Je nach dem Ofenmaterial unterscheidet man die Zimmeröfen ab

a) Leitungsöfen,

b) Massenöfen,

c) gemischte Oefen.

Die eisernen Oefen nennt man =Leitungsöfen=, insofern sie die im

Feuerungsraume entwickelte Wärme so schnell als möglich durch sich

hindurchleiten und an die Zimmerluft abgeben. Bei den thönernen

=Massenöfen= geschieht die Erwärmung nicht durch Canäle oder den

Feuerungsraum, sondern dadurch, dass diejenige Wärme, welche während

der Verbrennung des Brennstoffes von dem Thone aufgenommen wurde, auch

nach dem Verlöschen des Feuers langsam und gleichmässig an die

Zimmerluft abgegeben wird. In dem grösseren Theile von Deutschland

bedient man sich, mit wenigen Ausnahmen, der Leitungsöfen und der

gemischten Oefen, in Russland und Schweden der Massenöfen.

[Sidenote: Leitungsöfen.]

Die =Leitungsöfen= haben sehr verschiedene Construction. Die älteste ist

ohne Zweifel die noch jetzt häufig benutzte Form der =Kanonenöfen=, ein

kanonenähnlicher hohler gusseiserner Cylinder, am oberen Theile mit einem

Blechrohre, am unteren mit einer Heizthüre versehen. Sie haben in der

Regel ein sehr kurzes Rauchrohr, das sofort in den Schornstein mündet,

und sind daher keineswegs brennstoffschonend. Um der

Brennmaterialverschwendung zu steuern, wendet man entweder ein langes

Rauchrohr an, was aber nicht nur den Heizapparat vertheuert, sondern auch

von sehr kurzer Dauer ist, da innerhalb des Rohres sich eine Flüssigkeit

bildet (bei Holzfeuerung Holzessig, bei Steinkohlenfeuerung

ammoniakalisches Wasser), welche sehr bald das Rohr zerstört; oder man

giebt dem Ofen im Innern mehrere verticale Züge, in welchen die

Verbrennungsgase einigemal auf- und absteigen, ehe sie in den Schornstein

gelangen.

Die sogenannten =Durchsichtsöfen=, welche wegen der zwischen den

Feuerzügen bleibenden Zwischenräume den Vortheil einer grossen, der

Zimmerluft dargebotenen Fläche mit gefälliger Form und der

Bequemlichkeit, die sogenannten Röhren zum Hineinstellen von Gefässen

benutzen zu können, vereinigen, sind entweder ganz von Eisen oder

bestehen aus einem eisernen Unterofen mit einem thönernen Aufsatze.

[Sidenote: Massenöfen.]

[Illustration: Fig. 321.]

[Illustration: Fig. 322.]

[Illustration: Fig. 323.]

[Illustration: Fig. 324.]

Von den =Massenöfen= sind die =russischen= und die =schwedischen Oefen=

zu erwähnen. Diese Oefen bestehen aus dicken Kacheln aus gebranntem Thon,

welche durch eine starke Füllung noch mehr Körper erhalten und so

ausgefüttert werden, dass sie eine Stärke von 7 Zoll und darüber

erhalten. In dieser Hülle befinden sich verticale Kanäle zur Leitung der

Verbrennungsgase, deren Anzahl von 4, 6 bis 12 steigt.

[Illustration: Fig. 325.]

[Illustration: Fig. 326.]

[Illustration: Fig. 327.]

Ein =russischer= Ofen ist länglich viereckig und hat sechs Rauchkanäle.

Fig. 321 zeigt den Grundriss, Fig. 322 eine Ansicht der langen, Fig.

323 der schmalen Seite und Fig. 324 den Längendurchschnitt dieses

Ofens. _a_ ist der mit einem Gewölbe überdeckte Feuerraum, aus diesem

steigt das Feuer in dem Kanale 1 in die Höhe, fällt in 2 wieder

abwärts, steigt wieder in 3, fällt in 4, steigt in 5, fällt in 6, von

wo aus es durch das Ofenrohr in den Schornstein gelangt. Jeder dieser

Oefen hat ein 18-30 Centimeter weites Rauchrohr (einen =russischen

Schornstein=) für sich, welches möglichst vertical bis zum Dache hinaus

aufgeführt wird; diese engen Schornsteine haben sich ausserordentlich

bewährt und auch in Deutschland seit geraumer Zeit schon eingebürgert.

