nachgewiesen und

unter meiner Leitung von G. =Eckard=[66] genauer verfolgt worden, der

den Anschluss desselben an die Blutcapillaren dargelegt hat. Von den

Lymphgefässen kommt innerhalb des Stroma's nur wenig zu Tage; injicirt

man eine Drüse, so geht die Injectionsmasse in die sogenannten Follikel

selbst hinein. Untersucht man eine Gekrösdrüse während der

Chylification, also vielleicht 4-5 Stunden nach einer fettreichen

Mahlzeit, so erscheint ihre ganze Substanz weiss, vollständig milchig;

das Mikroskop zeigt feinkörniges Chylusfett überall zwischen den

zelligen Elementen der Follikel. Der Strom der Lymphe muss sich also

zwischen den Drüsenzellen durchdrängen; eine freie offene Bahn existirt

eigentlich gar nicht. Die Drüsenzellen sind in den Maschenräumen

zusammengedrängt, im Umfange loser, im Innern dichter, wie die Theilchen

in einem Kohlenfiltrum, so dass die Lymphe gleichsam filtrirt und

gereinigt auf der anderen Seite wieder hervorquillt. Die Follikel sind

demnach als Räume zu betrachten, die mit zelligen Elementen erfüllt,

aber von einem vielbalkigen Reticulum durchsetzt sind. Sie können nicht

als Windungen oder Erweiterungen der Lymphgefässe gelten; im Gegentheil,

sie unterbrechen die offenen Lymphbahnen, und zwar um so vollständiger,

je stärker sie entwickelt sind. Aber sie haben keineswegs, wie der

äussere Anschein vermuthen lässt, eine kugelige Gestalt, sondern sie

bilden längere, strangartige, unter einander zusammenhängende Züge,

welche gegen die Rinde hin dicker werden und rundlich endigen. Das sind

die sogenannten =Markschläuche= (=His=), =Markstränge= (=Kölliker=) oder

=Follicularstränge= (v. =Recklinghausen=).

[66] G. =Eckard=: De glandularum lymphaticarum structura. Diss. inaug.

Berol. 1858 p. 12. Fig. I-III.

[Illustration: =Fig=. 70. Durchschnitte durch die Rinde menschlicher

Gekrös-Drüsen. _A_. Schwache Vergrösserung der ganzen Rinde: _P_

Umgebendes Fettgewebe und Capsel, durch welche Blutgefässe _v_, _v_, _v_

eintreten. _F_, _F_, _F_ Follikel der Drüse, in welche sich die Blutgefässe

zum Theil einsenken, bei _i_, _i_ das die Follikel trennende

Zwischengewebe (Stroma).

_B_. Stärkere Vergrösserung (280 mal). _C_ das parallel-fibrilläre

Gewebe der Capsel. _a_, _a_ das Reticulum, zum Theil leer, zum Theil mit

dem kernigen Inhalt erfüllt. Das Ganze stellt den äusseren Abschnitt

eines Follikels dar.]

Durch die sorgfältigen Untersuchungen von =His= und =Frey= ist neuerlich

der Nachweis geführt, dass die eintretenden Lymphgefässe sich nicht ganz

und gar in die Follikel auflösen, sondern dass sie, indem sie ihre

besonderen Wandungen einbüssen, sich in sinuöse oder lacunäre Räume

(Spalten) verlieren, welche im Umfange der Follikel gelegen, aber gegen

das Innere derselben nicht abgeschlossen sind. Auch besteht nach =Frey=

durch Vermittelung dieser Sinus oder Lacunen eine offene Verbindung

zwischen eintretenden und austretenden Lymphgefässen. Indess

muss man gerade bei den Lymphdrüsen sehr vorsichtig sein, die

comparativ-anatomischen Erfahrungen ohne Weiteres in die menschliche

Anatomie zu übertragen. Bei manchen Säugethieren, namentlich beim Rind,

sind die Randsinus allerdings ziemlich gross, und obwohl auch sie durch

ein Reticulum durchzogen und keineswegs frei von Zellen sind, so mag

immerhin ein freierer Durchgang durch die Drüse bestehen. Beim Menschen

dagegen sind die Randsinus viel enger und nicht einmal constant

vorhanden, so dass eine so scharfe Grenze zwischen den sogenannten

Marksträngen und den Lymphbahnen, wie bei manchen Säugethieren, nicht zu

erkennen ist.

