Jetzt haben die Märzstürme getobt und die Aprilschauer gespült --
Hagelwolken haben mit Sonne am Himmel gewechselt, die Schnepfe ist hier
gewesen, die Anemonen stehen in Blüte:
Es ist Frühling und die Hochwälder strahlen von Mai!
Strix und Uf haben wieder den Horst voll Junger: sie liegen versteckt
unter einer kleinen Tanne an einem Hügelabhang.
Uf hat die Stelle als Kinderwärterin noch nicht angetreten. Die Jungen,
die vor kaum vierzehn Tagen aus dem Ei gefallen sind, werden vorläufig
von Strix betreut und liegen wie lebendige Eidotter zitternd unter ihr.
Sie ist so zärtlich mit diesen Jungen, zärtlicher als sie je mit ihren
früheren Jungen gewesen ist -- und sie bewacht sie mit nie ermüdender
Fürsorge.
Keines Habichts gellende Paarungsfanfare, keines noch so starken
Fuchsrüden heftiges Bellen duldet sie innerhalb ihres Bereichs. Und die
Menschen -- die bekommen nur schwer Erlaubnis, den Wald zu betreten!
Eines Morgens jagt sie einem biederen Bauersmann einen gehörigen
Schrecken ein ...
Er kommt in seinem Einspänner gefahren, um das Holz zu holen, das
er im Walde gekauft hat. Während er gemütlich dahinzuckelt, sieht er
plötzlich einen braunen Vogel aus dem Dickicht brausen, durch das der
schmalspurige Weg führt. Der Vogel ist groß, und er setzt sich ohne
weiteres auf das Pferd und fängt an, ihm gewaltig um Maul und Ohren
zu schlagen. Das Pferd macht Kehrt und geht durch; und der Bauer hat
seine liebe Mühe, es wieder zu bändigen, denn fortwährend streicht ein
schwarzer, unheilverkündender Schatten über das Fuhrwerk hin und heult
so bestialisch wie der Teufel in eigener Person.
Und noch schlimmer wird es, als die Jungen erst Form annehmen, als
die Daunen aus ihren weißspieligen Federposen herausquellen und sie
anfangen, die nackten Hälse zu drehen. Jetzt hat Uf seine Arbeit als
Wärmflasche angetreten, so daß Strix mehr Zeit zur Verfügung hat.
Sie ist auf dem besten Wege, eine Fabel für die ganze Umgegend zu
werden. Sie fängt wie gewöhnlich ... holt Ratten aus den Dörfern und
Rebhühner von den Feldern, aber es macht ihr immer mehr Mühe, Futter
für ihre heißhungrigen Jungen und ihren nicht minder heißhungrigen,
alten Gatten zu schaffen. Ihr großes Bereich ist in den letzten Jahren
merklich magerer geworden; der Hasen und Birkhühner sind weniger -- nur
die Menschen haben zugenommen.
Dafür hat sich hier und da einer von den bunten Vögeln mit den langen
Stößen von den Gütern drüben auf der andern Seite der Förde gezeigt --
und eines Morgens taucht ein neuer, großer Auerhahn auf.
Es dämmert am Horizont ... schüchtern schlägt der Zaunkönig seinen
ersten, schmetternden Triller, dann hält er inne -- er ist zu früh
aufgestanden!
Ein Birkhahn kullert ein vereinzeltes Mal draußen am Waldessaum -- und
alles wird wieder still wie zuvor. Nur die Morgenbrise seufzt und stöhnt
in den Baumwipfeln ...
Da setzt ein Auerhahn mit seinem scharfen Tju-it ein!
Strix sträubt die Hörner.
War das ein Traum, der Lenzruf des großen Hahns? Sie sieht diesen großen
Vogel ja sonst nie.
Von neuem ertönt der durchdringende Ruf, es ist kein Schrei und kein
Flöten, und doch schallt es weit durch den Wald.
Strix verläßt den Horst und fliegt davon, der Richtung folgend.
Bald ertönt der Kampfruf eines andern Auerhahns -- und nun kämpfen die
beiden großen Hähne gleichzeitig mit einem Schwall von Kraft.
