Bei den verneinenden Sätzen aber ist es nicht ebenso, vielme

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand des Nachdrucks der Buchausgabe

von 1921 so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben.

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.

Ungewöhnliche und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben

gegenüber dem Original unverändert. Verschiedene Schreibvarianten

(Contradiktionen/Contradictionen, etc.) wurden nicht vereinheitlicht,

sofern der Wortsinn erhalten bleibt.

Passagen in gesperrtem Text werden hier mit +Pluszeichen+ dargestellt.

Die Einträge im Inhaltsverzeichnis für die Anmerkungen, sowie

das Namen- und Sachverzeichnis wurden vom Bearbeiter der

Übersichtlichkeit halber eingefügt.

Fußnoten wurden an das Ende des betreffenden Absatzes angefügt und

erhalten die Buchstaben A bis H; die mit arabischen Zahlen versehenen

Endnoten befinden sich einem gesonderten Abschnitt ‚Anmerkungen‘.

Letztere wurden in der gedruckten Version für das Erste und Zweite

Buch getrennt nummeriert, beginnen dort also jeweils bei 1. In der

elektronischen Fassung erfolgt die Nummerierung dagegen durchgehend.

Die betreffenden Verweise im Text wurden dementsprechend angepasst.

In den Randnotizen finden sich Verweise zu den entsprechenden Stellen

in der kritischen Aristoteles-Gesamtausgabe von Immanuel Bekker aus

den Jahren 1831 bis 1837. Das Namen- und Sachverzeichnis verweist nur

auf die entsprechenden Stellen in diese Ausgabe, nicht aber direkt

auf Passagen innerhalb des vorliegenden Buches. Zur sogenannten

‚Bekker-Zählung‘ siehe die Hinweise des Bearbeiters am Schluss des

Textes.

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ARISTOTELES

LEHRE VOM SCHLUSS

oder

ERSTE ANALYTIK

(Organon III)

Übersetzt und mit Anmerkungen versehen

von

EUGEN ROLFES

FELIX MEINER VERLAG

HAMBURG

PHILOSOPHISCHE BIBLIOTHEK BAND 10

1877 Übersetzt und erläutert von J. H. von Kirchmann

1921 Neu übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Eugen

Rolfes

1975 Unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1921

CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Aristoteles

Organon/übers. u. mit Anm. vers. von Eugen Rolfes

Einheitssacht.: Organon ‹dt.›

3. Lehre vom Schluß oder erste Analytik

(Philosophische Bibliothek; Bd. 10)

ISBN 3-7873-0354-5

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks

und der photomechanischen Wiedergabe,

vorbehalten

ISBN 3-7873-0354-5

Druck: Anton Hain KG, Meisenheim

Bindearbeiten: Hamburger Druckereigesellschaft

Kurt Weltzien KG

Printed in Germany

Einleitung.

Die Analytik ist, um eine Erklärung des Wortes zu geben, die Lehre

von der Auflösung der Schlüsse, d. h. von der Zurückführung der

Konklusionen oder Schlußsätze auf ihre Prämissen.

Die Wahl dieses Wortes beruht auf der Vorstellung, daß die Konklusion

ein Gegebenes ist, das philosophisch auf seine Gründe zurückgeführt

sein will. In der Tat ist alles Wissen oder, um es allgemeiner zu

fassen, alle vernünftige Erkenntnis, abgesehen von den höchsten

Prinzipien, der Ertrag eines Schlusses. Wenn man aber den Prämissen

nachgeht, um aus ihnen die Konklusionen zu verstehen, so heißt das

nichts anderes, als nach der Bildung oder Errichtung der Schlüsse

fragen. Denn die Konklusion kann nur dann ein rechtmäßiges Ergebnis des

Denkens sein, wenn sie auf einem rechtmäßigen Schluß beruht.

So ist denn die Analytik die Lehre von der Schlußbildung, mit einem

Worte die Syllogistik.

Man kann in die Syllogistik zwar auch die Lehre von dem Begriff

und Urteil einbeziehen, die von Aristoteles in den Kategorien und

Perihermenias im äußersten Umriß vorgelegt wird, aber nur, sofern sie

die für die Syllogistik notwendigen Vorbegriffe behandelt.

Die beiden Werke, die Aristoteles speziell als Analytik bezeichnet,

sondern sich in die erste und in die zweite Analytik. Es ist aber

klar, daß sich die Bezeichnung Analytik ebenso für die letzte oder die

beiden letzten logischen Schriften, die Topik und die Sophistischen

Widerlegungen, eignen würde. Denn auch sie handeln von der Errichtung

bestimmter Schlüsse, der dialektischen und der sophistischen, wenn

auch von den letzteren hauptsächlich nur, um zu zeigen, wie man sich

ihrer erwehrt. Dementsprechend treffen wir im Eingang beider Schriften,

der ersten Analytik und der Topik, gleichmäßig auf die Definition des

Schlusses, des apodiktischen und des dialektischen, beziehungsweise der

apodiktischen und der dialektischen Prämisse, vgl. 24 a 22 ff. und 100

a 25 ff. Man sieht indessen leicht, weshalb Aristoteles es vorzieht,

den Büchern von den dialektischen Schlüssen den Namen Topik zu geben:

er betrachtet dort die Konklusionen nicht als etwas Gegebenes, sondern

als etwas zu Findendes, das am rechten Orte geschöpft werden muß.

Als Gegenstand der Analytik oder, wie wir jetzt sagen dürfen, der

Syllogistik, nennt Aristoteles im ersten Satze der ersten Analytik den

Beweis, die Apodeixis, mit dem erklärenden Zusatz, daß die beweisende

Wissenschaft es ist, von der wir die Theorie des Beweises erwarten.

Das berechtigt uns zu der Annahme, daß im Sinne des Aristoteles die

Syllogistik und Logik ihre einzige Aufgabe an dem wissenschaftlichen

Beweise hat, sofern sie letzthin darauf abzielt, uns die Weise zu

lehren, wie wir etwas durch geordnetes Denken aus seinen Gründen

ableiten.

Demnach sagen wir, daß die erste Analytik so gut wie die zweite der

Lehre von dem beweisenden Schluß gilt, nur in anderer Weise.

Die erste und die zweite Analytik unterscheiden sich voneinander,

wie das auch die allgemeine Ansicht der scholastischen Kommentatoren

war, im Grunde nur dadurch, daß die erste den beweisenden Schluß nach

Seite der Form, die zweite ihn nach Seite des Inhaltes betrachtet;

die erste lehrt, wie er aus den Prämissen schließen muß, um ein

Schluß, die zweite, aus welchen Prämissen er schließen muß, um ein

wissenschaftlicher Schluß und ein Beweis im strengen Sinne des Wortes

zu sein.

Da nun aber die Regeln für die formelle Korrektheit der Schlüsse

dieselben sind, mag es sich um einen wissenschaftlichen oder nur um

einen dialektischen Schluß handeln -- denn immer müssen die Schlußsätze

aus den Vordersätzen mit logischer Notwendigkeit hervorgehen --, so

folgt, daß die erste Analytik den Schluß im allgemeinen, die zweite

ausschließlich den wissenschaftlichen, apodiktischen Schluß behandelt.