Jedenfalls kann darüber kein Zweifel bestehen, dass die Lymphe, indem

sie sich durch die engen Spalten des Drüsengewebes hindurchzwängt, aus

demselben einen Theil der Parenchymzellen ablöst und mit sich

fortschwemmt. Die eintretende Lymphe ist verhältnissmässig arm an

Zellen[67], die austretende dagegen sehr reich. Diese Zellen erscheinen

zunächst in der Lymphe als =Lymphkörperchen=, im Chylus als

=Chyluskörperchen=, später im Blute als =farblose Blutkörperchen=. Ueber

diesen Zusammenhang besteht kaum noch ein Streit. Aber man darf die

Identificirung nicht übertreiben, wie es jetzt so häufig geschieht. Auch

die einzelne Epidermiszelle war einmal eine Zelle des Rete Malpighii;

nichtsdestoweniger ist sie so sehr verändert, dass man sie nicht mehr

eine Rete-Zelle nennen darf. Genau so verhält es sich auch hier. Wenn

eine Lymphdrüsenzelle (Parenchymzelle) zu einem Lymphkörperchen

(Flüssigkeitszelle) wird, so verändert sie sich, und wenn ein

Lymphkörperchen zu einem farblosen Blutkörperchen wird, so verändert es

sich wiederum, so dass ein Lymphdrüsenkörperchen von einem

Lymphkörperchen und beide von einem farblosen Blutkörperchen regelmässig

verschieden sind.

[67] Gesammelte Abhandl. S. 214.

Freilich gibt es Fälle, wo die Körperchen fast unverändert bleiben,

trotzdem dass sie die Drüsen verlassen und in Lymphe und Blut übergehen.

Schon bei einfacheren Reizungsvorgängen finden sich zuweilen Elemente in

grosser Zahl im Blute (Fig. 66), welche viel mehr den Lymphkörperchen

oder den Lymphdrüsenzellen gleichen, als den gewöhnlichen farblosen

Blutkörperchen. Noch viel auffälliger ist dies bei der lymphatischen

Leukämie (=Lymphämie=), und gerade deshalb ist diese so ausserordentlich

lehrreich. Aber aus diesen Ausnahmefällen darf man nicht die Regel

machen. Regel ist vielmehr, dass die Drüsenzelle, welche fortgeführt

wird (auswandert?), ihre Eigenschaften ändert, und zwar um so mehr, je

weiter sie im Strome der Lymphe und des Blutes fortgeführt wird. Daher

ist es höchst bedenklich, die farblosen Blutkörperchen einfach

Lymphkörperchen zu nennen; mit eben so viel Recht könnte man die

Lymphdrüsenzellen farblose Blutkörperchen heissen.

Die Parenchymzellen der Lymphdrüsen sind unter sich ziemlich

verschieden. Sie kommen jedoch sämmtlich darin überein, dass sie

verhältnissmässig grosse, granulirte, mit einem oder mehreren

Kernkörperchen versehene Kerne haben. Diese Kerne sind ganz überwiegend

einfach. Man sieht sie in den Zellen schon ohne besondere Zusätze, doch

macht Essigsäure sie noch deutlicher. Ueberaus häufig findet man sie

»nackt« (Fig. 71, _A_, _a_), ohne Zellkörper, denn der letztere ist sehr

gebrechlicher Natur und wird bei der Präparation leicht zerdrückt oder

aufgelöst. Bei vorsichtiger Behandlung findet man die Kerne von

Zellkörpern umhüllt, doch sind diese oft so klein, dass sie nur schmale

Säume um die Kerne darstellen (Fig. 71, _A_, _b_). Der Kern, wenngleich

klein, erscheint dann =unverhältnissmässig gross= in der kleinen Zelle.

