Die Leimfabrikation fördert dreierlei Arten von Leim zu Tage, nämlich

a) den sogenannten =Haut-= oder =Lederleim= aus Haut, Sehnen u.

dergl.;

b) den =Knochenleim= aus Knochen;

c) den =Fischleim= aus der Schwimmblase gewisser Fische.

An diese Leimsorten schliessen sich die in jüngster Zeit aufgetauchten

Arten Leim, der =Kleberleim= und der =Eiweissleim= an.

[Sidenote: Lederleim.]

Der =Haut-= oder =Lederleim=. Die thierischen Stoffe, das =Leimgut= oder

das =Leimleder=, aus denen der Fabrikant Leim darstellt, sind gewöhnlich

Abfälle, so die Abfälle der Gerberei, alte Handschuhe, Kaninchen- und

Hasenfelle, die vom Hutmacher von den Haaren befreit wurden, ferner

Katzen- und Hundefelle, Ochsenfüsse, Pergamentabschnitzel, Suronen

(Felle, die für viele südamerikanische Droguen wie z. B. Indig als

Verpackung dienen), Flechsen, Gedärme, Lederabfälle der Schuhmacher,

Sattler, Riemer und dergl. (welche letztere, als lohgares Leder, jedoch

nur unter gewissen Verhältnissen zur Leimfabrikation Anwendung finden

können). Im Allgemeinen rechnet der Leimfabrikant von feuchtem und aus

den verschiedensten Abfällen bestehenden Leimgut auf eine Ausbeute von 25

Proc. Den Vorzug giebt er dem Abfall aus den Alaungerbereien und

Handschuhfabriken, indem dieselben gereinigt und durch Kalk in einen

aufbewahrungsfähigen Zustand versetzt, dem Leimsieder dargeboten werden.

Die Verarbeitung des rohen Leimleders auf Leim zerfällt in folgende vier

Operationen:

1) das Kalken des Leimgutes,

2) " Versieden desselben,

3) " Formen der Gallerte,

4) " Eintrocknen derselben zu Leim.

[Sidenote: Kalken des Leimgutes.]

I. Das =Kalken des Leimgutes= hat zum Zweck die Reinigung der Abfälle und

die Erreichung grösserer Haltbarkeit. Zu dem Ende behandelt man das

Leimgut in den =Kalkäschern=, d. h. in grossen Gruben oder Behältnissen

mit dünner Kalkmilch 15-20 Tage lang, wobei man die Kalkmilch öfters

erneuert. Durch diese Operation werden die dem Leimgute adhärirenden

Blut- und Fleischtheile gelöst und die Fettsubstanzen verseift. Nachdem

dies geschehen, muss der anhängende Kalk entfernt werden. Zu diesem

Behufe schliesst man das gekalkte Leimgut in Netze oder Weidengeflechte

ein, die man in fliessendes Wasser oder in einen Brunnen hängt und der

Einwirkung des Wassers mehrere Tage lang ausgesetzt lässt. Das gewaschene

Gut breitet man an der freien Luft aus, um es zu trocknen und den

Aetzkalk in Carbonat überzuführen. Sind die Materialien genügend

getrocknet, so verpackt man sie und versendet sie an die Leimfabrikanten.

In der Leimsiederei wird das getrocknete Leimgut vor dem Versieden

nochmals in schwacher Kalkmilch macerirt und dann ausgewaschen.

Nach =Fleck= erscheint es zweckmässiger, an die Stelle der Kalkmilch

schwache Aetzlauge treten zu lassen (auf 750-1000 Kilogr. Leimgut sei

eine Lauge aus 5 Kilogr. calcinirter Soda und 7,5 Kilogr. Aetzkalk

ausreichend). An Orten, wo Rothgerberei und Leimsiederei in einer

Fabrik betrieben werden, macerirt man im Kalkäscher behandeltes Leimgut

einige Stunden mit alter Lohbrühe; der Säuregehalt derselben, von

Milchsäure, Buttersäure und Propionsäure herrührend, trägt zur

Entfernung des Kalkes aus dem Leimgut bei; es bildet sich ferner auf

der Oberfläche des Leimleders eine dünne Schicht von Leimtannat, das

beim Versieden als Schaum an der Oberfläche der Flüssigkeit sich

abscheidet und als Klärmittel wirkt. Nach der Angabe von =Dullo= wird

bei der Darstellung von Cölner Leim, der sich durch seine helle Farbe

und grosse Klebkraft auszeichnet, das gekalkte Leimgut unmittelbar aus

dem Kalkäscher in ein Chlorkalkbad gebracht und dadurch gebleicht.

[Sidenote: Versieden des Leimgutes.]

II. =Das Versieden des Leimgutes= geschieht entweder auf gewöhnliche

Weise in Siedekesseln oder durch fractionirtes Sieden oder endlich durch

Anwendung von Dampf. Die Art und Weise des Leimkochens influirt auf die

Qualität des zu erzielenden Leimes, was darin begründet ist, dass die

Ueberführung des Leimgutes in Leim oder vielmehr in Gallerte unter dem

Einflusse siedenden Wassers nur sehr langsam und nach und nach erfolgt;