Da ein russischer Ofen als Wärmemagazin dienen soll, so ist ein

hermetischer Abschluss nothwendig, sobald das Feuer erloschen ist.

Dieser Abschluss wird durch eine besondere Vorrichtung, die sogenannte

=Gusche= (russisch =Wiuschke=) erreicht. In der Nähe der Verbindung des

letzten Kanales mit dem Rauchrohre ist eine viereckige Platte aus

Gusseisen (Fig. 325, 326 und 327) eingemauert; diese Platte hat in der

Mitte eine Oeffnung von 21-24 Centimeter Durchmesser mit einem aufrecht

stehenden Halse von 3 Centimeter und innerhalb vorstehendem Rande von 2

Centimeter. Ein gusseiserner, mit einem Griff versehener Deckel _a_

passt auf die Oeffnung, ein zweiter grösserer Deckel _b_ mit

vorspringendem Rande passt über den Hals und verschliesst das Ganze.

Beim Heizen wird der Feuerraum mit kurz gesägten Holzstücken gefüllt,

das Holz bei zuerst offener Thür in Brand gesetzt und dann die Thüre

geschlossen, so dass die Luft durch ihre Oeffnungen einströmt. Die

Verbrennung muss so lebhaft als möglich vor sich gehen; auf diese Weise

theilt sich die Wärme der Ofenmasse am schnellsten mit, es bildet sich

kein Rauch und der anfänglich entstandene Rauch wird bei der später

entwickelten hohen Temperatur wieder verbrannt. Die äussere Seite

dieser Oefen wird mit Porcellanplatten oder glasirten Kacheln belegt.

Der =schwedische Ofen= ist von den russischen Oefen im Wesentlichen nur

dadurch unterschieden, dass er gewöhnlich von runder Form ist und

beinahe bis an die Decke des Zimmers reicht. Der Feuerzug steigt in der

Mitte des Ofens in die Höhe, von da aus in zwei Kanälen wieder abwärts,

nochmals in zwei Zügen, welche sich über dem mittleren Kanale

vereinigen, aufwärts und von hier aus durch das in der Decke des Ofens

befindliche Rohr in den Schornstein. Der Verschluss des Rohres wird mit

Hülfe eines Schiebers bewirkt, der die Oeffnung in der oberen Decke

versperrt. Man bewirkt dies mit Hülfe einer über Rollen laufenden

Schnur. Das Brennmaterial wird auf einmal in den Feuerraum gebracht und

nach dem Verbrennen desselben das Register der Heizthüre, so wie des

Rauchrohres genau verschlossen.

[Illustration: Fig. 328.]

[Illustration: Fig. 329.]

[Illustration: Fig. 330.]

[Illustration: Fig. 331.]

[Illustration: Fig. 332.]

[Illustration: Fig. 333.]

[Sidenote: Gemischte Oefen.]

Unter den =gemischten Oefen= hat der =Feilner='sche =Ofen=, welcher als

eine Modification des russischen Ofens anzusehen ist, eine gewisse

Berühmtheit erlangt. Beistehende Figuren (Fig. 328 bis 331) zeigen

ausser vier verschiedenen Grundrissen des Ofens nach den Höhen

genommen, wie er durch die entsprechenden Buchstaben in den

Durchschnitten bezeichnet ist, die Längen- und Querdurchschnitte des

Ofens und zwar Fig. 328 die vordere Ansicht von der langen Seite des

Ofens, Fig. 329 das Profil nach der im Grundriss angedeuteten Linie _A

A_, Fig. 330 Querschnitt nach der Linie _B B_, Fig. 331 Querschnitt

nach der Linie _C C_. Der Feuerherd dieses Ofens ist ein eiserner, von

den umgebenden Thonwänden abstehender Kasten, welcher auf der oberen

Deckplatte an einem Ende mit einer runden Oeffnung versehen ist, in

welche ein 12-18 Centimeter hohes Rohr eingesetzt wird; durch diesen

Cylinder muss sich die ganze Feuermasse durchpressen, um in die Züge zu

gelangen. Eben so wie bei dem russischen Ofen findet hier eine

vollständige Verbrennung ohne Rauch- und Russbildung statt und ein

grosser Theil der entwickelten Wärme theilt sich den Ofenwänden mit.