Ein Schluß ist wissenschaftlich, wenn seine Vordersätze nicht nur wie

immer wahr sind, sondern auch als solche, d. h. wenn sie die wahren und

ersten Gründe der Konklusion enthalten. Das, und daß es solche Schlüsse

gibt, und wie man sie findet, ist das Thema der zweiten Analytik.

So fehlt denn der logischen Theorie zu ihrer Vollständigkeit nur

noch Eines: die Lehre von den Schlüssen mit anders gearteten

Vordersätzen, solchen, die entweder nicht gewiß wahr sind, sondern

nur wahrscheinlich, oder wenn auch wahr, doch nicht in dem Sinne, daß

sie den wahren sachlichen Grund der Konklusion enthalten. Von diesen

Schlüssen handelt die Topik.

Die sophistischen Widerlegungen sind von ihr ein Anhang: sie behandeln

die Schlüsse, die weder formell noch inhaltlich den Forderungen

entsprechen. Die erste Analytik besteht, wie auch die zweite, aus zwei

Büchern. Das erste Buch behandelt die Errichtung der Schlüsse und hat

drei Teile, die auch zu Anfang des zweiten Buches rekapitulierend

angegeben werden. Der erste Teil enthält die Regeln für die Errichtung

der Schlüsse, der zweite gibt Anleitung für die Auffindung des

Mittelbegriffs, der dritte zeigt, wie man die formlosen Schlüsse

auf den normalen Schluß zurückführt. Das Einzelne wolle man aus den

Kapitelüberschriften und den Anmerkungen ersehen.

Das zweite Buch betrachtet die Schlüsse, nicht wie das erste

in ihrer Entstehung, sondern wie sie fertig vorliegen, und hat

ebenfalls drei Teile. Der erste zeigt die Kraft und Tragweite des

Schlusses, der zweite handelt von den Mängeln und Schwächen, die

die verschiedenen Schlüsse und Beweismethoden haben können, der

dritte zeigt abschließend, wie jedes andere Begründungsverfahren,

um wissenschaftliche Bedeutung zu haben, sich auf den Schluß muß

zurückführen lassen.

Bei der vorliegenden Arbeit habe ich außer der Übersetzung von Bender

und von v. Kirchmann das Organon von Waitz und die Syllogistik des

Aristoteles von Heinrich Maier zu Rate gezogen und benutzt, von älteren

Werken in weitgehender Weise Silvester Maurus. Über die allgemeine

Frage, von welchem erkenntnistheoretischen Standpunkte die Logik

des Aristoteles verfaßt ist, und ob dieser Standpunkt ihren Wert

beeinträchtige, eine Frage, in der ich mit Maier nicht eines Sinnes

bin, werde ich mich vielleicht in der Einleitung zur zweiten Analytik

aussprechen.

+Köln-Lindenthal+, Juni 1921.

Rolfes.

Inhaltsverzeichnis

+Erstes Buch.+

Seite

Kapitel 1. Aufgabe der Analytik. -- Definitionen: Satz,

Begriff, Schluß. Was heißt es, daß etwas in

etwas als Ganzem ist? 1

Kapitel 2. Umkehrung der Sätze 3

Kapitel 3. Umkehrung der Sätze je nach ihrer Modalität 4

Kapitel 4. Regeln für die Errichtung der Schlüsse in der

ersten Figur 6

Kapitel 5. Regeln für die Errichtung der Schlüsse in der

zweiten Figur 9

Kapitel 6. Regeln für die Errichtung der Schlüsse in der

dritten Figur 13

Kapitel 7. Schlüsse durch Umkehrung in allen Figuren.

Verhältnis der drei Schlußfiguren zueinander 16

Kapitel 8. Errichtung der Schlüsse aus modalen Prämissen,

zunächst aus notwendigen Prämissen 18

Kapitel 9. Schlüsse aus einer notwendigen und einer einfach

ausgesagten Prämisse, zunächst in der ersten Figur 19

Kapitel 10. Schlüsse aus solchen gemischten Prämissen in der

zweiten Figur 20

Kapitel 11. Schlüsse in der dritten Figur 22

Kapitel 12. Korollarien 25

Kapitel 13. Schlüsse aus kontingenten Prämissen. Vorläufiges.

