1) das =deutsche= oder =Stampfgeschirr= (Hammerstock, Hammergeschirr);

2) die =holländische Stoffmühle= (holländer Walzenmühle), von welcher

man

[Greek: a]) den =Halbstoff-Holländer= und

[Greek: b]) den =Ganzstoff-Holländer= unterscheidet.

Ehedem pflegte man die Lumpen durch das sogenannte =Faulen=, =Rotten=

oder =Maceriren= zu erweichen und dadurch zu dem nachfolgenden

Zermalmen vorzubereiten. Die zur Maceration bestimmten Lumpen werden

mit Wasser in steinernen Trögen eingestampft und zugedeckt sich selbst

überlassen. Nach 2-3 Tagen beginnt die Masse sich zu erhitzen und es

entwickelt sich ein übler, ammoniakalischer Geruch. Die Erwärmung nimmt

dergestalt zu, dass man die Hand nicht in der Masse verweilen lassen

kann, auch wird der Geruch stärker. Nach Verlauf von noch 2 bis 3

Tagen, nachdem sich auf der Oberfläche ein schleimiger Körper

abgeschieden hat, der stellenweise bereits in Schimmel überzugehen

beginnt, sind die Lumpen hinlänglich macerirt und können nun mit

Leichtigkeit zerkleinert und in Papierstoff verwandelt werden.

Ueberschreitet man diesen Zeitpunkt, so gehen die Lumpen zum Theil in

eine braune humusartige Masse über und der unzersetzte Rest ist nur

noch zu ordinärem Papier brauchbar. In Folge des grossen

Materialverlustes hat man das Faulen (der Wasserröste der

Flachsbereitung zu vergleichen) längst schon durch das Kochen der

Lumpen mit Lauge ersetzt, da noch dazu das Papier aus ungefaulten

Lumpen den Vorzug grösserer Festigkeit besitzt.

[Sidenote: Stampfgeschirr.]

Das =deutsche= oder =Stampfgeschirr=, das gegenwärtig nur noch selten

und in kleinen Fabriken Anwendung findet, besteht im Wesentlichen aus

den Stampfen oder Hämmern, und dem Grubenstock oder Löcherbaum.

Letzterer ist ein starker eichener Balken, in welchem gewöhnlich 6-8

Stampflöcher ausgemeisselt sind, die von oben nach unten sich verjüngen

und deren Boden aus einer gusseisernen Platte besteht. Seitlich am

Boden befindet sich eine Oeffnung mit einem feinen Haarsiebe (=Kas=

genannt) bedeckt, durch welche das Wasser, das jedem Loche durch eine

Rinne zugeführt wird, wieder abfliesst. Die Hämmer sind 1-1/3 Meter

hohe eichene Balkenstücke, und mit ihren Stielen in den

=Hinterständern= befestigt. Sie werden an ihrem Kopfe mittelst einer

Daumenwelle in einer Minute 72-80mal 15-18 Centimeter hoch gehoben.

Zwei Latten, die =Vorderständer=, machen, dass die Hämmer stets

senkrecht sich heben und fallen, sie dienen ferner dazu, die Hämmer

hoch aufgehoben zu halten, wenn das Stampfloch ausgeleert werden soll.

In jedem Loche arbeiten drei bis fünf (meist vier) Hämmer. Die Lumpen

werden in dem Stampfgeschirr mit so viel Wasser gemengt bearbeitet,

dass das Ganze einen dicken Brei bildet. Die continuirliche langsame

Kreisbewegung der Masse in den Löchern bewirkt, dass alle Theile

derselben nach und nach die Wirkung der Stampfen erfahren. Nach der

Beschaffenheit der Lumpen bleiben sie 12, 20 und mehr Stunden im

Geschirr.

[Illustration: Fig. 201.]

[Illustration: Fig. 202.]

[Sidenote: Holländer.]