Damit die Züge möglichst wirken, wird der Ofen durch eine verticale

Scheidewand in zwei Theile getheilt; an dieser Scheidewand sind

horizontale Scheidungen angebracht, so dass die heissen

Verbrennungsgase sich durch die so gebildeten Gänge hindurch bewegen

und immer von der einen Hälfte des Ofens in die andere übergehen

müssen, bis sie oben angekommen sind. Die Verbrennungsgase durchlaufen

in diesen Oefen einen Weg von 9-20 Meter, ehe sie in das Rauchrohr

gelangen, dabei berühren sie die äusseren Ofenwände auf etwa 33

Quadratfuss Fläche, so dass ihnen hinlänglich Gelegenheit geboten ist,

ihre Wärme abzugeben. Da der eiserne Feuerungsraum von allen Seiten

frei steht, so findet sofort nach dem Einheizen auch Erwärmung des

Zimmers statt. In dem unteren Theile des Ofens ist eine Art Luftheizung

angebracht; durch daselbst vorhandene zwei Oeffnungen _a a_ (Fig. 328)

tritt kalte Luft unten ein, welche bei ihrem Emporsteigen so stark

erhitzt wird, dass sie heiss durch die Fig. 328 angedeutete

durchbrochene Verzierung in das Zimmer strömt. Wird nach beendigter

Verbrennung die Verbindung der Züge mit dem Schornstein durch die

Klappe unterbrochen, so nimmt der obere, aus Kacheln bestehende Theil

des Ofens eine solche Temperatur an, dass ein zweites Einheizen an

einem Tage überflüssig ist. _b b b_ ist der aufgemauerte Boden des

Ofens, _c c_ Stützen, welche die gusseiserne Bodenplatte _d d_ des

eisernen Kastens aufnehmen sollen, _e_ sind die drei Seitenplatten,

_f f_ die Deckplatte des Feuerkastens, _g_ ist das auf der Deckplatte

befindliche Rohr, durch welches die Verbrennungsgase in die Züge

treten. Die auf der Deckplatte vorhandenen Mauerziegel tragen die Decke

_h h_; letztere besteht aus einer Blechtafel, in welcher eine runde

Oeffnung ist, von solcher Weite, dass das Rohr _g_ das Blech nicht

berührt. Auf dieses Blech kommt eine mit den Ofenwänden verbundene

Decke aus Dachziegeln und zwar so, dass die von dem Kranze des Rohres

_g_ etwas absteht, wodurch mithin eine Vertiefung sich bildet, welche

mit trocknem Sand oder mit Asche ausgefüllt wird. Diese Vorrichtung

soll das Mauerwerk von dem Eisen isoliren, damit durch die Ausdehnung

des Eisens das Mauerwerk nicht auseinandergetrieben werde. Die

Mauerziegel _i_ bilden die Scheidewand, auf welcher die Decke _k_ ruht.

_l l_ ist die ebenfalls aus Mauerziegeln bestehende Wand, welche, wie

oben erwähnt, den Ofen in zwei Theile theilt. Die Ziegel stehen auf den

Decken _n n_ und sind nur so lang, dass jede der Oeffnungen _n n_

sieben Zoll von der gegenüberstehenden Steinwand absteht; durch die

Oeffnungen _o o_ steigt der Rauch in die Höhe, _p p_ ist das an dem

letzten Kanal angebrachte Rauchrohr. Bei dem Feilner'schen Ofen geht

mithin das Feuer aus dem Feuerkasten _e_ durch das Rohr _g_, stösst an

die Decke _k_, wendet sich hier um die Wand _i_, geht durch die

Oeffnung _o_ in den Kanal _n_ und endlich in das zum Schornstein

führende Rauchrohr.

