Ich habe einzig verstehen gelernt, daß Männer, die ihr Leben

Mein

kleiner Chinese

Ein China-Roman

von

A. M. Karlin

Mit 6 Federzeichnungen

[Illustration]

1921

Verlag Deutsche Buchwerkstätten

Dresden

Alle Rechte, insbesondere das der Uebersetzung, vorbehalten

Copyright 1921 by Verlag Deutsche Buchwerkstätten Dresden

Gedruckt bei H. B. Schulze, Dresden

[Illustration]

=East is East, and West is West,

but the two can never meet.=

=Rudyard Kipling.=

I.

Lieber Leser! Da die ganze Geschichte mit der ich dich hier zu langweilen

beginne, von meinem kleinen Chinesen und -- von mir selbst handelt, wirst

du wissen wollen, wo ich zu Hause bin, wie ich heiße, vielleicht sogar wie

ich aussehe. Ich komme daher deinen Fragen zuvor und gebe die gewünschten

Aufklärungen. Meine Heimat liegt irgendwo zwischen der malerischen Küste

der ewig blauen Adria und dem Pommerland. Dort nenne ich ein Stück

Land von der Größe eines Schnupftuchs, einen Hund, der nach Aussage

böswilliger Zungen eine Kreuzung aller kleineren Hunderassen sein soll

und dessen Rute dieselben heimtückischen Verleumder der überraschenden

Aehnlichkeit halber mit dem geringelten Schweiferl eines Schweines

vergleichen, eine blauäugige Angorakatze, eine Schildkröte, drei

Kanarienvögel, die ich sämtlich als Männchen kaufte und die sich

unbegreiflicherweise bei mir in Weibchen verwandelten, einen Igel, eine

alte Henne und eine Anzahl Küchenschabeneinwanderer mein eigen. Mein Name

-- lieber Leser erschrecke nicht! -- ist Katherina Schulze. Mama nennt mich

Ina, weil dies ein wenig aristokratisch klingt, meine Schwester Jenny ruft

mich Käthe, doch in vertraulichen Momenten immer nur Kater, wogegen ich

mich schon oft energisch aufgehalten habe. Umsonst! Jenny behauptet,

daß wir zusammenpassen wie der Schuh zum Stiefelknecht. Meine Verwandten

bezeichnen mich als den »verlorenen Sohn«, obschon ich taufscheinlich

nachgewiesen eine Tochter bin, und dies einzig und allein, weil ich die

oben angeführten Reichtümer schnöde verlassen habe, um in der Fremde an

Alter und Weisheit zuzunehmen.

Man sagt: »Jung war der Teufel sauber« und jung war ich natürlich auch

einmal, und das ist wohl der einzige Anspruch, den ich auf Schönheit

machen konnte. Leser, nun weißt du alles! Wie ich bin und wie es mir

erging, wirst du erfahren, wenn du dich bemühen willst, mich auf meiner

Reise durch das Reich der Vergangenheit zu begleiten.

* * * * *

Dem Kühnen gehört die Welt, das habe ich mir immer vorgehalten. Wer

nicht über die engen Grenzen des ihm ursprünglich eingeräumten Horizonts

hinauszudringen versucht, wer nie in die Tiefen des Lebens hinabsteigt, und

wer nie die Erde verläßt, um im Geiste höhere und reinere Regionen zu

durchschweben, der hat zwar auch gelebt, aber doch nur wie eine Seidenraupe

in ihrem Kokon. Leben ist die Erforschung des noch Unbekannten. Das kleine

Kind, das zum erstenmal auf allen Vieren um den Tisch kriecht, erforscht

die Welt ebenso sorgfältig und bereichert sein Wissen verhältnismäßig

ebensosehr, wie der große Gelehrte, der seine Forschungsreise um den

größeren Tisch, die Erde, macht. Das Erforschen bringt aber auch oft

Gefahren mit sich -- so ein auf allen Vieren gemütlich hinkriechender

Forscher kann auf eine im Teppich verborgene Schere stoßen, kann seine

Händchen und Beinchen in allerlei unliebsame Berührung mit Ecken und

Kanten bringen, kann seine Weichteile mit Näh- und Stecknadeln spicken,

sich die Stirn gegen manch ein unvorhergesehenes Hindernis schlagen, kann

plötzlich durch einen herabfallenden Gegenstand unsanft getroffen, kann

sonst noch von unzähligen Abenteuern und Leiden heimgesucht werden,

und dem Forscher, der gelernt hat sich seiner zwei Beine statt der

ursprünglichen vier Körpervorsprünge oder Auswüchse zu bedienen, ergeht

es oft auch nicht um ein Haar besser, mit dem einzigen Unterschied, daß

bei ihm nicht nur der Körper, sondern auch noch Geist und Charakter in

Mitleidenschaft gezogen werden. Das muß nun freilich in den Kauf genommen

werden, denn wie gesagt: Wer nichts wagt, gewinnt nichts.

Ich selber bin das menschgewordene Fragezeichen, wenn es sich um neue Dinge

handelt, vorausgesetzt, daß diese nicht die Mode betreffen, denn gegen

Erörterungen dieser Art habe ich eine unüberwindliche Abneigung. Diesem

Triebe meines Wesens, immer neue Sachen kennenlernen zu wollen, verdanke

ich die schönsten und auch die bittersten Stunden meines Lebens,

denn wurde ich für meine Bemühungen oft reich belohnt, so blieb mir

andrerseits Leid häufig nicht erspart.

In den drei Jahren, während denen ich ähnlich unserem Freund Ahasverus

von Ort zu Ort gezogen bin, habe ich vieles Schöne in mich aufgenommen,

viele Nationen und Rassen kennengelernt und die Verschiedenheiten ihrer

Charaktere und Anschauungen mit großem Interesse studiert. Durch das

Geschick begünstigt, dem ich durch meine Beharrlichkeit nachhalf, lernte

ich Japaner und Indier kennen, von denen ich viele aufrichtig bewunderte,

obschon sie oft sehr -- aber sehr -- verschieden von uns waren.

Da ich auch Neger mit Lippen wie die einladendsten Frankfurter Würstel

kannte, dachte ich mir mit Recht, daß ich alles aufbieten müsse, um auch

noch Chinesen in den Kreis meiner Bekannten einzureihen, auf daß diese mit

ihrer uralten Kultur mir neue Horizonte eröffnen würden.

Für mich ist ein gefaßter Entschluß auch schon Tat. Nicht zehn

Minuten später warf ich einen Brief an den Sekretär eines chinesischen

Studentenvereins in den roten Schlund eines einladenden Londoner

Briefkastens.

Ich hatte den Sekretär ersucht, die Mitglieder des Vereins zu fragen, ob

jemand geneigt wäre, eine moderne Sprache in Austausch für Unterricht

im Chinesischen zu lernen. Glücklicherweise hatte ich eine gute Auswahl

Sprachen auf dem Lager.

