Arthur
Königl. Luftkutscher.
Während der Ausbildung, z. T. auch schon vor dem Feinde, fanden
folgende Flieger den Tod:
Aus Berlin der Referendar Dr. August _Moser_ (Sohn des
Kommerzienrat Moser), der im Besitz des »Eisernen Kreuzes«
I. Klasse war, stud. med. Fritz _Mecklenburg_, Mitglied des
akademisch medizinisch-naturwissenschaftlichen Vereins, Bruder
des H. Gustav M., Berlin, Friedrichstr. 227. Mecklenburg hatte es
als Jude beim Dragoner-Regiment 26 zum Reserveoffizier gebracht.
Mecklenburg ist mit mehreren anderen jüdischen Fliegern im Herbst
1917 in Weißensee beigesetzt.
Aus Köln stammte der Leutnant _Falk_, dessen Vater der
Stadtrat und Major Falk ist; Falk stand bei einer bayerischen
Fliegertruppe; aus Hannover kam der Unteroffizier _Cassel_;
aus Dresden der Leutnant Fritz _Gerstle_. Gerstle hat, wie mir
seine Mutter die Freundlichkeit hatte mitzuteilen, sich taufen
lassen, um anscheinend besser Karriere zu machen, bereute
aber diesen Schritt und trat bald wieder aus der christlichen
Religionsgemeinschaft aus. Gerstle war, wie so mancher andere
jüdische Flieger, vor dem Kriege Student der Medizin gewesen. In
seiner Zugehörigkeit zum Judentum nicht sicher gestellt, ist der
verunglückte Kriegsfreiwillige Dr. Alexander _Lippmann_ von der
Fliegertruppe Dresden-Kaditz, vor dem Krieg Geschäftsführer der
Gesellschaft zur Gründung eines Observatoriums in Oberhof.
Tödlich verunglückt ist ferner der Flieger _Hemmerdinger_, der
ursprünglich einem Infanterie-Regiment 28 angehörte, nähere
Personalien fehlen über den in den K. C. Blättern von Dr.
Mainzer angeführten _Perlhöfter_. Gestorben ist während der
Ausbildung bei der Feldfliegerabteilung Bromberg, der 19jährige
Georg _Hecht_. Seine Familie lebt in Charlottenburg.
[Illustration: J. Zürndorfer]
[Illustration: Arthur Chasanowicz]
Ueber die Tätigkeit einer Reihe anderer Flieger liegt uns keine
nähere Mitteilung vor. Wir nennen, soweit sie uns bekannt wurden:
Leutnant Kurt _Lämmle_ (in einem bayerischen Fliegerbataillon,
Patent vom 1. Mai 1915), Leutnant _Aronheim_, Leutnant und
Flugzeugführer Siegfried _Wittkowsky_, Sohn des H. Leopold W.
aus Ansbach, Leutnant Kurt _Königsberger_ (Sohn des Herrn Karl
Königsberger aus Fürth); Leutnant _Mayer_ früher bei dem 1. bayr.
Fuß-Artill.-Reg., sodann bei einer bayerischen Fliegerformation,
Leutnant Alex _Wetzlar_ (nach Mitteilung des »Jüd. Echo«).
Aus Frankfurt a. M. stammen: Leutnant d. R. _Fritz Haas_ und
die Brüder _Adolf_ und _Otto Neumann_. Dieser Fall, daß Brüder
bei der Flugzeugwaffe dienen, ist keine Ausnahme. Aus Hannover
kommen die Brüder Block. _Hans Block_, Leutn. d. Res. (Alter Herr
des K. C.), wohnte vor dem Krieg in Köln, sein Bruder ist der
Unteroffizier und Flugzeugführer _Fritz Block_; aus Freiburg die
Gebrüder _Rosin_. Von Fliegern, die es als Juden zum Offizier
brachten, seien ferner erwähnt: Leutnant d. R. _Leopold_ und
Leutnant d. R. Alfred _Kann_, Rechtsanwalt in Zempelburg, früher
beim 34. Inf.-Regiment.
