Die Niederdruckheizung wird ausgeführt

a) mit Hülfe der Circulation durch einen geschlossenen geheizten Kessel

oder

b) mit Hülfe der Circulation der Heberwirkung bei einem offenen

geheizten Gefässe.

[Illustration: Fig. 334.]

a) Bei der Niederdruckheizung nach der =ersten= Methode steht ein

grosser Wasserkessel, welcher dicht zugeschraubt werden kann, mit

Röhren in Verbindung, welche nach den zu heizenden Räumen führen und

dann wieder in den Kessel zurückkehren. Das Princip der Circulation des

Wassers wird aus Fig. 334 deutlich werden. Die Erwärmung des Wassers

geschieht in dem Kessel _A_, _e_ ist das Steigrohr, _d f_ die zum

Kessel zurückgehende Heizröhre. Das Gefäss _e_ dient zum Füllen des

Apparates mit Wasser; es entweicht ferner durch dasselbe die Luft, die

sich beim Erwärmen aus dem Wasser entwickelt, ferner die Wasserdämpfe,

welche durch zu starkes Heizen des Kessels sich bilden könnten. Indem

das Wasser in dem Steigrohr emporsteigt und dabei seine Wärme den

darüber befindlichen Flüssigkeitstheilchen mittheilt, fliesst kaltes

Wasser aus _f f_ in den Kessel herab, erwärmt sich daselbst und steigt

in die Höhe. Dieses Spiel dauert so lange, als noch in den

verschiedenen Theilen ein Temperaturunterschied vorhanden ist; es wird

aber niemals aufhören, wenn das aufsteigende warme Wasser unterwegs

abgekühlt und der Temperaturunterschied forterhalten wird. Ein kleiner

Wasserverlust findet dabei statt, so dass man von Zeit zu Zeit durch

die mit einem Stopfer verschlossene Oeffnung _e_ am oberen Theil der

Röhre etwas Wasser nachfüllen muss. Die Leitungsröhren werden am besten

aus Gusseisen angefertigt. Man rechnet bei dieser Heizung 20-30

Quadratfuss Heizfläche auf je 100 Kubikfuss Zimmerraum. Zur Abgabe der

Wärme an die Luft der zu heizenden Räume bedient sich die

Warmwasserheizung sogenannter Oefen. Die gebräuchlichste Form derselben

ist die Säule; sie besteht aus einem senkrechten Cylinder von 2 bis 3

Meter Höhe und 0,3-0,7 Meter Durchmesser, welcher parallel mit seiner

Axe eine Anzahl der Luft zugängliche Röhren enthält. Die

Warmwasserheizung, die sich in vielen öffentlichen und Privathäusern

Leipzigs, Berlins und anderer Städte Deutschlands eingebürgert hat, ist

eine äusserst comfortable Heizmethode. Gleichmässige, leicht

regulirbare Wärme, Vermeidung allen Rauches, Staubes und Geruchs,

vollkommene Gefahrlosigkeit, täglich einmaliges Feuern fern von den zu

erwärmenden Räumen, geringer Kostenaufwand, leichte Anbringung der

erforderlichen Ventilation -- das sind die grossen Vorzüge der

Warmwasserheizung vor allen Heizarten.

b) Die =zweite= Methode der Heisswasserheizung mit Hülfe eines offenen

Kessels, bei welcher das Princip des Hebers in Anwendung kommt, ist das

sogenannte =Thermosiphon= von =Fowler=, welches im Vergleich zur ersten

Methode den Nachtheil hat, dass durch den offenen Kessel ein nicht

unbedeutender Wärmeverlust stattfindet, für die Vermeidung der

Ansammlung von Luft in dem oberen Theile des Hebers weit grössere

Sorgfalt erforderlich, die Röhrenhöhe endlich eine beschränkte ist,

insofern sie vom Luftdrucke abhängt.

Eine andere Methode der Heisswasserheizung ist die von =Perkins=

erfundene sogenannte =Hochdruckheizung=. Man benutzt dabei warmes

Wasser, dessen Temperatur bis auf 150 bis 200° C., an der Feuerstelle

sogar bis auf 500° steigt. Der bei dieser Methode angewendete Apparat

besteht aus einer endlosen Röhre, welche überall geschlossen und mit

Wasser gefüllt ist. Der Kessel ist überflüssig. Der sechste Theil der

Röhre ist in irgend einer zweckmässigen Form aufgewickelt und in einen

Ofen gebracht; die übrigen 5/6 werden durch Circulation erwärmt. Die

Röhren sind von Schmiedeeisen, haben 1 Zoll innere Weite und sind

mittelst einer hydraulischen Presse für einen Druck von 3000 Pfd. auf

den Quadratzoll geprüft. Noch mag bei der Heisswasserheizung angeführt

werden, dass man sich neuerdings auch des durch die =Erdwärme erwärmten

Wassers= zum Heizen bedient hat; das warme Wasser artesischer Brunnen

wird zum Heizen von Gewächshäusern, Fabriken u. s. w. benutzt, eben so

das Wasser heisser Thermen, so findet z. B. in der katholischen

Stadtkirche zu Baden-Baden seit 1867 Thermalwasserheizung durch die

dortigen, in der Nähe entspringenden Thermalquellen (von 67° C.

Temperatur) statt.

[Sidenote: Dampfheizung.]

Bei der =Heizung mit Wasserdämpfen= -- auf der Anwendung der latenten

Wärme des Wasserdampfes beruhend -- werden die Heizflächen, die ihre

Wärme an die zu heizenden Räume abgeben sollen, durch Wasserdampf

erwärmt, der in einem Dampfkessel erzeugt wird. 1 Kilogr. Wasserdampf von

100° C. enthält so viel Wärme, dass durch dieselbe 5,5 Kilogr. Wasser von

0° bis auf 100° erhitzt werden könne.

Ein Dampfheizapparat besteht aus einem Dampfkessel, aus Heizröhren, und

aus Röhren, welche das condensirte Wasser entweder zu dem Kessel

zurück- oder gänzlich abführen. Der Kessel für den Dampfheizapparat hat

ganz die Beschaffenheit eines gewöhnlichen Dampfkessels. Die Heizröhren

sind von Gusseisen; man bringt sie entweder horizontal ein wenig

geneigt wegen des Abfliessens des condensirten Wassers oder vertical

an. Sind mehrere Stockwerke eines Hauses zu heizen, so lässt man ein

Steigrohr bis zu der obersten Etage in die Höhe gehen, von dem aus

Leitungsröhren nach den verschiedenen Etagen abgehen. Die

Leitungsröhren sind am Ende mit einem nach auswärts öffnenden Ventile

versehen, damit die Luft durch die einströmenden Dämpfe ausgetrieben

werden kann; ausserdem würde sie sich an den Enden der Röhren anhäufen

und dem Eintreten des Dampfes bis zu dieser Stelle ein Hinderniss

entgegenstellen, so dass dieser Theil der Röhren ungeheizt bliebe.