die zuerst entstandenen Portionen Gallerte bleiben aber der Einwirkung

der Siedehitze ausgesetzt, bis alles Leimgut vollständig gelöst ist, in

dieser Zeit erleidet sie jedoch wesentliche Veränderungen, namentlich

verliert sie ihre Fähigkeit zu gelatiniren und bildet einen Leim von

schwächerem Klebevermögen und weit dunklerer Farbe, welche letztere

indessen häufig, allerdings mit Unrecht, als ein Kennzeichen eines

vorzüglichen Leimes angesehen wird. Ein rationelles Verfahren der

Leimfabrikation würde mithin eine sofortige Trennung des gelösten Leimes

von dem noch ungelösten Leimgute erheischen. Nach dem =älteren= Verfahren

bringt man das Leimgut mit der erforderlichen Wassermenge in den Kessel

und lässt so lange sieden, bis das Leimgut geschmolzen ist. Die Kessel

sind mit Hähnen zum Ablassen der Leimlösung versehen. Es ist

selbstverständlich, dass das Leimgut den Boden nicht berühren darf, wo es

unfehlbar verbrennen würde. Man bringt daher in den Kessel ein Drahtsieb

oder Weidengeflecht, das man zunächst mit einer Lage Stroh bedeckt und

auf dasselbe das Leimgut schichtet, bis der innere Kesselraum damit

erfüllt ist. Nachdem das Leimgut so mit weichem Wasser übergossen worden

ist, dass die Flüssigkeit nach beendigter Lösung des Leimgutes die zum

Gelatiniren erforderliche Consistenz besitzt, beginnt man mit der

Heizung. Das Leimgut vergrössert sein Volumen, wird durchscheinend und

schmilzt nach und nach. Sobald alles Leimgut in der Flüssigkeit

zusammengegangen, bildet sich auf der Flüssigkeit Schaum, der mittelst

einer Schaumkelle beseitigt wird. Zu der Lösung setzt man nun die Abgänge

von fertigem Leim früherer Operationen und feuert so lange fort, bis die

Lösung Probe hält. Die Probe wird auf folgende Weise ausgeführt: Man

setzt eine mit der heissen Leimlösung gefüllte halbe Eierschale auf

kaltes Wasser, gesteht die Lösung nach einiger Zeit zu einer ziemlich

consistenten Gallerte, so ist das Versieden beendigt und die Flüssigkeit

wird mittelst des Hahnes und eines Ablassrohres durch einen mit Stroh

belegten Spankorb filtrirt und hierauf in die Decantirgefässe --

=Leimkufen= -- gebracht, in denen sie durch Absitzenlassen geklärt und

hierauf in die Formen gelassen wird. Damit die Gallertlösung während der

Decantirung flüssig bleibe, sind die Kufen -- gewöhnlich hölzerne,

inwendig mit Bleiblech überkleidete Bottiche -- aussen mit schlechten

Wärmeleitern (Sägespänen, Häcksel) umgeben.

In einigen Fabriken bedient man sich zum Decantiren eines tiefen, engen

Kessels mit einer derart eingerichteten Feuerung, dass nur der obere

Theil der Wände, nicht aber der Boden und der untere Theil der Wände

geheizt wird. Leimkufe und Decantirkessel werden vorgewärmt, ehe man

die Leimlösung zulaufen lässt. Behufs der Klärung rührt man eine kleine

Menge feingepulverten Alauns (0,75-1,5 pro Mille der Flüssigkeitsmenge)

in die Flüssigkeit und lässt sie eine Nacht hindurch ruhig stehen.

Durch den Alaun wird der in dem Leim enthaltene Kalk zum grossen Theile

als Gyps unlöslich ausgeschieden, ebenso werden auch organische

Substanzen gefällt, welche den Leim verunreinigen würden. Der

Alaunzusatz hat den Nutzen, dass er die Gallerte während des

Eintrocknens zu Leim vor Fäulniss bewahrt, auf der anderen Seite aber

den Nachtheil, dass er das Klebvermögen des Leimes verringert. Ohne

Zweifel wird der Alaun durch andere minder schädliche Mittel ersetzt

werden können, der Kalk lässt sich vielleicht entfernen durch

Oxalsäure, deren gegenwärtiger Preis eine technische Anwendung möglich

macht, und die organischen Körper, die aus der Leimlösung zu entfernen

sind, können durch Zusatz geringer Mengen von Adstringentien während

des Kochens mit dem Schaum entfernt werden. Eine Abkochung von

Eichenrinde oder besser noch von Hopfen haben bei Versuchen im Kleinen

treffliche Dienste geleistet.

[Sidenote: Fractionirtes Sieden.]

Wenn man beim Leimsieden die zweckmässigere Methode des =fractionirten

Siedens= anwendet, wobei man das zu lange Verweilen des Leimes in höherer

Temperatur umgeht, so bringt man eine weit geringere Quantität Wasser,

als zum Lösen der Totalmenge des gleichzeitig verwendeten Leimgutes

erforderlich ist, in den Kessel und beginnt zu heizen. Sobald die

Dampfbildung anfängt, wird der Kessel mit einem gut schliessenden Deckel

bedeckt, damit die Dämpfe auf die vom Wasser nicht bedeckten Theile des

Leimgutes einwirken und dieselben in Leim überführen. Sobald das Wasser

nach 1-1/2-2stündigem Kochen hinreichend Leim aufgenommen hat, schöpft

man die Lösung von dem Leimgute ab, giesst neuerdings Wasser zu und

wiederholt das Abschöpfen und Zugiessen mehrmals, bis die letzte

Abkochung eine nicht mehr gelatinirende Leimlösung liefert, welche zum

Auflösen neuer Mengen Leimgut verwendet wird. Die verschiedenen

Abkochungen werden mit Ausnahme der letzten, entweder in dem nämlichen

Decantirgefäss gemischt und geklärt, oder, was vorzuziehen ist, jede

Abkochung für sich verarbeitet, wodurch man also verschiedene Leimsorten

erhält; die Erfahrung hat nämlich gelehrt, dass der aus dem ersten

Aufguss erhaltene Leim ein viel grösseres Klebevermögen besitzt, als die

letzten Abkochungen. Zuweilen wendet man zum Schmelzen des Leimgutes

Kessel an, welche den Bäuchapparaten ähnlich sind; die Kessel sind

nämlich mit einem durchlöcherten Metallboden als Einsatzboden versehen,

in dessen Mitte ein Rohr bis reichlich zu 2/3 der Höhe des Kessels

emporsteigt. Das Leimgut liegt auf dem Einsatzboden. Sobald die Dämpfe

während des Kochens sich schneller bilden, als sie durch das Leimgut

entweichen können, drücken sie die Lösung in dem Rohre in die Höhe, so

dass dieselbe ununterbrochen über das Leimgut strömt und die Schmelzung

wesentlich befördert.