Die =holländische Stoffmühle= oder der =Holländer=, der gegenwärtig fast

durchgängig an die Stelle des Stampfgeschirres getreten ist -- welches

zwar einen festeren Stoff liefert, aber in Schnelligkeit der Arbeit nicht

concurriren kann, ist beistehend abgebildet. Fig. 201 zeigt einen

=Halbstoffholländer= im Grundrisse, Fig. 202 im verticalen Durchschnitt

nach der Linie _A B_. Die Hauptbestandtheile eines Holländers überhaupt

sind 1) eine mit Messern besetzte, schnell um ihre Axe laufende =Walze=,

2) das unter dieser angebrachte, aus ähnlichen Schienen oder Messern

gebildete =Grundwerk=, 3) der =Kasten= (Trog), in welchem das Grundwerk

sich befindet und die Walze sich dreht, 4) die =Haube= oder der

=Verschlag=, welcher über den Trog geht und ein Herausschleudern der

Masse verhindern soll. Der Kasten _C C_ ist ein länglich viereckiger Trog

aus Holz, Stein oder Gusseisen, der durch vier eingesetzte ausgeschweifte

Eckstücke im Innern oval gestaltet ist. Der hohle ovale Raum des

Holländerkastens wird durch eine Wand _x x_, die gleiche Höhe mit den

äusseren Wänden hat, jedoch nur den mittleren Theil der Länge einnimmt,

in zwei Abtheilungen, die =Arbeitsseite= (wo das Zermalmen der Lumpen vor

sich geht) und die =Laufseite= geschieden, die aber an den schmalen

Seiten des Kastens mit einander in Verbindung stehen. Die Arbeitsseite,

in der die Walze und das Grundwerk sich befinden, ist etwas breiter als

die andere Abtheilung, daher steht die Papiermasse an der leeren Seite

stets höher als an der Walzenseite und daher dieser auch mit einer

gewissen, durch die Unterschiede im Niveau bedingten Geschwindigkeit

zuströmt. Unter der Walze ist auf dem Boden des Holländerkastens ein

massiver eichener Holzblock _t_, der =Kropf=, der mit seinem oberen

concaven Theile fast den vierten Theil des Umkreises der Walze

concentrisch umfasst und zu beiden Seiten in einer geneigten Fläche

abfällt, die in der Figur mit _y_ bezeichnete ist sanft abgedacht, _z_

dagegen ist sehr steil. Ausserhalb zwischen den Ständern _h i_, _h i_

befinden sich zwei starke Bohlen _l m_, _l m_, in welchen die Metallager

_n n_ für die eiserne Welle _o o_ angebracht sind. Auf der eisernen Welle

befindet sich die =Walze= _Q_, die massiv aus Eichenholz gefertigt ist.

Auf dem Umkreise der Walze ist eine Anzahl =Schienen= (Messer)

eingelassen, die mit der Walzenaxe parallel stehen und deren Kanten 3-5

Centimeter über die cylindrische Oberfläche des Holzkörpers vorstehen.

Die Schienen sind entweder aus weicherem Stahl (Bessemerstahl) oder aus

verstähltem Eisen, selten und nur bei Ganzstoffholländern sind die

Schienen aus Bronze. Senkrecht unter der Walze ist in einer Vertiefung

des Kropfes das =Grundwerk= eingelassen. Das Grundwerk besteht aus einer

Vereinigung einer Anzahl auf der Kante stehender, zugeschärfter Schienen

von demselben Materiale wie die Schienen der Walze.

Damit bei der Bewegung der Walze kein Papierstoff durch

Centrifugalkraft herausgeschleudert werde, ist ein Theil des Kastens

mit einem Dache, der =Haube= bedeckt. An jedem der beiden Enden der

Haube ist durch einen Boden ein dreiseitiger Raum _u_ abgeschlossen,

welcher an der gegen die Walze hin gekehrten Seite anstatt der Wand

einen mit Messingdraht bespannten Rahmen (=Waschscheibe=), hat. Gegen

diesen Rahmen wird, so lange bei der Arbeit im Holländer das Auswaschen

des Papierstoffes nöthig ist, von der schnell umlaufenden Walze Stoff

geschleudert; das unreine Wasser dringt dabei durch die Siebe in die

Räume _u u_ und fliesst durch die Oeffnungen _g g_ ab. Zum Ersatze

leitet man reines Wasser in den Holländerkasten. Ist das Auswaschen

beendigt, so schliesst man das Wasserzuleitungsrohr und schiebt

(=verschlägt=) vor jede Waschscheibe ein Brett _k_ (die =blinde

Scheibe=), damit dem Stoff fernerhin kein Wasser mehr entzogen werde.

Die Arbeit in der Stoffmühle geschieht auf folgende Weise: Nachdem der

Kasten mit der erforderlichen Wassermenge angefüllt worden ist, werden

die zerschnittenen Hadern hineingeschüttet. Hierauf wird die Walze in

Bewegung gesetzt, mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 150 Umläufen in

der Minute. Die Messer derselben schlagen mithin äusserst schnell in

die Flüssigkeit und ziehen die Lumpen mit Gewalt in den Raum hinein,

der zwischen dem Walzenumkreise und dem Grundwerke sich befindet,

zerreissen sie, indem die Messer der Walze und die des Grundwerkes wie

Scheerenschneiden gegen einander wirken, und werfen endlich die Lumpen

über die höchste Kante des Kropfes wieder aus. Von hier fliesst die

Masse über die steile Abdachung des Kropfes _z_ herunter, stösst dabei

auf den Theil, der in dem zunächst liegenden Theile des Kastens sich

befindet, und bewirkt so eine langsame Strömung, welche die Papiermasse

stets wieder von der Seite _y_ der Walze zuführt. Auf diese Weise wird

der doppelte Erfolg erzielt, dass in der ununterbrochen bewegten Masse

die Lumpen sich nicht absetzen können, dass ferner alle Theile

derselben wiederholt unter die Walze gelangen. Bei Beginn der Arbeit

wird die Walze so gestellt, dass zwischen ihr und dem Grundwerke ein

gehöriger Zwischenraum bleibt. In dieser Phase werden die Lumpen wenig

zerkleinert, dagegen gewaschen, wo die Waschscheiben auf die im vorigen

Abschnitte erklärte Weise wirken. Später lässt man die Walze mehr

herab, um mit dem Waschen schon eine Zerkleinerung zu bewirken; zuletzt

wird endlich die Walze dem Grundwerk möglichst genähert, die

Blindscheibe eingeschoben und der Wasserzufluss eingestellt, und das

Zermalmen fortgesetzt, bis die Lumpen den gehörigen Feinheitsgrad

erlangt haben.