Was heißt kontingent? Besondere Regeln für die

Umkehrung kontingenter Sätze 25

Kapitel 14. Errichtung der Schlüsse aus kontingenten Prämissen

in der ersten Figur, wenn beide Prämissen

kontingent sind 28

Kapitel 15. Schlüsse in der ersten Figur aus einer kontingenten

und einer einfach ausgesagten Prämisse 30

Kapitel 16. Schlüsse in der ersten Figur aus einer kontingenten

und einer notwendigen Prämisse 36

Kapitel 17. Errichtung der Schlüsse aus kontingenten Prämissen

in der zweiten Figur, wenn beide Prämissen

kontingent sind 39

Kapitel 18. Schlüsse in der zweiten Figur aus einer kontingenten

und einer einfach ausgesagten Prämisse 42

Kapitel 19. Schlüsse in der zweiten Figur aus einer kontingenten

und einer notwendigen Prämisse 44

Kapitel 20. Errichtung der Schlüsse aus kontingenten Prämissen

in der dritten Figur, wenn beide Prämissen

kontingent sind 46

Kapitel 21. Schlüsse in der dritten Figur aus einer kontingenten

und einer einfach ausgesagten Prämisse 48

Kapitel 22. Schlüsse in der dritten Figur aus einer kontingenten

und einer notwendigen Prämisse 49

Kapitel 23. Zurückführung aller Schlüsse auf die drei angegebenen

Figuren und weiterhin auf die erste Figur und die

allgemeinen Schlüsse in ihr 51

Kapitel 24. Jeder Schluß muß eine bejahende und eine allgemeine

Prämisse haben 54

Kapitel 25. Jeder Schluß hat drei Begriffe und zwei Prämissen 55

Kapitel 26. Welche Schlußsätze schwer und welche leicht

zu gewinnen sind 58

Kapitel 27. Auffindung des Mittelbegriffs. -- Vorläufiges 59

Kapitel 28. Auffindung des Mittelbegriffs je nach der Quantität

und Qualität der Schlußsätze 62

Kapitel 29. Auffindung des Mittelbegriffs für apagogische,

hypothetische und modale Schlüsse 66

Kapitel 30. Rückblick. Bedeutung der syllogistischen Regeln

für die Wissenschaft! Wie man die obersten

Grundsätze der einzelnen Wissenschaften findet 69

Kapitel 31. Die Einteilung kann den Syllogismus nicht ersetzen 70

Kapitel 32. Zurückführung formloser Begründungen auf die

strenge syllogistische Form. Regeln für dieses

Verfahren. Fehler, die bei demselben in bezug

auf die Prämissen vorkommen 72

Kapitel 33. Weitere Fehler, die bei dem Reduktionsverfahren

in bezug auf die Prämissen vorkommen 74

Kapitel 34. Fehler bei der Exposition oder dem Ansatz der

Begriffe. Man darf nicht die Zustände statt der

Subjekte setzen 75

Kapitel 35. Weitere Fehler bei der Exposition. Man darf

nicht immer als Terminus ein einzelnes Wort

fordern 76

Kapitel 36. Man darf nicht übersehen, daß die grammatische

Form der Begriffe nicht immer dieselbe ist 77

Kapitel 37. Auch die Weise, wie ein Begriff dem anderen

zukommt, ist nicht immer dieselbe. Ankündigung

der verschiedenen Weisen 79

Kapitel 38. Die Reduplikation und wie man dabei die

Begriffe ansetzen muß 79

Kapitel 39. Man muß, besonders bei der Reduplikation,

auf Deutlichkeit und Kürze sehen und darum

zuweilen einen weniger klaren Begriff durch

einen klareren ersetzen 80

Kapitel 40. Man darf die Begriffe nicht vertauschen, wenn

durch die Vertauschung das Wesen zur Eigenschaft

oder die Eigenschaft zum Wesen wird 81

Kapitel 41. Es ist auch nicht dasselbe, wenn A allem zukommt,

dem B zukommt, und allem, dem B nach dessen ganzem

Umfang zukommt. Auch das muß bei dem Ansatz der

Begriffe berücksichtigt werden. Die Bezeichnung

der Begriffe durch Buchstaben geschieht nur im

didaktischen Interesse, um das Verständnis durch die

Anschauung zu erleichtern 81

Kapitel 42. Ein Begriff kann dem anderen auch erst auf

Grund einer Verbindung von Syllogismen zugesprochen

werden. Verfahren dabei 82

Kapitel 43. Wenn ein Teil einer Definition angefochten

wird, setze man bei der Widerlegung nur den

Teil als Terminus 82

Kapitel 44. Bei den hypothetischen und apagogischen

Schlüssen gibt es keine Reduktion 83

Kapitel 45. Es gibt eine Reduktion auch bei formgerechten

Schlüssen; die Reduktion auf eine andere Figur.

Wann und wie sie möglich ist 84

Kapitel 46. Anhang. Unbestimmte Bejahungen und bestimmte

Verneinungen. Antecedens und Consequens. Folgerungen

bei Bejahung oder Verneinung des Antecedens oder

des Consequens. Ein Einwurf 87

+Zweites Buch.+

Kapitel 1. Kraft und Tragweite der Schlüsse. Ein und derselbe

Schluß kann mehrere Schlußsätze ergeben 92

Kapitel 2. Auch ein Schluß aus falschen Prämissen kann

Wahres ergeben. Beweis dessen für Schlüsse

der 1. Figur 94

Kapitel 3. Beweis für Schlüsse der 2. Figur 100

Kapitel 4. Beweis für Schlüsse der 3. Figur 102

Kapitel 5. Die Tragweite der Schlüsse zeigt sich auch in

dem Zirkelbeweis. Der Zirkelbeweis in der 1. Figur 106

Kapitel 6. Der Zirkelbeweis in der 2. Figur 108

Kapitel 7. Der Zirkelbeweis in der 3. Figur 109

Kapitel 8. Die Tragweite der Schlüsse zeigt sich ebenso

in ihrer Umkehrung. Umkehrung der Schlüsse

in der 1. Figur 111

Kapitel 9. Umkehrung der Schlüsse in der 2. Figur 113

Kapitel 10. Umkehrung der Schlüsse in der 3. Figur 114

Kapitel 11. Der apagogische oder indirekte Beweis, als

Analogon der Umkehrung des Schlusses, zunächst

in der 1. Figur 116

Kapitel 12. Der apagogische Beweis in der 2. Figur 120

Kapitel 13. Der apagogische Beweis in der 3. Figur 121

Kapitel 14. Zurückführung der apagogischen und der

direkten Beweise aufeinander 122

Kapitel 15. Schlüsse aus entgegengesetzten Prämissen 124

Kapitel 16. Mängel und Schwächen der Schlüsse. Die

petitio principii bei dem apodiktischen und

dem dialektischen Beweisverfahren 128

Kapitel 17. Die verfehlte Zurückführung eines falsum bei

apagogischen Schlüssen 130

Kapitel 18. Falsches folgt immer nur aus Falschem 132

Kapitel 19. Praktische Winke, wie man dialektisch einer

Niederlage vorbeugen und die eigene Sache

zum Siege führen soll 133

Kapitel 20. Wann ist eine Widerlegung möglich? 134

Kapitel 21. Wie kann sich sachlich Falsches und Widersprechendes

in die Prämissen einschleichen? 134

Kapitel 22. Übergang zum dritten Teil. Gewinnung neuer

Sätze, als Ziel der folgenden Begründungsmethoden,

die sämtlich auf den Syllogismus zurückgeführt

werden können 138

Kapitel 23. Die Induktion oder Ableitung des Allgemeinen

aus dem Einzelnen der Erfahrung als Mittel

zur Gewinnung der Prinzipien 140

Kapitel 24. Das Paradeigma oder Beispiel als Mittel zur

Bildung eines theoretischen und praktischen

Urteils 141

Kapitel 25. Die Abduktion oder Umbiegung der Vordersätze

als Mittel, um einen neuen Satz wenigstens

annähernd zu gewinnen 142

Kapitel 26. Die Enstasis oder Einwendung als Gewinnung

eines Satzes, der der Konklusion widerspricht 143

Kapitel 27. Das Enthymema oder der rhetorische Schluß und

der physiognomische Schluß zur Gewinnung von

Sätzen, die oft nur wahrscheinlich sind 145

Erstes Buch.

Erstes Kapitel.

[Sidenote: 24 a 10]

Zuerst müssen wir angeben, welchem Gegenstande die Untersuchung gilt

und wessen Sache es ist, daß sie nämlich dem Beweise gilt und Sache der

beweisenden Wissenschaft ist; dann müssen wir bestimmen, was ein Satz

ist, was ein Begriff und was ein Schluß, und welcher Schluß vollkommen

und welcher unvollkommen ist; hernach, was es heißt, daß dieses in

diesem als Ganzem ist oder nicht ist, und was wir damit meinen, wenn

wir sagen, daß etwas von jedem oder von keinem ausgesagt wird.

Ein Satz ist eine Rede, die etwas von etwas bejaht oder verneint. Sie

ist entweder allgemein oder partikulär oder unbestimmt. Allgemein

nenne ich sie, wenn etwas jedem oder keinem zukommt, partikulär,

wenn es irgendeinem oder irgendeinem nicht oder nicht jedem zukommt,

unbestimmt, wenn die Rede etwas zukommen oder nicht zukommen läßt ohne

den Zusatz allgemein oder partikulär (so daß sie es unbestimmt läßt, in

welcher von beiden Weisen es zu nehmen ist), wie z. B. in dem Satz: das

Konträre fällt unter dieselbe Wissenschaft, oder: die Lust ist kein Gut.