-- Diese Art von Elementen ist die vorherrschende. Daneben finden sich

jedoch in allen Lymphdrüsen auch grössere, mit stärker entwickeltem

Leibe, aber immer bleibt der Kern verhältnissmässig gross: =er wächst

mit der Zelle= (Fig. 71, _B_, _c_).

[Illustration: =Fig=. 71. Lymphkörperchen aus dem Innern der

Lymphdrüsen-Follikel. _A_. Die gewöhnlichen Elemente: _a_ nackte Kerne,

mit und ohne Kernkörperchen, einfach und getheilt. _b_ Zellen mit

kleineren und grösseren Kernen, die Membran dem Kern sehr eng anliegend.

_B_. Vergrösserte Elemente aus einer hyperplastischen Bronchialdrüse bei

variolöser Pneumonie (vgl. bei Fig. 64. die zugehörigen farblosen

Blutkörperchen). _a_ grössere Zellen mit Körnern und einfachen Kernen.

_b_ keulenförmige Zellen. _c_ grössere Zellen mit grösserem Kern und

Kernkörperchen. _d_ Kerntheilung. _e_ keulenförmige Zellen in dichter

Aneinanderlagerung (Zellentheilung?). _C_ Zellen mit endogener Brut.

Vergr. 300.]

Nur diese letztere Form stimmt einigermaassen mit den Zellen der Lymphe

überein. Denn auch diese sind verhältnissmässig grosse, überwiegend

einkernige Zellen, deren grosser körniger Kern einen oder mehrere

Nucleoli zeigt. Aber der Zellkörper ist meist umfangreicher, und er hat

so sehr an Dichtigkeit gewonnen, dass die Kerne undeutlicher werden.

Noch viel mehr ist dies der Fall bei den farblosen Blutkörperchen, deren

dichter, stark granulirter Körper die Kerne ganz verhüllt, so dass erst

durch Reagentien oder durch Wasserimbibition dieselben sichtbar gemacht

werden müssen. Werden sie aber sichtbar, so sind sie =mehrfach=, in der

Regel 3-7 an der Zahl, =glatt= und =gänzlich ohne Kernkörperchen=. Was

nach Einwirkung von Essigsäure zuweilen als ein Kernkörperchen

erscheint, das erweist sich bei stärkerer Vergrösserung als eine =kleine

Delle an der Kernoberfläche= (Fig. 72, _A c_ u. _e_, _B b_ u. _c_).

Ich verstehe daher in der That nicht, wie selbst sehr geübte Beobachter

in der neueren Zeit alle diese Zellen einfach »identificiren«. Wie

sollte man denn Eiter in einer Lymphdrüse erkennen, wenn die

Parenchymzellen derselben mit farblosen Blutkörperchen identisch wären?

Das farblose Blutkörperchen war einmal eine Lymphdrüsenzelle, aber es

hat vollständig aufgehört, dies zu sein, nachdem es sich eben zu einem

Blutkörperchen =entwickelt= hat, nachdem sein Kern sich getheilt und

wesentlich verändert, sein Körper sich vergrössert und verdichtet hat.

Ja, ich finde es so sehr verändert, dass ich leichter begreife, wenn

jemand seine Abstammung aus der Drüse bezweifelt. Wenn ich trotzdem

daran festhalte, dass das Drüsenparenchym die Matrix der farblosen

Blutkörperchen ist, so geschieht es im Hinblick auf die Erscheinungen,

welche eine gereizte Drüse darbietet. Hier zeigen sich auch im

Drüsenparenchym nicht nur vergrösserte Zellen, sondern man sieht auch

fortschreitende Kern- und Zellentheilungen (Fig. 71, _B_, _d_, _e_).