Als ich am folgenden Tage, einem Sonnabend, um zwei Uhr vom Amt heimkehrte,

lag ein Brief für mich auf dem Hutständer in der Halle. Ich riß

ungestüm den Umschlag auf und hatte die Genugtuung, zu lesen, daß

ein gewisser, hochbegabter Chinese namens Hoang-Zo sich zum Tausch

bereiterklärte, da er italienisch lernen wollte. »Du bist doch ein ganzer

Kerl, Katherina Schulze!« sagte ich mir. »Jetzt hast du sogar einen

Chinesen -- leider wahrscheinlich nur einen unbezopften, was natürlich den

Wert verringert, aber immerhin einen waschechten Chinesen erangelt.« Die

Adresse des unvergleichlichen Studiosus lag bei.

Allerdings war ein Wermutstropfen in dem Nektar -- der Sekretär redete

mich mit »Herr« an, und ich fürchtete nun, daß der angehende Gelehrte

mir den Laufpaß geben würde, sobald er sich über mein Geschlecht im

klaren war. Hoffend, daß der Einfluß des Westens die angeborene und

anerzogene Verachtung der Weiber einigermaßen gemildert hatte, teilte ich

ihm nebst meinen Freistunden auch die bedauerliche Tatsache mit, daß mich

die Sünden in meiner vorigen Inkarnation dazu verdammt hatten, in der

gegenwärtigen als Mädel herumzulaufen, und bat ihn gleichzeitig, von

dieser traurigen Verwandlung keine weitere Notiz nehmen, sondern mich ganz

als Mann betrachten zu wollen.

Die Antwort ließ nicht auf sich warten -- er vergab mir großmütig mein

Geschlecht und versprach, mich um drei Uhr nachmittags zum Tee abzuholen.

In England ist es Brauch und Sitte, daß ein Herr eine Dame zum Tee

einlädt, den er mit ihr in irgendeinem der zahlreichen, oft sehr hübschen

Teehäuser, wo möglicherweise sogar die Musik spielt, einnimmt. Aber ich

hatte damals noch einige verzopfte Ideen aus der Heimat mit, denen zufolge

man nie etwas von einem Mann annehmen darf, wenn er nicht weißes Haar oder

eine Frau mit mindestens sechs Kindern, womöglich gar beides hat, und ich

wußte mit Bestimmtheit, daß Mr. Hoang-Zo kein weißes Haar hatte. -- Die

Frau mit den sechs Kindern konnte er nun freilich haben, da man in China

oft schon mit 15 Jahren heiratet, aber andrerseits konnte ich nicht gut

unsre Bekanntschaft mit der heiklen Frage eröffnen:

»Bitte, wie viele Kinder haben Sie schon?«

Zur festgesetzten Stunde klingelte es. Ich öffnete selbst und nicht ohne

gehöriges Zähneklappern die Tür, da meine Hausfrau, eine mit Speck und

Kindern reich gesegnete Italienerin, immer eine Viertelstunde brauchte,

bevor sie aus den unteren Küchenregionen angepustet kam. Vor mir stand ein

bartloser junger Mann, etwa einen halben Kopf größer als ich selbst

(mich hat der liebe Herrgott sehr kurz zugeschnitten), von blaßgelber

Gesichtsfarbe, etwa wie eine im Eintrocknen begriffene Zitrone, die in der

Farbennuance zwischen gelb und braun schwankt, mit merkwürdig zwinkernden

Augen -- eine Folge sehr großer Kurzsichtigkeit --, die mich durch

festsitzende Augengläser musternd betrachteten, und über die sich kaum

sichtbar schwach gezeichnete Augenbrauen wölbten. Nase hatte er keine,

besser gesagt keine vollständige Nase nach europäischen Begriffen, da

die beiden geschlitzten Augen nicht durch ein kleines Vorgebirge getrennt,

sondern durch eine Tiefebene verbunden waren. Ihm einen Zwicker anzutragen,

wäre die bitterste Ironie gewesen. Sein Lächeln dagegen, das zwei Reihen

kleiner, schneeweißer Zähne sehen ließ, war äußerst gewinnend, wenn es

auch, wie ich später lernte, nur selten aufrichtig gemeint war.

»Mister Hoang-Zo?« sagte ich, indem ich die Tür hinter mir ins Schloß

fallen ließ.

Er verbeugte sich leicht und nannte meinen Namen. Seite an Seite schritten

wir dahin, und ich kam zu der Ueberzeugung, daß Chinesen nicht so

sehr verschieden von anderen Sterblichen waren, besonders wenn sie in

europäischer Kleidung waren und keinen Zopf trugen.

In Russell Square fanden wir eine Teestube und saßen bald gemütlich, von

Kuchen umgeben, in einer Ecke, während vor uns der Tee aus der braunen

Kanne dampfte. Eigentlich war es meine Aufgabe als Dame, den Tee

einzuschenken, aber ich war froh, daß er mir diese Arbeit abnahm, und fand

es auch ganz in der Ordnung, daß er sich an die chinesische Sitte hielt

und sich immer zuerst bediente.

Alle Scheu war unglaublich rasch von mir gewichen. Ich hatte das Empfinden,

als wären wir alte Bekannte, und als ich dessen erwähnte, entgegnete er

lächelnd, daß wir uns wahrscheinlich in der vorigen Inkarnation schon

gekannt hätten, was mich innerlich wundern machte, ob ich vielleicht einst

ein Chinese gewesen.

Wir sprachen über die Philosophie des Weisen Konfuzius, über die

Lehren des Taoismus, über den großen Denker Chuang-Tse, über die

Verschiedenheit in den philosophischen Anschauungen des Ostens und des

Westens, über das Für und Wider der Unsterblichkeit der Seele und

ähnliche Fragen, die mich außerordentlich interessierten und über die er

glänzend sprechen konnte. Sein Englisch war beinahe akzentfrei und seine

Konversation verriet umfassendes Wissen nebst scharfer Urteilskraft.

Endlich wurde beschlossen, daß ich jeden Sonntag nachmittag zu ihm kommen

würde, wo er von mir italienisch, ich von ihm chinesisch lernen wollte.

Darauf reichten wir uns wie uralte Freunde die Hände, ich dankte noch

einmal für den Tee und den in Aussicht gestellten Unterricht, und so

schieden wir.

»Wenn du nehmen willst,

mußt erst du geben.«

Lao Tse.

II.

Ausgerüstet mit einem gelben Heft -- die passendste Farbe für Notizen auf

Chinesisch -- stand ich am folgenden Sonntag pünktlich wie der Tod beim

dritten Glockenschlag außerhalb der kleinen Cottage in Highbury, wo

Mr. Hoang-Zo zurzeit wohnte. Auf meinen Druck auf die elektrische Klingel

kam niemand, als ich aber den Türklopfer mehreremal unsanft auf die

Bronzeplatte fallen ließ, erschien eine weißbeschürzte Fee, die mich

eine teppichbelegte, sehr schmale Treppe hinaufgeleitete und mich in ein

Zimmer schob, an dessen Tür sie zweimal vergeblich gepocht hatte.