Sobald die Dampfentwickelung im Kessel aufgehört hat, demnach durch die

Condensation der Dämpfe ein luftleerer Raum entsteht, muss die Luft

durch ein nach innen sich öffnendes Ventil einströmen können. Die

Dampfheizung ist besonders dort mit Vortheil anzuwenden, wo von einem

Feuerherd aus die Heizung auf grosse Entfernungen und nach den

verschiedensten Richtungen ausgeführt werden soll, wie in

Fabrikgebäuden mit grossen Arbeitssälen etc. Vor der Luftheizung hat

sie den Vorzug, dass die Leitungsröhren unter dem Fussboden hingeleitet

werden und dabei Gegenstände aller Art berühren können, ohne dass eine

Entzündung zu besorgen wäre. Vor der Heisswasserheizung hat sie voraus,

dass der Dampf bis zu bedeutenden Höhen aufwärts geleitet werden kann,

ohne dass der Druck im Kessel vermehrt würde. In Fabriken, welche mit

Hochdruckmaschinen arbeiten, ist die Dampfheizung namentlich

vortheilhaft, da in diesem Falle die Heizung fast kostenlos

bewerkstelligt werden kann.

[Sidenote: Combination von Dampf- und Wasserheizung.]

In neuerer Zeit ist der Gedanke einer =Combination der Dampfheizung=

mit der =Wasserheizung= aufgetaucht, wodurch es möglich wird, aus einem

Herde weit auseinander gelegene Wassergefässe, die man direct nicht mit

einander verbinden kann, mit Wärme zu versehen. Nur auf diese Weise

wird es möglich sein, das für die Pyrotechnik hochwichtige Problem, das

Princip der Association -- wie auf Beleuchtung -- so auch auf

Heizzwecke anzuwenden, und durch eine Centralheizung eine Anzahl

bewohnter Gebäude mit Wärme zu versehen, in befriedigender Weise zu

lösen.

[Sidenote: Gasheizung.]

=Gasheizung.= Seit in neuerer Zeit die Beleuchtung mit Steinkohlengas und

Holzgas so grosse Ausdehnung gewonnen hat und der Preis des Leuchtgases

im fortwährenden Sinken begriffen ist, lag der Gedanke nicht fern, sich

des Gases als Heizmittel zu bedienen. Es wurden auch früher schon hier

und da einige derartige Einrichtungen ins Leben gerufen, allgemeiner

geschah dies jedoch erst in vielen Fabriken Englands, welche das Gas als

Nebenprodukt gewannen und zwar mehr als sie zur Beleuchtung nöthig

hatten. Nach und nach ging die Gasheizung in die Hauswirthschaft über, wo

sie sich durch schnellen und sicheren Effect, so wie durch Bequemlichkeit

und Reinlichkeit auszeichnet.

Die Anwendung der Gasflamme zur Erhitzung von Kochapparaten scheiterte

lange Zeit an der Eigenschaft des Leuchtgases, in Berührung mit kalten

Körpern Russ abzuscheiden, wodurch die Gefässe beschmutzt wurden, auch

war die Heizkraft nur gering. Ingenieur =Elsner= in Berlin beseitigt

diesen Uebelstand dadurch, dass er das Gas, ehe es zur Verbrennung

gelangt, mit Luft mischt. Durch die dem Gase vor dem Verbrennen

zugesetzte Luft findet der Kohlenstoff den zu seiner Verbrennung

nothwendigen Sauerstoff und das Gasgemenge verbrennt mit einer nicht

leuchtenden, aber auch nicht mehr russenden Flamme[201]. Die Gasöfen

zur Zimmerheizung lassen sich in jeder beliebigen Grösse anfertigen,

sind beweglich und daher überall anzubringen; sie entbehren des

Schornsteins, durch welchen bei den übrigen Oefen ein grosser Theil

Wärme unbenutzt abzieht. Die Zimmer werden durch Gasöfen sehr rasch

geheizt, wodurch sich diese Heizungsart besonders für öffentliche

Locale eignet, bei denen eine schnelle, aber nur kurze Erwärmung

erforderlich ist, so bei Kirchen, wie denn auch in Berlin in mehreren

Kirchen und anderen öffentlichen Gebäuden mit der Gasheizung

befriedigende Versuche angestellt worden sind. Im Allgemeinen sind 5

Kubikfuss Gas hinreichend, um die Temperatur von 1000 Kubikfuss Raum um

12° C. zu erhöhen; 1/5 der Gasmenge für die Stunde reicht ferner hin,

um die erzeugte Temperatur constant zu erhalten. Bei den in Deutschland

gegenwärtig noch immer herrschenden hohen Gaspreisen ist an eine

Concurrenz der Gasheizung mit anderen Heizungsarten vor der Hand nicht

zu denken. Es ist aber gewiss, dass man in der Zukunft die

Generatorgase und das Wassergas, unter besonders günstigen localen

Bedingungen vielleicht auch das Petroleum (vergl. Seite 801), wird zur

Zimmerheizung anwenden können. Zu technischen Zwecken finden die

Generatorgase (vergl. Seite 810) bereits ausgedehnte Anwendung.

[201] =Karl Knapp= (Journ. f. pract. Chemie 1870 Bd. I p. 428) hat

indessen nachgewiesen, dass die vollständigere Verbrennung nicht

die einzige Ursache des Nichtleuchtens der Gasflamme mit innerem

Luftzutritt ist. Die wesentliche Ursache sei in der Verdünnung

des Gases durch Luftbeimengung zu suchen.

[Sidenote: Heizung ohne die gewöhnlichen Brennmaterialien.]

Dass sich eine unerschöpfliche Wärmequelle in der sogenannten =latenten

Wärme= (der älteren Physiker) der Körper findet, welche durch =Reibung=

oder =Stoss= freigemacht werden kann, ist längst bekannt[202]. Sobald es

nun thunlich ist, eine der producirten Wärme äquivalente mechanische

Kraft wohlfeil genug zu beschaffen, liegt die Möglichkeit vor, Wärme

durch Umsetzung von Werk, in unbegrenzter Menge zu erzeugen.

[202] Vergl. =Rumford='s Versuche aus dem Jahre 1798 in =J. Tyndall=,

die Wärme betrachtet als eine Art der Bewegung. Braunschweig 1867

p. 15 und 71.

