CO + H_{2}O = CO_{2} + H_{2}.

Nur in dem Falle, dass die entstandene Kohlensäure dem

Gaserzeugungsapparate nicht schnell genug entzogen wird, sondern einige

Zeit mit glühenden Kohlen in Contact gelassen wird, kann die

Rückbildung von Kohlenoxyd unter Verwendung eines neuen

Kohlenstoffäquivalents erfolgen. Das Wassergas hat eine grosse Zukunft!

[Sidenote: Gillard's Gas.]

=Platingas von Gillard.= Im Jahre 1846 errichtete =Gillard= zu Passy bei

Paris eine Gasanstalt, in welcher Wasserstoffgas, durch Zersetzen des

Wassers erhalten, zu Beleuchtungszwecken dargestellt wurde. Das

anfänglich zu Grunde gelegte Princip bestand in der Zersetzung von

Wasserdämpfen in einer mit Eisendraht gefüllten, glühenden Gasretorte,

aber mit einer Einrichtung, welche es ermöglichte, den oxydirten und

dadurch unwirksam gewordenen Draht sofort und zur Stelle wieder wirksam

zu machen. Grosse Schwierigkeiten veranlassten jedoch =Gillard=, dieses

System gegen ein anderes zu vertauschen und zwar gegen die Zersetzung des

Wasserdampfes vermittelst Hindurchleiten durch eine Retorte mit glühenden

Kohlen. Man reinigt das so erhaltene kohlensäurereiche Gas, indem man es

über krystallisirtes Natriumcarbonat leitet, welches dadurch in

Bicarbonat übergeht. Das Gas strömt durch einen Argandbrenner mit sehr

vielen kleinen Löchern aus; die Flamme ist mit einem Netzwerk von mässig

feinem Platindraht umgeben, welches in kurzer Zeit in's Weissglühen kommt

und dadurch die Gasflamme leuchtend macht. In Paris nennt man dieses Gas

=Platingas= (_gaz-platine_).

Es ist völlig rein, geruchlos und verbrennt begreiflicherweise ohne

Russ. Aus diesem Grunde namentlich ist es in den Werkstätten und

Magazinen von =Christofle u. Co.= in Paris eingeführt. Seine

Leuchtkraft ist grösser als die des Kohlengases (das Verhältniss ist

nach =Girardin= wie 130 : 127). Die Schönheit der Flamme lässt nichts

zu wünschen übrig, da die grosse Beständigkeit und Unbeweglichkeit des

Lichtes diese Art der Beleuchtung zu einer höchst angenehmen macht,

indem es ja ein zur Weissglut gebrachter fester Körper ist, welcher das

Licht ausstrahlt, aber keine unruhige flackernde Flamme, wie solche das

gekohlte Leuchtgas liefert[184]. Nach der Angabe von =Verver= brauchte

man in Narbonne zur Produktion von 1 Kubikmeter Gas 0,32 Kilogr.

Holzkohle und zur Heizung 1,41 Kilogr. Steinkohle.

[184] Ueber das Wassergas und seine hohe Bedeutung hat unlängst

=C. Schinz= (Jahresbericht der chem. Technologie 1869 p. 731)

eine beachtenswerthe Abhandlung veröffentlicht.

[Sidenote: Carburirtes Wassergas.]