Das rationellste Verfahren des Leimsiedens besteht sicher in der

=Anwendung von Dampf=, wobei man Hochdruckdämpfe mitten in das Leimgut

strömen lässt. Hierbei bewirkt man in der kürzesten Zeit eine

Schmelzung und erhält nur höchst concentrirte Lösungen, die sich in dem

unteren Theile des Bottichs, in dem man das Schmelzen des Gutes

vornimmt, ansammeln und somit der nachtheiligen Einwirkung der Hitze

entrückt sind. In neuerer Zeit kommt der »=Dampfleim=« im Handel

häufiger vor als früher. Es ist wiederholt die Ansicht ausgesprochen

worden, dass es vortheilhaft sei, den Leim erst bei beginnender

Fäulniss des Leimgutes zu bereiten, nachdem man das letztere mit Chlor

oder mit schwefliger Säure desinficirt habe. Es soll dadurch ein

hellerer Leim erhalten werden. Ob diese Ansicht begründet ist, wollen

wir dahingestellt sein lassen.

[Sidenote: Formen.]

III. =Das Formen der Gallerte.= Sobald die Lösung der Gallerte in den

Leimkufen hinreichend geklärt und etwas abgekühlt ist, schreitet man zum

Giessen derselben in Formen, in welchen sie zu Blöcken aus Gallerte

erstarrt, welche zu Leimtafeln zerschnitten und getrocknet werden.

Die Formen -- die =Leimtröge= -- in welche man die Leimlösung durch

einen Metallseiher laufen lässt, sind von Fichten- oder Tannenholz,

oben sind sie gewöhnlich etwas breiter, damit der Gallertblock leicht

herausgenommen werden kann. Am Boden der Form befindet sich eine Reihe

von Einschnitten, deren Entfernung von einander der Breite einer

Leimtafel entspricht. Die Formen werden vor dem Gebrauche rein

ausgewaschen und entweder feucht gelassen oder getrocknet und dann

eingeölt oder mit Unschlitt bestrichen, damit die sich bildende

Gallerte der Wand nicht adhärire. Neuerdings hat man die Holzformen

durch Formen aus Zink- oder Eisenblech zu ersetzen gesucht. Nachdem die

Formen vollkommen horizontal gestellt worden sind, füllt man sie bis an

den Rand mit der noch lauwarmen Leimlösung an und überlässt sie dann

sich selbst. Ist der Gallertblock gehörig gebildet, so macht man

denselben von den Wänden der Form los, worauf man die Form auf einer

benetzten Platte umstürzt und dann aufhebt. Der auf der Platte

zurückbleibende Block wird zunächst durch horizontale Schnitte in

Tafeln zertheilt, die der Dicke einer Leimtafel entsprechen; die Tafeln

werden hierauf vertikal in einzelne Tafelbreiten zerschnitten. Das

Zerschneiden in horizontale Tafeln geschieht entweder mit Hülfe eines

Klaviersaitendrahtes, der nach Art eines Sägeblattes in einen Rahmen

gespannt ist, oder mittelst mehrerer Drähte, die in gleichen

Entfernungen horizontal aufgespannt sind, unter welchen ein auf Leisten

oder Rollen verschiebbarer Schlitten hin und her bewegt werden kann.

Wird der Schlitten mit dem darauf liegenden Gallertblock durch den

Rahmen geschoben, so wird die Gallerte in Tafeln zerschnitten. In

neuester Zeit (1869) bringt die Fabrik von =C. Stalling= in Pieschen

bei Dresden den Leim in Form von =Gallerte= in den Handel. Allerdings

ist erwiesen, dass die Kleb- und Bindekraft des Leimes durch den

Process der Lufttrocknung bedeutend geschmälert wird.

[Sidenote: Trocknen des Leimes.]

IV. Das =Trocknen des Leimes= geschieht auf aus Bindfäden gefertigten

Netzen, welche in Rahmen ausgespannt, auf luftigen Trockenböden der Sonne

und der Luft ausgesetzt werden. Das Trocknen ist eine der schwierigsten

Operationen in der Leimfabrikation, da die Temperatur der Luft, und der

hygrometrische Zustand derselben auf das Produkt, namentlich während der

ersten Tage, von wesentlichem Einflusse sind. Die Gallerte nämlich, die

durch das Trocknen in Leim verwandelt werden soll, ist nur fest, so lange

die Temperatur 20° nicht weit übersteigt; bei höherer Temperatur

zerfliesst sie und erweicht wenigstens in der Weise, dass der Leim durch

die Maschen des Netzes dringt und so kräftig die Fäden adhärirt, dass man

diese in siedendes Wasser bringen muss, um den Leim von den Netzen zu

entfernen. Ist die Luft zu trocken, so werden die Tafeln, in Folge

unregelmässigen Zusammenziehens krumm und rissig. Frostkälte verursacht

ein Zerspringen der Tafeln und der Fabrikant muss fast immer zum

Umschmelzen des Leimes sich entschliessen. Bei feuchter Witterung

trocknet der Leim nicht, während der heissen Jahreszeit ist ausserdem,

namentlich bei Gewittern, ein totales Verderben des Leimes zu befürchten.

Es folgt daraus, dass eigentlich nur trockene Frühjahr- und Herbsttage

zum Trocknen des Leims sich eignen. Oft schon haben die Leimfabrikanten

es versucht, durch künstliche Wärme nachzuhelfen, aber meist ohne Erfolg,

weil der geringste Wärmeüberschuss die Gallerte schmolz und man es

gewöhnlich übersah, zu gleicher Zeit mit der Anwendung der Wärme den

erforderlichen Luftwechsel eintreten zu lassen.