In der neueren Zeit noch hat ein Apparat von =Beaumont= und =Mayer=, um

mittelst der Reibung Wärme zu erzeugen, Aufsehen erregt. Dieser Apparat

hat den Zweck, ausserdem verlorene Kräfte, wie z. B. unbenutzte

Wassergefälle, Winde etc., dadurch zu verwerthen, dass durch Reibung

einer konischen hölzernen Welle in einem Metallstücke mit

entsprechender konischer Aushöhlung im Innern eines zum Theil mit

Wasser gefüllten Dampfkessels Dampf erzeugt wird. Es ist nach dem

Gesetze der Erhaltung der Kraft einleuchtend, dass der durch diesen

Apparat gelieferte Dampf nie als Triebkraft benutzt werden kann, da man

schon einer solchen bedarf, um den Apparat in Bewegung zu setzen und

daher die von dem Apparate selbst erzeugte Kraft nothwendig geringer

sein muss als die ursprüngliche[203]. Ein anderer Apparat, der ohne

Anwendung von Brennmaterial Wärme verbreitet, beruht auf der

Wärmeentwickelung durch die =Compression der Luft= mit Hülfe einer

Verdichtungspumpe. Derselbe ist von =Arzbecher= zu Heizungszwecken

vorgeschlagen worden. Zur Bewegung der Luftpumpe könnte irgend eine

mechanische Kraft, welche eine Nebennutzung gestattet, verwendet

werden. Aber auch hier ist nicht zu vergessen, dass die producirte

Wärme nur umgesetzte Kraft (= Arbeit) ist. (Da einer Wärmeeinheit ein

mechanisches Aequivalent von 424 Kilogr. entspricht, so müsste eine

Pferdekraft 10 Stunden thätig sein, um eine Wirkung zu erzeugen, die 1

Kilogr. Steinkohle entspricht.) Die Wärme, welche bei der =Gährung von

Stalldünger= sich entwickelt, findet bei der Erwärmung von

Gewächshäusern praktische Anwendung. An der hohlen Wand derselben wird

ein etwa 2 Meter hoher Düngerhaufen, welcher mit abgefallenem Laube

etc. vermengt ist, aufgeschichtet, indem man durch den unteren Theil

desselben einige an beiden Enden offene Röhren von Blech, etwas

geneigt, einlegt. Diese Röhren erwärmen sich und die Luft circulirt in

denselben und tritt an dem einen Ende erwärmt aus.

[203] General =Morin= that durch Versuche dar, dass eine

Betriebsleistung von 21 Pferdekraft erforderlich sei, um mit dem

obigen Apparate den Einer Pferdekraft entsprechenden Dampf

hervorzubringen!

[Greek: b]) _Die Kesselfeuerung mit Rauchverzehrung._

[Sidenote: Allgemeines.]

Kessel werden mit wenigen Ausnahmen stets in gemauerten Oefen erhitzt,

wobei Brennstoffersparniss eine bei der Construction des Ofens vor Allem

zu beachtende Aufgabe ist. Da bei der Kesselheizung eine intensive

Erhitzung bewirkt werden soll, so ist unbedingt ein =Rost= und ein

=Aschenfall= erforderlich, weil ausserdem eine vollständige Verbrennung

nicht erzielt werden kann. Der =Rost= besteht aus parallel liegenden

Stäben von Schmiede- oder Gusseisen, deren Stärke von ihrer Länge, und

ihre Entfernung von einander von der Grösse der Stücke des Brennmaterials

abhängt, indem diese Zwischenräume nur der Asche den Durchgang gestatten

dürfen. Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Summe der Zwischenräume,

welche die Roststäbe trennen, nur ein Viertel von der ganzen Oberfläche

des Rostes betragen soll. Die grossen Roste haben vor den kleinen den

Vorzug, dass der Zug durch den Durchgang der Luft durch das Brennmaterial

weniger vermindert wird, die Roste sich nicht so leicht verstopfen und

das Einfeuern nicht so oft vorgenommen zu werden braucht, wodurch an

Arbeit erspart wird; der ganze Rost muss dagegen immer mit Brennmaterial

bedeckt sein. Die kleineren Roste haben dagegen andere, für specielle

Fälle sehr wichtige Vortheile; es ist nämlich die Verbrennung lebhafter

und vollkommener und es entgehen der Verbrennung weit geringere Mengen

Luft als bei grösseren Rosten. Bei Rosten mit Holzfeuerung kann die

Oberfläche des Rostes mindestens zweimal kleiner als bei der

Steinkohlenfeuerung sein, da bei der ersten Art der Feuerung die

Oeffnungen sich nicht verstopfen. Nach =Ed. Köchlin= ist zur Verbrennung

von 350 Kilogr. alten Eichenholzes in Zeit von 1 Stunde 1 Quadratmeter

Rostfläche mit 1 Viertel für die Zwischenräume das zweckmässigste

Verhältniss. Gewöhnlich sind die Roste für die Holzfeuerung 4 mal kleiner

als für Steinkohlenfeuerung.

Der =Feuerraum= zwischen der Herdsohle (dem Roste) und dem Kessel muss

geräumig genug sein, um das Brennmaterial aufnehmen zu können und die

gehörige und völlige Entwickelung der Flamme zu gestatten. Das

Brennmaterial muss in der erforderlichen Menge aufgegeben werden; ist

die Quantität zu klein, so entgeht ein grosser Theil der einströmenden

Luft der Verbrennung; ferner veranlasst, wenn oft geschürt werden muss,

das häufige Oeffnen des Schürloches kalte Luftströmungen, welche die

Temperatur unter dem Kessel erniedrigen und unter Rauchbildung einen

starken Verlust herbeiführen. Ist dagegen die Menge des aufgegebenen

Brennmaterials zu gross, so wird der Luft der Durchgang erschwert und

die Verbrennung kann nur langsam und unvollkommen vor sich gehen. Ist

der Feuerraum zu niedrig, so wird die Flamme gedämpft, es findet nur

unvollkommene Verbrennung und reichliche Rauchbildung statt; ist dieser

Raum dagegen zu hoch, so wirkt auf den Kessel vorzüglich nur die

strahlende Wärme und es geht demnach viel Wärme verloren. Die das

Schürloch verschliessende =Heizthüre= muss so breit sein, dass man den

Rost bequem übersehen kann, und so hoch, dass das Einfeuern ungehindert

vor sich gehen kann. Sie muss vollkommen genau schliessen, da die durch

die Ritzen und Fugen eindringende Luft durch Erniedrigung der

Temperatur und Rauchbildung fortwährenden Wärmeverlust nach sich ziehen

würde.

[Sidenote: Rauchverzehrende Feuerungen.]