=Carburirtes Wassergas.= =Faraday= wies, bei Gelegenheit seiner

Untersuchung über das Oel, welches beim Comprimiren des aus Oel

dargestellten Leuchtgases sich bildet, nach, dass wenn Grubengas, das an

sich wenig leuchtet, mit diesem Oel in Berührung kommt, dasselbe mit

stark leuchtender Flamme brennt. =Lowe= griff diese Beobachtung auf und

machte bereits 1832 den Vorschlag, gewöhnliches Kohlengas zur Vermehrung

seiner Leuchtkraft mit Dämpfen von Theeröl oder von Petroleum zu

imprägniren; zu gleicher Zeit lehrte er mit Hülfe von Wasserdämpfen und

Koks ein Gemenge von Kohlenoxyd und Wasserstoffgas zu erzeugen, welches

durch die Dämpfe der genannten Kohlenwasserstoffe in Leuchtgas

übergeführt wurde. Später hat =Jobard= in Brüssel diesen Gegenstand

wieder aufgenommen und das Resultat seiner Versuche dem französischen

Ingenieur =Selligue= mitgetheilt, welcher durch frühere Versuche (seit

1833) über den nämlichen Gegenstand gründlich vorbereitet, die Sache mit

Eifer angriff und zuerst das gekohlte Wassergas zur Beleuchtung im

Grossen verwendete. Zum Kohlen des Wassergases wendete =Selligue=

Schieferöl an, welches durch trockene Destillation aus bituminösem

Mergelschiefer auf dieselbe Weise gewonnen wird, nach der man heutzutage

noch zu Reutlingen und anderen Orten das Schieferöl gewinnt. Zu dem

Gasapparate von =Selligue= gehört eine Batterie von drei Retorten, welche

beständig im Rothglühen erhalten werden. Zwei dieser Retorten sind mit

Kohle angefüllt. Ein Wasserdampfstrom tritt in die erste Retorte ein und

bildet hier Kohlenoxyd und Wasserstoffgas; in der zweiten Retorte wird

die Zersetzung vervollständigt und die vorher entstandene Kohlensäure zu

Kohlenoxyd reducirt (ganz entgegengesetzt dem heutzutage bei der

Bereitung des Wassergases üblichen Verfahren, nach welchem man das

Kohlenoxyd möglichst vollständig zu Kohlensäure zu oxydiren sucht). Das

glühende Gemenge von Kohlenoxyd und Wasserstoff tritt in die letzte

Retorte, wo es das in Zersetzung begriffene Schieferöl trifft; diese

Retorte enthält bis zu 2/3 ihrer Höhe eine eiserne Kette, um die

Heizfläche zu vermehren. Ein continuirlicher Strom von Schieferöl (auf

10,000 Liter Gas rechnet man 5 Kilogr. Oel) rinnt von oben in die Retorte

herab, wo es sofort zersetzt und mit dem Gemenge von Kohlenoxyd und

Wasserstoff in Wechselwirkung gebracht wird. Ein Gasofen mit sechs

Retorten (zusammen von 6 Kubikmeter Capacität) giebt nach =Selligue= in

24 Stunden 24,000 bis 28,000 Hektoliter Leuchtgas, wobei consumirt werden

1231 Kilogr. Schieferöl nebst 400 Kilogr. Holzkohle als Gasmaterial und

16 Hektoliter Steinkohle zum Heizen.

Aus dem =Selligue='schen Verfahren sind die folgenden Methoden

hervorgegangen: 1) Der =White='sche Process oder der

=Hydrocarbonprocess=, nach welchem aus Wasserdämpfen und Kohle

dargestelltes Wassergas mit einem Antheil unzersetzten Wasserdampfes

gemischt, durch eine Retorte geht, in welcher man nach dem früheren

Verfahren =Harz=, nach dem neueren =Cannel=- und =Bogheadkohle= der

trocknen Destillation unterwirft; 2) das Verfahren von =Leprince=,

welches das _Gaz mixte de Leprince_ liefert, ist im Wesentlichen nichts

weiter als der verbesserte =White='sche Process. Die

Zersetzungsprodukte von Wasserdämpfen und Koks gehen mit Wasserdämpfen

gemischt bei der geeigneten Temperatur (in der nämlichen Retorte) über

=Steinkohle=; 3) das Verfahren von =Isoard=, nach welchem überhitzte

Wasserdämpfe mit =Steinkohlentheer= zusammengebracht werden; 4) nach

der Methode von =Baldamus= und =Grüne= werden der Wasserdampf und der

flüssige Kohlenwasserstoff zu gleicher Zeit in dem nämlichen Raume

zersetzt; 5) das Verfahren von =Kirkham= u. A., nach welchem Wassergas

(auf gewöhnliche Weise durch Zersetzen von Wasserdampf durch glühende

Kohle in einem von ihm construirten Apparate dargestellt) einfach durch

Imprägniren mit Dämpfen flüssiger Kohlenwasserstoffe (Benzol, Photogen,

Petroleum, Naphta) leuchtend wird; 6) als Anhang zum Wassergas sei das

von =Longbottom= vorgeschlagene =carbonisirte Luftgas=, aus

atmosphärischer Luft mit Dämpfen von Benzol oder Petroleumnaphta (nach

=Wiederhold=) imprägnirt bestehend, erwähnt.

[Sidenote: White's Hydrocarbonprocess.]

1) Der =Hydrocarbonprocess von White=. Der Vorschlag von =Selligue=, das

Wassergas mit den Dämpfen leichtflüssiger Kohlenwasserstoffe zu

imprägniren, um ihm die Eigenschaft zu ertheilen mit leuchtender Flamme

zu verbrennen, wurde von dem Engländer =White= dahin abgeändert, dass er

das Wassergas mit unzersetztem Wasserdampf gemischt, durch eine Retorte

streichen liess, in welcher er Cannel- oder Bogheadkohle oder Harz bei

starker Glühhitze der trocknen Destillation unterwarf. Das =White='sche

Verfahren oder der sogenannte =Hydrocarbonprocess= fand im Anfange wenig

Anklang, später aber, als von =Frankland= auf dem Gaswerke von =Clarke u.

Co.=, Ancoats, Manchester, angestellte Versuche ein günstiges Resultat

geliefert, wurde das Verfahren bekannter, ohne dass jedoch dessen

Einführung in die Praxis gelungen wäre.

Die von =Frankland= ausgeführten Analysen des so dargestellten Gases

zeigen, dass in dem Gase gegen 15 Proc. Kohlenoxyd, aber keine

Kohlensäure sich findet, der Gehalt an Wasserstoffgas dagegen bis zu 45

Proc. beträgt. Diese Zunahme des Wasserstoffgehaltes ohne äquivalente

Vermehrung des Kohlenoxydgehaltes kann nur aus der Einwirkung von

Wasserdampf auf das Sumpfgas der mit Cannelkohle gefüllten Retorte

erklärt werden, vielleicht nach folgender Gleichung:

Sumpfgas CH_{4} } geben { Kohlenoxyd CO

Wasserdämpfe H_{2}O) } { Wasserstoffgas 3H_{2}

Die Zusammensetzung der erhaltenen Gase -- mit und ohne Wassergas --

war folgende:

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 133 / 167 题