Die Trockenräume, deren man sich in neuerer Zeit in den grösseren

Leimfabriken zum Trocknen des Leims bedient, sind grosse, mit

Holztäfelung versehene Säle, die den abziehenden Dämpfen durch eine dem

Dampfgenerator zugeneigte Röhrenleitung, die durch die unteren Räume

des Trockensaales und an den Wänden circulirt, den Durchgang gestatten

in der Weise, dass das Condensationswasser nach dem Dampfkessel

abfliessen kann. An dem Boden befinden sich Luftzüge, die durch

Schieber oder Klappen geöffnet oder geschlossen werden können, in der

Decke oder dem Gesimse der Trockenräume Oeffnungen, durch welche die

mit Feuchtigkeit gesättigte Luft entweichen kann. Die Horden mit den

Leimtafeln befinden sich auf dicht über einander liegenden

Lattengerüsten. Die unteren Horden trocknen am schnellsten aus, sodass

nach Verlauf von 18 bis 24 Stunden die oberen an die Stelle der unteren

gebracht werden können. Mit der steigenden Lufttemperatur wird die

Heizung ermässigt und endlich bei einer äusseren Temperatur von 15-20°

unterbrochen. Die geeignetste Lage der Trockenräume ist die Nordseite.

Die darin so weit als möglich ausgetrockneten Leimtafeln werden zuletzt

gewöhnlich noch in einer stark geheizten Trockenstube auf den

erforderlichen Grad der Härte gebracht. Den trockenen Tafeln pflegt man

schliesslich dadurch Glanz zu geben, dass man dieselben in heisses

Wasser taucht, mit einer benetzten Bürste abbürstet und dann von Neuem

trocknet.

[Sidenote: Knochenleim.]

Der =Knochenleim=, welcher aus dem Knochenknorpel entsteht, der fast den

dritten Theil (32,17 Proc.) vom Gewicht der Knochen ausmacht, kann aus

den Knochen durch Behandlung derselben mit Salzsäure und darauf folgendes

Schmelzen, oder durch Hochdruckdämpfe gewonnen werden. Die Darstellung

des Knochenleimes mittelst =Salzsäure= ist das gewöhnliche Verfahren. Am

vortheilhaftesten ist es, wenn man die Knochenleimfabrikation mit der von

Salmiak und Phosphor combinirt.

Die Darstellung des Knochenleimes zerfällt in: I. _Die Entfettung der

Knochen_ geschieht durch Auskochen derselben in einem eisernen oder

kupfernen Kessel. Das Knochenfett begiebt sich auf die Oberfläche und

kann abgeschöpft werden. Um an Brennstoff möglichst zu sparen, nimmt

man die ausgekochten Knochen durch Rechen aus der heissen Flüssigkeit

und ersetzt sie durch frische Knochen, bis die Abkochung gallertartig

wird. Letztere wird als Viehfutter oder als Dünger verwendet. Es ist

auch vorgeschlagen worden, die Knochen mit Hülfe von

Schwefelkohlenstoff zu entfetten. II. _Die Extraction der entfetteten

Knochen mittelst Salzsäure._ Nach der Entfettung und dem

Abtropfenlassen bringt man die Knochen in Körbe und letztere in

hölzerne Standgefässe, welche so hoch sind, dass die Körbe bis zur

Hälfte der Höhe in dieselben einragen, hängt letztere an Stäbe oder

Querbalken und setzt die Knochen der Einwirkung einer auf 7° B. (= 1,05

spec. Gewicht = 10,6 Proc. ClH) gebrachten Salzsäure aus. Auf 10

Kilogr. zu extrahirende Knochen rechnet man 40 Liter Salzsäure von der

angegebenen Stärke. In der Säure lässt man die Knochen bis zu ihrer

völligen Erweichung, was man daran erkennt, dass die Knochen

durchscheinend geworden sind und nach allen Richtungen hin gebogen

werden können; hierauf werden sie herausgenommen und nach dem

Abtropfenlassen in fliessendes Wasser gebracht, hierauf in ein Gefäss

mit Kalkwasser mehreremal eingetaucht und nochmals gewaschen. Nach

dieser letzten Behandlung sind die Knochen zum Versieden genügend

vorbereitet. -- Anstatt der Salzsäure hat =Gerland= jüngst eine

wässerige Lösung von schwefliger Säure zur Extraction der Knochen in

Vorschlag gebracht. III. _Die Ueberführung des Rückstandes in Leim._

Die vollkommen oder nur theilweise getrocknete Knochensubstanz (der

Knorpel) wird in eine hohe, nach oben etwas weitere Stande gefüllt,

welche einen oder mehrere Senkböden enthält, mit einem gutschliessenden

Deckel und am Boden mit einer Ablassöffnung versehen ist. Die

Knochensubstanz wird auf dem aus einem Lattengitter bestehenden

Senkboden ausgebreitet. Durch eine passende Oeffnung im Deckel wird aus

einem einfachen Destillirkessel (einer Branntweinblase) Wasserdampf in

eine Stande geleitet. Kurze Zeit nach dem Einströmen des Dampfes läuft

ein Strom flüssiger Gallerte aus dem Ablassrohre, die gewöhnlich so

concentrirt ist, dass sie sogleich in den Kästen abgegossen werden

kann, worin sie zu den Blöcken erstarrt, aus denen die Leimtafeln

geschnitten werden. Kommt nach einigen Stunden dünnere Gallerte, so

öffnet man die Stande und bringt die aufgequollenen Leimklumpen mit der

nicht genügend concentrirten Gallerte in einen kupfernen Kessel, um

unter Kochen und Umrühren vollends aufzulösen. Nachdem die Flüssigkeit

die gehörige Consistenz erreicht, giesst man sie in die Formen und

verfährt übrigens wie bei der gewöhnlichen Methode der Darstellung von

Leim. Das in dem Knorpel in kleiner Menge noch zurückgebliebene

Calciumphosphat giebt dem Knochenleim ein milchiges Ansehen, das häufig

noch durch Zusatz von Barytweiss, Zinkweiss, Bleiweiss, Kreide oder

Thon vermehrt wird. Der Knochenleim bricht sich unter dem Namen

=Patentleim= immer mehr Bahn.

[Sidenote: Flüssiger Leim.]