Der nichtjüdische Reserveoffizier, der vor dem Kriege das
Offizierspatent erhielt, hat sich diese Beförderung durch
seine anscheinende Eignung als tapferer Soldat erwirkt. Der
Jude, der im Frieden bei keiner preußischen Formation in das
Offizierkorps aufsteigen konnte, hat sich sein Avancement
infolgedessen durchweg als Soldat vor dem Feinde erkämpft. Darin
liegt ein offenkundiger Beweis seines Mutes, wie seiner übrigen
Fähigkeit. Statistiken ergeben bis zum Frühjahr 1918 etwa 2000
jüdische Offiziers-Beförderungen, während naturgemäß mindestens
ebensoviel von jüdischen Einjährigen vorher gefallen oder so
schwer verwundet wurden, daß sie ausschieden. Außerdem waren
noch Tausende durch widrige Umstände, Krankheiten, Versetzungen
usw., an der Beförderung behindert, Hunderte litten unter dem
schwer überwindbaren Vorurteil, das Jahrzehnte hindurch als
feststehendes Dogma von allen preußischen Offizierkorps restlos
gepflegt und gehegt, nicht urplötzlich aus den Vorstellungen
und Erinnerungen der Vorgesetzten schwinden konnte. Dazu kam,
daß die Identifizierung der Juden als einheitliche Masse, der
notorische Minderwert einzelner -- den wir übrigens in allen
Volksschichten treffen -- die Leistungen und Fähigkeiten der
geeigneten Juden ungünstig beeinflußte. Einer Gemeinschaft, die
ihr Leben vorweg in den Büros der Großstädte zubrachte, die
körperlich von zu Hause wenig entwickelt, in ihren Berufen wenig
mit schwerer physischer Arbeit zu tun hatte, mußte es schwer
fallen, die Arbeiten, welche der Schützengrabenkrieg erforderte,
zu lösen, der einfache Soldat war hier nicht vor allem im
offenen Kampfe mit dem Feind, wo er seinen Mut zeigen konnte,
sondern er hatte zu graben und zu schaufeln, Lasten und schwere
Tornister zu tragen, Hunger und Kälte auszuhalten. Jeder einfache
Bauarbeiter beschämte den Bankprokuristen täglich und stündlich.
Daß energielose, schwächliche jüdische Kaufleute um so stärker
aus dem Rahmen fielen, ist kein Wunder. Wenn der jüdische Soldat
trotzdem vielen als wenig vorbildlich erscheint, so stammt das
Urteil daher, daß _ein_ krummer jüdischer Soldat mehr schlecht
macht als ein Dutzend vorzüglicher gut machen können. Ein
unfähiger nichtjüdischer Soldat fällt nicht auf. Wenn aber Cohn
oder Levi schlapp ist, heißt es im Urteil der Vorgesetzten und
Kameraden: »Der Jude ist schlapp«, seine Unfähigkeit schädigt
sozusagen den Ruf des jüdischen Soldaten im allgemeinen.
Beispiele für die Wahrheit dieser Dinge gibt es genügend. Für
die Beurteilung des jüdischen Soldaten wirkt ferner ungünstig,
daß bei vielen prächtigen jüdischen Erscheinungen die Umwelt
oft nicht weiß, daß sie Juden sind, oder sie eo ipso als
Ausnahmen betrachtet, während der Unglückswurm H. oder Y. als
Muster erkannt und deklariert wird. So erlebte ich selbst, daß
von dem ersten Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse unter den
Mannschaften meines Regiments des Vizef. Gotthold Sender _bei
seiner Offizierswahl die Mehrzahl der Offiziere_ annahmen, daß
Sender Nichtjude sei und daß bis zu seinem Tode wenige Kameraden
über seine Zugehörigkeit zum Judentum unterrichtet waren.
Die Juden betragen knapp ein Prozent der Bevölkerung und
sind somit nur in ein bis zwei Exemplaren in den Kompagnien
anzutreffen. Ist der Jude, der oft im Frieden als untauglich nach
Hause geschickt wurde, kein besonders günstiger Repräsentant der
jüdischen Gemeinschaft, dann verstärkt er bei 100 bis 200 Leuten
das mißfällige Urteil über die Juden. Im anderen Falle wird
über seine jüdische Abstammung stillschweigend hinweggesehen,
der weiße Rabe gibt keine Veranlassung das verallgemeinernde
Urteil zu ratifizieren. Schopenhauer sagt einmal in seinen
»Aphorismen zur Lebensweisheit«: »Die menschliche Beschränktheit,
Verkehrtheit und Schlechtigkeit erscheint in jedem Lande in
einer anderen Form und diese nennt man den Nationalcharakter.