»Mister Hoang-Zo wird gleich kommen,« versicherte sie mir, und damit

verschwand sie, wahrscheinlich, um ihn zu suchen. Ich benützte die

Gelegenheit und ließ meine Blicke durch den kleinen und oberflächlich

möblierten Raum schweifen, der jedenfalls einen Salon vorstellen wollte

-- beim Wollen blieb es indessen. Was aber auf mich einen so überaus

anheimelnden Eindruck machte, das war keineswegs die Aussicht auf einen

kleinen Garten mit einigen Obstbäumen ohne Obst, sondern die geradezu

beispiellose, künstlerische Unordnung, die mir sofort kundtat, daß

Mr. Hoang-Zo eine mir verwandte Seele war, denn was Unordnung anbelangt,

so kann ich darin Erstaunliches leisten. Bücher lagen auf und unter dem

Tische, auf dem Kaminsims, auf dem Fensterbrett, auf den Gestellen, auf den

halbgeöffneten Koffern und Kisten, hinter den Stühlen und auf denselben.

Bücher und Papiere sahen neugierig aus den halbgeschlossenen Laden,

grüßten freundlich hinter der verstaubten Kohlentrommel hervor und fielen

bei der geringsten Erschütterung des Terrains dem Eintretenden einladend

zu Füßen. Tonangebend waren vor allem und überall Bücher, aber hie und

da wurde die übergroße Weisheit wohltuend durch ein Paar Hosen oder ein

Paar Schuhe abgeschwächt.

Als sich meine Augen genugsam an diesem seltenen Bilde geweidet hatten, kam

Hoang-Zo, dem es augenscheinlich nicht behagte, daß meine Augen soeben mit

Interesse ein Taschentuch betrachteten, das aus unbekannten Gründen zum

Tintenwischer erniedrigt worden war.

»Ich weiß nicht, wie lange ich hierbleiben werde,« sagte er schnell,

»und daher habe ich auch nicht auspacken wollen.«

Ich konnte ihm nachfühlen -- ich selbst packte auch nie aus, sondern

fischte im Koffer so lange herum, bis das Unterste nach oben kam und ich

das augenblicklich Gewünschte erschnappt hatte.

Sowohl als Lehrer als auch als Schüler war er musterhaft. Er faßte sehr

schnell auf, erriet die Bedeutung unbekannter Worte aus dem Zusammenhang,

las mit Aufmerksamkeit und lehrte mich mit Geduld und viel Geschick.

Zwischen den beiden Stunden brachte die Dienerin jedesmal den Tee, und

Hoang-Zo forderte mich auf, daran teilzunehmen. -- Er schien die Lage der

chinesischen Frauen für gar nicht so schrecklich zu finden als sie uns

hier dünkt. Heutzutage gab es viele Schulen für Mädchen, die Füße

wurden ihnen nicht länger verkrüppelt, sie lernten oft sogar fremde

Sprachen und wurden, seiner Ansicht nach, von den Gatten gut behandelt.

»Wirklich?« fragte ich etwas ungläubig.

»Gewiß,« entgegnete er. »Auch der chinesische Gatte liebt seine Frau,

aber allerdings ist uns Ritterlichkeit gegen die Anhängerinnen des zarten

Geschlechts unbekannt,« fügte er hinzu.

Als dieses Gespräch stattfand, mochte ich etwa drei oder vier Wochen

seine Schülerin gewesen sein. Ich dachte einige Augenblicke über seine

Bemerkung nach und sagte dann aus der Tiefe meiner Ueberzeugung heraus:

»Ja, es muß schrecklich für eine Europäerin sein, sich in diese

Verhältnisse einzuleben,« und mit einem entschuldigenden Lächeln für

unsere Schwäche fügte ich hinzu: »Wir sind so gewöhnt, daß ein Mann

uns mit dem Anlegen eines Mantels hilft, uns die Tür öffnet und so

weiter, obschon wir es ja ebensogut selbst tun könnten.«

»Das ist selbstredend Ansichtssache,« meinte er.

Als es Zeit zum Aufbruch wurde, war ich überrascht, zu bemerken, daß er

mir in den Regenmantel half und mir die Tür angelweit aufriß. Erst als

ich wieder auf der Gasse stand, erinnerte ich mich meiner unbedachten Worte

und ärgerte mich, daß ich, ohne zu wollen, etwas gesagt hatte, was er

möglicherweise als eine Zurechtsetzung empfunden. Ich nahm mir vor, in

Zukunft besser aufzupassen.

Da ich den Vorzug hatte, sehr viele nette Asiaten -- zumeist Indier und

Japaner -- zu kennen, fragte ich ihn eines Tages in der Teepause, wo sich

unsere Konversation um alles erdenkliche drehte, ob er eine Ehe zwischen

Asiaten und Europäern für angezeigt hielt.

»Zwischen den südlicheren Nationen Europas und Chinesen dürfte es ratsam

sein, da sowohl der Charakter als auch das Aeußere -- die dunklen

Augen, das dunkle Haar und der dunklere Teint -- mehr zusammenpassen.

Mit Germanen, Skandinaviern oder Engländern wäre dies indessen weniger

angezeigt, da Kinder solcher Ehen oft ein unangenehmes Aussehen haben --

sehr oft grellrotes Haar und wasserblaue Augen zu einem dunklen Gesicht,«

entgegnete er mit seinem unergründlichen Lächeln, von dem ich nie wußte,

ob es Spott, Wohlwollen oder herablassende Nachsicht ausdrücken sollte.

»Und sind solche Ehen glücklich?« fragte ich und sperrte meine Augen

erwartungsvoll auf.

Wieder spielte das geheimnisvolle Lächeln um seinen bartlosen Mund.

»Das kann ich leider nicht sagen -- ich war noch mit keiner Europäerin

verheiratet und glaube überhaupt, daß es schwer ist, glücklich zu werden

-- für manche Charaktere wenigstens,« fügte er nachdenklich hinzu.

»Der Mensch betrachtet wohl alle Mädchen als eine unnütze Last der

Erde,« dachte ich mir, als ich mich wieder über das gelbe Heft neigte und

langsam buchstabierte:

»=Ni s' Tsungo jen=,« was »Sie sind ein Chinese« bedeuten soll.

Wenn ich damals gewußt, wenn ich nur entfernt geahnt hätte -- aber die

Binde der Unwissenheit verhüllte meinen Geist, und noch jetzt glaube ich,

daß es ein Segen war.

›Verlassen, verlassen, verlassen bin i!‹

(Oesterreichisches Volkslied.)

III.

Hoang-Zo war nach Paris gereist, wo er einige Wochen studieren wollte,

und wo er sich um die Braut eines nach China zurückgekehrten Freundes

zu kümmern hatte. Er schrieb mir einige sehr humoristische Karten, aus

welchen keineswegs allzu großes Entzücken hervorklang, stellte seine

Ankunft in London um Mitte November fest und empfahl mir mehrere gute Werke

über die Philosophie des Ostens.

Auch für mich hatten die Winterfreuden meines Exils begonnen. Ein ganz

besonders nebelreicher Herbst war angebrochen, und in den Zimmern war es so

ungemütlich wie nur möglich.