Die Arbeit im Halbstoff-Holländer währt ungefähr zwei Stunden, kürzere

Zeit für weiche und reine Lumpen, längere Zeit für gröbere und

schmutzige. Der Halbstoff wird entweder sofort in den

Ganzstoff-Holländer abgelassen und weiter verarbeitet, oder er ist zum

Bleichen bestimmt und wird nach einer unten zu beschreibenden Methode

behandelt.

[Sidenote: Bleichen des Halbstoffes.]

Wenn nicht schon die Lumpen gebleicht wurden, so ist es zur Herstellung

eines schönen weissen Papieres unumgänglich nothwendig, den Halbstoff zu

=bleichen=. Das Bleichen geschieht entweder mit Chlorgas, oder mit

Chlorwasser, oder mit Chlorkalk und anderen Bleichsalzen, mit letzteren

entweder im Halbstoffholländer oder ausserhalb desselben. Hiernach giebt

es verschiedene Bleichmethoden. Für die Haltbarkeit und Festigkeit des

herzustellenden Papiers ist die Chlorbleiche nur dann von Nachtheil, wenn

das Chlor zu lange einwirkte, in welchem Falle die Faser mürbe wird, oder

wenn man übersehen hat, das überschüssige Chlor und die daraus

entstandene Salzsäure durch Auswaschen und durch Anwendung von

sogenanntem Antichlor zu entfernen.

[Illustration: Fig. 203.]

Um mit Hülfe von =gasförmigem Chlor= zu bleichen, leitet man das auf

bekannte Weise dargestellte Chlorgas zuerst zur Reinigung in die

Waschflaschen _a a_ (Fig. 203) und dann in eine hölzerne Kammer _A_, in

welcher der feuchte Halbstoff auf fünf bis sechs übereinander

befindlichen Etagen ausgebreitet liegt. Diese Etagen sind mit

Oeffnungen versehen, damit das Chlorgas herabsteigen kann, wie es in

der Zeichnung durch Pfeile angegeben worden ist. Das überschüssige

Chlorgas entweicht durch die Oeffnung _c_ in einen Behälter, in welchem

sich ebenfalls Halbstoff befindet, um denselben zum Bleichen

vorzubereiten. Die mit Chlor behandelte Masse wird durch eine

Seitenöffnung aus der Kammer entfernt, mit Wasser ausgewaschen, mit

Soda, Potasche oder gefaultem Harn neutralisirt und nach Umständen mit

Antichlor behandelt. Auf 100 Kilogr. Halbstoff rechnet man 2,5 bis 5

Kilogr. Kochsalz behufs der Chlorgasentwickelung. Wenn die Bleiche mit

=Chlorkalk= geschehen soll, von welchem man auf 100 Kilogr. Halbstoff

1-2 Kilogr. anwendet, extrahirt man den Chlorkalk mit Wasser und

digerirt mit der wässerigen Lösung den Halbstoff. Der Chlorkalk wirkt

energischer, wenn zugleich kleine Mengen von Schwefelsäure oder

Salzsäure zugesetzt werden. Da die Anwendung einer zu grossen Menge

Schwefelsäure jedoch sehr leicht eine Schwächung der Faser herbeiführen

könnte, so ist neuerdings die Kohlensäure zur Zersetzung des

Chlorkalkes vorgeschlagen worden. =Orioli= empfiehlt das

=Aluminiumhypochlorit= (deren Lösung unter dem Namen =Wilson='s

Bleichflüssigkeit schon längst bekannt ist) zum Bleichen des

Papierstoffes; es soll lediglich durch Abgabe von ozonisirtem

Sauerstoff bleichend wirken, indem andererseits Chloraluminium entsteht

(Al_{2}Cl_{6}O_{3} = 3O + Al_{2}Cl_{6}). Beachtenswerther sind die

Vorschläge von =Varrentrapp=, das =Zinkhypochlorit= (unter dem Namen

=Varrentrapp='s Bleichsalz bekannt) als energisches Bleichmittel in der

Papierfabrikation u. dergl. anzuwenden. Man versetzt Chlorkalk mit

Zinkvitriol oder besser mit Chlorzink; im ersten Falle fallen Gyps und

Zinkoxyd nieder und unterchlorige Säure bleibt in Lösung, im zweiten

Falle mit Chlorcalcium gemengt. Beim Bleichen von Papierstoff ist

Chlorzink stets den Mineralsäuren zum Zersetzen des Chlorkalkes

vorzuziehen, weil man nicht Gefahr läuft, die Pflanzenfaser zu

zerstören. Falls man Zinkvitriol anwendet, kann man (bei Ganzstoff) den

Niederschlag von Gyps und Zinkoxyd der Faser beigemengt lassen.

[Sidenote: Antichlor.]