Jede Natur spottet über die andere und alle haben Recht«. Die
Bemerkung hat einen richtigen Kern. Der konservative Offizier
entrüstet sich leicht über den sozialistischen Städter und neigt
dazu, ihnen weniger Vaterlandsliebe zuzutrauen. Der evangelische
Orthodoxe traut dem orthodoxen Zentrumsmann nicht allzusehr.
Von der Ueberhebung der Franzosen, Engländer, Italiener, der
vielen anderen Völker gegenüber dem Deutschen können wir das
eine ersehen, wie leicht es ist, ein Volk als minderwertig
hinzustellen, wie rasch unwahre Auswürfe über eine Masse, die
nicht sofort die Macht hat, sich derlei Lügen zu verbitten,
nachwirken. Die Verleumdungen der Antisemiten haben daher,
wiewohl der größte Teil sich nachträglich als haltlos erwies,
doch nach dem bekannten Satz Erfolg: »Verleumde fest drauf los,
ein Manko bleibt immer an dem Verleumdeten hängen«, gewirkt. Noch
immer bringt man dem Juden Mißtrauen entgegen. Viele jüdische
Soldaten haben dagegen gekämpft und haben trotz mannigfacher
Beweise ihrer soldatischen Fähigkeiten das Vorurteil nicht
überwinden können. Einzelne ließen sich, wie wir sehen werden
sogar taufen, um diesem Vorurteil zu entgehen!
Protektion, Zufall oder Friedenstüchtigkeit, waren also
keine Faktoren, die der Beförderung jüdischer Offiziere
zu Hilfe kamen. Restlos war es ihre Bewährung im Felde und
vor dem Feinde. Die ganze jüdische Bevölkerung Deutschlands
beträgt 500 000 Seelen (die Ausländer abgerechnet). Ein
Teil davon ist naturgemäß nur die männliche Bevölkerung
im militärpflichtigen Alter und hiervon ein Bruchteil wiederum
hat die Einjährigen-Berechtigung. Darnach ist die Zahl der
jüdischen Offiziere (ohne die Sanitätsoffiziere) wohl entsprechend.
Das ist ein Beitrag für ihre Bewährung, ein anderer, daß wie
das »Hamburger Israelitische Familienblatt« in den 4 Jahren
aufzeichnen konnte, hunderte Eiserne Kreuze I. Klasse an
schlichte jüdische Soldaten verliehen wurden. Otto Flake spielt
in seinem Logbuche über mißliebige Deutsche im Ausland: »Es ist
nutzlos über diese Art Landsleute hinwegzusehen; sie ist darum
doch noch immer in der Welt.« Ueber die wenig erfreulichen
Exemplare der Judenheit haben die Reden im Reichstag, im
Herrenhaus und in den Zeitungen genug gestanden. Diese Exemplare
lassen sich nicht wegexemplizieren. Aber die Tausende, die auf
den weiten Fronten ein frühes Grab gefunden oder zu Krüppeln
geschossen wurden, die Zehntausende, die begeistert als
Kriegsfreiwillige sich gestellt haben, die nicht unbeträchtliche
Zahl der Offiziere und die Träger der Eisernen Kreuze erster und
zweiter Klasse auch nicht. Sie müssen jeden Vorstoß gegen die
Anteilnahme der Juden im Kriege, die verallgemeinernd absprechend
ist, zugleich als eine Gefahr empfinden, die ihr Verdienst
herabsetzt. In einer Zeit, wo allerlei zweifelhafte Elemente
ihrem Ich auf Kosten der Nebenmenschen rücksichtslos huldigen,
wo der Eigennutz einzelner in allen Bevölkerungsschichten kraß
zutage tritt, wirkt jede judengegnerische Behauptung direkt
lächerlich und selbst überhebend. Denn die Tatsache, daß
altgediente Berufssoldaten sich zu Hause oder in der Etappe
herumzudrücken verstanden, darf ebensowenig auf alle ausgedehnt
werden wie die, daß Juden, die bisher nicht gedient hatten, die
im Heere in den langen Friedensjahren einer starken Zurücksetzung
begegneten, eine starke Zuneigung zu Schreiberposten faßten.
Es wäre ein Wunder, wenn es anders wäre, wenn auf einmal
die deutschen Juden _nur_ Helden aufzuweisen hätten. Wer
aber die großen Verdienste und die starke Anteilnahme der
jüdischen Jungens an dem Kriege bestreitet, der betreibt eine
Verleumdungspolitik, über die wir angesichts der Tatsachen zur
Tagesordnung übergehen können ....