Sie hört vor sich Flügel schlagen und krachen. Ausgebreitete Federfahnen
in breiten Flügeln hauen mit donnerähnlichem Getöse gegeneinander. Sie
ist früher in solchen Augenblicken ein erfolgreicher Jäger gewesen und
hat sich der Kämpfenden Mangel an Aufmerksamkeit zu Nutzen gemacht --
lautlos schaukelt sie über dem Walplatz ...
Es ist noch dunkel in der Kronenwölbung und dunkel ist es auf dem
Erdboden. Von weit her aus der Heide vernimmt sie das Trillern der
Lerche und das dumpfe Trommeln der Birkhähne. Hier drinnen bullern
rucksende Holztauben auf: Ku-kuu, ku-kuu!
Sie fliegt in eine Tanne hinein und setzt sich zusammengekauert hin, mit
gesträubten Hörnern und funkelnden Lichtern.
Das frische Balzspiel beginnt von neuem ... tief und klangvoll tönt es
aus der Kehle und rollt in den dämmernden Morgen hinaus. Längst hat sie
den Vogel entdeckt. Ihr scharfer Blick erkennt deutlich den Glanz seiner
Federn und das rote Ebereschenbüschel über jedem Auge. Mit stolzer
Haltung, mit gefächertem Stoß und gekrümmtem Hals stolziert der schwarze
Hahn auf seiner kleinen Lichtung umher; um seinen Nebenbuhler zu
übertrumpfen, ist er nahe daran zu platzen. Auf einmal macht er einen
mächtigen Sprung, und indem er die Flügel krachend vor der Brust
zusammenknallt, stößt er gerade unter Strix nieder und stimmt einen
Schlußgesang an, noch feuriger, als bisher.
Jetzt kann sie nicht mehr an sich halten; als sei sie ein neuer Hahn,
geht sie auf das Balzen ein.
Mit gesträubten Halsfedern, mit schleifenden Flügeln, den Stoß gespreizt
wie ein Rad, fährt der Auerhahn auf ihn ein. Er knappt mit dem Schnabel.
Seine dicke, feuerrote Augenhaut schwillt und die Augen glühen vor Wut.
Da entdeckt er seinen Irrtum -- Strix läßt auch ihre Fanfaren ertönen!
Er hätte sich verteidigen sollen, der schwarze Puter! Er hätte es wohl
gekonnt! Er ist eben so groß wie der Uhu und hat Hiebkraft in seinem
Schnabel und Kratzgewalt in seinen Krallen, aber Strix' Heulen ist nicht
auf _seinen_ Kammerton gestimmt -- der Auerhahn ist gleich bereit zur
Flucht.
Strix fährt ihm indessen an die Kehle, ehe er Kehrt gemacht hat -- und
wie ein Federbündel rollen sie am Erdboden herum.
-- -- --
Strix machte reiche Beute an diesem Morgen!
Aber sie war nicht imstande, den Hahn nach Hause zu schleppen; sie muß
sich damit begnügen, große Stücke Brust zur Zeit zu nehmen.
Uf schwelgte und schmatzte mit der Zunge ...
Strix hätte sich ruhig verhalten sollen!
Sie hätte nicht auf den Bauer einfahren und auf die alten, friedlichen
Weiber, die Reisig im Walde sammelten -- als dergleichen wird ruchbar
und kommt schnell einem kleinen, unternehmenden Waldhüter, _Pist Lak_ zu
Ohren. Als dann der Waldhüter eines Nachmittags draußen in den Tannen
auf den seiner Brust beraubten großen Auerhahn stößt -- ausgesetztes
Wild, womit die Menschen sich bemühen, die Verheerungen wieder gut zu
machen, die sie unter der Fauna des Landes anrichten -- da wird es ihm
nicht schwer, zusammenzuzählen und auszurechnen.
Er läßt »Vogel«, den großen Agenten benachrichtigen, dessen kleiner
Unteragent er, Pist Lak, sein Lebelang gewesen ist -- und sobald der
Leuchtturmwärter wieder einen freien Tag hat, macht er sich auf die
Wanderschaft. In diesem Jahre will er Junge haben, und zwar am liebsten
lebende. Er hat Bestellung auf so viele junge Uhus, wie er nur
beschaffen kann, für Tiergruppen ringsumher in sogenannten »Zoologischen
Gartenanlagen«, diesen modernen Naturparks, die reiche Leute zur
Zerstreuung und Belehrung auf ihren Landsitzen einrichten lassen.