Beachtenswerth ist ferner der =auf Braunkohlen= eingerichtete

=Henschel='sche =Ofen=, welchen Fig. 332 im verticalen, Fig. 333 im

horizontalen Durchschnitt nach der Linie _A B_ zeigt. Dieser Ofen

besteht aus zwei Cylindern, einem äusseren von Gusseisen _a_ und einem

inneren von starkem Eisenblech _b_. Der äussere Cylinder steht auf dem

viereckigen Aschenkasten _c d_, der oben mit dem Roste _e_ versehen

ist. Der innere Blechcylinder reicht nicht bis zum Roste und lässt sich

durch den gut schliessenden Deckel _g_ verschliessen. Der äussere

Cylinder wird durch den Deckel _h_ verschlossen. Beim Gebrauch wird der

Blechcylinder mit Braunkohlenstückchen angefüllt; es werden beide

Cylinder durch ihren Deckel verschlossen und die Braunkohle im

Feuerraume _i_ durch _k_ entzündet. Die Verbrennung kann

begreiflicherweise nur auf dem Roste vor sich gehen, wobei der Luftzug

zwischen den beiden Cylindern nach oben geht und durch das Rohr _l_

abzieht. Die in den Blechcylindern befindliche Braunkohle sinkt in dem

Verhältnis, als die Verbrennung fortschreitet, auf den Rost herab. Die

auf dem Roste sich nach einiger Zeit ansammelnde Asche, welche die

Verbrennung unterbrechen würde, wird durch das unter dem Rost

befindliche drehbare Kreuz _m_, welches mit einigen, zwischen den

Roststäben durchgehenden Stäben versehen ist und von aussen durch _n_

leicht bewegt werden kann, beseitigt. Durch das Rohr _o_ soll der im

oberen Theile des Ofens etwa vorhandene Rauch abgeleitet werden. Ein

solcher Ofen brennt in der Regel 48 Stunden. Grosse Verdienste hat sich

=H. Meidinger= (in Carlsruhe) um die Construction von Füllöfen

erworben.

[Sidenote: Luftheizung.]

Die =Luftheizung= ist eine Art von Ofenheizung und unterscheidet sich von

der gewöhnlichen Heizung mit Hülfe von Oefen dadurch, dass der Ofen in

den meisten Fällen nicht in dem zu erwärmenden Raume selbst, sondern in

einem besonderen, in der Heizkammer sich befindet, in welcher sich die

Luft erwärmt und sodann durch Kanäle in die zu heizenden Räume gelangt.

Der Zweck der Luftheizung (Centralheizung) ist, mittelst eines Ofens

einen grossen Raum möglichst gleichmässig zu erwärmen, oder eine Anzahl

Zimmer zu gleicher Zeit zu heizen, endlich auch in gewissen Fällen, wo

in einem Raume der Ofen aus Gründen hinderlich wäre, den Ofen zu

beseitigen. Es giebt drei verschiedene Methoden der Luftheizung, die

sich wesentlich durch die Art und Weise des Luftwechsels in dem zu

heizenden Raume unterscheiden:

a) Die äussere kalte Luft tritt in den Heizraum und strömt als erwärmte

Luft durch einen Kanal in den zu heizenden Raum; ein der

eintretenden Luft gleiches Volumen Zimmerluft strömt durch die

Fenster- und Thürfugen aus.

b) Die erwärmte Zimmerluft geht durch einen Kanal in die Heizkammer

zurück, erwärmt sich hier und tritt wieder in das Zimmer. Wenn die

Methode a den Vorzug hat, das Zimmer stets mit neuer Luft zu

versorgen und dadurch das Zimmer ununterbrochen zu ventiliren, so

wird durch die Methode b diejenige Wärmemenge erspart, welche bei

der ersten Methode durch das Ausströmen der erwärmten Luft entzogen

wird.

c) Eben so wie nach Methode a erwärmt sich die äussere kalte Luft in

dem Heizraume und gelangt in das Zimmer; die Zimmerluft geht jedoch

durch einen Kanal zu dem Feuer und dient zu seiner Unterhaltung.

Diese Methode verbindet die Vortheile von a und b, indem neben

fortwährender Ventilation auch Ersparniss an Brennmaterial

stattfindet.

Vergleicht man letztere Methode mit der Heizung eines Zimmers durch

einen Stubenofen, der von =innen= geheizt wird, so ist bei der zweiten

Methode der Vorgang der Luftcirculation auf die Heizung eines Zimmers

durch einen von =aussen= geheizten Ofen zurückzuführen.