So sind unter den Fliegern nicht nur die geistigen Juden aus den
berühmten guten Häusern, die zur modernen Waffe streben, sondern
ganz einfache schlichte Jungens, aus dem breiten Volke, denen wir
im Fliegerdienst begegnen. Es handelt sich also nicht um wenige
Ausnahmefälle, daß Juden zur Fliegerei übergingen.
Die israelitische Erziehungsanstalt Dahlem, welche ihre
Zöglinge vor allem der Bodenkultur und dem Handwerk zuführt,
kann allein auf zwei Flieger hinweisen. Der eine ist ein
Flieger Paul _Goldmann_. Der zweite, Edgar _Hirsch_, im Frieden
Elektro-Monteur in Walsrode i. d. Heide, trat gleich bei der
Fliegerwaffe ein. Er erhielt am 28. August 1915 bei Arras einen
Schuß, der ihn zum Niedergehen zwang, wobei er sich ernstlich
verletzte. Hirsch hatte infolge nebeligen Wetters tief herabgehen
müssen, um seinen Auftrag durchzuführen. Hirsch ist ein Beispiel
dafür, daß wir schlichte Jungens haben, die technisch und
physisch ihren Platz ausfüllen.
Eine glückliche Synthese dieser Art verkörpert der Flugobermaat
_Rund_ aus Gleiwitz. Bei Ausbruch des Krieges in Amerika lebend,
weiß sich Rund auf kühne Weise als »Amerikaner« nach Deutschland
durchzuschlagen und tritt dann als Marineflieger bei der
Wasserflugstation in Seebrügge ein. Ueber seine Fahrt brachte die
deutsche Presse (»Hamburger Fremdenblatt« u. a.) ein längeres
Feuilleton. In Seebrügge tat er zwei Jahre seinen Dienst, wurde
Inhaber des Fliegerabzeichens u. a. Auszeichnungen. In einem
Korpstagesbefehl I a, Nr. 31 von 1916, heißt es:
Anerkennung!
... ebenso zolle ich meinen Dank und hohes Lob dem
Leutnant zur See B., den Flugmeistern K. und J. und dem
Flugobermaaten Rund für den kühnen Angriffsflug am 23.
Januar 1916 auf die Luftschiffhallen in Hongham.
gez. v. Schröder.
Die Richtigkeit obiger Anerkennung bescheinigt: Fabr.-Oberltn.
Rund ist später in engl. Gefangenschaft geraten. Der Schauspieler
Moissi, von Geburt italienischer Staatsbürger, ist übrigens
gleichfalls auf einem Fluge gefangen genommen worden.
Eine Reihe weiterer jüdischer Soldaten wurden mir im
Flugwesen angegeben: Ein Flieger Fritz _Koppel_, Hans
_Rothschild_-Göppingen, Erich _Lewy_, Kriegsfreiwilliger,
Unteroffizier, Sohn des Direktors Hugo Lewy-Berlin, Otto _Cohn_
aus Fraustadt, Adolf _Fechenbach_ aus Eilenburg, Berthold
_Krämer_-Osterode (gestorben), Flugzeugführer Karl _Fromm_ (A.
H. der Viadrina), Flieger _Haußdorf_, Bordfunker aus Berlin;
Flugzeugführer Gefr. _Hermann Schmidt_ aus Stuttgart, Flugmaat
Ernst _Steinitz_, Fluglehrer bei einer Flug-See-Station, Gefr.
_Unger_, Berthold _Gutmann_ (Bavariae, K. C. Verbindung) und
Flugzeugobermaat _Rosenberger_ (Viadrina im selben Verband).
_Lilienthal_-Berlin, Neffe des Syndikus der jüdischen Gemeinde;
Unteroffizier _Maier_, Sohn des Großh. Bezirkstierarztes Dr.,
Konstanz, Luftschiffer;
Flieger Hugo _Kaplan_, Berlin, Brunnenstraße 181;
Flieger _Warschauer_, Sohn des Archivrates in Danzig,
Vizfw. Bruno _Offenbacher_, Sohn des Fabrikbesitzers O. in
Fürth, Flugzeugführer.
Flieger Albert _Bär_, stud. med. aus Windsbach in Bayern;
Flieger Siegfried _Nossek_.