Indem wir die gewöhnlichen Kesselfeuerungen, deren Betrachtung zum

grössten Theile der Dampfmaschinenlehre angehört, übergehen, wenden wir

uns zu den =rauchverzehrenden Feuerungen=. Nicht nur um die Nachtheile

des Rauches zu vermeiden, welcher für die Umgebung grosser

Feuerungsanlagen höchst unbequem werden kann, sondern auch und zwar

hauptsächlich, um an Brennstoff zu sparen[204] und an Heizkraft zu

gewinnen (da der ökonomische Vortheil der rauchverzehrenden Vorrichtungen

zum Theil auch darin beruht, dass, weil die Heizflächen nicht berussen,

dieselben in einem für die Wärmetransmission geeigneteren Zustande

längere Zeit erhalten werden), hat man sich seit langer Zeit die Aufgabe

gestellt, rauchverzehrende Feuerungen zu construiren, ohne dass dieses

Problem bis jetzt als genügend gelöst betrachtet werden könnte. Wirft man

auf ein in vollem Brennen begriffenes Steinkohlenfeuer frische

Steinkohlen, so entwickeln sich plötzlich solche Quantitäten brennbarer

Gase und Dämpfe von hohem Kohlenstoffgehalt (Benzol, Toluol, Carbolsäure,

Anthracen, Naphtalin, Paraffin etc.), dass der Sauerstoff der in dem

Feuerraum befindlichen Luft zu ihrer vollständigen Verbrennung in den

meisten Fällen nicht genügt. Durch die verhältnissmässig kühlen Wände des

Dampfkessels und durch die während des Einfeuerns einströmende kalte Luft

werden die Verbrennungsprodukte abgekühlt und es verbrennt nur der

Wasserstoff dieser Verbindungen zum Theil, während der Kohlenstoff als

Russ ausgeschieden und nicht verbrannt wird. Die verschiedenen die

Verzehrung des Rauches bezweckenden Vorrichtungen beruhen auf

verschiedenen Principien; so wird unter anderen z. B. a) durch einen

besondern Luftkanal, welcher unmittelbar hinter dem Rost mündet, der

Flamme ein Strom kalter und heisser Luft zugeführt; b) man bringt zwei

nebeneinander befindliche Feuerungen, die abwechselnd mit frischen Kohlen

gespeist werden, in solche Verbindung, dass der Rauch der einen Feuerung

mit dem in voller Glut befindlichen Feuer der anderen Feuerung in innige

Berührung tritt und dadurch verbrannt wird; c) es werden die frischen

Kohlen auf den vorderen Theil des Rostes geworfen, damit der Rauch über

das auf dem Hintertheile des Rostes in voller Glut brennende Feuer

streiche; d) das Aufschütten von frischem Brennmaterial ist einer

Vorrichtung übertragen, welche nicht periodisch eine grössere

Kohlenmenge, sondern allmälig, aber in ununterbrochener Wirkung die Kohle

in zerkleinertem Zustande auf das in voller Glut befindliche Feuer wirft;

e) zur Herbeiführung der hinreichenden Luftmenge, deren Sauerstoff die

vollständige Verbrennung ermöglichen sollte, d. h. zur Erreichung des

nöthigen Zuges war man bisher gewöhnt, sehr hohe Schornsteine

aufzuführen, denn je höher die Schornsteine, desto grösser die Differenz

in den specifischen Gewichten innerhalb und ausserhalb des Schornsteines,

desto rascher aber auch die durch den Zug erfolgende Ausgleichung dieser

Differenzen, aber auch desto kostspieliger. Je mehr der Zug auf diesem

Wege gesteigert wird, desto grössere Wärmemengen gehen auf diese Weise

verloren. Da die Temperaturdifferenz die Ursache der Luftströmung ist, so

suchte =L. Gall= diese Bedingung durch eine constante hohe Temperatur des

Verbrennungsraumes zu erfüllen.

[204] Versuche in England ergaben, dass 1 Tonne (= 20 Ctr.) Steinkohlen

bei gewöhnlicher Verbrennung 25 Pfund Russ liefert, welcher eine

Heizkraft von 4/5 der Kohle hat. Der Verlust an Heizkraft durch

fortgeführten Kohlenstoff beträgt danach 1/112 oder nicht ganz

1 Proc.

Von den bekannteren Einrichtungen, den Rauch zu verzehren oder die

Bildung des Rauches zu verhüten, oder endlich den entstandenen Rauch

auf mechanische Weise (z. B. durch Waschen) zu entfernen, seien

folgende Principien mit Beispielen angeführt.

1. =Mechanische Entfernung des Rauches durch Waschen der Feuergase.= Man

hat in England, namentlich in den chemischen Fabriken zu Newcastle

Vorrichtungen getroffen, um den aus den Feuerungen kommenden Rauch, bevor

er in den Schornstein tritt, auszuwaschen. Sämmtliche rauchentwickelnde

Herde einer Fabrik werden mittelst eines weiten und langen gemauerten

Kanales mit einer einzigen Esse in Verbindung gesetzt.

Dieser Kanal hat eine Reihe von Knien in einer senkrechten Ebene, so

dass der Gasstrom, welcher mit dem Russ gemischt ist, wiederholt auf-

und abwärts, wie durch eine Reihe von Hebern ziehen muss, um zum

Schornsteine zu gelangen. Jeder der abwärts gehenden Schenkel des

Herdes ist an seinem oberen Theile verschlossen und zwar durch ein

Becken mit Rändern von verschiedener Höhe, dessen metallener Boden mit

kleinen Löchern wie die Brause einer Giesskanne versehen ist. Durch

diese Löcher fällt Wasser mitten in den Rauchstrom; das so als Regen

einfallende Wasser verhindert den Zug nicht, sondern befördert ihn,

weil es in derselben Richtung fällt, in welcher der Gasstrom sich

bewegt. Alle von letzterem mitgeführten festen Theilchen werden durch

das wiederholte Waschen abgeschieden und bleiben auf dem Wasser der

Sohle des Kanals als Russ liegen, wo sie nach einiger Zeit

hinweggenommen werden. =Jean= in Paris hat das Princip des Waschens des

Rauches in etwas anderer Weise als oben beschrieben angewendet: Der

Rauch und die Gase strömen hier aus dem letzten Kesselkanale in einen

unterirdischen Kanal, welcher bis zur Esse geht und dessen Sohle

mehrere Centimeter hoch mit Wasser bedeckt ist. Dieser Kanal heisst der

hydraulische Kanal. Der aus der Dampfmaschine entweichende Dampf wird

bis zu diesem Kanale geführt, wo er zum grössten Theile durch einen

Strahl kalten Wassers verdichtet wird, der als Regen der Richtung des

Dampfes entgegenströmt. Etwas weiterhin im Kanale befindet sich ein

Rührer in Form eines Schaufelrades, dessen Schaufeln die Oberfläche des

Wassers berühren, ohne darin einzutauchen; die Kanten desselben sind

oben mit wedelähnlichen Pinseln versehen, welche in das Wasser treten,

dasselbe aufnehmen, heben und wieder wegschleudern, so dass es in

feinen Tropfen niederfällt. Das Wasser im hydraulischen Kanal wird

folglich erwärmt und dient, nachdem es filtrirt worden ist, zur

Speisung des Dampfkessels.