=Flüssiger Leim.= Wenn man Leim mit einem gleichen Gewicht Wasser und

einer kleinen Menge Salpetersäure behandelt, so erhält man eine Lösung,

die noch alle Klebkraft des angewendeten Leimes besitzt, aber die

Eigenschaft zu gelatiniren eingebüsst hat. Auf diesem Verfahren beruht

die Darstellung des =flüssigen Leimes=, der sich bereits allgemein in

Deutschland eingebürgert hat. Nach =Dumoulin='s Vorschrift löst man 1

Kilogr. Kölner Leim in 1 Liter Wasser und setzt zu der Lösung nach und

nach 0,2 Kilogr. Salpetersäure von 36° B. hinzu. Nachdem die stürmische

Entwickelung von salpetrigen Dämpfen vorüber ist, lässt man die

Flüssigkeit erkalten. Einen noch vorzüglicheren flüssigen Leim, als der

ist, welchen man bei Behandlung festen Leimes mit Salpetersäure erhält,

gewinnt man, indem man wasserhelle sogenannte Gelatine oder guten

Kölner Leim im Wasserbade mit einer gleichen Quantität starkem Essig,

ein Viertheil Alkohol und ein klein wenig Alaun auflöst. Unter dem

Einflusse des Essigs behält dieser Leim auch in kaltem Zustande seine

Flüssigkeit bei. Nach =Knaffl= stellt man vorzüglichen flüssigen Leim

durch 10-12stündiges Erwärmen einer Lösung von 3 Th. Leim in 8 Th.

Wasser mit 0,5 Th. Salzsäure und 0,75 Th. Zinkvitriol bei 80-85° C.

Temperatur dar. Er ist sehr bequem bei einer grossen Anzahl kleiner

Arbeiten, die keinen sehr guten Klebstoff erheischen, denn er ist stets

für den Gebrauch bereit und hält sich unbegrenzt lange. Die Fabrikanten

falscher Perlen brauchen ihn in grosser Menge, ferner dient derselbe

zum Festkitten von Perlmutter, Horn etc. in Holz und Metall.

[Sidenote: Leimprobe.]

=Prüfung der Güte des Leimes.= Der Leim lässt sich auf seine Güte zwar

am zuverlässigsten durch einen versuchsweisen Gebrauch prüfen, doch

zeigt er schon von aussen gewisse Eigenschaften, nach denen

approximativ sein Werth beurtheilt werden kann. Man verlangt von einem

guten Leim, dass er gleichmässig hellbraun oder bräunlichgelb sei,

keine Flecken zeige, glänzend, wenn kein Zusatz von Mineralsubstanzen

stattgefunden, klar, durchscheinend, spröde und hart sei, an der Luft

trocken bleibe, beim Biegen kurz abbreche, einen glasartig glänzenden

Bruch gebe, in kaltes Wasser gelegt, selbst nach 48stündiger Digestion,

nur aufquelle, aber nicht zerfliesse. Ein splitteriger Bruch deutet auf

unvollkommen geschmolzene sehnige Theile. Die Bindekraft und Zähigkeit

des Leimes sucht man oft durch Zusatz von erdigen Pulvern zu erhöhen.

Dies ist z. B. bei dem russischen Leim der Fall, welcher seine

undurchsichtige weisse Farbe einem Zusatz von Bleiweiss, Bleisulfat,

Zinkweiss oder Kreide verdankt, welche in der Menge von 4-8 Proc. dem

Leime zugesetzt werden. Neuerdings dient häufig das Barytweiss als

Zusatz. Auch mit chromsaurem Bleioxyd versetzter gelber Leim kommt im

Handel vor. Sehr häufig finden sich Leimsorten, die, von völlig

gleichen äusseren Eigenschaften, trotzdem bei ihrer Anwendung einen

ganz verschiedenen Grad von Bindevermögen kundgeben. Es sind deshalb

von verschiedenen Technikern =Leimprüfungsmethoden= vorgeschlagen

worden, die theils auf chemischen, theils auf physikalischen

Eigenschaften beruhen.

I. _Chemische Prüfungsmethoden._ Methode von =Graeger=. Von der Ansicht

ausgehend, dass die Güte eines Leimes, abgesehen von dessen Ursprunge,

abhängig sei von seinem Gehalte an Leimsubstanz oder Glutin und der

Abwesenheit fremder Körper, die seine Bindekraft schwächen, bestimmte

=Graeger= die Menge des Glutins durch Fällen der Leimlösung mit Tannin.

Aus dem Gewichte des Leimtannates (dessen Zusammensetzung er in 100 Th.

zu 42,74 Th. Glutin und 57,26 Th. Tannin annahm) ward der Gehalt des

Leimes an reinem Glutin berechnet. Nach demselben Princip wie =Graeger=

verfährt auch =Risler-Beunat=. Nach der von letzterem vorgeschlagenen

Methode stellt man zwei Normalflüssigkeiten dar, von denen die eine in

einem Liter 10 Grm. reine Gerbsäure, die andere in einem Liter 10 Grm.

Hausenblase und 20 Grm. Alaun aufgelöst enthält. Da diese beiden

Flüssigkeiten sich nicht zu gleichen Volumen sättigen, so bestimmt der

Verf. den Titer der einen im Verhältniss zur andern und verdünnt dann

die Gerbsäurelösung, welche zu concentrirt ist, mit der hiernach

erforderlichen Quantität Wasser. Um einen Leim zu untersuchen, löst man

nach dem Verf. 10 Grm. desselben mit 20 Grm. Alaun in einem Liter

Wasser auf, indem man die Mischung nöthigenfalls zum Kochen erhitzt.

Man nimmt dann 10 Cubikcentim. der Gerbsäurelösung und giesst

unmittelbar 10 Cubikcentim. der Leimlösung hinzu, da man sicher sein

kann, dass dies nicht genug ist, weil kein im Handel vorkommender Leim

die Reinheit der Hausenblase hat. Man schüttelt die Mischung stark,

fügt, wenn der Niederschlag sich nach einigen Minuten abgesetzt hat,

wieder 1 Cubikcentim. Leimlösung hinzu und filtrirt durch ein kleines

nassgemachtes Kattunfilter. Wenn ein Tropfen Leimlösung in der

Flüssigkeit noch eine Trübung hervorbringt, setzt man abermals 1

Cubikcentim. derselben zu und filtrirt dann wieder durch dasselbe

Filter, worauf man wieder mit einem Tropfen Leimlösung probirt, und so

fort, bis die filtrirte Flüssigkeit durch die Leimlösung nicht mehr

getrübt wird.