Man unterscheidet =zweierlei= Arten von Luftheizung, wenn man die

Construction des Heizraumes und den Ort, an dem sich derselbe befindet,

als Eintheilungsgrund gelten lässt, nämlich

a) die Luftheizung mit einem Mantelofen,

b) die Luftheizung mit einer Heizkammer.

Die erstere Art nähert sich ausserordentlich der gewöhnlichen

Ofenheizung und ist von ihr nur dadurch unterschieden, dass der in oder

neben dem zu heizenden Raume befindliche Ofen mit einem thönernen

=Mantel= umgeben ist, welcher überall 6-8 Zoll vom Ofen absteht, oben

offen und unten in der Nähe des Fussbodens mit Oeffnungen versehen ist.

Wird nun der Ofen geheizt, so steigt die in dem Zwischenraum zwischen

Ofen und Mantel befindliche Luft erwärmt in die Höhe, an ihrer Stelle

tritt durch die Oeffnungen im unteren Theil des Mantels kalte Luft,

welche, nachdem sie erwärmt worden ist, ebenfalls emporsteigt u. s. f.,

und so passirt in sehr kurzer Zeit alle Luft des Zimmers den Raum

zwischen Ofen und Mantel und ist dann gleichmässig erwärmt. Man kann

auf diese Weise einen sehr grossen Raum ganz auf dieselbe Temperatur

bringen, während bei Anwendung eines gewöhnlichen Ofens in demselben

Raume in der Nähe eine lästige Hitze und in nicht grosser Entfernung

davon eine empfindliche Kälte herrschen würde. Bei der eigentlichen

=Luftheizung mit einer Heizkammer= ist zuerst die =Heizkammer= zu

unterscheiden, in welcher der Heizofen aufgestellt ist; sie ist

gewölbt. Die Heizkammer soll den möglichst kleinen Umfang haben, damit

die erwärmte Luft so heiss als möglich aus der Heizkammer fortgeführt

werde und nicht Zeit habe, Wärme an die Mauerwände abzugeben. Die

Kanäle zur Ableitung der erwärmten Luft öffnen sich an der Decke der

Heizkammer, der Zuleitungskanal für kalte Luft mündet unmittelbar über

dem Boden der Ofenkammer. Die Entfernung des Ofens von den Seitenwänden

beträgt nur 12-16 Centimeter, das Gewölbe der Kammer führt man jedoch

1-1,3 Meter über der Ofendecke hinweg. Der wesentlichste Theil der

Luftheizungsöfen ist der =Ofen=. Man hat gefunden, dass die Kastenform

die geeignetste Form für den Ofen ist. Der Kasten ist entweder von

Gusseisen oder aus starkem Blech und genietet. Hinsichtlich der Grösse

des Ofens ist zu bemerken, dass 1 Quadratfuss Oberfläche ungefähr

800-1000 Kubikfuss Luft zu heizen im Stande sei. Eine andere

Einrichtung der Luftheizung ist folgende: Mehrere über und neben

einander liegende, mit einander in Verbindung stehende gusseiserne

Röhren werden in dem Feuerraume des Ofens so angebracht, dass zu dem

einen Ende kalte Luft ein- und zu dem anderen Ende erwärmte ausströmt.

In der Regel findet das Einströmen durch die unterste Röhrenreihe und

das Ausströmen durch die oberste statt. Da die warme Luft, als

leichter, immer in die Höhe zu steigen, die kalte schwerere hingegen,

stets hinabzusinken sucht, so ist es erforderlich, dass die Heizkammer

unterhalb aller zu heizenden Localitäten, demnach in dem Falle, dass

solche sich auch im Erdgeschosse des Hauses befinden, im Keller

angebracht sei. Aus gleichem Grunde sollen die Kanäle zum Abführen der

warmen Luft so viel als möglich senkrecht in die Höhe steigen. Die

Ausströmungsöffnungen in den Zimmern legt man am besten nahe über dem

Fussboden an; sie erhalten zum Verschluss ein durchbrochenes Gitter zum

Durchlassen der Wärme und ausserdem noch einen Schieber zum völligen

Absperren.