[Sidenote: 24 b 10]

Der apodiktische Satz (Prämisse oder Vordersatz in dem

wissenschaftlichen Beweis, Apodeixis) unterscheidet sich von dem

dialektischen (Vordersatz in Disputationen) dadurch, daß der

apodiktische Satz die Annahme des einen Gliedes des Widerspruchs ist

-- denn der Beweisende fragt nach ihm nicht, sondern nimmt ihn an

--, während der dialektische Satz die Frage stellt (und beantwortet),

ob das eine oder das andere Glied des Widerspruchs gelten soll. Das

kann aber für die Weise, wie der Schluß in beiden Fällen zustande

kommt, keinen Unterschied machen; denn der Beweisende wie der Fragende

schließt auf Grund der Annahme, daß eines dem anderen zukommt oder

nicht zukommt. So wird denn ein syllogistischer Satz (Vordersatz in

einem Schluß) überhaupt die Bejahung oder Verneinung eines Dinges von

einem anderen nach der angegebenen Weise sein; apodiktisch aber ist ein

solcher Satz, wenn er wahr und aus den obersten Prinzipien abgeleitet

ist, und als dialektischer Satz tritt er auf, einmal, wenn man den

Gegner ausholt, als Frage nach dem einen oder dem anderen Gliede des

Widerspruchs, und dann auch, wenn man schließt, als Annahme dessen,

was ein Ansehen hat und wahrscheinlich ist, wie in der Topik (I, 10)

erklärt wurde.

Was also ein Satz ist und wie sich der syllogistische, apodiktische

und dialektische Satz unterscheidet, wird in der Folge ausführlich

erklärt werden; soweit es hier nötig ist, genügen uns die vorliegenden

Bestimmungen.

Begriff (lat. terminus) nenne ich die Bestandteile, in die der Satz als

in Prädikat und Subjekt der Prädizierung sich auflöst, mag nun das Sein

bei der Bejahung hinzugesetzt oder bei der Verneinung, wo es Nichtsein

wird, ausgeschieden werden[1].

Ein Schluß ist eine Rede, in der, wenn etwas gesetzt wird, etwas von

dem Gesetzten Verschiedenes notwendig dadurch folgt, daß dieses ist.

Mit dem Ausdruck: dadurch, daß dieses ist, meine ich, daß die Folge

seinetwegen eintritt, und damit, daß sie seinetwegen eintritt, daß es

sonst keines, von außen zu nehmenden Begriffes bedarf, damit sich ihre

Notwendigkeit ergibt.

Vollkommen nenne ich einen Schluß, der, damit seine Notwendigkeit

einleuchtet, außer den Voraussetzungen keiner weiteren Bestimmung

bedarf, unvollkommen einen solchen, der noch einer oder mehrerer

weiteren Bestimmungen bedarf, die zwar wegen der zugrunde liegenden

Begriffe notwendig gelten, aber nicht in den Vordersätzen enthalten

sind.

Daß das eine in einem anderen als Ganzem ist, und daß das eine von

jedem anderen ausgesagt wird, bedeutet dasselbe. Wir sagen aber,

daß etwas von jedem ausgesagt wird, wenn sich keines von allen

Einzeldingen, die unter das Subjekt fallen, namhaft machen läßt, von

dem das andere nicht gelten würde. Dieselbe Bewandtnis hat es mit dem

Ausdruck: von keinem ausgesagt werden.

Zweites Kapitel.

[Sidenote: 25 a 1]

Da jeder Satz entweder das (tatsächliche) Sein oder das Sein-Können

oder das Sein-Müssen zum Inhalte hat, und da ferner von den Sätzen die

einen nach der jeweiligen Modalität bejahende, die anderen verneinende

sind, und da wieder von den bejahenden und verneinenden Sätzen die

einen allgemeine, die anderen partikuläre und noch andere unbestimmte

sind, so muß der das tatsächliche Sein allgemein verneinende Satz

in seinen Begriffen konvertibel sein (sich umkehren lassen); z. B.

wenn keine Lust ein Gut ist, wird auch kein Gut eine Lust sein. Der

bejahende Satz muß zwar konvertibel sein, doch nicht so, daß ein

allgemeiner, sondern so, daß ein partikulärer Satz herauskommt, z. B.

wenn jede Lust ein Gut ist, muß auch irgendein Gut eine Lust sein.

Von den partikulären Sätzen aber muß zwar der bejahende sich in einen

partikulären umkehren lassen -- denn wenn irgendeine Lust ein Gut ist,

wird auch irgendein Gut eine Lust sein --, der verneinende aber nicht;

denn wenn Mensch irgendeinem sinnlichen Geschöpf nicht zukommt, braucht

deshalb nicht zu gelten, daß auch sinnliches Geschöpf irgendeinem

Menschen nicht zukommt.

Zunächst soll der Satz AB allgemein verneinend sein. Wenn nun A keinem

B zukommt, kann auch B keinem A zukommen. Denn käme es einem zu, z. B.

dem C, so wäre es nicht wahr, daß A keinem B zukommt. Denn C wird dann

ein B sein.

Wenn aber A jedem B zukommt, kommt auch B irgendeinem A zu. Denn wenn

es keinem zukäme, käme auch A keinem B zu. Es wurde aber vorausgesetzt,

daß es jedem zukommt.

Ebenso ist es, wenn der Satz partikulär ist. Wenn A einem B zukommt,

muß auch B einem A zukommen. Denn wenn es keinem zukäme, würde auch A

keinem B zukommen.

Wenn aber A einem B nicht zukommt, braucht nicht auch B einem A nicht

zuzukommen, z. B. wenn B Sinnenwesen und A Mensch ist. Denn Mensch

kommt nicht jedem Sinnenwesen zu, Sinnenwesen aber jedem Menschen.

Drittes Kapitel.

Auf dieselbe Weise muß es sich mit den notwendigen Sätzen verhalten.

Der allgemein verneinende Satz ist da allgemein konvertibel, die beiden

bejahenden sind es partikulär. Denn wenn A notwendig keinem B zukommt,

kommt auch B notwendig keinem A zu. Denn kann es einem zukommen, dann

kann es auch A einem B. Wenn aber A notwendig jedem B oder irgendeinem

B zukommt, kommt auch B notwendig einem A zu. Denn wenn es ihm nicht

notwendig zukommt, kommt auch A nicht notwendig einem B zu. Der

partikulär verneinende Satz aber ist nicht konvertibel aus eben dem

Grunde, den wir zuvor angegeben haben.

[Sidenote: 25 b 1]

Bei den kontingenten (eine Möglichkeit aussprechenden) Sätzen muß man

unterscheiden, da man von kontingent in vielfachem Sinne spricht. Denn

wir nennen in gleicher Weise das Notwendige kontingent, das nicht

Notwendige und das Mögliche[2]. Bei den bejahenden Sätzen also verhält

es sich hier bezüglich der Konvertibilität mit allen auf gleiche Weise.

Wenn A jedem oder irgendeinem B zukommen kann, kann es auch B einem A.

Denn wenn es keinem A zukommen kann, kann auch A keinem B zukommen;

wir haben uns ja schon zuvor dieses Beweises bedient.

Bei den verneinenden Sätzen aber ist es nicht ebenso, vielmehr findet

sich bei allem, was in dem Sinne nicht kontingent ist, daß es einem

Subjekt entweder notwendig nicht zukommt oder nicht notwendig zukommt,

die gleiche Weise; wie wenn man z. B. sagte, es sei kontingent, daß

der Mensch kein Pferd sei und daß das Weiße keinem Kleide zukomme.

Hier kommt das eine einem Subjekt notwendig nicht, das andere ihm

nicht notwendig zu, und der Satz ist in gleicher Weise konvertibel.