Mindestens fünfzig Kronen sind dabei zu verdienen, d.h. Pist Lak soll ja
zehn davon ab haben; aber die kann er ihm ja vorläufig schuldig bleiben!
An dem Tage nach Feierabend, wo »Vogel« und Pist Lak -- wohl ausgerüstet
zu ihrem gefahrvollen Unternehmen, mit Pferdedecken und ein paar langen
Stäben -- ausgezogen sind, um den Eulenhorst zu suchen und ihn auch
_finden_, fügt es sich so, daß die beiden Alten abwesend sind. Strix
besorgt die ihr obliegenden Geschäfte; sie ist auf Raub aus -- die
Jungen, die jetzt fast flügge sind, belegen ihre Arbeitskraft voll mit
Beschlag.
Uf dahingegen ...
Uf ist wohl niemals ein wirklich zärtlicher Vater seinen Kindern
gegenüber gewesen, mag es nun sein, weil er alt ist, und es ihm an
Körper- wie Herzenswärme gebricht, oder weil er seine unwirksame
Kinderwärterinstellung satt hat. Ihm liegt es ja ob, die Kleinen zu
füttern, den Marder fernzuhalten und sie von den großen, häßlichen
Zecken zu befreien, die sich gern an ihren Augen festsaugen wollen.
In diesem Jahr ist er aber auffallend nachlässig gewesen, hat seine
Pflichten auf die leichte Achsel genommen und sich nicht gescheut, in
seiner Gier und Eigenliebe, häufiger als sonst, den Löwenanteil des
zugetragenen Fraßes an sich zu raffen.
Strix liebt ja Mäuse -- und die Jungen sind natürlich ganz wild auf
diesen Leckerbissen! Deswegen hat Strix dafür gesorgt, daß sie so viele
Mäuse bekommen haben, wie sie nur in sich hineinpfropfen konnten. Sie
haben Mäuse als Morgenimbiß, Mäuse als Mittagessen und Mäuse zur
Abendmahlzeit bekommen -- Strix hat nicht begreifen können, daß nicht
die Kleinen der Mäuse längst überdrüssig geworden sind, so wie das der
Fall zu sein pflegte, wenn sie zuviel von anderem Raub bekamen. Da
entdeckt sie eines schönen Nachts, daß Uf, wenn sie fortflog, alle Mäuse
verzehrte. Das wäre allenfalls noch gegangen!
Aber neulich Nachts, nachdem längere Zeit Schmalhans geherrscht hatte,
überrascht sie ihn dabei, wie er einem seiner eigenen Kinder gegenüber
die rauhe Seite herauskehrt. Ja, es konnte kein Zweifel darüber
herrschen -- er wollte das Junge _kröpfen_!
Da fuhr sie auf ihn los! Er wurde gerüttelt und verprügelt. Es sang in
seinem alten, mürben Gerippe -- und wo Strix' Flügelknochen hintrafen,
entstanden blutunterlaufene Flecke.
Als wollte er vortäuschen, daß er bei seiner schwarzen Missetat einen
Augenblick des Verstandes beraubt gewesen sein müsse, starrte er sie
mit einem erstaunten, halb blödsinnigen Ausdruck in den alten, listigen
Augen an, aber Strix brachte ihn schnell auf andre Gedanken; er bekam
noch eine Tracht Prügel, so daß er unter der gewaltsamen Behandlung
seiner handfesten Eheliebsten ganz fürchterlich jammerte und klagte.
Hinterher stellte er sich sehr zerknirscht und voller Reue und machte
sich ganz klein und fuchsschwänzlerisch, während er um ihre Verzeihung
bettelte. Aber es half alles nichts -- er wurde aus dem Horst verwiesen
und hat sich seither selbst seine Nahrung suchen müssen.
-- -- --
Pist Lak und »Vogel« wird es doch nicht so ganz leicht, die Jungen
zu bewältigen. Die kleinen Teufel empfangen sie genau so, wie ihre
Geschwister in früherer Zeit den Marder Taa empfingen; sie werfen
sich auf den Rücken und reißen und kratzen mit den scharfen Hornkrallen
um sich. Obwohl die Pferdedecken über sie geworfen werden, muß der
stinkende Ammoniak mehrmals zu Hilfe genommen werden und seine
betäubende Wirkung ausüben.