Zuweilen kommen vielkernige Zellen vor und einzelne Erscheinungen

scheinen für endogene Neubildung (Fig. 71, _C_) zu sprechen. Mit

zunehmender Reizung werden diese Vorgänge immer deutlicher. Je mehr die

Drüsen sich vergrössern, um so zahlreicher werden die zelligen Elemente,

welche in das Blut übergehen, um so grösser und um so mehr entwickelt

pflegen auch die einzelnen farblosen Zellen des Blutes selbst zu sein.

Dasselbe Verhältniss scheint bei der =Milz= obzuwalten. Ursprünglich

haben wir uns Alle gedacht, dass die Venen die Wege darstellten, auf

welchen die farblosen Körper die Milz verlassen, allein die Verhältnisse

sind hier so schwierig, dass eine bestimmte Aussage kaum gemacht werden

kann. Nach den Untersuchungen von =Wilhelm Müller= scheint es, dass

ähnliche Unterbrechungen, wie man sie von der Wand der Milzvenen mancher

Säugethiere schon länger kennt, auch in den Milzcapillaren vorkommen,

und dass die Wand der letzteren ebenfalls eine siebförmige

Beschaffenheit annimmt, welche den Zugang zu einem wandungslosen Systeme

von Capillarspalten innerhalb der Pulpa gestattet. Hier würde demnach

das Blut in einen unmittelbaren Contakt mit den Zellen der Pulpa kommen,

und erst, nachdem es dieses »intermediäre« Kanalnetz passirt hat, in die

gleichfalls siebförmigen Anfänge der Venen übertreten. Unter solchen

Verhältnissen, wie ich sie schon vor Jahren eingehend erörtert habe[68],

würde allerdings auch der Uebergang von Pulpazellen in den Blutstrom

keine Schwierigkeit haben. Andererseits kennt man sowohl an der Capsel

der Milz, als an den Gefässscheiden im Innern derselben Lymphgefässe,

und es ist daher die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass auch auf

diesem Wege Milzelemente den circulirenden Säften zugeführt werden.

Indess lässt sich nicht verkennen, dass die Beschaffenheit der Zellen in

der lienalen Leukämie (=Splenämie=) mehr für die Abstammung derselben

aus der Pulpa und demnach für ihre Einwanderung in die Blutgefässe

spricht. Denn in der Pulpa selbst sind überhaupt keine Lymphgefässe

bekannt.

[68] Archiv 1848. II. 595. 1853. V. 122.

Dabei ist jedoch eine erhebliche Schwierigkeit nicht zu verschweigen.

Die Pulpazellen sind überwiegend grössere, mit einem einfachen,

granulirten Kern und Kernkörperchen versehene Elemente, wie sie selbst

in der Milzvene nicht die Mehrheit bilden. Wenngleich diese Zellen den

Lymphkörperchen näher stehen, so fehlt ihnen doch die Zeit, sich in

farblose Blutkörperchen umzubilden, da sie direkt in das Blut übergehen

müssten, während die Lymphkörperchen einen verhältnissmässig langen Weg

bis zum Blute zu durchlaufen haben. Es müsste also die Umbildung schon

in der Milz selbst geschehen. Vorläufig lässt sich darüber ebenso wenig

ein sicheres Urtheil abgeben, wie über die Frage, =wo für gewöhnlich die

Umbildung der farblosen Körperchen in rothe geschehe=?