Denn wenn das Prädikat Pferd keinem Menschen zukommen mag, mag auch

das Prädikat Mensch keinem Pferde zukommen, und wenn weiß keinem

Kleide zukommen mag, mag auch Kleid keinem Weißen zukommen. Denn wenn

Kleid einem Weißen notwendig zukäme, müßte auch weiß notwendig einem

Kleide zukommen. Das haben wir ja vorhin gezeigt. Dasselbe gilt von

dem partikulär verneinenden Satz. Was dagegen, sofern es meistenteils

geschieht oder auf natürlicher Anlage beruht, kontingent heißt,

entsprechend unserer Einteilung des Kontingenten[3], solches kann sich

nicht bei allen negativen Umkehrungen auf die gleiche Weise verhalten,

sondern der allgemein verneinende Satz läßt sich nicht umkehren,

dagegen wohl der partikulär verneinende Satz, wie klar werden wird,

wenn wir von dem Kontingenten handeln (vgl. K. 13). Jetzt aber soll für

uns außer dem Gesagten noch so viel feststehen, daß die Aussage: es ist

möglich, daß etwas keinem zukommt oder einem nicht zukommt, bejahende

Form hat. Denn der Terminus: es ist möglich, steht auf einer Linie mit

dem Terminus: es ist; das: „es ist“ bewirkt aber für dasjenige, bei dem

es steht, immer und durchaus Bejahung, wie z. B. die Aussage: es ist

nichtgut, oder: es ist nichtweiß, oder überhaupt: es ist nichtdieses,

Bejahung ist. Auch dieses soll im Folgenden (vgl. K. 46) gezeigt

werden. Bezüglich der Umkehrung aber wird es mit diesen Sätzen ebenso

sein wie mit den anderen bejahenden Sätzen.

Viertes Kapitel.

Nach diesen Bestimmungen geben wir nunmehr an, wodurch und wann und

wie ein Schluß zustande kommt; hernach wollen wir vom Beweis handeln.

Vom Schluß müssen wir deshalb früher handeln als vom Beweis, weil der

Schluß das Allgemeinere ist. Denn der Beweis ist zwar ein Schluß, aber

nicht jeder Schluß ist ein Beweis.

Wenn sich also drei Begriffe zueinander so verhalten, daß der letzte

(der Unterbegriff) in dem mittleren als Ganzem ist, und der mittlere in

dem ersten (dem Oberbegriff) als Ganzem entweder ist oder nicht ist, so

ergibt sich notwendig für die Außenbegriffe ein vollkommener Schluß[4].

Mittleren Begriff, Mittelbegriff (terminus medius), nenne ich

denjenigen Begriff, der gleichzeitig in einem anderen ist und einen

anderen in sich begreift -- der auch durch seine Stellung der mittlere

wird. Außenbegriffe, äußere Begriffe (termini extremi), nenne ich

erstens den, der selbst in einem anderen ist, und zweitens den, in dem

ein anderer ist.

Denn wenn A von jedem B und B von jedem C ausgesagt wird, muß A von

jedem C ausgesagt werden; wir haben ja vorhin (K. 1) angegeben, wie wir

das „von jedem“ verstehen[5].

[Sidenote: 26 a]

Ebenso kann, wenn A von keinem B, aber B von jedem C ausgesagt wird, A

keinem B zukommen[6].

Wenn aber das Erste zwar jedem Mittleren, das Mittlere aber keinem

Letzten zukommt, so kann es keinen Schluß für die Außenbegriffe geben.

Denn daraus, daß es so ist, folgt nichts mit Notwendigkeit. Denn das

Erste kann ebensogut jedem, wie keinem Letzten zukommen, so daß weder

das Partikuläre noch das Allgemeine sich als notwendig herausstellt.

Da aber keine Notwendigkeit vorliegt, so kann es keinen Schluß aus

den fraglichen Daten geben. Begriffe für jedem zukommen: Sinnenwesen,

Mensch, Pferd; für keinem: Sinnenwesen, Mensch, Stein[7].

Aber auch, wenn weder das Erste irgendeinem Mittleren, noch das

Mittlere irgendeinem Letzten zukommt, kann es keinen Schluß geben.

Begriffe für Zukommen: Wissenschaft, Linie, Heilkunst; für nicht

Zukommen: Wissenschaft, Linie, Einheit[8].

Man sieht also, wann es in dieser Figur[9], falls die Begriffe

allgemein sind, einen Schluß gibt und wann nicht, und daß, wenn es

einen Schluß gibt, die Begriffe sich in der angegebenen Weise verhalten

müssen und umgekehrt, wenn sie sich in dieser Weise verhalten, es einen

Schluß gibt.

Wenn aber ein Begriff sich allgemein und ein Begriff sich partikulär

zu dem anderen verhält, so ergibt sich, falls das Allgemeine zu

dem Oberbegriff gesetzt wird, entweder bejahend oder verneinend,

das Partikuläre aber zu dem Unterbegriff bejahend, notwendig ein

vollkommener Schluß. Wenn aber das Allgemeine zu dem Unterbegriff

gesetzt wird oder die Begriffe sich anders verhalten, kann sich

unmöglich ein Schluß ergeben. Oberbegriff nenne ich das, worin das

Mittlere ist, Unterbegriff das, was unter dem Mittleren steht.

Es soll nämlich A jedem B und B einem C zukommen. Mithin muß, wenn

der Ausdruck: von jedem ausgesagt werden, das bezeichnet, was wir zu

Anfang angegeben haben, A einem C zukommen. Und wenn A keinem B und

B einem C zukommt, kommt A einem C notwendig nicht zu. Wir haben ja

auch angegeben, wie wir den Ausdruck: von keinem ausgesagt werden,

verstehen. Es wird also ein vollkommener Schluß herauskommen[10].

Ebenso auch, wenn BC unbestimmt und bejahend wäre: es muß, wenn BC

unbestimmt genommen wird, derselbe Schluß herauskommen, wie wenn es

partikulär genommen wird[11].

Wenn aber das Allgemeine, entweder bejahend oder verneinend, zu dem

Unterbegriff gesetzt wird, so wird sich kein Schluß ergeben, mag der

andere Satz bejahend oder verneinend, unbestimmt oder partikulär

sein. A soll z. B. einem B zukommen oder nicht zukommen und B jedem

C zukommen. Begriffe für Zukommen sind: Gut, Habitus, Klugheit, für

Nichtzukommen: Gut, Habitus, Ungeschicktheit[12].

Wiederum, auch dann erhalten wir keinen Schluß, wenn B keinem C zukommt

und A einem B entweder zukommt oder nicht zukommt oder nicht jedem B

zukommt. Begriffe: weiß, Pferd, Schwan; weiß, Pferd, Rabe. Dieselben

Begriffe mögen genommen werden, wenn AB unbestimmt ist[13].

[Sidenote: 26 b]

Auch wenn der Satz mit dem Oberbegriff allgemein bejahend oder

verneinend, aber der Satz mit dem Unterbegriff partikulär verneinend

ist, kann es keinen Schluß geben, mag der Unterbegriff unbestimmt oder

partikulär gefaßt sein; z. B. wenn A jedem B zukommt, B aber einem

bestimmten C nicht, oder wenn es nicht jedem C zukommt. Denn wenn einem

das Mittlere nicht zukommt, so wird das Erste sowohl jedem, wie keinem

zu ihm Gehörigen folgen. Es sollen nämlich die Begriffe Sinnenwesen,

Mensch, weiß vorausgesetzt werden. Sodann soll auch als Weißes, von

dem Mensch nicht ausgesagt wird, Schwan und Schnee genommen werden.

