In den nächsten Monaten herrschte in einem der großen Fabrikwerke des
Marskuratoriums lebhafte Tätigkeit. Maschinen schnurrten, elektrische
Ströme flossen und in einem Geheimlaboratorium saß Doktor Müller, braute,
hantierte und mischte wie ein Apotheker von Profession.
Das Material, welches aus den Werkstätten hervorging, ein besonders zäher
und fester Spezialstahl, unterschied sich äußerlich nur durch einen
leichten Opalschimmer von dem gewöhnlichen Stahl. Aber er war in seiner
Struktur verschieden von ihm. Bereits einmal abarisch gewesen, konnte er
jeden Augenblick durch einfaches Besprengen mit der entsprechenden
Flüssigkeit wiederum den Schwerestrahlen entzogen werden. Aus diesem
Material nun wurde das Raumschiff gefügt. In der Hauptsache ein
kugelförmiger Körper, der im Innern alle Bequemlichkeiten für die Reisenden
enthielt. Selbstverständlich waren die erforderlichen Apparate für
Lufterneuerung, Beheizung, Beleuchtung und so weiter reichlich vorhanden.
Die Arbeiten gingen flott vonstatten und in wenigen Monaten war das
Raumschiff vollendet.
Um diese Zeit trat Monsieur Durand mit neuen Plänen hervor. Einmal wollte
er Doktor Müller nicht allein fahren lassen, sondern die Reise mitmachen.
Wenn man sich erinnert, wie behaglich ihrerzeit die drei Freunde Jules
Vernes, die Amerikaner Barbicane und Nicholl, sowie der Franzose Michel
Ardan zum Monde reisten, so wird man eine derartige Vermehrung der
Reisegesellschaft gewiß nur mit Freude begrüßen können. Aber Monsieur
Durand ging noch weiter. Er hatte sich immer mehr und mit liebevollster
Aufmerksamkeit in die Müllerschen Pläne versenkt und war jetzt in der Lage,
einen wertvollen Verbesserungsvorschlag zu machen. Es war ihm die Idee
eines Richtrohres gekommen. Ließ man das Fahrzeug frei abschweben, so mußte
es ja durchaus tangential fliegen. Ließ man es dagegen aus einem Rohr
auslaufen, so konnte man seine Richtung innerhalb ziemlich weiter Grenzen
beeinflussen. Man konnte ihm sofort eine Richtung geben, welche es direkt
ans Ziel führen mußte. Auch Doktor Müller mußte das Zutreffende dieses
Vorschlages einsehen und so wurde denn jene Vorrichtung erbaut, welche
unser farbiges Titelbild besser als alle Worte erklären können zur
Darstellung bringt. Wir sehen auf ihm das gewaltige teleskopartige Rohr,
aus welchem das Fahrzeug vor wenigen Sekunden ausgefahren ist.
Doch greifen wir den Ereignissen nicht vor. Der Bau von Richtrohr und
Weltraumschiff wurde sachgemäß durchgeführt. Dann wurde das Richtrohr im
Kongostaate am Kongoflusse selbst, gerade an der Stelle, an welcher dieser
den Äquator schneidet, aufgestellt und dorthin auch das Raumschiff
gebracht, über alle diese Vorarbeiten waren nahezu zwei Jahre verstrichen
und im Herbst des Jahres 2110 war alles zur Abfahrt bereit und der Mars in
günstiger Nähe. Der Tag der Abfahrt war herangekommen und bereits am hellen
Vormittage war die Richtung des Rohres nach den Berechnungen der Astronomen
erfolgt und die Abfahrtszeit auf die Minute und Sekunde festgelegt. Das
Raumschiff selbst lag in dem riesigen Gleitrohr und war bereits völlig
abarisch gemacht. Ein gewichtiger Verschlußriegel war vor dem Schiff quer
durch das Rohr gezogen und eine geschäftige Mannschaft bereitete alles zum
eigentlichen Stapellauf des Raumschiffes vor. Ein gewaltiger
elektromagnetischer Apparat stand neben dem Rohre, genügend stark und
geeignet, den Sperriegel im gegebenen Zeitpunkt blitzschnell herauszuziehen
und dadurch dem Schiff freie Bahn zu bieten. Die elektrische Leitung führte
zu einem eleganten Druckknopf. Hier sollte der Präsident des Kongostaates
als der Landesherr der Abfahrtstation in der gegebenen Sekunde den Strom
wirken lassen, das Schiff vom Stapel lassen.
Um die Mittagstunde erschienen die beiden Marsreisenden, Monsieur Durand
und Doktor Müller, um in ihrem Raumschiff Platz zu nehmen. Es braucht nicht
erst besonders erwähnt zu werden, daß das Innere dieses Schiffes alle die
Einrichtungen und Bequemlichkeiten bot, auf welche Weltraumreisende nun
einmal berechtigten Anspruch haben. Selbstverständlich sorgten Sauerstoff-
und Ätznatronapparate, die sich ja bereits im zwanzigsten Jahrhundert auf
einer großen Höhe der Ausbildung befanden, für dauernde vorzügliche Luft.
Ebenso waren Schutzvorrichtungen gegen die Kälte des Weltraumes und
Einrichtungen für die Beleuchtung getroffen. Proviant und Luftvorrat waren
für ein halbes Jahr an Bord. Während dieser Zeit mußten die Reisenden
irgendwo festen Fuß gefaßt haben oder wieder zurück sein. Jetzt saßen sie
in ihrem Raumschiff und harrten des nahen Zeitpunktes der Abreise.