Dem Verfahren von =Graeger= und dem von =Risler-Beunat= ist der Vorwurf

zu machen, dass eine Leimlösung mit Gerbsäure nicht so vollständig

ausgefällt werden kann, dass das abgedampfte Filtrat nicht beim

Erhitzen den eigenthümlichen Leimgeruch gezeigt hätte. Aber die

vollständige Fällung des Leimes auch zugestanden, so hat man doch, da

die Constitution des Leimes noch nicht bekannt ist und derselbe

höchstwahrscheinlich ein gemengter Stoff ist, in der chemischen

Leimprobe keine Bürgschaft dafür, dass in der That die Menge der an

Tannin gebundenen Substanz in geradem Verhältniss zur Bindekraft des

Leimes stehe. Gallerte und Leim sind ganz verschiedene Körper,

letzterer hat Bindekraft, welche der ersteren so ziemlich abgeht, und

doch werden beide aus Lösungen durch die nämliche Tanninmenge gefällt.

[Illustration: Fig. 256.]

II. _Mechanische Prüfungsmethode._ =Verfahren von Schattenmann.= Legt

man den zu prüfenden Leim längere Zeit in eine grössere Menge Wasser

von ungefähr 15° C., so schwillt er beträchtlich an und schluckt eine

reichliche Menge Wasser ein, welche das Fünf- bis Sechzehnfache seines

eigenen Gewichtes beträgt. Je consistenter und elastischer der Leim im

aufgequollenen Zustande ist, desto grösser ist seine Bindekraft. Je

mehr Wasser er absorbirt, desto ausgiebiger ist der Leim. =Weidenbusch=

hat das vorstehende Verfahren geprüft und gefunden, dass es eigentlich

nur auf den Knochenleim anwendbar ist, dessen Gallerte auch selbst im

Zustande höchster Sättigung mit Wasser eine Festigkeit bewahrt, die

kein Lederleim zeigt, sodass man schon durch dieses Verhalten im Stande

ist, die Abstammung des Leimes -- ob aus Leimgut, ob aus Knochen -- zu

erkennen. Uebrigens hält die Aufsaugungsfähigkeit keineswegs mit der

Flüssigkeit Schritt und geringere Leimsorten nehmen oft mehr Wasser auf

als die besseren Sorten. Ein neues Verfahren der Leimprüfung hat

=Lipowitz= vorgeschlagen. Er löst 5 Th. des Leims in so viel heissem

Wasser auf, dass das Gewicht der Lösung 50 Th. beträgt und lässt diese

Lösung bei 18° C. zwölf Stunden lang stehen, damit sie gelatinire.

In einem offenen Glase (Fig. 256) von stets gleicher Weite setzt der

Verf. auf den Rand desselben das aus Blech gefertigte Bänkchen _a_,

durch dessen Mitte der Draht _b_ führt, an dessen unterm Ende ein

napfförmig gelegenes Blech mit der convexen Seite nach aussen gelöthet

ist. Der Draht mit dem Blech wiegt 5 Grm. und bewegt sich willig in der

Bank _a_. Ein aufzusetzender Trichter _c_ wiegt ebenfalls 5 Grm.; in

den Trichter kann man bis zu 50 Grm. feine Schrotkörner schütten. Je

nach der grösseren Fähigkeit des Leimes, consistentere Gallerte zu

bilden, wird auch das Instrument um so mehr beschwert werden müssen, um

in die Gallerte einzusinken; woraus sich die Bindekraft des Leimes

beurtheilen lässt. =Heinze= hat bei (1864 veröffentlichten) Versuchen

gefunden, dass die =Lipowitz='sche Leimprobe praktisch sehr gut zu

verwerthende Resultate gebe.

Die =Leimprobe= von =Weidenbusch= ist im Princip eine Erweiterung der

früher von =Karmarsch= vorgeschlagenen Methode, nach welcher man

einfach zwei Stücke Holz zusammenleimte und dann das Gewicht bestimmte,

welches zum Zerreissen des Holzes erforderlich war. Die Uebelstände

dieser Methode liegen klar zu Tage, da es wol nie gelingen wird, Hölzer

von stets gleichbleibender Dichte, Oberfläche, Trockenheit u. dergl. zu

finden, und diese selbst für möglich gehalten, so steht es fest, dass

die Festigkeit eines guten Leimes grösser als die des Holzes ist,

sodass dann leicht Holz von Holz reisst und der Zerreissungswerth für

Leim nicht ermittelt wird. Auch wenn Holz von Leim sich trennte, wäre

ein Vergleich nicht möglich, sondern nur wo Leim von Leim sich trennt.

Eine Substanz, welche der Leim aufnimmt, in ihrer Oberfläche Dichte u.

s. w. aber nicht veränderlich ist, sieht =Weidenbusch= in dem Gyps

(Marienglas), welcher fein gepulvert, gesiebt und bei 120-150° C.