Nun wird Sinnenwesen bei dem einen (Schwan) von allem ausgesagt, bei

dem anderen (Schnee) von keinem, so daß also kein Schluß zustande

kommt[14]. Wiederum, A soll keinem B zukommen, B aber einem C nicht

zukommen, und die Begriffe sollen sein: unbeseelt, Mensch, weiß; sodann

sollen als ein Weißes, wovon Mensch nicht ausgesagt wird, Schwan und

Schnee genommen werden. Denn unbeseelt wird bei dem einen (Schnee) von

allem, bei dem anderen (Schwan) von keinem ausgesagt[15].

Ferner, da es unbestimmt gesagt ist, wenn B einem C nicht zukommen

soll, der Satz aber, daß es einem nicht zukommt, wahrheitsgemäß

aufgestellt wird, mag es nun keinem oder mag es nicht jedem zukommen,

und da sich, wenn man die Begriffe so nimmt, daß es keinem zukommt,

kein Schluß ergibt -- denn das ist vorhin gesagt worden --, so kommt

offenbar dadurch, daß die Begriffe sich so verhalten, kein Schluß

zustande. Denn sonst müßte es auch dort der Fall sein. Ebenso wird

dies gezeigt werden, wenn das Allgemeine verneinend gesetzt wird[16].

Auch wenn beide Sätze partikulär sind, entweder bejahend oder

verneinend, oder der eine bejahend, der andere verneinend, oder der

eine unbestimmt, der andere bestimmt, oder beide unbestimmt, kommt ganz

und gar kein Schluß heraus. Gemeinsame Begriffe für alle diese Fälle

sind: Sinnenwesen, weiß, Pferd; Sinnenwesen, weiß, Stein[17].

Aus dem Gesagten sieht man also, daß wenn in dieser Figur ein

partikulärer Schluß stattfindet, die Begriffe sich in der angegebenen

Weise verhalten müssen. Denn wenn sie sich anders verhalten, gibt es

keinerlei Schluß. Auch sieht man, daß alle Schlüsse in dieser Figur

vollkommen sind; denn alle werden durch das zu Anfang Angenommene

vollendet; endlich, daß durch diese Figur alle Probleme, d. h. alle

Sätze, nach denen man fragen kann, bewiesen werden: daß etwas jedem

und daß es keinem zukommt, daß es einem zukommt und daß es einem nicht

zukommt[18]. Eine solche Schlußfigur nenne ich die erste.

Fünftes Kapitel.

[Sidenote: 27 a]

Wenn aber das Selbige bei dem einen jedem, bei dem anderen aber

keinem zukommt, oder bei beiden jedem oder keinem, so nenne ich diese

Figur die zweite; als Mittelbegriff bezeichne ich in ihr das von

beiden Ausgesagte, als Außenbegriffe das, wovon es ausgesagt wird:

als Oberbegriff das, was zunächst bei dem Mittelbegriff steht, als

Unterbegriff das, was weiter vom Mittelbegriff entfernt ist. Es steht

aber der Mittelbegriff außerhalb der Außenbegriffe und ist der Stellung

nach der erste[19]. Einen vollkommenen Schluß nun gibt es in dieser

Figur gar nicht. Es wird aber ein Schluß möglich sein, sowohl wenn die

Begriffe allgemein, als auch wenn sie nicht allgemein sind.

Sind sie allgemein, so wird ein Schluß entstehen, wenn der

Mittelbegriff dem einen der anderen Begriffe allgemein, dem anderen

gar nicht zukommt, mag nun die Verneinung mit dem einen oder mit dem

anderen verbunden sein; sonst auf keine Weise. Es werde nämlich M

von keinem N, aber von allen X ausgesagt. Da sich nun die Verneinung

umkehren läßt, wird N keinem M zukommen, M aber kam nach der

Voraussetzung allen X zu; also N keinem X; das ist ja vorhin gezeigt

worden[20].

Wiederum, wenn M allem N, aber keinem X zukommt, wird auch X keinem N

zukommen. Denn wenn M keinem X zukommt, wird auch X keinem M zukommen.

M kam aber nach der Voraussetzung allem N zu. Mithin wird X keinem N

zukommen. Denn es ist wieder die erste Figur geworden. Da aber die

Verneinung sich umkehren läßt, wird auch N keinem X zukommen. Es wird

also derselbe Schluß sein[21].

Man kann das auch so zeigen, daß man die entgegengesetzte Annahme als

unmöglich erweist.

Es ist also klar, daß wo die Begriffe sich so verhalten, ein Schluß

zustande kommt, aber kein vollkommener. Denn die Notwendigkeit wird

hier nicht ausschließlich aus den ursprünglich gegebenen, sondern noch

aus anderen Stücken erhärtet.

Wenn aber M von allem N und X ausgesagt wird, kann sich kein Schluß

ergeben. Begriffe für Zukommen sind Substanz, Sinnenwesen, Mensch, für

Nichtzukommen Substanz, Sinnenwesen, Zahl, Mittelbegriff Substanz[22].

Auch dann gewinnt man keinen Schluß, wenn M weder von einem N, noch von

einem X ausgesagt wird. Begriffe für Zukommen sind Linie, Sinnenwesen

Mensch, für Nichtzukommen Linie, Sinnenwesen Stein[23].

Man sieht also, daß die Begriffe, wenn sie allgemein sind und ein

Schluß möglich ist, sich so, wie anfangs gesagt, verhalten müssen; denn

wenn sie sich anders verhalten, ergibt sich keine Notwendigkeit.

Verhält sich aber der Mittelbegriff zu dem einen der beiden anderen

Begriffe allgemein und wird er allgemein zu dem Oberbegriff gesetzt,

bejahend oder verneinend, zu dem Unterbegriff aber in partikulärer und

dem Allgemeinen entgegengesetzter Weise -- ich nenne entgegengesetzt,

wenn das Allgemeine verneinend ist, das partikulär Bejahende, und wenn

das Allgemeine bejahend ist, das partikulär Verneinende --, so muß

ein partikulär verneinender Schluß herauskommen. Denn wenn M keinem N

und einem X zukommt, so kommt N einem X notwendig nicht zu. Denn da

die Verneinung sich umkehren läßt, wird N keinem M zukommen. M kam

aber nach der Voraussetzung einem X zu. So wird denn N einem X nicht

zukommen. Denn es kommt ein Schluß durch die erste Figur zustande[24].

[Sidenote: 27 b]

Wiederum, wenn M jedem N zukommt und einem X nicht zukommt, muß N einem

X nicht zukommen. Denn wenn es jedem zukommt und auch M von jedem N

ausgesagt wird, muß M jedem X zukommen. Es wurde aber angenommen, daß

es einem nicht zukommt[25]. Und wenn M jedem N zukommt, aber nicht

jedem X, wird sich der Schluß ergeben, daß N nicht jedem X zukommt. Der

Beweis aber ist derselbe[26].