Fluglehrer und Flugdienstleiter war vom April 1917-1918 in
Köslin, jetzt in Schneidemühl, Erich _Oswald_, der bereits
August 1914 als Kriegsfreiwilliger bei der Fliegertruppe
eingetreten ist und später als Beobachtungsflieger auf mehreren
Kriegsschauplätzen verschiedene Ehrungen u. a. auch das
Fliegerabzeichen sich erwarb. Von den übrigen Fliegern ist mir
nichts Näheres bekannt geworden. Es ist z. Z. nicht möglich, das
Schicksal jedes einzelnen zu erforschen und zu prüfen, ob unter
den aufgeführten der eine oder andere aus der Zusammenstellung
auszuscheiden hat. Hoffentlich ist es bei einer Neuauflage
möglich, völlig genaue Angaben hier zu bieten. Der Verlag dieses
Buches ist gern erbötig, alle Hinweise für uns zu sammeln, damit
später einmal nach dem Krieg eine möglichst restlose Darstellung
gegeben werden kann.
Der jüdische Lyriker Arthur Silbergleit hat einmal ein kleines
Fliegerlied gedichtet, das launig endet:
»Wir schweben sanft aus unsrer Welt,
Der tollsten Abenteuer,
Ein jedes Fliegerherz ein Held,
Am Motor und am Steuer ...«
Diese Behauptung gilt -- wie gesagt -- #cum grano salis#.
Aber wer für Leistungen da oben, wo es fürchterlich sein
kann, sein Eisernes Kreuz I. Klasse abbekommen hat, hat es
sich ehrlich »ersessen«. Wie manche Auszeichnung fällt sie
oft Offizieren zu, die bei den hohen Stäben Intelligenz und
treueste Pflichterfüllung als Aequivalent aufwiesen; der Dienst
bei der Flugzeugwaffe erfordert eiserne Energie und täglichen
Todesopfermut! Da es bekanntlich keine jüdischen aktiven
Offiziere gibt und nur in Bayern vor dem Kriege Reserveoffiziere
angetroffen wurden, _gibt es keine bei höheren Stäben sitzenden
jüdischen Offiziere_. Die jüdischen Träger des »Eisernen
Kreuzes« haben sich diese Auszeichnung redlich und mühselig
im Feuerregen geholt, keine Anciennität, kein Schatten eines
höheren wohlwollenden Vorgesetzten, keinerlei Beziehung hat
ihnen diese Auszeichnung eingebracht. In der vordersten Linie
hat er viel erkämpft nach Schillers Spruch »und setzet Ihr
nicht das Leben ein«, ein Spruch der neben dem Grabenoffizier
vor allem dem Flieger gilt. Wenn also allein Dutzende von
»Eiserner erster« von Juden erflogen wurden, dann ist das wohl
nicht der letzte Beweis ihrer Ertüchtigung. Nennen wir hier
einige: Den Fliegerleutnant Richard _Scheuer_ aus Mainz, den
Fliegerleutnant Hermann _Back_, Sohn des Snichower Rabbiners
Dr. S. Bach (jetzt in Prag). Vor dem Kriege war Back Prokurist
der Firma Orosdi-Back, Konstantinopel. Die Schreibfeder und den
Kontorsessel beherrschte ehedem der Beamte der Dresdner Bank
Martin Jacobowitz, Sohn des Kaufmanns Hermann _Jacobowitz_ in
Breslau. Im Frühjahr erkämpfte der Vizefeldwebel Jacobowitz
das »E. K. I.« in Mazedonien in einem heißen und erbitterten
Ringen in der Luft, J. war in den ersten Mobilmachungstagen
als Kriegsfreiwilliger beim Leib-Kürass.-Reg. schles. Nr. 1,
eingetreten. Eine schwere Verwundung machte die Absetzung des
einen Beines nötig, so daß J. jetzt Kriegsinvalide ist. Ein
Landmann von ihm ist der Unteroffizier _Hans Lustig_, Sohn des
Simon Lustig aus Radzionkau in Oberschlesien, der neben dem
Eisernen Kreuz das Fliegerabzeichen besitzt. Als Flugzeugführer
erwarben sich das Eiserne »erster« der Vizefeldwebel _Kurt H.