Ich war in den verschiedensten Boarding-Houses gewesen, aber nachdem ich

allerlei schlechte Erfahrungen bezüglich Gesellschaft und Kost gemacht,

entschloß ich mich, nur ein Zimmer zu mieten und mich selbst zu

beköstigen. Im Anfang verlegte ich mich, da ich im glücklichen Besitze

eines Spiritusherdes war, auf so hochgehende kulinarische Leckerbissen wie

Makkaroni, aber da diese die leidige Angewohnheit hatten, gerade wenn ich

mit etwas anderem beschäftigt war, über den Rand der Pfanne zu gucken und

Ausflüge auf den Boden zu machen, und weil sie andrerseits sich oft darauf

steiften, daß ein Teil von ihnen hart blieb, der andere aber höchst

zuvorkommend schon zerfiel, bevor er den Teller erreichte, gab ich es auf.

Ich versuchte es mit Eiern, und auch da war alles »gut Glück« und nicht

Wissen. Am sichersten waren hartgesottene Eier, denn wenn sie einmal hart

waren, konnten sie natürlich nicht weicher werden, aber die weichgekochten

und von mir vorgezogenen Eier, die waren eine Quelle der Enttäuschung für

mich. In die große Pfanne, ich hatte nur eine, da ich als »ewiger Jude«

nicht eine Kücheneinrichtung mit mir schleppen wollte, gingen sie sehr

gut, aber heraus wollten sie nicht. Ich fischte und fischte mit dem

Teelöffel nach dem Ei, meist so lange, bis das Ei hartgesotten war, einmal

mit dem Erfolg, daß ich es wirklich herausbrachte und sogar mit Schwung an

mir vorbei und auf den Boden, wo es sich als Eierspeise servierte, und

beim letzten Male meiner Eierkochversuche sprang das Ei davon, das siedende

Wasser über meine Hände und Kleider und die treulose Pfanne auf meine

Füße, während der Spiritus in voller Flamme diese Gelegenheit benützte,

sich an meinem Rockzipfel schadlos zu halten. Ich schrie wie am Spieß und

habe seit jener Zeit nur mehr Tee gekocht. Dabei wagt man wenigstens nicht

sein Leben.

Um auf die Wärmevorrichtung meines Gemachs (Loch scheint mir indessen

zutreffender) zurückzukommen. Ich hatte einen offenen Kamin in meinem

Zimmer, wie sie in England gang und gäbe sind, an welchem man sich auf

der einen Seite rösten kann und auf der anderen erfriert, ausgenommen

man dreht sich wie ein Kreisel die ganze Zeit um die eigene Achse. Als ich

jedoch die ersten Heizversuche unternahm, bemerkte ich zu meiner Freude,

daß eine dichte Rauchwolke die Luft verpestete, und als meine Rufe die

dicke Hausfrau alle Stockwerke heraufgebracht hatte, erklärte sie mir mit

dem Gleichmut, der diese Klasse weiblicher Wesen auszeichnet, daß sich

der Kamin nur heizen ließe, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung

bliese. Die für ihn passende Richtung habe ich nie herausgefunden --

wahrscheinlich ist sie in der Windrose nicht zu entdecken. Sie tröstete

mich damit, daß der Rauchfang des Hauses an meiner Wand vorübergehe und

ich es daher immer hübsch warm haben werde. Hübsch hatte ich es dort nie,

und warm noch weniger, aber im weitesten Sinne hatte sie recht. Dank dem

Schornsteine und dem milden englischen Klima überstand ich den Winter

lebendig, aber man darf sich nicht wundern, wenn ich unter solchen

Umständen alles aufbot, so wenig wie möglich daheim zu sein. Scherzend

sagte ich oft zu meinen Kollegen:

»Wenn ich nicht eine so große Abneigung gegen das Heiraten hätte, würde

ich mir wirklich einen Mann nehmen, um eine Häuslichkeit zu haben.«

»Und wer würde kochen?« fragten sie mich.

Ich dachte an meine mißglückten Kochversuche und meine Abneigung gegen

derlei Beschäftigungen.

»Er natürlich.«

»Und Strümpfe stopfen und so weiter?«

»Auch er,« entgegnete ich lachend.

»Und Geld verdienen, wer soll das?«

»Ich!« Dazu allein war ich gern bereit. Ich verdiente sehr viel mit

meinen Sprachkenntnissen -- ihnen verdankte ich auch meine Anstellung beim

Amt --, aber für andere Sachen war ich so untauglich wie möglich.

In meinen Interessen, meinen Fähigkeiten, meinen Tugenden und meinen

Untugenden war ich Mann -- meine Kleidung und mein Körperbau verdammten

mich zur Mädchenexistenz mit allen ihren Schattenseiten. Das war auch der

Hauptgrund meines freiwilligen Exils. Mama und Jenny konnten mich nicht

verstehen, und erstere sagte immer:

»Du bist so ganz anders wie alle anderen Mädchen!«

Jenny konnte sich vor dem Spiegel drehen, konnte an einer Schleife fünf

Minuten lang zupfen, um sie in die vorteilhafteste Lage zu bringen, konnte

das schönste Buch aus der Hand werfen, sobald das neue Modeblatt gebracht

wurde, und fand nichts ergötzlicher, als im Stadtpark zu den Klängen der

heimischen Kapelle im besten Kleide auf und ab zu gehen und allen Leuten

zuzunicken, -- dem ein wenig tiefer und diesem etwas oberflächlicher,

dieser Dame mit einem Lächeln und jenem Herrn mit Grabesmiene, ganz wie

Mama es vorgeschrieben hatte. Mir kam nichts geisttötender vor.

Oder wir gingen ins Theater. Um drei Uhr nachmittags verschwanden Mama und

Jenny vollständig von der Erdoberfläche, und um sieben Uhr kamen sie,

zwei schöne, sehr geschmackvoll frisierte und tadellos gekleidete Damen,

jede mit einem Triumphlächeln auf den Lippen, zu mir ins Zimmer, aber ein

Blick auf mich ließ sie beinahe bewußtlos werden, und ich bin überzeugt,

daß nur der Gedanke an die große Arbeit bei ihrer vierstündigen

Vorbereitung sie davor rettete.

»Käthe!!! Du bist ja noch nicht angezogen!« rief Mama, als ob die Welt

aus den Angeln gegangen wäre.

»Ich gehe, wie ich bin,« erwiderte ich ruhig.

»Ein junges Mädchen in dunkler Seidenbluse -- unmöglich!« warf Mama

ein.

»Warum nicht?« fuhr ich gelassen fort. »Mir steht dunkelblau besser als

alle die allzu lichten Farben, und ich fühle mich wohler darin.«

»Käthe,« mischte Jenny, damals kaum fünfzehn Jahre alt, in das

Gespräch, »ich will nicht mit dir gehen, wenn du nicht anders gekleidet

bist.«

Oft blieb ich nach solchen Auftritten zu Hause, da mir alle Lust an der

Aufführung vergangen war. Manchmal kleidete ich mich verdrießlich in

irgendeine dreifarbige, meiner Ansicht nach geschmacklose Bluse, zuzeiten

ging ich wie ich war und ließ die beiden schimpfen, aber da ich mir wohl

bewußt war, wie wenig ich in den heimischen Rahmen paßte, und da ich mich

daheim ebenso einsam fühlte, wie später in der kalten, weiten Welt, so

habe ich nie bedauert, den Flug in die Welt begonnen zu haben.