Dass eine solche geschieht, wissen wir aus der Geschichte des Blutes bei

niederen Wirbelthieren und beim menschlichen Embryo, sowie aus einzelnen

Beobachtungen beim erwachsenen Menschen. Der Zellkörper (Zelleninhalt)

farbloser Kernzellen wandelt sich nach und nach in die rothe

Hämoglobinsubstanz um, und der Kern verschwindet. Aber dies geschieht

regelmässig an einkernigen Elementen, und daher habe ich von Anfang an

den Satz vertheidigt, dass die mehrkernigen farblosen Blutkörperchen zu

einer solchen Umwandlung nicht bestimmt seien, dass sie vielmehr

indifferente Gebilde darstellen, welche zum Untergange bestimmt

sind[69]. In der That habe ich schon in meinem ersten Falle von Leukämie

an ihnen Fettmetamorphose deutlich beobachtet[70], und =Reinhardt= hat

diesen Vorgang bestätigt[71]. Die eigenthümlich rothe Farbe der

Milzpulpa und die Eigenschaft des Lymphdrüsenparenchyms, an der Luft

eine bräunlichrothe Farbe anzunehmen, sind mir als Anzeichen dafür

erschienen, dass diese Organe auch zu der Erzeugung des Blutfarbstoffes

in einem näheren Verhältnisse stehen müssten.

[69] Gesammelte Abhandlungen. S. 217.

[70] =Froriep='s Neue Notizen. 1845. Nov. No. 780.

[71] Archiv 1847. I. 65.

Durch die neueren Untersuchungen von =Neumann=, =Bizzozero= und

=Waldeyer= ist die Aufmerksamkeit noch auf einen dritten Ort, das

=Knochenmark=, gelenkt worden, welchem ähnliche Beziehungen zur

Blutbildung zugeschrieben wurden. In der That zeigt das rothe

Knochenmark neben ungewöhnlich grossen venösen Gefässen zahlreiche

Rundzellen, unter denen neben überwiegend einkernigen auch nicht selten

mehrkernige gesehen werden. Dass unter gewissen Umständen auch von hier

aus eine Zufuhr zum Blute geschehen mag, ist nicht unwahrscheinlich.

Indess scheint mir eine regelmässige Beziehung um so weniger

wahrscheinlich, als beim Erwachsenen, wo gerade am meisten ein

Bedürfniss zu solcher Einfuhr vorliegt, das Mark der meisten Knochen in

Fettgewebe übergeht, und nur gewisse Abschnitte der Spongiosa sich in

dem früheren, kleinzelligen Zustande erhalten.