Um das von der Bleiche im Papierstoffe zurückgebliebene Chlor und die

durch die Einwirkung des Chlores entstandene Salzsäure zu

neutralisiren, setzt man beim darauf folgenden Waschen etwas Soda oder

Potasche, oder besser =Antichlor= zu, da namentlich der letzte Rest von

Chlor der organischen Substanz hartnäckig anhängt und durch blosses

Waschen kaum beseitigt werden kann. Als Antichlor hat man bisher

hauptsächlich =Natriumsulfit=, =Zinnchlorür=, =Natriumhyposulfit= und

=Leuchtgas= vorgeschlagen. Ein Molekül Natriumsulfit (Na_{2}SO_{3} +

7H_{2}O) entfernt 1 Molekül Chlor (Cl_{2}), indem Salzsäure und

Natriumsulfat sich bilden; man wendet das Sulfit gemengt mit

Natriumcarbonat an, damit auch die entstandene Salzsäure neutralisirt

werde. Durch Auswaschen (mit der Waschtrommel) entfernt man darauf das

Natriumsulfat und das Chlornatrium. Das weit billigere Calciumsulfit

lässt sich eben so gut als Antichlor anwenden als das entsprechende

Natriumsalz. Ein Molekül Zinnsalz (SnCl_{2} + 2H_{2}O) nimmt ebenfalls

ein Molekül Chlor (Cl_{2}) auf, wodurch Zinnchlorid (SnCl_{4})

entsteht. Man wendet das Zinnsalz in salzsaurer Lösung an. Nach

vollendeter Einwirkung setzt man so viel Natriumcarbonat zu, als

erforderlich ist, um die Salzsäure zu sättigen. Ein Molekül

Natriumhyposulfit (Na_{2}S_{2}O_{3} + 5H_{2}O) absorbirt 4 Moleküle

Chlor, indem Natriumsulfat, Salzsäure und Schwefelsäure entstehen. Auch

das Kalksalz wird als Antichlor Anwendung finden können. Das

Natriumhyposulfit bildet, seitdem es als Nebenprodukt der

Sodafabrikation massenhaft und billig auftritt, ein unersetzliches

Mittel, um dem Papierstoff den letzten Rest des Chlores zu entziehen.

Neuerdings (1868) hat =J. Kolb= mit Erfolg das unterschwefligsaure

Natron durch =Ammoniak= ersetzt. Was endlich die Anwendung des

=Leuchtgases= zur Beseitigung des Chlors in der Papiermasse betrifft,

so datirt dieselbe aus dem Jahre 1818, in welchem Jahre =Uffenheimer=

in seiner Fabrik in Guntramsdorf in Oesterreich seinen Halbstoff durch

Gas entchlorte. Es wäre wol von Interesse, das Leuchtgas von Neuem als

Antichlor zu verwenden. Vielleicht wären auch Benzol, Photogen,

Petroleumäther und ähnliche Kohlenwasserstoffe zur Entchlorung der

Papiermasse geeignet.

[Sidenote: Bereitung des Ganzstoffes.]

Nachdem durch Waschen und Anwendung von Antichlor alle durch die Bleiche

dem Halbstoffe mitgetheilten, dem Papier nachtheiligen Substanzen

entfernt worden sind, kommt der Stoff in den =Ganzstoffholländer=, um in

=Ganzstoff= verwandelt zu werden. Der Ganzstoffholländer unterscheidet

sich von dem Halbstoffholländer dadurch, dass seine Walze, wie sein

Grundwerk eine grössere Anzahl Schienen enthält, die Walze dem Grundwerke

mehr genähert ist, und die Walze weit schneller umläuft. In gut

bereitetem Ganzstoffe müssen alle Fasern gehörig und gleichmässig

zerkleinert sein, was man daran erkennt, dass die breiartige Masse beim

Ausgiessen aus einem Gefässe kleine Klümpchen wahrnehmen lässt und mit

Wasser verdünnt als eine milchähnliche Flüssigkeit erscheint.

[Sidenote: Blauen.]

Ungeachtet der sorgfältigsten chemischen Bleiche ist der Ganzstoff nie

vollkommen weiss, sondern besitzt stets noch einen schwachen gelblichen

Schein, welchen man durch das sogenannte =Blauen= möglichst zu entfernen

strebt. Zu diesem Behufe setzt man dem Ganzstoffe in dem Holländer, kurz

bevor er völlig fein gemahlen ist, eine kleine Menge blauer Farbe:

Ultramarin, Pariserblau, Indig, Anilinblau (früher Smalte oder andere

blaue Kobaltfarben) zu, zuweilen in einem solchen Verhältniss, dass eine

schwach bläuliche Nüance der Papiermasse bemerklich wird. Vom Ultramarin

setzt man auf 100 Kilogr. trockene Papiermasse, je nach der Stärke der

Bläuung, 0,5-1,5 Kilogr. zu.

[Sidenote: Das Leimen des Ganzstoffes.]

In vielen Fällen, insbesondere bei der Bereitung des Maschinenpapieres,

wird der bereits gebläute Ganzstoff im Holländer noch geleimt. Dieses

Verfahren wird das =Leimen in der Bütte= oder die =Masseleimung= genannt.