Wie es scheint hat das früher in den englischen Bleihütten in Anwendung

gebrachte Waschen des Bleirauches als Muster für das Rauchwaschen

gedient, welches, abgesehen von den nicht wohlfeilen Einrichtungen und

der erforderlichen Betriebskraft, um so weniger zu empfehlen ist, als

dadurch im günstigsten Falle nur die im Rauche enthaltenen festen

Körper wie Russ und Flugasche, nicht aber die riechenden Stoffe

beseitigt werden. Weit vortheilhafter ist

2. =Die Anwendung verbesserter Roste=, die wir a) als immobile und b) als

mobile Roste unterscheiden können.

[Sidenote: Treppenrost.]

[Sidenote: Etagenrost.]

Von den =immobilen= Rosten sind erwähnenswerth der =Treppenrost= und

der =Etagenrost=. Ersterer, der zuerst von französischen Technikern,

wie es heisst, nach Angabe eines polnischen Ingenieurs, auf

österreichischen Hütten in Anwendung kam, besteht aus mehreren, aus

Roststäben gebildeten Stufen, welche für das Schüreisen, vom

Aschenfalle aus, zugänglich sind. Durch die Hitze des Feuers auf den

unteren Stufen wird das Material auf den oberen einigermaassen verkokt

und erst, wenn es seine Gase zum Theil abgegeben hat, wird es auf die

unteren Stufen herabgestossen, um auf den oberen durch neues ersetzt zu

werden. Die Luft tritt bei diesem Roste nicht allein durch die

Roststäbe, sondern auch durch die Stufenabsätze zum Theil seitlich, zum

Theil über das Feuer, was zur Entzündung der flüchtigen Stoffe

einigermaassen beiträgt. Backende Kohlen eignen sich für den

Treppenrost nicht, eben so wenig stark schlackebildende, dagegen ist

die Anwendung von Kohlenklein, Torfabfällen, Sägespänen und dergleichen

sehr am Platze. Anstatt der eisernen Roststäbe verwenden =Longridge=

und =Mash= (1866) Blöcke oder Platten aus feuerfestem Thon, welche

entweder mit durchgehenden cannelirten Löchern versehen oder deren

Aussenflächen so beschaffen sind, dass beim Zusammenstellen mehrerer

solcher Blöcke Kanäle entstehen, durch welche dem Brennstoff Luft

zugeführt wird. Wesentlich modificirt tritt der Treppenrost als =E.

Langen='s =Etagenrost= im Jahre 1866 auf. Er unterscheidet sich von

allen üblichen Feuerungsvorrichtungen dadurch, dass bei ihm das frische

Brennmaterial nicht wie bei dem liegenden Rost =auf= die brennende

Kohlenschicht, sondern =unter= derselben auf den Rost eingeführt wird.

Zu dem Ende ist der unter einem Winkel von etwa 28° geneigt liegende

Rost in mehrere Etagen getheilt, dergestalt, dass zwischen jeder Etage

in der ganzen Breite des Rostes ein freier Raum von etwa 12 Centimeter

Höhe bleibt, durch welchen die frische Kohle auf den Rost geschoben

wird. Die Destillation der Gase geht daher ununterbrochen unter stetem

Luftzutritt von unten vor sich und dieses Gemisch von Gas und Luft ist

gezwungen, durch die darüber liegende Kohlenschicht zu streichen, wo es

die zu einer vollständigen Verbrennung erforderliche Temperatur

vorfindet. Somit sind alle Bedingungen zu einer möglichst rauchlosen

Verbrennung in einfacher Weise und ohne Hülfe jeder mechanischen

Vorrichtung erfüllt. Da unmittelbar auf der Rostfläche sich nur frische

Kohle befindet, so wird der Rost kühl erhalten und derselbe vor

Abnutzung und Verschlackung geschützt.

[Sidenote: Mobile Roste.]

Den =mobilen= Rosten liegt wesentlich der Gedanke zu Grunde, das

Nachfeuern durch mechanische Vorrichtungen besorgen zu lassen. Von

allen in Gebrauch gekommenen derartigen Apparaten haben zwei die meiste

Verbreitung gewonnen, nämlich der =Kettenrost= und der =rotirende

Rost=.

[Sidenote: Kettenrost.]

[Illustration: Fig. 335.]

Der =Kettenrost= von =Juckes= (in Frankreich der Rost von =Tailfer=

oder =Taillefer= genannt) hat, trotz seiner complicirten und

kostspieligen Construction vielfach Eingang in die Praxis gefunden. Er

besteht (Fig. 335), wie die Zeichnung zeigt, aus zwei endlosen

Gliederketten _G G_ mit flachen Gliedern, die über von der Maschine

bewegte achtarmige Leitwalzen laufen. Zwischen diesen Ketten sind die

Roststäbe der Länge nach eingeschaltet, so dass gleichsam der ganze

Rost ein breites endloses Band von Stäben bildet. Der Abstand beider

Walzen bestimmt die Länge des Rostes, ihre bei _O_ eingeleitete

Umdrehung giebt ihm eine ununterbrochene Bewegung von 27-30 Millimetern

in der Minute. Das durch den Fülltrichter _B_ aufgeschüttete

Brennmaterial wird dadurch continuirlich dem Feuer zugeführt. Die Höhe

der Brennstoffschicht wird durch die Scheidewand _D_ bestimmt, welche

mit Hülfe eines bei _p_ befindlichen Hebels höher oder niedriger

gestellt werden kann. Die Kette sammt den Leitwalzen ruht auf dem Wagen

_I_, der auf der Rollbahn _H H_ ein- und ausgefahren werden kann. Die

Schnelligkeit der Bewegung des Rostes ist derart regulirt, dass die

Kohle, die auf der einen Seite frisch darauf fällt, verbrannt sein

soll, wenn sie auf der andern Seite des Rostes ankommt, wo sie beim

Fortschreiten des Rostes von selbst herabfällt. Dies ist aber nun,

theils, je nach der Grösse und Qualität der Kohle, nicht immer der Fall

und es wird immer viel Kohle abgeworfen, theils ist die Verbrennung auf

einer Seite des Rostes stets sehr verschieden von der auf der anderen,

theils endlich zerstört sich der complicirte und viel Kraft

absorbirende Apparat ziemlich schnell, so dass er an vielen Orten, wo

man sich seiner bediente, wieder verlassen wurde, obwohl er so wenig

Rauch gab, als bei gut gehaltenem, von oben genährtem Feuer möglich

ist.

