Der Herbst verging und der Winter kam --

Und neue welke Blätter; neue zundrige Erde und Wurmmehl aus der alten

Eiche sickerten herab und füllten den hohlen Boden aus. Strix' irdische

Überreste wurden zugedeckt wie die so manch eines andern Vogels, denn

hier in den hohlen Stamm der Eiche hatte sich im Laufe der Zeiten die

Fauna des Waldes zurückgezogen, um in Frieden den Strohtod zu sterben.

Schicht auf Schicht lagen die Skelette übereinander, wie auf einem

überfüllten Friedhof, wohlbewahrt von der Eichensäure.

Da waren Skelette von Fledermäusen und Mardern und Spechten, von andern

großen Uhus lange vor Strix, von Eichhörnchen und Sperbern und von einer

kleinen, goldbusigen Frau Meise mit einem großen Loch im Kopf.

Eine ganze Geschichte des Waldes lag hier als Mumien aufbewahrt.

Aber als das Beben des Lenzes von neuem herannahte, als der brandgelbe

Zitronenfalter sich anschickte auszufliegen, ließ sich eines Abends

eine kleine Horneule in den hohlen Stamm hinab. Sie setzte sich in

Balzstellung, fegte mit dem Schwanz und ließ die Flügel schleppen.

Er benahm sich ganz, als sei er hier zu Hause, näherte sich aber doch

nur mit einer gewissen Vorsicht dem unheimlichen Dunkel auf dem Boden.

Lange saß er da, reckte den Hals und starrte hinab.

Da erschien die entzückendste kleine Chinesin von einer Eule mit langen,

gesträubten Hörnern, flachem Antlitz und schiefen, zwinkernden Augen

oben im Eingang -- und die kleine Horneule wurde Feuer und Flamme.

Strix: Die Geschichte eines Uhus · 第 28 / 31 题