Weil_, Sohn des Lehrers B. Weil in Kirn an der Nahe und der
Unteroffizier Siegfried _Heimann_, der Sohn der Witwe Clotilde
H. in Oberdorf-Bopfingen. Reich dekoriert sah einer meiner
Gewährsleute einen bayrischen Fliegerleutnant _Marx_, der in
Oesterreich wohnhaft war, auf Albatros oder L.V.G.-Doppeldecker
als Flugzeugführer (zuerst als Vizefeldwebel) fliegen. »Er kam
von der Fliegerschule Schleißheim bei München, mit ihm wurde
ein jüdischer Unteroffizier ausgebildet, dessen Name nicht in
Erfahrung zu bringen war«. Marx ist vermutlich identisch mit
dem jüdischen Fliegerleutnant Adolf Marx der 5. bayerischen
Feldfliegerabteilung. -- Hierher gehört auch der Sohn des
Zigarrenfabrikanten L. Wolff in Hamburg, der Ltn. d. Res.
_Wolff_. -- Auch die folgenden sind Ritter des E. K. I.
Ein Frankfurter ist der Flugzeugführer Edgar _Rosenbaum_ (Sohn
des Alex Rosenbaum), Fliegerschütze der Vizefeldwebel Alfred
_Regensburger_, Sohn des Fabrikbesitzers Max R. in Fürth. Der
Fliegerleutnant Paul _Stadthagen_ aus Berlin, ist der Sohn des
verstorbenen Justizrats Stadthagen. Bei der Fliegerabteilung
steht ein jüdischer Oberleutnant _Fränkel_; die Nummer des
»Hamburger Fremden-Blattes« vom 13. 12. 17 bringt das Bild des
Fliegerltn. _Rüdenberg_ aus Hannover. Vom Frieden her Flieger ist
der Leutnant Willy _Rosenstein_ aus Gotha, früher Fluglehrer in
Gotha und Johannisthal, jetzt bei der Feldfliegerabteilung. Bei
den Feldluftschifferabteilungen sind eine Reihe weiterer Träger
des Eisernen Kreuzes I. Klasse, unter ihnen bei der Abteilung
der Weilburger Kaufmann Berthold _Jessel_, der Referendar aus
Berlin K. Rudolf _Cohn_ und der Kaufmann Hermann _Jonas_ aus
Aplerbeck, Sohn des verstorbenen Kaufmann Abraham Jonas, sämtlich
Leutnants der Reserve. Bei der Feldluftschifferabteilung steht
der Oberleutnant Dr. Benno _Öttinger_, Patentanwalt seines
Zeichens aus Berlin, ein Kaufmann und ein Leutnant d. Res. Max
_Strauß_ aus Frankfurt a. M. und Leutnant d. R. Erich _Eliel_,
Kaufmann aus Köln, Sohn des Stadtverordneten L. Eliel. Aus
Emmerdingen stammt der Leutnant Otto Erich _Bloch_, Führer
einer Luftschiffertruppe. Bloch ist der Sohn des Emmerdinger
Zigarrenfabrikanten Max Bloch. Und #last not least#: der Führer
eines Zeppelin, der Leutnant d. R. Max _Elias_, Ingenieur
von der Zeppelinwerft in Friedrichshafen, Max Elias ist der
Sohn des Herrn D. Elias in Hannover. Er erhielt das Eiserne
Kreuz II. als Luftschiffer bereits Anfang September 1914, das
I. Klasse ziemlich bald nachher. (Ein Dr. _Hermann Elias_
stammt aus Berlin[1]) Aber auch das Alter wollte der Jugend
nicht nachstehen: ein Veteran der deutschen Luftschiffahrt,
der 62jährige Herr Paul _Spiegel_ aus Chemnitz trat August
1914 als Kriegsfreiwilliger beim Königlichen bayrischen
Luftschifferbataillon in München ein. Spiegel ist nachweislich
heute der Altmeister der deutschen Luftschiffahrt, ein Mann, der
hunderte erfolgreiche Flüge mit dem Luftballon ausgeführt hat
und als Bahnbrecher auf allen Gebieten der Aeronautik Jahrzehnte
gewirkt hat. Da seine Bedeutung außerhalb der Geschichte des
Flugzeugwesens im Kriege liegt, müssen wir es uns versagen, den
eingehenden Lebenslauf dieses Veteranen zu bringen.
[1] Eine Reihe anderweitig aufgeführte Flieger sind gleichfalls im
Besitz der schönen Kriegsauszeichnung des E. K. I. Kl.
[Illustration: Spiegel]
[Illustration: Wilhelm Frankl]
Am 26. April fiel im Luftkampf als Beobachtungsflieger
der
Leutnant der Reserve in einem Res.-Drag.-Regt.