[Sidenote: Rotirender Rost.]

Eine ähnliche Tendenz wie der Kettenrost verfolgt =Collier='s

=rotirender Rost=. Hier rotirt eine rostförmig durchbrochene runde

Platte an Rostesstatt unter dem Kessel. An einer Stelle wird langsam

und sparsam durch einen radialen Spalt Kohle aufgestreut, so dass, bei

jedem Umlaufe des Rostes, alle Theile desselben gleichmässig versehen

werden. Obgleich dieser Apparat unstreitig grosse Vortheile in Bezug

auf Brennstoffersparniss gewährt, ist er doch durch den Umstand, dass

die Bewegungstheile im Aschenfalle liegen und die starke Reibung am

Umfang der Platte einen grossen Kraftaufwand erheischen, wenig in

Anwendung gekommen.

[Sidenote: Verbesserte Zufuhr von Brennstoff.]

Unter den Einrichtungen, welche 3. =eine verbesserte Zuführung des

Brennmaterials= bezwecken sollen, seien unter den zahllosen Vorschlägen

einige der besseren und bewährteren angeführt.

Die von =Collier= im Jahre 1823 ausgeführte Einrichtung hat wesentlich

folgende Beschaffenheit: Aus einem Rumpfe fallen die Kohlen fortwährend

auf zwei horizontale Quetschwalzen, deren Oberflächen mit Spitzen

versehen sind. Von hier aus gelangt die zerkleinerte Kohle auf zwei

neben einander und in derselben Horizontalebene liegende kreisförmige

Projectoren oder Schleuderer, welche sich in entgegengesetzter Richtung

bewegen und zusammenwirken. Jeder Projector hat sechs trapezoïdische

Schaufeln und macht in einer Minute 200 Umdrehungen. Der Herd hat einen

festen Rost. Zur Bewegung des Mechanismus war 1/2 Pferdekraft

nothwendig. Aehnlich ist die von =Stanley= erfundene und bei

Dampfkesselfeuerungen vielfach zur Anwendung gekommene mechanische

Vorrichtung zum Aufgeben der Kohle, welche ihrem Zweck ziemlich gut

entspricht. Vor der Heizöffnung (Fig. 336) befindet sich ein Trichter

_a_, in welchem die beiden mit zugespitzten Zähnen versehenen Walzen

die aufgeschütteten Kohlen zerbrechen und langsam zwischen sich

hindurch arbeiten. Die zerkleinerten Kohlen fallen auf den mit grosser

Geschwindigkeit umlaufenden Schleuderer oder Distributor _b_, welcher

die auffallenden Kohlen fortschleudert, so dass sie sich gleichmässig

auf dem Roste ausbreiten. Ist auch diese Vorrichtung nicht frei von

Mängeln, zeigt sie namentlich den Uebelstand, dass es der Heizer nicht

in seiner Gewalt hat, beliebig stärker und schwächer zu feuern, so geht

sie doch als Rauchverzehrer vielen anderen Einrichtungen vor; nur ist

zu bedauern, dass die erforderliche Triebkraft sie auf die

Dampfmaschinen beschränkt.

[Sidenote: Pultfeuerungen.]

[Illustration: Fig. 336.]

Hierher gehören auch die =Pultfeuerungen= (von =Wedgwood= zur Feuerung

der Porcellanöfen eingeführt), deren Charakteristisches darin liegt,

dass sich bei ihnen der Luftstrom des Zuges nicht von unten nach oben

durch den Rost bewegt, sondern denselben von oben nach unten

durchstreicht. Der Rost liegt hierbei meist stark von hinten nach vorn

geneigt, die Feuerthüre, die grosse Dimensionen hat, bleibt immer

offen, während die Thür des Aschenfalles geschlossen bleiben muss. Die

Flamme zieht also bei dieser Feuerung durch den Rost hindurch und wird

von da aus weiter verwendet. Somit ist hier allen Bedingungen für eine

vollkommene Verbrennung genügt, denn obwohl das Nachheizmaterial oben

auf den Rost geworfen wird, so ist doch dies Oben in Bezug auf die

Richtung der Gasströmung unten, denn das aufgeworfene Material wird

früher als das brennende von der reinen nachströmenden Luft berührt,

die Gase entbinden sich daraus durch die strahlende Wärme der

Feuerschicht und kommen, mit Luft gemischt, ins Feuer, welches sie ganz

durchziehen müssen und daher gut in Brand gesetzt werden. Diese

Feuerung ist völlig rauchlos, doch ist sie nicht ganz makelbar. Vorerst

geht bei ihr die Wirkung der strahlenden Wärme des Herdes fast gänzlich

verloren, da dessen hellbrennende Fläche nach unten gekehrt ist; sodann

ist es kaum möglich, hinreichend feuerfeste Roste herzustellen, da

dieselben fortwährend von der weissglühenden Flamme bestrichen werden

und der zerstörenden Wirkung des Feuers ausgesetzt sind. Endlich ist es

störend, dass die Flugasche in derselben Richtung sich absondert wie

die Flamme und daher massenhaft in die Feuerkanäle geführt wird, die

sie bald verstopfen. Immerhin ist die Pultfeuerung dort am Platze, wo

eine reine rauchfreie Flamme wünschenswerth ist und hingegen die

Rücksichten der Oekonomie zurücktreten. Die Pultheizung ist in der

Regel nur für Holz anwendbar, doch sind in neuerer Zeit auch Torf- und

Kohlenpulte construirt worden.

[Sidenote: Vogl's Schüttelrost.]

In letzterer Hinsicht ist der =Schüttelpultrost Vogl='s beachtenswerth;

derselbe ist ein Stangenrost mit einer Neigung von etwa 33°, wird durch

einen Fülltrichter gespeist und ist so eingerichtet, dass die einzelnen

Stäbe durch eine Schlagradwelle erschüttert werden können.

[Sidenote: Boquillon's Rost.]

[Sidenote: Apparate von Cutler und George.]