Ungleich bedeutungsvoller dagegen könnte das Verhältniss der

=Lymphgefässe= zu den Geweben auch für diese Frage werden. Bei manchen

Thieren, und gerade bei unserem gewöhnlichen Versuchsthiere, dem

Frosche, fehlen Lymphdrüsen eigentlich gänzlich, und wenn man forscht,

woher hier die farblosen Blutkörperchen stammen, so kommt man leicht auf

dieselbe Antwort, die wir für das Fibrin gegeben haben, nehmlich dass

das Gewebe selbst und zwar vorwiegend das Bindegewebe und seine

Aequivalente die Quelle enthalte. Alsbald, nachdem ich die

Bindegewebskörperchen nachgewiesen hatte, sprach ich die Meinung aus,

dass dieselben mit den Anfängen der Lymphgefässe in ähnlicher Weise

zusammenhängen, wie die Lymphdrüsen[72], und bald nachher wies ich in

einem Falle von congenitaler Makroglossie[73] unmittelbare Uebergänge

von Wucherungsheerden der Bindegewebskörperchen zu grossen Lymphgefässen

nach. Die schönen Untersuchungen v. =Recklinghausen='s haben diesen

Zusammenhang für zahlreiche Orte des Körpers dargethan, nur dass nach

der Ansicht dieses Forschers nicht die Bindegewebskörperchen selbst,

sondern nur die von ihnen eingenommenen Räume und Kanälchen in offener

Verbindung mit den Lymphgefässen stehen, -- eine Differenz, welche mit

der früher erörterten Frage zusammenhängt, ob die Wandungen der Höhlen,

in welchen sich die Bindegewebskörperchen befinden, zu den in ihnen

enthaltenen Zellen gehören, oder nicht (S. 139). Die Beobachtungen

=Chrzonszczewski='s über die Füllung der Bindegewebskörperchen und der

Lymphgefässe von Hühnern, denen die Ureteren unterbunden sind, mit

harnsauren Salzen, selbst die Erfahrungen von =Köster= über den

Nabelstrang sprechen sehr zu Gunsten meiner Auffassung, indess will ich

dieselbe hier nicht betonen, da es für die Untersuchung über den

Ursprung der Lymphe nicht von entscheidender Bedeutung ist, zu welcher

von beiden Meinungen man sich bekennt. Besteht überhaupt ein

unmittelbarer Zusammenhang, so ist auch eine Ueberwanderung der

Bindegewebskörperchen oder ihrer Tochterzellen in den Lymphstrom

zulässig.

[72] Würzb. Verhandl. 1855. II. 150, 314. Gesammelte Abhandl. S. 136.

[73] Archiv VII. 132.

Die grösseren Lymphgefässe, welche eigentlich so genannt werden,

bestehen, wie die Blutgefässe, aus mehreren Häuten, einer

bindegewebigen, mit elastischen Theilen stark durchsetzten Intima, einer

muskulösen Media und einer gleichfalls bindegewebigen Adventitia. Die

innere Oberfläche ist von einem feinen Plattenepithel überzogen. Die

Lymphgefässe sind daher in hohem Maasse contraktil. Bei Versuchen an dem

Körper eines Hingerichteten, die ich mit =Kölliker= anstellte[74],

fanden wir, dass sich auf elektrische Reizung peripherische Lymphgefässe

bis zum Verschwinden ihres Lumens, und zwar auf lange Zeit

zusammenzogen. Bei dem Reichthum dieser Lymphgefässe an Klappen kann

solchen Contractionen, wie denen gewisser Venen, allerdings ein

propulsorischer Einfluss auf den Flüssigkeitsstrom zugesprochen werden.

[74] Zeitschrift für wiss. Zoologie. 1851. III. 40.

Verfolgt man die Lymphgefässe gegen die Peripherie, so kommt man zu

Verästelungen, welche immer enger werden und schliesslich nur noch

mikroskopisch erkannt werden können. Von ihnen sind am längsten das

centrale Chylusgefäss der Darmzotten und die kleinen Lymphwurzeln im

Schwanze der Froschlarve bekannt. Erst durch v. =Recklinghausen= ist in

zahlreichen Theilen ein reiches Netz von Lymphbahnen entdeckt worden,

welches gar keine andere Wand mehr hat, als ein überaus dünnes und

durchsichtiges Plattenepithel, das nur durch künstliche Färbungen, am

besten durch Silbernitrat, sichtbar gemacht werden kann. Gerade in

bindegewebigen Theilen, und zwar sowohl im weichen, namentlich

interstitiellen Bindegewebe, als auch in harten, sehnigen und

aponeurotischen Theilen bildet dasselbe zum Theil sehr weite und

zahlreiche Canäle von grosser Unregelmässigkeit und Veränderlichkeit der

Wandungen. Diese =lymphatischen Capillaren= sind es, welche mit dem

Röhrensystem des Bindegewebes und seiner Aequivalente in offener

Verbindung stehen und daher für die Abfuhr der Produkte des Bindegewebes

die natürlichen Wege darstellen.

Gewiss ist es daher unrichtig, wenn man in der Lymphe nur den für die

Ernährung der Gewebe unbrauchbaren oder wenigstens unbenutzten Rest der

aus den Blutcapillaren transsudirenden Ernährungssäfte sieht.

