Wlasta (rufend).
Die Fürstin naht.
(Der Tanz hört auf.)
Laßt euch nicht stören!
Sie wird in eurer Lust den schönsten Willkomm hören.
(Libussa kommt von der rechten Seite von mehreren begleitet. Sie bleibt
betrachtend stehen. Die Tanzenden machen noch einige Schritte, dann hören
sie zugleich mit der Musik auf, wobei einige Weiber Blumensträuße zu
Libussens Füßen legen.)
Libussa. Habt Dank ihr Leute! Für die Blumen auch,
Mich freut es wenn ihr sie, die Frommen, liebt,
Und ihnen gleich auch bleibt an stillem Blühn.
Was euch die Gärtnerin mit nächster Sorge,
Verteilend hilfreich Naß und Wärm' und Schatten,
Kann nützlich sein, das ist euch ja gewiß.
Die Freude, hoff ich, stört nicht das Geschäft?
Wlasta. Die Pflüger, kaum gewechselt, sind im Feld.
Libussa. Mir schmerzt die Stirn; das zielt auf feuchte Zeit.
Sie sollen eilen, daß sie heut vollenden.
Doch wird der Sommer heiß. Das Jahr ist gut.
Wer sind die Leute dort?
Wlasta. Die Knappenschaft
Des Bergwerks aus der Eule. Reiche Beute
Dir bietend sind sie da. Willst du sie sprechen?
Libussa. Nicht jetzt. Mich ekelt an der anspruchsvolle Tand.
(Einen der Blumensträuße in der Hand haltend.)
Die Butterblumen hier sind helles Gold
Und reines Silber nickt in diesen Glöckchen.
Hat jemand Lust an ihrem toten Hort
Zu Schmuck und zu Gerät, sei's ihm gegönnt.
Ah, Brom! Wie lebst du und wie lebt dein Weib?
Seid ihr versöhnt und streitet ihr nicht mehr?
Demnächst komm ich zu dir mich des zu überzeugen.
Nicht immer von Gehorsam sprich zu ihr,
Sie wird dir um so williger gehorchen.
Das heißt: wenn du im Recht; denn hast du unrecht,
So seh ich nicht warum sie weichen sollte.
Ich blicke rings um mich und finde nirgends
Den Stempel der Mißbill'gung, den Natur
Der offnen Stirn des Weibes aufgedrückt.
Sieh, deine Fürstin ist ein Weib, und braucht sie Rat,
Geht sie zu ihren Schwestern, und hier Wlasta,
Sie wacht in Waffen und gebeut statt mir.
Fühlt sich dein Knecht als Mensch dem Herren ähnlich,
Warum soll sich dein Weib denn minder fühlen?
Kein Sklave sei im Haus und keine Sklavin:
Am wenigsten die Mutter deines Sohns.
(Zu dem Weibe mit dem Kinde.)
Ah, Gute! und dein Kind! Ist's nun gesund?
Und machten jene Kräuter es genesen?
Doch eine Narbe noch, hier nächst der Stirn!
Nimm Pfeilwurz, wie es auf den Wiesen wächst
Und drück ihms an die Stirne wiederholt
Und sag dazu: in Gottesnamen.--Gut!
Auch gibt's hier eine Hochzeit sagt man mir.
(Das Tänzerpaar von vorher und der Vater treten näher.)
Ei, alter Risbak, fühlst du dich erweicht
Und nennst sie Mann und Weib das hübsche Paar?
Du tust sehr wohl, sie sind einander wert.
Denn was du immer sprachst von arm und reich
Da ist nicht Sinn dabei. Wohl denn, Glück auf!
Kehrt nur zu Spiel und Tanz, und froh zur Arbeit.
(Das Volk zieht sich zurück. Sie kommt gegen den Vorgrund.)
Sieh da ihr Herrn, so vornehm abgesondert?
Wie unzufrieden oder doch erstaunt?
Domaslav. Vielleicht erstaunt; daß du, den Göttern ähnlich,
Die Gaben spendest, die du selbst nicht teilst.
Libussa. Leih deinen scharfen Sinn mir weiser Lapak,
Daß ich verstehe was dort jener meint.
Domaslav. So stiftest du nicht Ehen, hohe Fürstin,
Und bist der Ehe doch, der Liebe feind.
Libussa. Du hältst mich wohl für rasend, guter Mann?
Wie sollt' ich hassen was so menschlich ist?
Allein zu Lieb' und Ehe braucht es zwei;
Und, sag ich's nur, mein Vater, euer Fürst,
War mir des Mannes ein so würdig Bild,
Daß ich vergebens seinesgleichen suche.
(Sich von ihnen entfernend.)
Zwar einmal schien's, doch es verschwand auch schnell.
Lapak. Du willst Geprüfte, doch du willst nicht prüfen.
Libussa (vor sich hin).
Stellt er sich denn der Prüfung? wollt' ich auch.
Domaslav. Was man entfernt wünscht, hüllt man gern in Dunkel.
Libussa. Nun weiser Lapak denn und starker Biwoy
Und mächt'ger Domaslav, die ihr euch teilt
In das was ich im Mann vereint mir denke,
Hört denn ein Rätsel, und als halbe Lösung
Füg ich ein Zeichen bei nach Seherart.
War doch die Kette stets der Ehe Bild.
(Sie nimmt ihren Halsschmuck und legt ihn auf ein Kissen, das ein
Page hält.)
Wer mir die Kette teilt,
Allein sie teilt mit keinem dieser Erde,
Vielmehr sie teilt, auf daß sie ganz erst werde;
Hinzufügt was, indem man es verlor,
Das Kleinod teurer machte denn zuvor:
Er mag sich stellen zu Libussas Wahl,
Vielleicht wird er, doch nie ein andrer ihr Gemahl.
Domaslav. Wer mir die Kette teilt.
Biwoy. Und wieder doch nicht teilt.