Bei =Boquillon='s Rost für kleine Feuerungen, also für Sparherde und

Zimmeröfen, wird das frisch aufgelegte Brennmaterial nicht auf, sondern

unter das glühende gebracht. Der Rost bildet einen horizontal liegenden

drehenden Cylinder, dessen Mantelfläche die Roststäbe vorstellen. Die

Rostmantelfläche kann geöffnet werden; beim Schüren wird auf die noch

brennende Kohle frisches Brennmaterial gestürzt, die Cylinder werden

geschlossen und so weit umgedreht, dass die kalten Kohlen unten zu

liegen kommen. Die sich entwickelnden Gase müssen durch die brennende

Kohlenschicht streichen und verbrennen. Findet somit auch vollständige

Rauchverzehrung statt, so ist doch das Schürgeschäft so complicirt und

mühselig, dass die =Boquillon='sche Einrichtung wohl schwerlich Eingang

finden wird. In vielen Fällen hat man sich bemüht, das Feuer in

aufsteigender Richtung zu speisen, so bei der Vorrichtung =Cutler='s,

welche 1854 von =Arnott= verbessert wurde. In beiden Fällen wird der

Boden eines mit Kohlen gefüllten Blechkastens entweder mit Hülfe von

Ketten oder mittelst Zahnstangen gehoben, wobei das Schüreisen als

Hebel dient. Nachdem der Brennstoff consumirt ist, wird der Boden des

Kohlenkastens wieder in seine ursprüngliche Stellung zurückgeführt und

der Kasten mit neuem Brennmaterial gefüllt, was in 24 Stunden zweimal

zu geschehen hat. Bei der Vorrichtung von =George= wird das

Brennmaterial durch eine Schraube von unten auf einen kreisförmigen,

fast trichterförmigen Rost hinaufgeschraubt.

[Sidenote: Apparate mit ungleicher Rostbeschickung.]

4. Unter den Apparaten, bei denen die Rauchbildung =durch ungleiche

Rostbeschickung= verhütet werden soll, steht unzweifelhaft die 1855 von

=Duméry= construite Feuerung oben an. Sie ist von den Anlagen von

=Cutler= und =George= dadurch unterschieden, dass die Kohle nicht von

unten gehoben, sondern von beiden Seiten des Rostes aus unter die Glut

geschoben wird. Zu dem Ende hat der Rost eine starke Krümmung nach oben,

und erhebt sich in der Mitte gleichsam zu einem Sattel nach der ganzen

Längenseite; durch äussere bewegende Kraft wird der Brennstoff nach dem

Roste zu gedrückt, so, dass er auf dem untersten Roststabe zunächst

anlangt und dann auf der convexen Fläche des Rostes weiter geht. Ist der

Rost mit Feuer bedeckt, so schiebt sich das nachgedrückte

Feuerungsmaterial zwischen Rost und brennende Masse hinein und die

Nachfeuerung geschieht somit von unten her. Das nämliche Princip, welches

der =Duméry='schen Feuerung zu Grunde liegt, ist übrigens schon 1785 von

=Watt= in dem =schrägen Roste= zur Anwendung gebracht worden.

Auch =Tenbrinck= legt Rost und Platte geneigt, dass die Kohlen fast von

selbst abrutschen. Die geneigten Roste bieten überhaupt den grossen

Vortheil, dass der untere Theil des Rostes immer mit glühender, zu Koks

gewordener Kohle angefüllt ist, wodurch frische Luft in die Feuerbüchse

nachdringt. Diese Luft erlangt durch ihre Berührung mit dem Feuer eine

genügend hohe Temperatur, um die Verbrennung der flüchtigen

Kohlenwasserstoffe zu bewirken, welche sonst am oberen Theile des

Rostes nicht verbrannt werden würden. Bei der Feuerung von =Corbin= ist

der Rost nicht geneigt, sondern in zwei Hälften getheilt, welche durch

eine dazwischen eingeschaltete ununterbrochene Thonplatte verbunden

sind.

Den ersten mit Erfolg gekrönten Versuch, den Rauch durch Entzündung

mittelst des Feuers selbst zu verbrennen, hat wohl =Fairbairn= 1837 mit

seinem =Doppelrost= gemacht. Die Feuerung hat zwei Roste und zwei

Thüren. Die Roste sind durch eine, weit in den Heizraum reichende

Scheidung von feuerfesten Backsteinen getrennt, hinter dieser

Scheidewand vereinigen sich aber die Flammen beider. Die Roste werden

abwechselnd beschickt, so dass der eine immer im vollen Brande ist,

wenn der andere das Beschicken nöthig hat. Im Innern kommt der Rauch

von dem einen Roste mit der Flamme des andern Rostes zusammen und soll

verbrennen. Dies kann aber nur unvollkommen geschehen und etwa zunächst

nur an der Scheidewand, wo Rauch und Flamme sich berühren. Solche

Doppelröste bieten daher nur eine unvollständige Rauchverzehrung dar.

Rationeller erscheint es, die beiden Röste anstatt neben-, hinter

einander aufzustellen, wo dann der Rauch über die Flamme des dahinter

liegenden vollen Feuers streicht; der eine Rost wird mit nicht

rauchendem Brennmaterial (Anthraciten oder Koks) gefeuert. =De

Buzonnière= begnügt sich nicht damit, den Rauch durch die Flamme des

Nebenrostes streichen zu lassen, sondern er leitet abwechselnd

vermittelst gewendeter Register den Rauch des frisch geschürten Rostes

unter und durch den anderen Rost und dessen volle Glut.

Die Feuerungen von =Fairbairn= und ähnliche Constructionen, auf das

Bestreben basirt, die nichtentzündeten Gase eines frischbeschickten

Feuers durch die eines hellbrennenden entflammen zu wollen, beruhen zum

Theil auf irrigen Vorstellungen, da vom hellbrennenden Feuer nur Gase

entweichen, die der Verbrennung feindlich sind. Das frisch beschickte

Feuer giebt allerdings verbrennliche Gase und Dämpfe reichlich ab, aber

wo ist der zu ihrer Verbrennung erforderliche Sauerstoff? Diesem Mangel

ist einigermaassen durch die =Guidde='sche Feuerung abgeholfen, die als

eine Abänderung der =Fairbairn='schen zu betrachten ist, bei welcher

eine Luftzuführung über dem Roste stattfindet, indem man Luft durch

kleine Oeffnungen an dem Punkte eintreten lässt, wo die Flammen der

beiden Roste sich vereinigen. Mit dieser Vorrichtung werden

verhältnissmässig ganz gute Resultate gewonnen.

[Sidenote: Rauchverbrennung durch Nebenströme.]

5. Bei der =Rauchverbrennung= im engeren Sinne =durch Luftnebenströme=

und den darauf bezüglichen Vorschlägen trifft man meist Vorschläge, die

nicht zum Ziele führen können. Einige wenige beachtenswerthe seien im

Nachstehenden angeführt.

In erster Linie ist zu nennen die von =Parkes= 1820 construirte

=gespaltene Feuerbrücke= (_split-bridge_), bei welcher die in den

Aschenfall strömende Luft zum Theil durch den Rost, zum Theil unter dem

Rost in den Spalt der Feuerbrücke geht und bei ihrem Austritt in einem

rechten Winkel die Flamme schneidet. Aehnliches findet bei =Palazot='s

Feuerung statt, welche nach dem Urtheile von =Burnat=, =Tresca= u. A.

bei befriedigender Rauchverbrennung einfach, billig, überall leicht

anzubringen und leicht zu bedienen ist. Eine Modification der

gespaltenen Brücke findet sich an der Feuerung des Engländers

=Chanter=, welche im Wesentlichen aus zwei aufeinanderfolgenden Rosten

besteht, von denen der zweite etwas abwärts von dem ersten liegt. Das

frische Brennmaterial wird auf den letzteren geworfen, und wenn es in

glühende Koks verwandelt ist, wird es auf den zweiten Rost geschoben.