Die Leimung des Papier=stoffes= anstatt des Papier=blattes= gewährt

mancherlei Nutzen, denn man umgeht nicht allein das Leimen als besondere

Arbeit, die mit Aufwand an Zeit und Arbeitslohn verknüpft ist, sondern

man erreicht auch eine weit gleichförmigere, durch die ganze Masse des

Papierbogens hindurch gehende Leimung, während das in Bogen geleimte

Papier aus drei Schichten besteht, zwei äusseren, aus geleimtem Papier

bestehend, und einer inneren aus angeleimtem Papier; in dieser physischen

Beschaffenheit liegt auch der Grund, dass derartiges Papier an radirten

Stellen, wo man also die Schicht des geleimten Papiers entfernt hat,

löscht. Gewöhnlicher Leim ist bei der Masseleimung nicht wol anzuwenden,

da derselbe in der Zeit, die bis zur Herstellung des vollendeten

Papierbogens verstreicht, leicht fault. Dagegen hat sich die

=vegetabilische Leimung= vollkommen bewährt, die immer auf die Erzeugung

von =harzsaurem Aluminium= (Aluminiumpinat) hinaus kommt. Alle

Vorschriften stimmen darin überein, dass sie zunächst die Darstellung

einer =Harzseife= verlangen, welche dann im Holländer durch Alaun oder

Aluminiumsulfat zersetzt wird. Das Stärkemehl, das man gewöhnlich

zusetzt, hat bei der Bereitung des vegetabilischen Leimes nur eine

untergeordnete Bedeutung und lässt sich auch ohne Nachtheil weglassen; im

Allgemeinen aber giebt es der Flüssigkeit eine dicklichere Consistenz, in

deren Folge der durch die Alaunlösung entstandene Niederschlag von

Aluminiumresinat sich langsamer senkt und deshalb gleichmässiger mit der

Faser verbindet, weshalb auch bei Anwendung von Stärkemehl ein geringeres

Quantum Leim genügt, als im gegentheiligen Falle.

Geringere Grade von Festigkeit erreicht man durch Anwendung

gewöhnlicher =weisser Seife= (am besten Oelseife, von welcher man auf

100 Kilogr. trocknen Ganzstoff 3 Kilogr. nimmt, die durch ein gleiches

Quantum Alaun zersetzt werden), in diesem Falle ist es

Aluminiumpalmitat und -oleat, welches die Papierfaser umgiebt, die

Poren des Papieres ausfüllt und das Eindringen von Flüssigkeit

verhindert. Mittlere Grade von Festigkeit und Steifheit erhält man

durch combinirte Anwendung von Harz- und Oelseife. =Wachsseife= (durch

Kochen von weissem Wachs mit Aetznatronlauge erhalten) wird ihrer

reinen weissen Farbe wegen gegenwärtig nur noch hier und da bei der

Anfertigung reiner Schreibpapiere angewendet. Statt des harzsauren

Aluminium lassen sich auch andere unlösliche harzsaure Verbindungen als

vegetabilischer Leim verwenden, so namentlich das =harzsaure Zink=,

welches man erhält, wenn man die dem Holländer zugegebene gewöhnliche

Harzseife statt mit Alaun mit Zinkvitriol oder mit Chlorzink zersetzt.

[Greek: a]) _Handpapier._

[Sidenote: Die Verfertigung der Papierbögen durch Schöpfen.]

Die Ueberführung des mit Wasser zu einem dünnen Brei verdünnten

Ganzstoffes in Papierbögen geht vor sich 1) durch Ausbreitung des Stoffes

zu einer dünnen gleichförmigen Schicht, 2) durch Entwässerung dieser

Schicht, verbunden mit Verdichtung der zurückgebliebenen festen Masse.

Die Entfernung des Wassers geschieht auf dreierlei Weise, nämlich durch

Filtration, hierauf durch Druck und zuletzt durch Verdunstung.

Diese Verschiedenheit und Aufeinanderfolge dieser drei

Entwässerungsarten liegt in der Natur der Sache. Der flüssige Ganzstoff

giebt gern einen Theil seines Wassergehaltes ab, wenn man letzterem

Gelegenheit zum Ablaufen verschafft, so z. B. auf einem Siebe oder

einer siebähnlichen Vorrichtung, auf welcher die Fasern zurückgehalten

werden. Es ist einleuchtend, dass hierdurch nur ein Theil des Wassers

entfernt werden kann, da die Fasern durch ihre verfilzte Beschaffenheit

eine nicht unbeträchtliche Menge Wasser in Folge von Capillarität

festhalten. Wollte man den auf den Sieben zurückgebliebenen weichen

Brei sofort dem Austrocknen durch Verdunsten überlassen, so würde dies

nicht nur sehr langsam gehen, sondern das ausgetrocknete Papier würde

locker, porös, von geringer Festigkeit und mit rauher, runzliger Fläche

zurückbleiben. Diese Uebelstände sind zu beseitigen, wenn man den

weichen Brei, der auf den Sieben kein Wasser mehr abgiebt, einem

allmälig verstärkten Drucke unterwirft, dadurch zugleich auch die

Fasern einander nähert und dabei die Oberfläche ebnet. Das letzte

Wasser, welches durch Pressen nicht beseitigt werden kann, wird durch

Verdunstung (Trocknen) entfernt.