Als Strix endlich mit einer fetten, braunen Ratte in den Fängen
heimkehrt, wird ihr ganzer Kopf fast zu Augen. Uf kann sich glücklich
preisen, daß er nicht in der Nähe ist, sonst würde die Reihe, gefressen
zu werden, jetzt wohl an ihn kommen.
Sie scharrt in dem Horst herum, wendet Reisig und trocknes Laub wieder
und wieder um, bis ihr auf einmal ein eigentümlich ätzender Gestank in
die Nase steigt. Ihre Lichter füllen sich mit Wasser -- sie schnappt
nach Luft ... Da sieht sie vor sich den Anblick vom vergangenen Jahr:
das hakennasige Gesicht des kleinen Leuchtturmwärters mit den stechenden
Augen starrt sie wie durch einen Nebel an, und in ihren Ohren dröhnt es:
Kla--datsch, kla--datsch ...
_Die Nacht_ hat in den Tannen gelegen und in den Tag hinein geschlafen.
Sie hat Ihre ganze Energie nötig gehabt, um die Augen geschlossen zu
halten, denn die Sonne, die seit Tagesgrauen gebrannt hat, rumort auch
hier und peinigt und plagt sie mit ihren Lichtstrahlen.
Aber die Nacht ist wie ein Mann mit Willenskraft. Schlafe nur! hat sie
gesagt -- und geschlummert.
Jetzt ist die Sonne in einem Sack untergegangen; die mächtige
Wolkenschicht am Alkoven des Horizonts hat sie wie eine Ratte
eingefangen -- sie ist weg, weg!
Dann schüttelt und schuddert die Nacht sich, behutsam streichelt sie
die Drossel, die im Begriff ist, sich zur Ruhe zu begeben -- und dann
schleicht sie hinaus, sie umfängt das Dickicht und die Waldwiesen und
den Saum der Lichtungen und löscht den Unterschied aus zwischen Kraut
und Unkraut, zwischen Nutzholz und Kümmerling, zwischen des Försters
Lieblingsschonung und dem Anflug, der sich aus dem Humus hervorstiehlt.
Die Nacht nimmt den Wald in Besitz, entreißt ihn dem Licht, das in der
Ferne entweicht; sie hüllt die Millionen von Blättern in ihre schwarze,
eintönige Finsternis. Und nun schleicht sie sich über den Waldraum,
_tritt aus_, wie es von dem Wild des Waldes heißt -- tritt aus, an
Hecken und Gräben entlang, schiebt sich vor über Äcker und Wiesen,
wo der Widerschein des Sonnenunterganges noch liegt und als letzte
Rückzugsstellung Wachedienst tut.
Und so umfängt sie das Grundstück jedes Bauern, die Felder jedes
Kirchspiels, die Äcker jedes Gutes; sie erobert das ganze Land zurück
von dem Licht und gibt es ihrem großen Finsterniskind, der Eule.
Aber was hilft das dem Kinde? Von der ganzen Erde begehrt es nur _seine
Jungen_.
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Die Nacht wird tiefer und tiefer ...
Und Strix, die seit der Dämmerung gesucht hat, gelangt allmählich weit
umher im Umkreis.
Da, um die Morgenstunde, als sie in die Gegend der Menschennester
hinauskommt, hört sie von einem kleinen Haus, das einsam und im Versteck
unter einigen hohen Tannen liegt, den schwachen, heißersehnten Laut.
Sie fängt ihn in ihren Ohren auf, betastet ihn gleichsam mit ihren
Federhörnern und läßt ihn sich mittels heftiger Pulsschläge in die Brust
hineinhämmern. Ihr wird auf einmal so leicht zumute: da sind ja die
Jungen!
Sie stehen in einem Gitterkasten auf dem Hofe.
Jäh fliegt sie gegen den Käfig, so daß der Kasten erbebt -- und sie und
die Jungen vereinen lange ihre Klage.