entwässert wird. Aus diesem Gypspulver werden Stäbchen gegossen, die

zuerst bei gelinder Wärme, dann über Chlorcalcium getrocknet werden,

bis sie an Gewicht nicht mehr abnehmen. Die Werthbestimmung des Leims

beruht nun darauf, dass, wenn die Gypsstäbchen mit Lösungen

verschiedener Leimsorten getränkt werden, verschiedene Belastungen

nöthig sind, um sie zu zersprengen, und wenn der Werth, welchen der

Gyps allein für sich in Anspruch nimmt, immer derselbe ist, so muss die

Differenz stets den Leim treffen. =Weidenbusch= hat zu dem Ende einen

Apparat zusammengesetzt, mit dessen Hülfe durch allmälige Belastung das

Gewicht ermittelt wird, das zum Zerreissen eines solchen Leimstäbchens

erforderlich ist. Der Zerreissungswerth (mittelst Quecksilber bestimmt)

für ein bei 100° getrocknetes Leimstäbchen beträgt als Mittelzahl 219

Grm. Behufs der Prüfung wird der bei 100° getrocknete Leim abgewogen,

über Nacht zum Aufquellen in Wasser gelegt und dann in heissem Wasser

gelöst, sodass die Lösung 1/10 an Leim enthält. Die Lösung wird mit

etwas neutraler Indiglösung gefärbt, um den Ueberzug auf dem Gyps

besser erkennbar zu machen und damit 1-2 Minuten lang die Gypsstäbchen

in Berührung gebracht, die dann getrocknet werden, bis ihr Gewicht

constant bleibt. Hierauf werden sie in dem Apparate durch

Einströmenlassen von Quecksilber in denselben gesprengt.

[Sidenote: Fischleim.]

=Der Fischleim.= Die innere pulpose und vasculäre Haut der Schwimmblase

der Fische aus der Ordnung der Knorpelganoiden, zu denen die =Hausen=

(_Acipenser huso_), der gemeine =Stör= (_A. sturio_), der =Wardick= (_A.

Güldenstaedti_) und der =Sterlet= (_A. stellatus_) gehören, kommt im

getrockneten Zustande unter dem Namen =Hausenblase= in dem Handel vor.

Die aus den Stören, so wie verwandten Arten, die namentlich im caspischen

Meere und den in dasselbe mündenden Flüssen, an den Ufern des schwarzen

Meeres und in sibirischen Flüssen vorkommen, gewonnenen Schwimmblasen

werden aufgeschnitten, gewaschen, ausgespannt und der Sonne ausgesetzt,

bei einem gewissen Grade des Trocknens die äussere Muskelhaut, welche

beim Kochen mit Wasser keinen Leim bildet, abgezogen, die innere Haut auf

verschiedene Weise geformt (Kränze, Lyraform, Blätter), behufs der

Bleichung den Dämpfen von brennendem Schwefel ausgesetzt und darauf

völlig in der Sonne ausgetrocknet.

Nach den verschiedenen Ländern, in denen die Hausenblase gewonnen wird,

unterscheidet man =russische= (die beste Sorte ist die von Astrachan),

=nordamerikanische= (von _Gadus merlucius_), =ostindische= (von

_Polynemus plebejus_, theils in Blättern, theils in Beuteln als ganze

Schwimmblase vorkommend), von der =Hudsonsbay= (von Störarten

herrührend; Zungenhausenblase), =brasilianische= (wird, wie es scheint,

von _Silurus_- und _Pimelodus_-Arten gewonnen und kommt in Pfeifen,

Klumpen und Scheiben vor), deutsche Hausenblase (wird in Hamburg aus

der Schwimmblase des gemeinen Störes gewonnen). In den

Donaufürstenthümern kocht man die Haut, die Blasen, die Gedärme und

Magen von Knorpelfischen zu einer steifen Gallerte, schneidet sie in

dünne Blätter, welche man trocknet und zusammenrollt, wie die

Hausenblase, und als solche in den Handel bringt. Bei ihrer Anwendung

hat man zu unterscheiden zwischen Fischleim und Hausenblase. Ersterer

unterscheidet sich, wenn sorgfältig bereitet, in keiner Weise von dem

aus Knochen oder Haut dargestellten Leim, die Hausenblase aber, die

kein Leim ist, sondern erst durch Kochen in Leim übergeht, besteht aus

Fäden, die, wenn man sie in Wasser löst, wol anschwellen, aber nur zum

Theil lösen; die aufgequollenen Fäden haben ihre Structur beibehalten,

was für die Anwendung der Hausenblase zum Klären von Wein, Bier u.

dergl. von Wichtigkeit ist, insofern die Fasertheile gewissermaassen

ein zusammenhängendes Netz bilden, in welches sich die

niedergeschlagenen und trübenden Theile festsetzen. Es hat sich

gezeigt, dass zum Klären mit Hausenblase die Gegenwart der Gerbsäure

vortheilhaft ist, da dieselbe ein Zusammenziehen der

Hausenblasefäserchen bewirkt, wodurch jede in der zu klärenden

Flüssigkeit suspendirte Substanz eingehüllt wird und nur der klaren

Flüssigkeit abzulaufen gestattet ist. Die Klärung mit Hausenblase ist

demnach eine Art von Filtration, woraus folgt, dass die Hausenblase zu

diesem Zweck weder durch Leim noch durch eine =heissbereitete=

Hausenblaselösung ersetzt werden kann. Mit Ausnahme der Anwendung der

Hausenblase zum Klären lässt sich dieselbe in allen übrigen Fällen, so

in der Appretur der Seidenzeuge durch Darstellung der Gelée in der

Kochkunst, bei der Bereitung des englischen Pflasters, von Kitt u.

dergl. durch die besseren Knochenleim- oder Gelatinesorten ersetzen.

Seit einigen Jahren bringt der Franzose =Rohart= unter dem Namen

_Ichtyocolle française_ ein Surrogat für Hausenblase in den Handel,

welches Blutfibrin und Tannin erhalten wird.

[Sidenote: Leimsurrogate und neue Fabrikate aus Leim.]

In der jüngsten Zeit sind drei neue Leimsurrogate aufgetaucht, nämlich

1) der =Kleberleim= (_colle gluten_), 2) der =Eiweissleim= (_colle

vegétale ou albuminoïde_), 3) der =Caseïnleim= (_colle caséine_).