Auf diesem bildet es eine dünne Lage, durch die eine hinreichende

Luftmenge einströmen kann, um die Rostkoks und dadurch die gasigen

Produkte verbrennen zu können, welche von dem ersten Roste über das

glühende Brennmaterial auf den zweiten strömt. Um den Rauch auch in dem

Falle vermindern zu können, dass die auf die angegebene Weise

eingeströmte Luft nicht hinreicht, ist in dem Mauerwerk jenseits des

Rostes ein Raum mit Löchern, die sich nach dem Herde zu öffnen,

angebracht; von demselben geht eine gusseiserne Röhre durch den

Aschenkasten, die sich in geringer Höhe über dem Boden öffnet.

[Sidenote: Gall's Feuerung.]

Während es lange Jahre hindurch in der Pyrotechnik als Axiom galt, dass

die Weite und Höhe eines Fabrikschornsteins in einem bestimmten

Verhältnisse zu dem in einer bestimmten Zeit verbrannten

Brennstoffquantum stehen müsse, hat =L. Gall= Schornsteine gebaut,

welche den höchsten Punkt der Gebäude nur um 0,6 Meter überragen und

nicht mehr die Aufgabe haben, den Zug zu befördern, sondern lediglich

einen Abflusskanal für die Verbrennungsprodukte bilden. Da die

Temperaturdifferenz die Ursache der Luftströmung in einem Ofen ist, so

sucht =Gall= diese Bedingung durch eine constant sehr hohe Temperatur

des Verbrennungsraumes zu erfüllen. Um nun diese herbeizuführen,

mussten alle jene Veranlassungen von Wärmeverlusten auf ein Minimum

reducirt werden; dahin gehören folgende: a) Beim Aufgeben von

Brennmaterial findet stets eine Erniedrigung der Temperatur des

Feuerraumes statt, sowohl durch den kälteren Brennstoff, als auch durch

übermässiges Zuströmen kalter Luft. Die Abhülfe besteht darin, dass man

die Rostfläche theilt und durch die reihenweise Beschickung der

einzelnen Abtheilungen die dabei unvermeidliche Temperaturerniedrigung

auf ein Minimum zurückführt. In der That ist hierdurch, selbst beim

Aufgeben von Brennstoff, der Rauchbildung wesentlich vorgebeugt. b) Die

Einrichtung des Ofens muss den Heizer nöthigen, nie zu grosse

Quantitäten Brennstoff auf einmal aufzugeben und mit diesen die

Rostfläche gleichmässig bedeckt zu erhalten. c) Die herkömmlichen und

für unvermeidlich gehaltenen Wärmeverluste durch die Mauerwände und

Heizthüren werden auf diese Weise vermieden, dass man die zu

vollständiger Verbrennung erforderliche Luft zuvor alle jene Flächen

passiren lässt, denen sonst solche Wärmeverluste entquellen. Man bringt

auf diese Weise die bereits entweichende Wärme stets wieder in den

Heizraum zurück. d) Die Theorie des »lebhaften Zuges« führt ferner den

unangenehmen Umstand mit sich, dass die mit Wärme beladenen Gase viel

zu rasch an der Siedefläche vorübereilen. Um dem vorzubeugen, lässt nun

=Gall= die zur Verbrennung erforderliche Luft zwar in gleicher Menge

wie bei dem lebhaftesten Zuge, aber langsamer zu dem Brennmaterial

strömen, wodurch dann auch die erwärmte Luft länger mit den

Kesselwänden in Berührung bleibt. Zu diesem Behufe musste sowohl die

freie Rostoberfläche, als auch die Querschnittfläche des Schornsteins

vergrössert werden. Um die zur innigen Mengung der in die unverbrannten

Gase und den Rauch einströmenden Luft, so wie zur vollständigen

Verbrennung dieses Gemenges vor der Berührung mit der Kesselfläche

erforderliche Zeit zu gewinnen, musste erst gefunden werden, dass der

Rost 3 Meter und noch mehr unter dem Kessel liegen darf. In diesem

dadurch bedeutend verlängerten Feuerraume zwischen Rost und

Kesselfläche fand ein ausreichender Zug statt und es konnte nun von den

hohen Schornsteinen abgesehen werden, wie in der That, wie schon

angeführt, die =Gall='schen Schornsteine nur Abflusskanäle für die

Verbrennungsprodukte sein sollen.

[Sidenote: Resumé.]

Aus der vorstehenden Aufzählung der rauchverhütenden und

rauchverbrennenden Feuerungen geht hervor, dass, obgleich bei weitem

nicht alle in Vorschlag gebrachten Constructionen genannt wurden,

bereits viele derselben in Anwendung gebracht worden sind. Wirft man

jedoch die Frage auf, ob ein in der That wirksames Mittel oder eine in

jeder Beziehung befriedigende Construction ermittelt sei, um eine

vollkommene Verbrennung des Brennstoffs in der Feuerung zu erzielen, so

lautet die Antwort verneinend. Hat man sich auch auf den

verschiedensten und mitunter verschlungenen Wegen bemüht, Rauchbildung

zu verhüten theils dadurch, dass man den Rauch mit bereits in

vollständiger Glut befindlichem Brennstoff zusammenbringen wollte, um

ihn zu verbrennen, theils die Anwendung erhitzter Luft zum Verzehren

des Rauches und der Destillationsprodukte der Kohlen empfahl, theils

durch gleichförmiges und beständiges Schüren bei einer Feuerungsanlage

der Rauchbildung vorbeugen wollen, theils endlich dadurch, dass man in

einer regulirten Luftzufuhr die Hauptbedingung einer vollkommenen

Verbrennung und der Verminderung von Rauch erachtete, so muss man doch

gestehen, dass man bis auf den heutigen Tag noch keine Mittel und

Anordnungen kennt, welche in solchem Grade befriedigen, dass sie

allgemein empfohlen werden könnten. Trotzdem haben sich viele

Einrichtungen (der Etagenrost, die Fairbairn'sche Feuerung mit

Doppelrösten) gut bewährt, indem sie wenigstens eine theilweise

Rauchverhütung bewirken, besonders -- wenn man einen tüchtigen und

umsichtigen Heizer anstellt und demselben bei Brennstoffersparung eine

entsprechende Prämie bewilligt.

* * * * *

Register.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 142 / 167 题