Ich habe einzig verstehen gelernt, daß Männer, die ihr Leben lang als

Junggesellen herumgewandert sind, eine Häuslichkeit als Krone des

Glücks betrachten, und nicht umsonst, wahrlich nicht umsonst! Aber um ein

vollkommenes Bild, eine seelisch schön abgetonte Wiedergabe eines Menschen

zu geben, bedarf es nicht nur eines Rahmens, meinetwegen eines reichen

Rahmens -- nein, es ist nötig, daß der Rahmen paßt, daß er das

Bild hervortreten läßt und es nicht zur Fratze herabstimmt.

Durchschnittsmenschen schaffen sich leicht einen passenden Rahmen oder

passen auch schnell in irgendeinen Rahmen hinein, die anderen, doch -- ich

will nicht philosophieren.

Der Monat November sowie der zurückgekehrte Chinese Hoang-Zo fanden mich

tief in allen Winterwiderwärtigkeiten steckend, die durch die Tatsache,

daß der junge Gelehrte jetzt keine Zeit hatte, die Stunden fortzusetzen,

wahrlich nicht vermindert wurden. Eines Abends, als wir uns im Nebelmeer

begegneten, fragte er mich, ob ich nicht so freundlich sein wollte, einen

jungen Chinesen -- kaum ein- oder zweiundzwanzig Jahre alt -- als Schüler

für Deutsch und Französisch zu übernehmen. Ich willigte sofort ein --

war nicht alles besser als das fürchterliche Daheimsitzen in einem kalten,

ungemütlichen Zimmer?

»Er ist aber sündhaft dumm!« sagte Hoang-Zo, »und ich muß Sie bitten,

eine Bezahlung für die Stunden anzunehmen, denn an einen Austausch ist bei

dem Menschen nicht zu denken. Eigentlich schäme ich mich,« fuhr er fort,

»Ihnen so ein trauriges Exemplar meiner Landsleute zu überlassen, aber

Sie scheinen mir besonders geeignet, ihm etwas beizubringen -- wenn sich

ihm etwas beibringen läßt,« setzte er bekümmert hinzu.

»Wir können es ja versuchen,« erwiderte ich lächelnd. Wir bestimmten

daher die Preise, und nur wenige Tage später erhielt ich einen mit Fehlern

gespickten Brief meines neuen Schülers, der mir seinen Besuch für den

darauffolgenden Sonntag in Aussicht stellte.

Der Sonntag kam und ging, ohne Mr. Ming Tse zu bringen, wohl aber fand

ich Montag früh eine Karte vor, auf der er sich entschuldigte und mir

versicherte, die Gasse nicht gefunden zu haben.

»Findet das Hascherl nicht einmal eine Gasse wie Guildford Street!«

Ich seufzte unwillkürlich auf. Und so einem Menschen sollte ich mit

dem Nürnberger Trichter die Weisheit einpumpen -- gewiß ein recht

zweifelhaftes Vergnügen.

Der zweite Brief oder besser die zweite Karte war von Hoang-Zo. Er bat

mich, seinem Schützling Montag abend die erste Stunde zu geben und fügte

hinzu, daß Ming Tse kaum fünf Minuten von der Endstation der Hampstead

Elektrischen wohne. Name der Gasse und Hausnummer ersah ich aus Mr. Ming

Tses Karte.

»=Our deeds our angels are, or good or ill,

Our fatal shadows that walk by us still.=«

=Beaumont & Fletcher.=

IV.

Es war ein feuchtkalter Wintertag. Seit einer Woche hatte Sankt Peter

die Schleusen des Himmels geöffnet, und heute hatten wir nebst feinem,

durchdringendem Regen auch noch einen jener berüchtigten Londoner Nebel,

der schon lange, bevor es Nacht wurde, alle die triefenden Häuser und

die schmutzbedeckten Gassen den Blicken der Menschheit entzog. Selbst

die Elektrische, in der ich saß, schien mir trotz der vielen

Beleuchtungskörper düster, da der Nebel sich in großen Wellen durch den

langen Wagen dahinrollte, voll unerlaubter Neugierde bei Mund, Nase und

Ohren in das Innere der Reisenden hinabkletterte, sich zärtlich an den

weißen Halskragen und die tadellosen Manschetten der Zylinder tragenden

Herren schmiegte und das ursprüngliche Weiß meiner Bluse in ein

bescheidenes Grau verwandelte.

»Hampstead!« rief der Schaffner vom anderen Ende. Mit einem Ruck riß

ich meine Habseligkeiten -- zwei Bücher und die Handtasche -- an mich und

stürzte mich kühn in die auf und nieder wogenden Nebelfluten, die mich

schon nach wenigen Augenblicken vollständig verschlangen.

Die Gasse -- das Endziel meiner Wanderung -- war die zweite zu meiner

Rechten und führte steil abwärts. Der gedämpfte Schein einer

Straßenlaterne ließ mich wohl die Vorgärten der Villen unterscheiden,

doch wäre es eine Unmöglichkeit gewesen, die Hausnummer abzulesen. Ich

öffnete daher eine der kleinen Gartenpforten und ging dicht an das Haus

heran, um die Nummer auf der erleuchteten Scheibe der Haustür entziffern

zu können.

»Nummer 22,« sagte ich halblaut, ging zurück und schloß die Pforte

wieder, dann tastete ich mich vorsichtig an den Vorgärten entlang und

zählte die Nummern, bis ich Haus 18 erreichte.

Während ich unter der Loggia stand und wartete, daß mein Klingelzeichen

irgend jemand zur Tür brachte und ich das Muster auf der Glasscheibe --

Pfirsichblüten und Früchte -- studierte, war mir doch etwas ängstlich

zumute. Den ersten Chinesen hatte ich um drei Uhr nachmittags an einem

klaren Sommertage kennengelernt, jetzt war es Abend, Winter und -- ich

schüttelte das unangenehme Gefühl ärgerlich ab. Der neue Schüler sollte

ja noch ein wahres Kind sein, und ein Kirchenlicht war er entschieden

nicht, wenn also jemand zittern sollte, so war es gewiß er und nicht ich.

Die Tür wurde von einem Stubenmädchen geöffnet, und ich drückte die

Bücher unwillkürlich fester an mich, als ich fragte:

»Mister Ming Tse zu sprechen?«

»Mister Ming Tse speist soeben, wird aber sofort kommen,« sagte das

Mädchen und stieg vor mir die Treppe empor. Im ersten Stock machte sie

halt, und indem sie eine Tür öffnete und mich eintreten ließ, trat sie

zurück und verschwand.

Ich stand in einem kleinen, geschmackvoll möblierten Salon, in dem alles

von peinlichster Sauberkeit sprach -- jedenfalls waren nicht alle Chinesen

Feinde der Ordnung wie Hoang-Zo. Aus dem Kaminsims waren eine Anzahl

ausgezeichneter, schön gebundener Bücher in strammster Ordnung

aufgestellt, ganz wie eine Abteilung Soldaten, von denen keiner einen

Millimeter von der Linie abweichen darf. Im Kamin selbst brannte ein Feuer,

zum Schrecken einer geizigen Hausfrau und zum Entzücken einer erfrorenen

Seele, wie ich selbst; ich fühlte auch gleich, daß mein Wohlbefinden

zunahm. Auf den kleinen Nipptischchen standen Vasen mit frischen Blumen

zierlich geordnet, auf den Stühlen lagen reich gestickte Polster, nette

Zierdeckchen waren, wo tunlich, vorteilhaft angebracht. Die Wände wiesen

viele Photographien, meist von Chinesen in europäischer Kleidung, auf,

aber ein Bild an der Wand zeigte vier Personen in chinesischen Trachten und

schien Frauen vorzustellen. War mein neuer Schüler am Ende der glückliche

Besitzer eines Harems oder doch einer Frau?