Ersterer ist ein Gemisch von Kleber und gegohrenem Mehl und zeichnet

sich durch eine sehr saure Beschaffenheit, jedoch durch geringes

Klebevermögen aus. Der Eiweissleim ist ein durch angehende Fäulniss

veränderter Kleber. Zu seiner Darstellung wäscht man den auf

gewöhnliche Weise erhaltenen Kleber mehrere Male mit Wasser, und setzt

ihn einer constanten Temperatur von 15-25° C. aus. Unter diesen

Umständen geräth der Kleber in Gährung, welche sich dadurch zu erkennen

giebt, dass er bis zu einem gewissen Grade flüssig wird. Wenn dies

soweit eingetreten ist, dass man leicht den Finger hindurch führen und

ihn damit zertheilen kann, ist die Umwandlung beendet. Man giesst den

flüssig gewordenen Kleber dann in Formen, welche den Leimformen ähnlich

sind, und bringt diese Formen in einen auf 25-30° erwärmten Raum; nach

24-48 Stunden sind die oberen Schichten hart geworden; man nimmt dann

die Täfelchen heraus, breitet sie, die hart gewordene Seite nach unten,

auf Leinwand oder Drahtgewebe aus; bringt sie mit demselben wieder in

den Trockenraum und lässt sie vollständig austrocknen, was in 4-5 Tagen

stattfindet. Der so dargestellte Eiweissleim kann nun beliebig

aufbewahrt oder versendet werden. Die Auflösung in dem doppelten

Gewicht Wasser ist die normale Flüssigkeit; man verdünnt sie mehr oder

weniger, je nach der Anwendung, welche man davon machen will. Man kann

den Eiweissleim zu folgenden Zwecken benutzen: 1) zum Leimen des Holzes

statt des gewöhnlichen Leims. 2) Zum Kitten von Steingut, Porcellan,

Glas, Perlmutter etc. 3) Zum Zusammenkleben von Leder, Papier, Pappe

etc. 4) Als Schlichte in der Weberei. 5) Zum Klären von Flüssigkeiten.

6) Zur Appretur und zum Waschen von Faserstoffen, wie Seide etc. 7) Zum

Fixiren der Farben oder als Mordant in der Färberei und Druckerei statt

des Eiweisses.

Der =Caseïnleim= wird durch Auflösen von Caseïn in gesättigter

Boraxlösung dargestellt. Man erhält so eine dickliche Flüssigkeit, die

sich durch grosses Klebvermögen auszeichnet, und in vielen Fällen,

namentlich in der Kunstschreinerei und bei Portefeuillearbeiten die

Stelle des Leimes vertreten kann. Unter dem Namen =elastischer= Leim

ist eine eigenthümliche Leimsorte eingeführt worden. Durch Glycerin

kann der Leim bleibend weich, elastisch und haltbar gemacht werden. Die

Mischung wird folgendermaassen dargestellt: man lässt Leim im Wasser

zergehen, welches in einem Wasserbade erhitzt wird, und zwar erwärmt

man so lange, bis er ganz dick wird, worauf man das Glycerin zusetzt,

beiläufig das gleiche Gewicht von dem angewandten Leim; man rührt das

Gemisch gut um und fährt fort zu erhitzen, um das übrig gebliebene

Wasser zu verdampfen, dann giesst man diese Masse in Formen oder auf

eine Marmortafel und lässt sie vollkommen erkalten. Diese Substanz

lässt sich zur Anfertigung von Schwärzwalzen für Buchdrucker, von

Stempeln, elastischen Figuren zum Abformen von Gegenständen für die

Galvanoplastik u. s. w. verwenden.

Die Phosphorfabrikation.

[Sidenote: Allgemeines.]

Der =Phosphor= wurde 1669 von =Brand= in Hamburg aus dem Harne und 1769

von dem schwedischen Chemiker =Gahn= aus den Knochen isolirt, jedoch erst

1771 von =Scheele= aus den Knochen in vortheilhaftester Weise

dargestellt, und ist seit der Einführung der phosphorhaltigen

Zündrequisiten ein technisch höchst bedeutsamer Körper, kommt in

verschiedenen Mineralien, doch nur in dem Apatit, Phosphorit und

Staffelit (z. B. in dem von Amberg und Redwitz in Bayern und dem von Diez

in Nassau[144]), so wie ferner in den Knochen in solcher Menge vor, dass

die Darstellung des Phosphors daraus möglich erscheint.

[144] Nach einer Untersuchung von =Th. Petersen= (1866) enthält der

Staffelit von Diez 36,78 Proc. Phosphorsäure, entsprechend 16,06

Proc. Phosphor. Die Verfuhr desselben von Lahnstein und

Pfaffendorf betrug im Jahre 1868 600,000 Ctr. (à 15-20 Sgr.).

[Sidenote: Die Darstellung des Phosphors.]

Wenn man indessen von den bis jetzt fruchtlos gebliebenen Versuchen

absieht, den Apatit, gewisse Varietäten des Phosphorits, die in ihrer

reinsten Form bis zu 18,6 Proc. Phosphor enthalten, den Sombrerit[145]

und das phosphorsaure Eisenoxyd (letzteres nach den Vorschlägen von

=Minary= und =Soudry= durch Destillation mit ausgeglühtem Kokspulver) zur

Phosphorfabrikation zu verwenden, so bilden die =Knochen= gegenwärtig das

alleinige Material, aus denen der Fabrikant mit Vortheil den Phosphor

gewinnt.

[145] Der =Sombrerit=, ein Mineral, das sich in Menge auf den Antillen,

namentlich auf der Insel Sombrero findet, besteht wesentlich aus

Calciumphosphat und Calciumcarbonat. Es wird gegenwärtig behufs

der Fabrikation von künstlichem Dünger und von Phosphor nach

Europa gebracht. Nach =F. Sandberger= ist der Sombrerit

(Sombrero-Phosphat) Korallenkalk, welcher durch die

durchsickernden löslichen Salze des ihm aufgelagerten Guano's

vollständig und mit Erhaltung der Petrefacten in Phosphorit

umgesetzt worden. Dem Sombrerit ähnlich ist der seit kurzem aus

Nordamerika nach Europa kommende =Navassaguano= oder =Navassit=,

welcher nach den Untersuchungen von =Ulex= 1/3 seines Gewichts an

Phosphorsäure enthält.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 106 / 167 题