Wu--hu! Wu--hu! heulen die Kleinen. Und Strix stimmt ein ermunterndes
Knappen mit dem Schnabel an. Sie glaubt, daß sie hungrig sind und fliegt
davon, um einen Augenblick später mit vollen Fängen zurückzukehren --
dann füttert sie ihre Jungen, obwohl diese im Überfluß schwelgen.
Sie will sie mitnehmen, will sie heraushaben -- sie zerrt an dem Käfig
und reißt an den Gitterstäben.
Da stürzt der Kasten, der auf einem Haublock an der Mauer aufgestellt
ist, um und fällt mit lautem Getöse in ein offenstehendes Kellerfenster
hinein.
Es ist schon halbhell, und nach einer Weile kommt der Waldhüter Pist
heraus. Er glaubt, daß sich die Katze mit dem Kasten zu schaffen gemacht
hat, und preßt mit banger Ahnung die Nase gegen die Gitterstäbe. Ein
rasendes Fauchen -- und beruhigt trägt er den Käfig in die Stube hinein.
Strix sitzt in einer der Tannen und sieht den Menschen herausstürzen und
wieder in sein Nest verschwinden. Sie heult -- sie ruft -- aber niemand
antwortet ihr mehr. Da fliegt sie einmal rund im Hofe herum -- die
Jungen sind weg!
Die nächste Nacht sitzt sie wieder in den Tannen. Sie erblickt den
Kasten, der an seinem alten Platz steht -- und sie umschwebt ihn voll
Wonne, ja, sie wagt sich sogar ganz hinein durch die offenstehende
Klappe.
Ach, das Bauer ist leer -- die Jungen sind weg!
Einen ganzen Monat lang besucht sie allnächtlich das Menschennest und
sitzt da und heult von einer der hohen Tannen am Hause herab; aber
niemand antwortet ihr außer einer schwarz und weiß gescheckten Katze.
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Da nimmt sie Uf wieder in Gnaden auf und zieht mit ihm noch tiefer in
den Hochwald hinein.
Der Sommer geht zur Rüste ...
Herber Duft von abgefallenem Laub und aufschießenden Pilzen mischt sich
mit dem würzigen Brodem der Waldmoose. Die Ebereschen erröten, aber die
Becher der Adlerfarnen werden braun und häufen sich zu großen Schanzen
unter den Birken auf, deren erste vergilbende Blätter in dem funkelnden
Gespinst der Spinne baumeln.
Eine eigenartige Rastlosigkeit ist in die Ameisen gefahren, sie küren
nicht mehr zwischen den Insekten und den dürren Zweigen, sondern nehmen
mit Fieberhast, was ihnen in den Weg kommt: magere, langbeinige Schnaken
und eingetrocknete Blattrippen. Kleine Froschkinder sind überall in
Bewegung und spielen den großen schnüffelnden jungen Füchsen manch einen
Schabernack.
Da summt eine Biene ... die jungen Füchse schnappen danach, es ist
unwiderruflich die letzte Biene des Jahres!
Die Tiere haben Junge geworfen, die Vögel haben ihre Eier ausgebrütet
und die Pflanzen haben Samen angesetzt; jetzt ist der große Erneuerer,
der _Winter_, im Anzug.
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Als es rauh und kalt geworden, und als es mit dem Futter knapp wird,
besuchen die beiden alten Eulen ein Aas, das am Rande eines kleinen Sees
jenseits der Förde liegt.
Und dann eines Abends, als sie sich eben gesetzt haben, hören sie die
Unruhe aus einer Tanne herausbrüllen.
Es ist ein Schuß -- und die Federn stehen Uf um die Ohren. Er wird ganz
verwirrt und gerät von Sinn und Verstand, er klappert mit dem Schnabel
und dreht sich auf demselben Fleck rund herum, wieviel Strix auch ruft.
Ein kleines kurzbeiniges, rotbraunes Ding, das wie ein Fuchs bellt,
fährt auf ihn ein -- und stimmt dann plötzlich ein gottserbärmliches
Geheul an.
Den hat er doch wenigstens gefaßt! denkt Strix.
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Aber seither ist auch Uf weg gewesen.
Er hatte wohl Wandergelüste bekommen und war von ihr weg geflogen --
über alle Berge!