Ein leichtes Geräusch hinter mir machte mich umsehen. Vor mir stand eine

menschliche Miniaturausgabe, ein zartgebauter kleiner Chinese, der gewiß

nicht um ein Haar größer war als ich -- innerlich schmeichelte ich

mir sogar, daß ich vielleicht um einige Haarbreiten mehr maß --, in

tadellosem europäischem Anzuge und verbeugte sich vor mir mit einer

Grazie, die ich vorher noch bei keinem Asiaten und nur bei wenigen

Europäern gesehen hatte. Für diese Art Aeußerlichkeiten bin ich ungemein

empfänglich.

»Herr Ming Tse?«

»Fräulein Schulze?«

Wir reichten uns gegenseitig die Hände, lächelten beide, und die

Verbeugung wiederholte sich.

»Ich freue mich, Sie als Schüler begrüßen zu können,« sagte ich

in Ermangelung von etwas Besserem, »und hoffe, daß Sie stets fleißig

studieren werden.«

Ming Tse legte ein überaus feierliches Versprechen ab, immer

fleißig arbeiten zu wollen, schob den allerschönsten Polster auf den

allerbequemsten Stuhl des Zimmers, rückte ihn an den Tisch und lud mich

ein, Platz zu nehmen. Diese Aufmerksamkeit entging mir nicht.

Auf dem Tische lagen Bleistifte, Federn, Federstiele, Lineale, Papiere und

Bücher auch wie die Soldaten geordnet da. Er nahm nicht wie alle

meine sonstigen Schüler an meiner Seite Platz, sondern setzte sich mir

gegenüber an das entgegengesetzte Ende des Tisches, und da merkte ich

auch, daß sowohl Bücher, Bleistifte, Federn und selbst die Tintenfässer

doppelt vorhanden waren, so daß kein Austausch dieser Artikel zwischen

Lehrer und Schüler stattfand.

Während ich seinen Sprachkenntnissen auf den Zahn fühlte, wobei ich

sogleich bemerkte, daß viele Plomben nötig waren, hatte ich Gelegenheit,

ihn näher zu betrachten. Seine Gesichtsfarbe war dunkler als die

Hoang-Zos, man hätte ihn eher braun als gelb nennen können, die scharf

geschlitzten Augen waren halbgeschlossen und nicht wie bei dem Philosophen

zusammengekniffen, aber Gläser trug auch er, die Augenbrauen waren

schwach gezeichnet und hörten schon früh auf. Wimpern fehlten ganz. Das

vollkommene Oval des Antlitzes wurde durch die starken Backenknochen

ein wenig beeinträchtigt, und die etwas dicke Unterlippe sowie die

unregelmäßig stehenden Zähne verunschönten, doch nur unbedeutend, den

Mund, aber dafür erfreute er sich einer ganzen Nase mit gutgebildetem

Nasenrücken, hübsch geformten Nasenflügeln und einer tadellosen

Nasenwurzel, auf der im Notfalle ein Kneifer hätte sitzen können. Das

einzig wirklich Schöne an dem Kopfe war das rabenschwarze, glänzende,

lange Haar, das denselben in reichster Fülle umgab und wie alles, was ihm

gehörte, den untrüglichen Stempel der Ordnungsliebe trug. Nicht ein Haar

-- und viele reichten von der etwas niederen Stirn bis in das Genick --

erlaubte sich Wanderungen auf eigene Faust zu unternehmen, und selbst eine

ungestüme Kopfbewegung veränderte nichts daran.

Sooft er mir ein Papier oder sonst einen Gegenstand reichen mußte, drehte

er ihn immer zuerst so um, wie er mir am bequemsten sein würde, und fragte

mich auch im Verlauf der Stunde, ob mir Wasser erwünscht wäre, was ich

dankend ablehnte. Ich war über diese bei Orientalen so ungewöhnliche

Höflichkeit -- besser Ritterlichkeit, denn höflich habe ich sie mir

gegenüber meist gefunden -- so erstaunt, daß ich mich nicht enthalten

konnte, zu sagen:

»Was für reizende Umgangsformen Sie haben! Wo haben Sie sich dieselben

angeeignet?«

Er lächelte zufrieden -- sein Lächeln war sehr einnehmend, da sowohl

dieses und noch mehr sein Lachen unwiderstehlich zur Nachahmung reizte --

und entgegnete munter:

»Das Benehmen hat mein Vater mit dem Stock in mich hineingeprügelt.«

Die Aufrichtigkeit der Antwort, der komische Gesichtsausdruck meines

Schülers und die neue Situation unterhielten mich dermaßen, daß ich

herzlich lachte, und Ming Tse lachte laut und herzhaft mit. Ich fühlte,

wir waren uns nähergekommen, und fand plötzlich, daß er ja eigentlich

ganz gute Kenntnisse besaß. Mein Gott, man kann von einem Chinesen --

und noch dazu von einem so kleinen Chinesen -- doch nicht Unmögliches

verlangen.

In einem Punkte war er von Europäern sehr verschieden -- er vermied, wie

die meisten Asiaten, jedwede Berührung. Wenn er mir ein Buch reichte,

wenn er mir etwas näherschob, immer sah er streng darauf, daß sich unsere

Hände nicht berührten. Rief ich ihn einer Korrektur halber an meine

Seite, so blieb er in der Entfernung eines halben Meters stehen und

strengte sich übermenschlich an, von dort aus das von mir Gezeigte zu

lesen. Er machte immer einen großen Bogen, sooft er um den Stuhl, auf dem

ich saß, herumgehen mußte, nichts berührte mich als der Blick seiner

schwarzen Augen, aber er sah mich nie geradezu an. Die Lider fielen

beinahe vollkommen herab, und nur aus den Augenwinkeln heraus sah man

etwas Schwarzes blinzeln. Er öffnete die Augen nur, wenn er böse war --

öffnete sie zu ihrer vollen Größe, und da wünschte man nur eins, daß

er sie möglichst schnell wieder schließen würde. Die Gesichtszüge aber

verrieten nie, was im Innern vorging. Alle Asiaten verstehen es, ihrem

Gesicht den Stempel der Unergründlichkeit aufzudrücken, und die

unerschütterliche Ruhe der Maske verändert sich nicht, nicht einmal in

Affekten, nur um die Augen und um den festgeschlossenen Mund legt sich ein

unheilverkündender Zug -- wohl dem, der ihn nie gesehen! Merkwürdig --

Hoang-Zos gemütliches kurzsichtiges Blinzeln hatte mir nie Furcht oder

Grauen eingeflößt, aber die fast geschlossenen Augen meines neuen

Schülers berührten mich unheimlich, wie sehr ich auch gegen dieses

Empfinden ankämpfte. Sie schienen zu erforschen, unausgesetzt zu prüfen,

und ließen ihrerseits keine Prüfung zu. Eine Ahnung flüsterte mir zu,

daß dieses scheinbare Kind ein Buch mit sieben Siegeln war, die zu brechen

nicht leicht -- einem Europäer vielleicht überhaupt nicht -- gelingen

würde.