Lymphgefässe sind an manchen Theilen, welche sehr arm an Blutgefässen

sind, überaus reichlich, und umgekehrt an manchen Theilen, welche dicht

voll von Blutgefässen stecken, sehr spärlich. Ist die Lymphe, wie der

Chylus, der ja doch nur eine modificirte Lymphe darstellt, eine zur

Bildung und zur Regeneration des Blutes dienende Flüssigkeit, so lässt

sich auch erwarten, dass gerade das Bindegewebe, welches überwiegend die

Wurzeln der Lymphgefässe und daher die Quellen der Lymphe enthält, einen

entscheidenden Einfluss darauf ausübt, und man darf in dem Bestreben,

das blosse Communications-Verhältniss der verschiedenen Röhrensysteme

festzustellen, nicht übersehen, dass ohne die in demselben befindlichen

Zellen diese Röhrensysteme keine Bedeutung mehr haben würden. In den

letzten Jahren hat man in der Lymphe immer mehr eine =recrementitielle=

Flüssigkeit gesehen, welche die verbrauchten Stoffe in die allgemeine

Blutbahn überführt, damit sie von da durch die Secretionsorgane

ausgeschieden werden; es ist Zeit, dass wir wenigstens zum Theil zu der

Auffassung =Hewson='s von der =plastischen= Natur der Lymphe

zurückkehren.

Zehntes Capitel.

Pyämie und Leukocytose.

Vergleich der farblosen Blut- und Eiterkörperchen. Die

physiologische Eiterresorption: die unvollständige (Inspissation,

käsige Umwandlung) und die vollständige (Fettmetamorphose, milchige

Umwandlung). Intravasation von Eiter.

Eiter in Lymphgefässen. Die Hemmung der Stoffe in den Lymphdrüsen.

Mechanische Trennung (Filtration): Tättowirungsfarben. Mögliches

Durchkriechen der Eiterkörperchen. Chemische Trennung (Attraction):

Krebs, Syphilis. Die Heizung der Lymphdrüsen und ihre Bedeutung für

die Leukocytose.

Die (physiologische) digestive und puerperale Leukocytose. Die

pathologische Leukocytose (Scrofulose, Typhus, Krebs, Erysipel).

Die lymphoiden Apparate: solitäre und Peyersche Follikel des Darms.

Tonsillen und Zungenfollikel. Thymus. Milz.

Völlige Zurückweisung der Pyämie als morphologisch nachweisbarer

Dyscrasie.

An die Erwägungen des vorigen Capitels schliesst sich mit eindringlicher

Nothwendigkeit die Frage von der =Pyämie= an, und da dies nicht bloss

ein Gegenstand von der grössten praktischen Bedeutung ist, sondern

derselbe auch zu den wissenschaftlich am meisten streitigen zu rechnen

ist, so dürfte es wohl gerechtfertigt sein, näher auf seine Besprechung

einzugehen.

Was soll man unter Pyämie verstehen? In der Regel hat man sich gedacht,

es sei dies ein Zustand, wo das Blut Eiter enthalte. Man hat ihn daher

auch geradezu =purulente Infection= oder =Eitervergiftung= genannt. Da

aber der Eiter wesentlich durch seine morphologischen Bestandtheile

charakterisirt wird, so handelte es sich natürlich darum, im Blute die

Eiterkörperchen zu zeigen. Das hat man denn auch redlich versucht, und

mancher Beobachter glaubte es geleistet zu haben. Nachdem wir jedoch

erfahren haben, dass die farblosen Blutkörperchen in ihrer gewöhnlichen

Erscheinung, bei Leuten im besten Gesundheitszustande, den

Eiterkörperchen ganz ähnlich sind (S. 183), so fällt damit von

vornherein eine wesentliche Voraussetzung dieser Nachweise weg. Um

indess einigermaassen Klarheit in den Gegenstand zu bringen, ist es

nothwendig, auf die verschiedenen Gesichtspunkte, welche hierbei in

Betracht kommen, im Einzelnen einzugehen.

Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre · 第 20 / 54 段