Die Klage über grössere Trockenheit der Luftheizung im Vergleiche mit

Ofenheizung ist eine gegründete, indem die Luft in den auf diese Weise

geheizten Localen bald jenen Grad der Feuchtigkeit verliert, der zum

Wohlbefinden der Menschen nothwendig ist. Die Mittel, welche man

gewöhnlich anwendet, um der zu grossen Trockenheit dieser Luft zu

begegnen, sind folgende: Man stellt eine Schüssel mit Wasser ins

Zimmer, am besten in die Nähe des Luftheizungskanals oder selbst in

demselben auf, damit die Luft dieses Wasser trinke. Andere bringen

einen mit Wasser angefüllten Badeschwamm in den Kanal. =v. Pettenkofer=

hat das Unzureichende dieser Mittel nachgewiesen. Die Luftheizung

eignet sich nicht für gewöhnliche Wohnzimmer, welche einen ganzen

Winter unseres Klimas hindurch mit heisser Luft geheizt worden sollen.

Dort wird sich zwar nicht gleich am Anfang des Winters, aber gewiss in

der Mitte, wenn die Wände bereits mehr Wasser verloren haben, als ihnen

durch Absorption aus der freien Atmosphäre täglich wieder ersetzt wird,

die Klage über Trockenheit der Luft erheben. Räume, welche selten

geheizt werden, eignen sich dagegen sehr für Luftheizung; ebenso Räume,

wie Theater, Concertsäle, in welchen sehr viele Menschen, brennende

Lichter oder andere ergiebige Quellen für Wasserdampf befinden.

[Sidenote: Calorifères.]

Das System der =Luftheizung= mittelst sogenannter =Calorifères=, das in

Grossbritannien, Nordamerika, Schweden und Russland ziemlich allgemein

eingeführt ist, bricht sich seit einer Reihe von Jahren auch in

Deutschland Bahn; namentlich für öffentliche Gebäude mit weiten Räumen

(z. B. die beiden grössten Kirchen der Stadt Leipzig), obgleich es auch

für Privatwohnungen durchaus zweckmässig erscheint. Unter den

verschiedenen bisher aufgetretenen Verfahren der Luftheizung sind

diejenigen von =Hartmann= in Augsburg, =Boyer & Co.= in Ludwigshafen a.

Rh., =Bacon & Perkins= in Hamburg die bekanntesten. Neuerdings haben

=Reinhardt & Sammet= in Mannheim sich durch das ihrige einen Namen

erworben. Ihre Calorifères befinden sich im Souterrain und haben so

grosse Heizflächen nebst so geregelter Circulation, dass das Feuer

ausgenutzt und der Eintritt von Rauch in die Kanäle unmöglich gemacht

wird. Die zu erwärmende Luft wird von der Aussenseite des Gebäudes

hergeleitet, wo sie am reinsten ist, und tritt, nachdem sie sich um den

Calorifères erhitzt hat, mittelst Einströmungskanäle in die zu

heizenden Räume. Wandschieber von gefälliger Form regeln den Eintritt

der Heizluft derart, dass bei wechselnder äusserer Temperatur in den

Räumen eine gleichmässige Wärme erhalten wird; Ausströmungsöffnungen

führen die durch Athmen u. s. w. verdorbene Luft schnell ab. Eine

tröpfelnde Wasserrinne, welche sinnreich mit dem Apparat verbunden ist,

versieht den Luftstrom mit so viel Wasserdampf, als zum gesunden,

behaglichen Athemholen nothwendig ist. Zu diesen innern Vortheilen, der

Ofenfeuerung gegenüber, gesellen sich noch einige äussere von

erheblichem Werth, nämlich ein bedeutender Minderverbrauch an

Brennmaterial und die Abhaltung von allem Staub und Schmutz. Endlich

kann die ganze Heizung durch einen gewöhnlichen Arbeiter beschickt und

sicher geregelt werden. Bei dem System der Luftheizung, welches die

Firma =Boyer & Co.= in Ludwigshafen bereits vielfach (namentlich in

Bayern, z. B. in der Aula der Universität München, dem Centralbahnhofe

in Würzburg etc.) ausgeführt hat und das 75 Proc. Nutzeffect geben

soll, werden die Heizröhren nicht aus Eisenblech, sondern in

Holzkohleneisenguss von angemessener Wandstärke ausgeführt und die

Apparate sind so eingerichtet, dass kein Theil derselben weissglühend

und nur der kleinste Theil rothglühend wird, so dass Reparaturen fast

gar nicht vorkommen und die Luft niemals durch entweichende

Verbrennungsprodukte verunreinigt wird. Um den Röhren bei kleinem

Durchmesser eine möglichst grosse Heizfläche zu geben, erhalten sie

einen plattelliptischen Querschnitt, so dass pro Kilogramm stündlich

verbrennender Kohlen 2,5 Quadratmeter Heizfläche geboten werden können.