Wenn es aber von jedem X, aber nicht von jedem N ausgesagt wird, kommt

kein Schluß zustande. Die Begriffe: Sinnenwesen, Substanz, Rabe;

Sinnenwesen, weiß, Rabe[27].

Auch wenn es von keinem X und von einem N ausgesagt wird. Begriffe für

Zukommen: Sinnenwesen, Substanz, Monas, für Nichtzukommen: Sinnenwesen,

Substanz, Wissenschaft[28].

Damit wäre denn für den Fall, daß das Allgemeine dem Partikulären

entgegengesetzt ist, angegeben, wann ein Schluß zustande kommt und wann

nicht; falls aber die Vordersätze von gleicher Qualität sind, also

beide verneinend oder bejahend, kommt kein Schluß zustande.

Denn es sollen zuerst beide Sätze verneinend sein und die allgemeine

Aussage mit dem Oberbegriff verbunden werden; also M soll keinem N

zukommen und einem X nicht zukommen. Dann kann N jedem und keinem X

zukommen. Begriffe für Nichtzukommen: schwarz, Schnee, Sinnenwesen.

Begriffe für jedem Zukommen lassen sich nicht angeben, wenn M einem

X zukommt und einem X nicht zukommt. Denn wenn N jedem X, M aber

keinem N zukommt, wird M keinem X zukommen; aber man ging doch von der

Annahme aus, daß es einem zukommen sollte. Demnach lassen sich so keine

Begriffe angeben, sondern man muß aus dem Unbestimmten schließen. Denn

weil der Satz, daß M einem X nicht zukommt, auch dann wahr ist, wenn es

keinem zukommt, und wenn es keinem zukommt, kein Schluß sich ergab, so

kann sich offenbar auch so keiner ergeben[29].

Wiederum, die beiden Vordersätze sollen bejahend sein und die

allgemeine Aussage ebenso verbunden werden wie vorhin, so daß also M

jedem N und einem X zukommt. Dann kann N jedem und keinem X zukommen.

Begriffe für keinem Zukommen: weiß, Schwan, Stein. Begriffe für jedem

Zukommen lassen sich nicht ausfindig machen, aus demselben Grunde wie

vorhin, sondern man muß aus der Unbestimmtheit schließen[30].

Wenn aber die allgemeine Aussage mit dem Unterbegriff verbunden wird

und dann M keinem X zukommt und einem N nicht zukommt, so kann N jedem

und keinem X zukommen. Begriffe für Zukommen: weiß, Sinnenwesen, Rabe,

für Nichtzukommen: weiß, Stein, Rabe[31].

Wenn endlich die Vordersätze bejahend sind, sollen Begriffe für

Nichtzukommen sein: weiß, Sinnenwesen, Schnee, für Zukommen: weiß,

Sinnenwesen, Schwan[32].

Man sieht also: wenn die Sätze dieselbe Qualität haben und der eine

Satz allgemein, der andere partikulär ist, so kommt kein Schluß

zustande.

Aber auch dann nicht, wenn das gemeinsame Prädikat je einem einzelnen

unter die beiden anderen Begriffe Fallenden zukommt oder nicht zukommt,

oder es bei dem einen so ist, bei dem anderen nicht, oder es keinem

nach seinem ganzen Umfange zukommt, oder es unbestimmt zukommt.

Gemeinsame Begriffe für alle Fälle: weiß, Sinnenwesen, Mensch; weiß,

Sinnenwesen, unbeseelt[33].

[Sidenote: 28 a]

Man sieht also aus dem Gesagten, daß, wenn sich die Begriffe zueinander

in der bezeichneten Weise verhalten, notwendig ein Schluß zustande

kommt, wie umgekehrt, daß sich die Begriffe, wenn ein Schluß zustande

kommt, notwendig so verhalten.

Ebenso sieht man, daß alle Schlüsse in dieser Figur unvollkommen sind

-- denn sie werden alle erst vollendet, wenn man noch etwas hinzunimmt,

was entweder notwendig in den Begriffen liegt oder als Voraussetzung

steht, geradeso wie in dem Falle, daß wir etwas aus der Unmöglichkeit

erhärten --, ferner, daß es in dieser Figur keinen bejahenden Schluß

gibt, sondern lauter verneinende Schlüsse, mögen sie allgemein oder

partikulär sein.

Sechstes Kapitel.

Wenn aber demselben Begriff ein zweiter für den ganzen Umfang des

ersten zukommt und ein dritter ihm ebenso nicht zukommt, oder wenn

beide ihm so zukommen oder nicht zukommen, so nenne ich eine solche

Figur die dritte. Mittelbegriff in ihr nenne ich das Subjekt oder den

Beziehungspunkt der beiden Prädikate, Außenbegriffe die Prädikate,

Oberbegriff denjenigen Begriff, der weiter von dem Mittelbegriff

entfernt ist, und Unterbegriff den, der näher bei ihm steht. Der

Mittelbegriff steht außerhalb der Außenbegriffe und hat die letzte

Stelle[34].

Ein vollkommener Schluß nun kommt auch in dieser Figur nicht zustande,

aber es ist ein Schluß möglich, mögen sich nun die Begriffe zu dem

Mittelbegriff allgemein oder nicht allgemein verhalten.

Verhalten sie sich allgemein, so kann, wenn sowohl P als R jedem S

zukommt, geschlossen werden, daß P notwendig einem R zukommt. Denn da

sich der bejahende Satz umkehrt, wird S einem R zukommen. Da also P

jedem S und S einem R zukommt, muß P einem R zukommen. Denn es wird ein

Schluß in der ersten Figur[35].

Man kann den Beweis hierfür auch aus der Unmöglichkeit und durch

Heraushebung führen. Denn wenn beides jedem S zukommt, so wird, wenn

man ein S, etwa N nimmt, demselben sowohl P als R zukommen, und

folglich wird P einem R zukommen[36].

Und wenn R jedem, P aber keinem S zukommt, wird der Schluß statt haben,

daß P einem R notwendig nicht zukommt. Denn es gilt dieselbe Form des

Beweises, wenn man den Satz RS umkehrt. Dieses läßt sich auch aus der

Unmöglichkeit zeigen, wie im vorigen Falle[37].

Wenn aber R keinem, dagegen P jedem S zukommt, kann kein Schluß

geschehen. Begriffe für Zukommen: Sinnenwesen, Pferd, Mensch; für

Nichtzukommen: Sinnenwesen, unbeseelt, Mensch[38]. Auch wenn beide von

keinem S ausgesagt werden, kann kein Schluß geschehen. Begriffe für

Zukommen: Sinnenwesen, Pferd, unbeseelt; für Nichtzukommen: Mensch,

Pferd, unbeseelt. Mittelbegriff: unbeseelt[39].

[Sidenote: 28 b]

Man sieht also auch bei dieser Figur, wann bei allgemeiner Fassung der

Begriffe ein Schluß geschehen kann und wann nicht. Sind beide Begriffe

bejahend, so findet der Schluß statt, daß der eine Außenbegriff dem

anderen teilweise zukommt. Sind sie aber verneinend, so kann es keinen

Schluß geben. Ist aber ein Begriff verneinend und einer bejahend, so

wird, falls der Oberbegriff verneinend und der andere Begriff bejahend

ist, der Schluß statt haben, daß der eine Außenbegriff dem anderen zum

Teil nicht zukommt. Ist es aber umgekehrt, so gibt es keinen Schluß.