Der eigentliche Unterricht war vorüber, die Tage und Stunden waren

bestimmt.

Er schob meinen Stuhl zum Feuer, machte eine gebietende Handbewegung, die

mich innerlich furchtbar zum Lachen reizte, und sagte ganz in dem Tone, als

ob ich der Schüler und er der Lehrer gewesen:

»Jetzt werden wir ein wenig miteinander plaudern.«

Das Feuer war viel zu warm, und meine Sehnsucht, auch einmal die Zunge

bewegen zu dürfen, viel zu groß, als daß ich »nein« gesagt hätte. Ich

setzte mich gehorsamst nieder, ließ meine Füße auf dem Feuerschutzgitter

ruhen und fragte:

»Wie gefällt Ihnen Europa?«

»Gut!« erwiderte er in einem Tonfall, der das Gegenteil verriet.

»Wohl sehr verschieden von China, nicht wahr?« fuhr ich fort.

Er taute langsam auf. »Ich kann die europäische Kleidung nicht leiden,«

erklärte er mit Nachdruck.

Das interessierte mich, da meine vorigen Bekannten dessen nicht erwähnt

hatten. »Warum?« fragte ich daher schnell.

»Oh,« kam es langsam von seinen Lippen, während er sich nachdenklich

zurücklehnte und eine Zigarette rauchte, »weil sie so eintönig ist --

immer dieselben Farben für Herren: grau, blau oder schwarz.«

»Und warum noch?« erkundigte ich mich weiter.

»Weil man immer nur Wolle oder Baumwolle verwendet, nie Seide. In China,«

fügte er rasch hinzu, »habe ich immer nur Seide getragen, da hat man auch

seidene Unterwäsche, nicht Fetzen wie hier,« bemerkte er wegwerfend.

»China ist reich an Seide, wir sind es nicht,« warf ich ein.

»Und diese Kragen!« räsonierte er von neuem. »So hart, so unbequem! Nie

kann man sie fest genug machen, und immer sind sie eine Qual, gerade wie

die Manschetten, die steif und unbehaglich die Hand umschließen und in

diesem schrecklichen Lande gleich schwarz sind.«

Ich stimmte zu. Kragen und Manschetten mußten unerträgliche Dinge sein.

»Und die Hosen,« fuhr er fort.

»Ja, aber ohne Hosen können Sie doch nicht leicht umherwandern, nicht

einmal in China,« sagte ich, und wir lachten beide.

»Gewiß nicht,« gab er zu, »aber wir tragen einen Kaftan oder ein so

zugeschnittenes Kleidungsstück darüber und brauchen daher nicht so enge

und strammsitzende Beinkleider zu tragen, die wehe tun. Auch formen unsere

Hosen mit der Weste ein Stück, so daß sie nie hinunterfallen können.«

Er sah mich so bitterböse an, als ob ich der Erfinder europäischer Hosen

gewesen wäre.

»Aber hier fallen die Hosen gewiß nicht leicht herunter,« beeilte ich

mich zu bemerken.

»O ja,« sagte er, ohne freundlicher auszusehen, »das kann geschehen.

In China schneidet man dem Mann den Kopf ab, wenn ihm das passiert,«

versicherte er mir mit Ueberzeugung.

Wenn mich Mama oder Jenny gehört hätten! Sie, die dieses Kleidungsstück

nur mit heiligen Umschreibungen gebrauchten und holdselig erröteten, falls

jemand unbedachtsam das Gespräch auf ein so unanständiges Bekleidungsding

hinlenkte.

»Was kommt Ihnen noch merkwürdig in Europa vor?« fragte ich unverdrossen

weiter, um ihn von den Hosen, die augenscheinlich keinen Beifall in seinen

Augen fanden, abzubringen.

»Der dumme Aberglaube hier!« Dabei blies er eine dichte Rauchwolke gegen

die Zimmerdecke.

»Was dünkt Ihnen Aberglaube bei uns?«

»Alles!« erwiderte er lakonisch.

»Alles?« wiederholte ich ungläubig.

»Alles! Sagen Sie zum Beispiel nicht, daß jemanden der Teufel holen

soll?«

Freilich hatte ich im Herzen oft manch einen unter das Regiment Beelzebubs

gewünscht, noch öfter gern im Pfefferland gesehen, aber gerade als

Glaubens- oder Aberglaubensausbruch -- --

»Das soll man aber eben weder sagen noch wünschen,« warf ich ein, konnte

aber ein Lächeln nicht unterdrücken.

»Das macht nichts,« wehrte er ab. »Sie glauben aber doch« -- und da er

mein Lächeln sah, verbesserte er sich, »Leute glauben aber dennoch,

daß der Teufel existiert.« Nach einer kurzen Pause fragte er beinahe

leidenschaftlich:

»Haben Sie vielleicht schon einmal den Teufel gesehen?«

»Bis jetzt habe ich noch nicht das Vergnügen gehabt, seine Bekanntschaft

zu machen -- es sei denn in der Gestalt einiger meiner Mitmenschen.«

Er lachte. »Viele glauben daran,« fügte er hinzu.

»Und Gott!« sagte er nach einer Weile. »Auch ihn hat niemand gesehen, er

erhört trotz aller Gebete nicht unsere Bitten, nicht unsere Wünsche, das

hat mir schon manch ein Christ gesagt -- das ganze ist Humbug, Bibel und

alles,« beteuerte er.

Ich wußte, daß die meisten Chinesen nach unseren Begriffen sehr

irreligiös waren. Waren auch sie der abstrakten Idee der Gottheit abhold,

so schätzten sie doch unsere moralischen Gesetze, die in Europa durch

die Religion ebensogut wie in China durch die Lehren des Weisen Konfuzius

gelehrt wurden. Meiner Natur lag es fern, bei jemand Bekehrungsversuche

anzustellen. Jeder hatte das Recht, zu denken, was er wollte oder besser,

das, wozu ihn das Beobachten des Lebens gebracht hatte. Ich hatte nie

Sympathie für die Missionäre gefühlt, die ihre Ueberzeugung anderen

Rassen aufzwangen. Für jeden Menschen ist die eigene Anschauung die

entscheidende und die maßgebende, daher beschränkte ich mich auch zu

sagen, daß der Begriff »Gott« ein abstrakter sei, den sich jeder Mensch

nach seiner Individualität auslegen müsse.

Der kleine Chinese schüttelte mißbilligend sein schwarzes Haupt. Wie

ich aus Erfahrung wußte, waren sowohl seine Landsleute wie auch Japaner

abstrakten Begriffen fast gar nicht zugänglich. Der sonst reichen

japanischen Sprache fehlt es sogar vollständig an Ausdrücken für

die meisten abstrakten Begriffe. Auch Konfuzius verliert sich nicht in

metaphysischen Betrachtungen, -- er gibt praktische Ratschläge über den

Umgang mit dem Nächsten, über die Pflichten der Könige, weist auf

die hauptsächlichsten Gesetze der Moral hin, stellt Höflichkeit und

Elternliebe als erste derselben auf und berührt fast nie und da nur

höchst flüchtig Fragen, die Unsterblichkeit der Seele oder die Gegenwart

eines Gottes betreffend.