Um die Wärme der Verbrennungsprodukte vollständig zu verwerthen, lässt

man dieselben ein inneres Röhrensystem durchlaufen und in das äussere

erst treten, nachdem sie schon wesentlich abgekühlt sind. Die

Strahlwärme des erhitzten Röhrensystems wird so ganz von dem äussern

System aufgefangen und von diesem an die mit ihm in Berührung kommende

zu heizende Luft wieder abgegeben. Das äussere Röhrensystem ist von

einer mit einer glatten Kalkschicht überzogenen Mauerhülle umgeben,

welche sich nur so wenig erwärmt, dass ein Wärmeverlust nach Aussen

durch Strahlung, welche nicht der zu erwärmenden Luft zu gut kommt,

fast gar nicht stattfindet. Die Verbrennungsprodukte werden so weit

abgekühlt, dass sie mit kaum 100° C. in den Schornstein entweichen. Der

Rauch wird, wenn nicht ganz schlechtes Brennmaterial angewendet wird,

fast vollständig verbrannt und können meist unmittelbar die

gewöhnlichen Kamine verwendet werden. Um die der gewöhnlichen

Luftheizung so oft und mit Recht vorgeworfene unangenehme und

schädliche Trockenheit zu vermeiden, wird die erwärmte Luft mit

Wasserdampf gemischt und werden täglich pro 100 Kubikmeter Heizraum

1,5-2 Liter Wasser verdampft.

[Sidenote: Kanalheizung.]

Die =Kanalheizung= besteht darin, dass unter dem Fussboden des zu

heizenden Locales Kanäle hin- und herlaufen, an deren einem Ende sich

der Feuerherd, an deren anderem Ende sich der Schornstein befindet, so

dass die heissen Verbrennungsgase durch diese Kanäle hindurchziehen.

Die Kanäle gehen unter dem Fussboden, welcher mit Steinplatten oder

gebrannten Ziegeln bedeckt ist, im Zickzack hin und her, sind nach

unten bogenförmig oder in Gestalt einer Rinne und ausgemauert.

Auswendig ist der Kanal mit trocknem Mauerschutt umgeben. Der Feuerherd

befindet sich in einem nahe gelegenen Behältnisse im Keller oder in

einer Ausgrabung unter der Erde. Der Schornstein geht in einer der

Seitenwände in die Höhe. Man wendet die Kanalheizung jetzt noch am

häufigsten zur Erwärmung von Treibhäusern an, sonst wegen der

bedeutenden Feuersgefahr selten.

[Sidenote: Heisswasserheizung.]

Anstatt die Luft unmittelbar zu erwärmen, bedient man sich zuweilen eines

Zwischenträgers, nämlich des =Wassers=, welches sich seiner hohen

specifischen Wärme wegen ganz besonders dazu eignet. Die darauf basirte

Heizung nennt man die =Heisswasserheizung=[200]. Es kommt dabei darauf

an, ein mit heissem Wasser angefülltes Gefäss in den zu heizenden Raum zu

bringen und Sorge zu tragen, dass die Wärme, die das Wasser verliert,

wieder ersetzt wird. Man unterscheidet die gewöhnliche

=Warmwasserheizung= oder =Niederdruckheizung=, bei welcher das Wasser

niemals über seinen Siedepunkt hinaus erhitzt wird, von der eigentlichen

=Heisswasserheizung= oder =Hochdruckheizung=, von welcher weiter unten

die Rede sein wird.

[200] 1 Kilogr. Wasser von 100° lässt, wenn es sich bis auf 20°

abkühlt, 80 W.-E. entweichen, welche 32 Kilogr. oder 24,61

Kubikmeter Luft um 10° erwärmen können.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 141 / 167 题