Wenn aber der eine sich zu dem mittleren allgemein verhält und der

andere partikulär, so muß, wenn beide bejahend sind, ein Schluß

zustande kommen, mag nun der eine oder der andere Begriff allgemein

sein. Denn wenn R jedem und P einem S zukommt, muß P einem R zukommen.

Denn da sich die Bejahung umkehrt, muß S einem P zukommen, und so muß,

da R jedem S und S einem P zukommt, auch R einem P zukommen und somit P

einem R[40].

Wiederum, wenn R einem und P jedem S zukommt, muß P einem R zukommen.

Denn es wird auf dieselbe Art bewiesen. Es läßt sich aber auch aus der

Unmöglichkeit und durch Heraushebung beweisen, wie in den früheren

Fällen[41].

Wenn aber der eine Begriff bejahend gesetzt ist, der andere verneinend

und der bejahende allgemein ausgesagt wird, so gibt es einen Schluß,

wenn der Unterbegriff bejahend ist. Denn wenn R jedem S zukommt, P aber

einem S nicht zukommt, so kommt notwendig P einem R nicht zu. Denn

kommt es jedem zu, so wird, wie R jedem S, auch P jedem S zukommen.

Aber es kam nicht jedem zu. Dieses läßt sich auch ohne Zurückführung

aufs Unmögliche zeigen, wenn man ein S nimmt, dem P nicht zukommt[42].

Wenn aber der Oberbegriff bejahend ist, erhält man keinen Schluß:

wenn nämlich P jedem S zukommt, aber R ein S nicht zukommt. Begriffe

für jedem Zukommen: beseelt, Mensch, Sinnenwesen; für keinem Zukommen

lassen sich keine Begriffe auffinden, wenn R einem S zukommt und einem

S nicht zukommt. Denn wenn P jedem S zukommt, R aber einem S, muß auch

P einem R zukommen; es wurde aber vorausgesetzt, daß es keinem zukommt.

Aber man muß es hiermit angehen, wie in den früheren Fällen. Denn da

der Satz, daß etwas einem nicht zukommt, unbestimmt ist, so läßt sich

auch von dem, was keinem zukommt, mit Wahrheit sagen, daß es einem

nicht zukommt. Wenn es aber keinem zukommt, gab es keinen Schluß. Man

sieht also, daß hier ein Schluß nicht möglich ist[43].

Wenn aber von den Begriffen der verneinende allgemein ist, so erhält

man, wenn der Oberbegriff verneinend und der Unterbegriff bejahend ist,

einen Schluß. Denn wenn P keinem und R einem S zukommt, wird P einem R

nicht zukommen. Denn es stellt sich hier wieder die erste Schlußfigur

ein, wenn man den Satz RS umkehrt[44].

Wenn aber der Unterbegriff verneinend ist, erhält man keinen Schluß.

Begriffe für Zukommen: Sinnenwesen, Mensch, wild; für Nichtzukommen:

Sinnenwesen, Wissenschaft, wild; Mittelbegriff in beiden Fällen:

wild[45].

[Sidenote: 29 a]

Auch dann gibt es keinen Schluß, wenn beide Begriffe verneinend gesetzt

werden und der eine allgemein, der andere partikulär ist. Begriffe,

wo der Unterbegriff mit dem Mittelbegriff allgemein verbunden wird:

Sinnenwesen, Wissenschaft, wild -- Sinnenwesen, Mensch, wild; wo es der

Oberbegriff wird: für Nichtzukommen: Rabe, Schnee, weiß; für Zukommen

lassen sich keine Begriffe auffinden, wenn R einem S zukommt und einem

nicht zukommt. Denn wenn P jedem R und R einem S, wird P auch einem S

zukommen. Nach der Voraussetzung kommt es aber keinem zu. Aber man muß

die Sache aus dem Unbestimmten beweisen[46].

Auch gibt es noch in all den Fällen keinen Schluß, wo beide

Außenbegriffe einigem unter dem Mittelbegriff Stehenden zukommen oder

nicht zukommen, oder der eine es tut, der andere nicht, oder der

eine einigem zukommt, der andere nicht jedem, oder bei unbestimmter

Fassung. Gemeinsame Begriffe für alle Fälle: Sinnenwesen, Mensch, weiß;

Sinnenwesen, unbeseelt, weiß[47].

Man sieht also auch bei dieser Figur, wann ein Schluß möglich ist und

wann nicht, und daß, wenn die Begriffe sich auf die angegebene Weise

verhalten, notwendig ein Schluß stattfindet, und daß umgekehrt, wenn

ein Schluß stattfindet, die Begriffe notwendig so sich verhalten. Auch

sieht man, daß alle Schlüsse in dieser Figur unvollkommen sind -- denn

man muß immer noch etwas hinzunehmen, um sie zu vollenden --, ferner,

daß man in dieser Figur nicht auf das Allgemeine, weder verneinend noch

bejahend, schließen kann[48].

Siebentes Kapitel.

Es leuchtet aber auch ein, daß in allen Figuren, wenn kein Schluß

zustande kommt, in dem Falle, daß beide Prämissen bejahend oder

verneinend sind, sich gar keine Notwendigkeit ergibt; ist aber eine

Prämisse bejahend und eine verneinend und die verneinende allgemein,

so ergibt sich immer ein Schluß auf das Verhältnis des Unterbegriffs

zu dem Oberbegriff. Es soll z. B. A jedem oder einem B und B keinem

C zukommen. Wenn man dann die Sätze umkehrt, muß C einem A nicht

zukommen. Ebenso ist es in den anderen Figuren: immer ergibt sich durch

Umkehrung ein Schluß. Es leuchtet aber auch ein, daß das Unbestimmte,

an Stelle des partikulär Bejahenden gesetzt, in allen Figuren denselben

Schluß begründen wird[49].

Man sieht aber auch, daß alle unvollkommenen Schlüsse durch die erste

Figur vollendet werden. Denn alle kommen entweder durch direkten Beweis

oder durch die Unmöglichkeit zum Abschluß. Auf beide Weisen ergibt sich

aber die erste Figur: wenn man sie durch direkten Beweis vollendet,

darum, weil sie alle durch Umkehrung zu Ende geführt werden und die

Umkehrung die erste Figur ergab, und wenn man sie aus der Unmöglichkeit

beweist, darum, weil, wenn das Falsche gesetzt wird, der Schluß

durch die erste Figur geschieht. So wird z. B. in der letzten Figur

geschlossen, daß, wenn A und B jedem C zukommt, A einem B zukommt. Denn

wenn keinem, und B jedem C, dann A keinem C, aber die Voraussetzung

war: jedem C. Ebenso verfährt man aber auch in den anderen Fällen.

[Sidenote: 29 b]

Man kann aber auch alle Schlüsse auf die allgemeinen Schlüsse in der

ersten Figur zurückführen.

Denn wenn sie in der zweiten Figur geschehen, werden sie offenbar

durch jene vollendet, nur nicht alle auf gleiche Weise, sondern die

allgemeinen durch Umkehrung des verneinenden Satzes, und die beiden

partikulären je durch Zurückführung aufs Unmögliche.

Lehre vom Schluss · 第 1 / 19 段