Die erste der Operationen, durch welche aus dem Ganzstoff das Papier

dargestellt wird, ist das =Schöpfen=, wodurch der flüssige Stoff auf

einer siebartigen Fläche, der =Form=, zu einer dünnen Schicht,

ausgebreitet wird, wobei zugleich eine Abscheidung eines grossen Theiles

des Wassers durch Filtration stattfindet. Der Ganzstoff, so wie er den

Holländer verlässt, fliesst entweder sofort in die =Schöpfbütte=, aus

welcher die Papierbögen geschöpft werden, oder er wird in einen

besonderen Kasten, den =Stoff=- oder =Zeugkasten= gebracht, in welchem er

bis zur weiteren Verarbeitung aufbewahrt wird. Die =Schöpfbütte= ist ein

rundes oder länglich vierereckiges Gefäss aus Holz, welches mit

Bleiplatten ausgefüttert und auf Unterlagen gestellt ist. An der einen

Seite der Bütte steht der mit dem Schöpfen beschäftigte Arbeiter, der

=Schöpfer=. Quer über der Bütte liegt ein breites Brett, die =Brücke=

oder der =Steg=, und dicht neben demselben der gegen jenen etwas geneigte

=kleine Steg=, welcher dazu dient, die Papierform schnell nach dem

grossen Stege hinzuschieben. Der grosse Steg ist mit einer senkrechten

Stütze, dem =Esel=, zum Anlehnen der Formen versehen. Der Bütteninhalt

wird während des Schöpfens erwärmt.

Eine wesentliche Verbesserung der Schöpfbütte ist die Combination

derselben mit dem =Knotenfänger=, der die Bestimmung hat, einerseits

alle Knötchen und Klümpchen aus dem breiartigen Ganzstoffe zu

entfernen, andererseits die Nachfüllung von frischen Ganzstoff in die

Schöpfbütte regelmässig zu verrichten. Der Knotenfänger, wie er für die

Fabrikation des Handpapieres Anwendung findet, besteht im Wesentlichen

aus einem in der Schöpfbütte aufrecht stehenden Siebcylinder, in

welchem eine Flügelwelle sich dreht. Der Ganzstoff wird in dem Maasse,

als er von dem Schöpfer consumirt wird, durch eine Pumpe in den

Siebcylinder gebracht und durch die Flügelwelle durch das Sieb in die

Schöpfbütte getrieben, wobei die Knoten im Innern des Cylinders

zurückbleiben.

Die zum Schöpfen des Ganzstoffes angewendeten =Papierformen= sind ein

Gewebe oder Geflecht aus Messingdraht, das so beschaffen sein muss, dass

es das Wasser möglichst schnell abfliessen lässt, ohne Papierstoff

hindurchzulassen. Man hat zwei Arten von Formen, nämlich

1) die =gerippten Formen=, deren Gitter aus parallel neben einander

liegenden Drähten besteht, welche in gewissen, durch Querleisten

bestimmten Entfernungen mit einander durch quer durchflochtene

Bindedrähte verbunden sind, welche letztere, indem sie höher als die

Bodendrähte liegen, im Papier dünne Stellen bilden, die beim Durchsehen

als helle Linien sich zu erkennen geben. Auf solchen Formen

dargestelltes Papier heisst =geripptes Papier=, welches stets zu den

mittleren oder geringen Papiersorten zu rechnen ist, bei dessen

Fabrikation weniger Glätte der Oberfläche, als Verminderung der

Arbeitszeit verlangt wird;

2) die =Velinformen= bestehen, nicht wie die gerippten Formen aus einem

Geflechte, sondern aus einem auf dem Webstuhle gefertigten feinen

Messingdrahtgewebe. Das mit diesen Formen geschöpfte Papier, das

=Velinpapier= erhält eine zartgekörnte, ebene Oberfläche, der durch

Pressen und Satiniren grosse Glätte und selbst ein gewisser Grad von

Glanz ertheilt werden kann. Beim Durchsehen erscheint es gleichförmig

und zeigt keine helleren und dunkleren Linien wie die gerippten

Papiere.

Auf den gerippten wie auf den Velinformen pflegt man das Fabrikzeichen,

eine Firma, ein Wappen u. dergl. von Draht gebildet, anzubringen,

wodurch diese Zeichen im Papier als stärker durchscheinend sich

darstellen (=Wasserzeichen=). Der =Deckel= der Papierform bildet den

Rand derselben und bestimmt durch seine Grösse und Gestalt jene des auf

der Form geschöpften Papierbogens, und durch seine Höhe das Quantum von

Ganzstoff, das auf der Form Platz finden kann. Was in der

Papierfabrikation =Filz= genannt wird, ist nicht, wie etwa der Hutfilz,

wirklicher Filz, sondern ein grobes, lockeres, geköpertes Gewebe aus

Wolle, das nur schwach gewalkt und weder gerauhet noch geschoren ist.