Lao Tse stellt »Gott« als Naturkraft hin -- das große, ewig in Bewegung

und in Veränderung begriffene Weltall, aus welchem wir auftauchen und in

das zurück wir wieder verschwinden. Die Bewohner des fernen Ostens sind

keine Träumer, lieben es aber oft, auf philosophischem Gebiete solche

Fragen aufzuwerfen und zu erforschen. Ming Tse dagegen war nicht Träumer

-- bewahre! -- und gar nicht philosophisch veranlagt. Er war Materialist

und daher legte er sich den Begriff »Gott« seiner Veranlagung gemäß

kurz und bündig als »Humbug« aus. Ein europäischer Unsinn, das war

alles.

Es war spät geworden, und ich erhob mich, um meine Jacke anzuziehen. Nach

augenblicklichem Zögern kam mir Ming Tse zu Hilfe, stand aber so weit als

möglich von mir entfernt, und faßte meinen Ueberwurf nur beim äußersten

Ende an, ihn, sobald ich nur halbwegs hineingeschlüpft war, sogleich

loslassend und zurücktretend.

Er öffnete alle Türen für mich, begleitete mich die Treppe hinab, fragte

mich ganz väterlich, ob ich wohl imstande sein würde, meinen Weg zur

Elektrischen zu finden, und machte mich noch besonders auf die drei Stufen

aufmerksam, die von der Villa zum Vorgarten führten. Hierauf reichten wir

uns die Hände, und er wiederholte:

»Donnerstag um halb acht, ganz wie heute!«

»Und viel studiert bis dahin!« rief ich lachend zurück.

Wieder umgaben mich die Nebelwolken, doch schienen sie mir nicht so

schrecklich wie vorher. Ich hatte in einem behaglichen Zimmerchen sitzen

und recht munter plaudern können. Er war ja reizend, dieser kleine

Chinese.

=Lyksalig, lyksalig, hver Sjæl som har Fred,

Dog ingen kender Dagen för Solen gaar ned.=

=Dänischer Neujahrspsalm.=

V.

Weihnachten war gekommen und wieder vergangen, der Plumpudding war

verspeist, die Mistelzweige entfernt, die Pantomimen zu Ende gespielt und

die Knallbonbons verknallt worden. Ich hatte die beiden Feiertage wie immer

bei Freunden in Brighton verbracht, bei denen ich immer warme Aufnahme

gefunden.

Am Neujahrsabend war ich in das Ostende Londons, das sogenannte

Verbrecherviertel gegangen, wo nahe der indischen Docks die dänische

Seemannskirche liegt, und dort wohnte ich der Neujahrsfeier bei.

Um Mitternacht schritt ich durch die gefährlichen Gassen des

Chinesenviertels, wo einem vor Lärm fast die Sinne vergingen. Aus allen

Fenstern wurden Knallerbsen geworfen, kleine Pistolen krachten, Feuerräder

wurden geschwungen, Raketen stiegen in die Luft, dazwischen schrien alle

chinesischen Seeleute aus Leibeskräften, die fünffarbige Flagge wehte

mir überall entgegen und rote Papierstreifen mit allerlei chinesischen

Aufschriften waren gleichfalls sichtbar. Der dem Viertel sonst eigene

Schmutz war heute verschwunden, und man konnte sogar Blumen vereinzelt auf

Fenstern bemerken.

Ruhiger war es im nächsten, dem indischen Viertel, wo die Seeleute der

ostindischen Schiffe ihre Seemannsheime hatten und wo man oft Inder in

ihren weiten Trachten und den vielfarbigen Turbans sehen konnte, manchmal

liefen sie auch nur in ein großes Leinentuch gehüllt über die Straße.

Auf den breiten Stufen vor dem Tore saßen oft eine große Anzahl von

ihnen, und schön waren sie, trotz ihrer elenden Fetzen, das mußte man

zugeben. Männliche Erscheinungen, kräftig und finster, mit nachtschwarzen

Augen und langem Barte. So spät waren sie bei dem kalten Wetter

nicht draußen. Heute schliefen gewiß alle, aber als ich am deutschen

Seemannsheim, einem sehr reinlich aussehenden Hause, vorbeiging, hörte ich

Neujahrslieder singen und einige junge Leute standen auf der Steintreppe

und riefen sich »Prosit Neujahr!« zu.

Hier kletterte ich auf eine Elektrische, die überfüllt war und auf der

ich nur rückwärts hängend mitfahren konnte. Wir passierten Commercial

Road mit allen seinen Judengeschäften, Whitechapel mit dem Russenviertel

(lauter arme Unglückliche, die hier Zuflucht gefunden haben) und kamen

endlich nach Aldgate, wo der große Judenmarkt liegt, der jeden Sonntag

ein Bild riesiger Tätigkeit ist. Da hört man fast ausschließlich

Israelitisch und kann vieles um einen wahren Spottpreis kaufen, nur muß

man schäbig gekleidet und sehr vorsichtig sein. Bald waren wir in besseren

Stadtteilen und endlich hielt die Elektrische in Theobalds Road, von wo ich

nur zehn Minuten zu gehen hatte, um nach Hause zu kommen.

Als ich Guildford Street betrat, hörte ich das Läuten der Glocken und

fragte mich, wie wohl das neue Jahr sein würde. Vor jedem Hause standen

Leute mit gefüllten Gläsern in den Händen und grüßten das kommende

Jahr. Ich kam mir wieder so verlassen vor, so ganz verlassen, wie schon so

oft, seit ich nach London mit seiner unwiderstehlichen Melancholie gekommen

war.

Es ist gut, daß wir nicht in die Zukunft blicken können, wie hätten wir

sonst die Kraft, das Leben zu ertragen?

* * * * *

Seit sechs Wochen unterrichtete ich nun schon Ming Tse. Er war immer sehr

aufmerksam gegen mich, sehr höflich und -- sehr faul. Wenn ich ihn fragte,

ob er seine Aufgabe gelernt hatte, war die Antwort stets bejahend und der

Erfolg ebenso sicher verneinend.

»Warum haben Sie nicht gelernt?«

»Weil Herr Hoang-Zo hier war und mich daran hinderte.«

»Herr Hoang-Zo hat mir eben heute von Cambridge geschrieben, wo er eine

Woche zu bleiben gedenkt,« entgegnete ich ruhig.

»Weil ich nicht recht wußte, was ich lernen soll,« sagte er, ohne

irgendwie die Fassung zu verlieren.

»Kleiner Schwindler, es steht ja in Ihrem Buche, -- Sie haben es selbst

niedergeschrieben in Ihr Studienheft.«

»Ich konnte nicht entziffern, was dort geschrieben war, habe alles

unrichtig eingetragen,« erklärte er mit halbgeschlossenen Augen und den

unergründlichen Gesichtszügen, mir gegenübersitzend.

Mein kleiner Chinese: Ein China-Roman · 第 1 / 15 段