Die Arbeit an der Schöpfbütte geschieht von zwei Arbeitern, nämlich dem

=Schöpfer=, welcher mit den Formen das Papier aus der Bütte nimmt, und

dem =Kautscher=, welcher die so entstandenen Papierbogen ab und

zwischen die Filze einlegt, eine Arbeit, welche das =Kautschen= genannt

wird. Nachdem die Bütte mit Ganzstoff angefüllt worden ist, rührt man

den Bütteninhalt mit der =Schöpfkrücke= von Zeit zu Zeit durch. Der

Schöpfer fasst eine mit dem Deckel versehene Form an der Mitte der

schmalen Seite mit beiden Händen, taucht sie schräg in den breiartigen

Bütteninhalt, stellt sie darin horizontal, nimmt sie wieder heraus,

schüttelt sie einige Mal hin und her, um das Ablaufen des Wassers zu

befördern und den überflüssigen Ganzstoff abzuwerfen, und schiebt sie

endlich auf den kleinen Steg. Hierauf nimmt der Schöpfer eine zweite

Papierform, die auf dem grossen Stege bereit liegt, und schöpft einen

zweiten Bogen. Mittlerweile legt der Kautscher den Bogen von der

ersten, ihm zugeschobenen Form auf die Filze. Zu dem Ende lehnt er

einige Sekunden lang die Form schräg an den Esel, damit das Wasser

möglichst ablaufe, legt sie hierauf umgekehrt auf den Filz, drückt ein

wenig darauf und hebt sie wieder auf, wobei der Papierbogen auf dem

Filze liegen bleibt. Die leere Form wird dem Schöpfer zurückgegeben.

Der Kautscher bedeckt den ersten Papierbogen mit einem Filze, auf

welchen er den zweiten Bogen bringt u. s. f. Der Schöpfer kann in einem

Tage gegen 5000 Bogen fertigen.

[Sidenote: Das Pressen der Papierbögen.]

Sobald durch die Arbeit des Schöpfens und Kautschens ein Stoss von einer

gewissen Höhe, ein =Pauscht=, entstanden ist, so wird über den obersten

Papierbogen noch ein Filz, darüber ein Brett gelegt und der ganze Stoss

unter die Presse gebracht. Die Anzahl Bogen in einem Pauscht beträgt

meist 181 (man nimmt an, dass drei Pauscht 181 × 3 = 543 Bogen 20 Buch =

480 Bogen geleimten und 500 Bogen nicht geleimten Papieres liefern). Das

Pressen trägt wesentlich mit dazu bei, die Festigkeit und Glätte des

Papieres zu erhöhen. Wollte man den Papierbogen nach dem Schöpfen nur

trocknen, so würde das Papier eine lockere und schwammige Beschaffenheit

erhalten und im hohen Grade wassereinsaugend sein. Man sucht daher mit

der Entfernung des Wassers eine Verdichtung der Papiermasse durch Pressen

zu bewirken.

[Sidenote: Das Trocknen des Papiers.]

Durch das Auspressen kann das Papier selbstverständlich nicht von allem

Wasser befreit werden; man muss es daher nach dem Auspressen =trocknen=,

welches in der Weise geschieht, dass man die Papierbögen in gehörig

gelüfteten Räumen (entweder Trockenböden oder besonderen Trockenhäusern)

auf Schnüren aufhängt. Um an Raum zu sparen, hängt man meist zwei bis

fünf Bogen übereinander.

Eine geübte Arbeiterin kann in einer Stunde 800-900 Lagen von je 2-5

Bogen, demnach 1600-4500 Bogen aufhängen und nach dem Trocknen dieselbe

Anzahl Bogen von den Schnüren abnehmen.

[Sidenote: Das Leimen der Papierbögen.]

Die getrockneten Papierbögen sind, sofern sie nicht bereits in der

=Bütte= geleimt wurden, wassereinsaugend, weich und von geringer

Haltbarkeit. In diesem Zustande heisst das Papier =ungeleimtes Papier=

und eignet sich nur zur Anwendung als Lösch- oder Fliesspapier,

Filtrirpapier, Pack- oder Druckpapier. Behufs seiner Benutzung als

Schreib- und Zeichenpapier ist es dagegen nothwendig, dass das Papier

geleimt werde. Durch das Leimen sollen die Poren des Papieres mit einer

Substanz ausgefüllt werden, welche der Feuchtigkeit widersteht und die

Capillarität des Papieres aufhebt, will man also die Fasern, aus denen

das Papier besteht, zusammenkleben, sie in eine festere Verbindung mit

einander bringen und dem Papierbogen dadurch grössere Steifheit,

Festigkeit und Härte geben. Der gewöhnliche Leim kann diese Bedingungen

nicht erfüllen, weil er im getrockneten Zustande beim Zusammenbringen

mit Wasser wieder erweicht. Dieser Uebelstand wird aber beseitigt, wenn

man dem Leim ein lösliches Aluminiumsalz, wie Alaun, Aluminiumsulfat,

Chloraluminium zusetzt. Dadurch wird der Leim vor dem schnellen

Verderben bewahrt und in einer Weise verändert (ungefähr so wie die

Thierhaut durch Thonerdesalz in der Alaun- und Weissgerberei), dass er

einmal im Papiere eingetrocknet, vom Wasser nicht wieder aufgeweicht

und klebrig gemacht wird. Der Papierfabrikant bereitet sich seinen Leim

selbst aus Hammelfüssen und den Abfällen der Gerbereien, indem er diese

Materialien mit Wasser sieden lässt, bis alles Lösliche ausgezogen ist,

das so erhaltene Leimwasser filtrirt und dann mit Alaun versetzt. Die

Leimung erfolgt, indem der Leimer 80 bis 100 Bogen in die Hände nimmt

und in der Leimbütte so bewegt, dass jeder Bogen in zweiter Wendung mit

Leimlösung getränkt ist. Ein guter Arbeiter leimt in 12 Stunden

40-50,000 Bogen. Die Trocknung des Papieres nach der Leimung darf weder

zu schnell noch zu langsam und muss in luftigen Räumen stattfinden.

[Sidenote: Das Ausrüsten (Appretur) des Papiers.]

Nachdem das geleimte Papier gepresst und getrocknet worden ist, bedarf

es noch einer Ausrüstung, um als fertige Waare zu gelten. Es ist

nämlich noch nicht eben und glatt genug und enthält verschiedenartige

anhängende und theilweise selbst festsitzende Unreinigkeiten. Auch ist

es nöthig, dass es abgezählt und zusammengelegt werde. Die erste der

Ausrüstungsarbeiten besteht in dem =Auslesen= oder =Putzen=, welches

die Entfernung aller fremdartigen Körper zum Zwecke hat. Mit dieser

Arbeit ist zugleich ein Auslesen der beschädigten Bogen verknüpft. In

Folge der Einführung der Knotenfänger in die Papierfabrikation ist das

Auslesen gegenwärtig sehr erleichtert, ja in einzelnen Fällen selbst

überflüssig geworden. Das ausgelesene Papier wird =gezählt= und

=zusammengelegt= und geschieht bei gehöriger Uebung so schnell, dass

ein Arbeiter stündlich 8-15,000 Bogen zu zählen im Stande ist. Man legt

das Papier in ganzen oder halben Buchen zusammen, 24 Bogen geleimtes

und 25 Bogen nichtgeleimtes Papier machen ein =Buch=, 20 Buch ein

=Ries=, 10 Ries einen =Ballen=. Das oberste und das unterste Buch eines

jeden Ries besteht in der Regel aus Ausschussbogen. Eine möglichst

ebene und glatte Oberfläche des Papieres wird durch mehrmaliges und

anhaltendes =Pressen= (das sogenannte =Trockenpressen=) erzielt, wobei

jedesmal die Bogen in anderer Richtung aufeinandergelegt werden. Dieses

Umlegen der Bogen heisst das =Auswechseln= oder =Austauschen=. Die

meisten Papiersorten erlangen durch das Pressen ihre Vollendung, nur

die feinsten Papiere (z. B. Briefpapier) werden noch durch das

=Satiniren= geglättet. Man satinirt entweder in der Presse oder

mittelst eines Walzwerkes (=Satinirmaschinen=).

[Sidenote: Die hauptsächlichsten Papiersorten.]

Die Papiersorten des Handels zerfallen in drei Hauptgattungen, nämlich:

A. =Schreib=- und =Zeichenpapiere=, von denen die =Schreibpapiere=

wieder zerfallen in die geringste Sorte, das =Conceptpapier=, das

mittelfeine =Kanzleipapier= und die feinsten Sorten, als =Post=- oder

=Briefpapier=, und das =Velinschreib=- oder =Briefpapier=.

B. =Druckpapier=, von welchen man wieder unterscheidet eigentliches

=Druckpapier= für Buchdrucker in seinen verschiedenen Arten, als

Conceptdruck, Kanzleidruck, Postdruck und Velindruck,

=Notendruckpapier= und =Kupferdruckpapier= und =Seidenpapier=, welches

letztere zum Einwickeln von Gold- und Silberwaaren, zum Einlegen

zwischen Kupferstiche etc. dient.

C. =Lösch=- und =Packpapier=. Das =Lösch=- oder =Fliesspapier= ist

stets ungeleimt und erscheint in seiner feinsten Sorte als

=Filtrirpapier=; das =Packpapier= ist gewöhnlich halb geleimt und

erscheint bald als gelbes Strohpapier, blaues Zucker- und Nadelpapier

u. s. w.

[Greek: b]) _Maschinenpapier._

[Sidenote: B. Die Fabrikation des Maschinenpapiers.]

Die Herstellung des Papiers durch Schöpfen des mit Wasser gemischten

Ganzstoffes mit Hülfe von Formen scheint eine so einfache Arbeit zu sein

und nimmt zugleich so viel Zeit in Anspruch, dass der Gedanke ein sehr

naheliegender ist, die Arbeit anstatt durch Menschenhände auf

mechanischem Wege ausführen zu lassen. Bei den Bestrebungen, die auf eine

Einführung der =Maschine zur Verfertigung der Papierbogen= gerichtet

waren, hat man zweierlei Wege eingeschlagen, auf dem einen suchte man

Bogen von der gewöhnlichen Grösse nach einem Verfahren herzustellen, dem

immer noch die alte Fabrikationsmethode zu Grunde lag, auf dem anderen

Wege und nur dieser letztere hat zum Ziele geführt, bildete man sehr

lange Papierblätter (=endloses Papier=) von einer in gewissen Grenzen

veränderlichen Breite, welche erst später als fertiges Papier in einzelne

Bogen zerschnitten wurden. Unter den vorgeschlagenen Maschinen haben sich

die =Formen mit gerader Form= oder die sogenannten Schüttelmaschinen am

meisten bewährt, namentlich sind sie zur Fabrikation feiner Papiere die

allein tauglichen.

Um ein fortlaufendes Papierband von unbestimmter Länge und einer

bestimmten Breite zu erzeugen, hat die Maschine den von der Stoffmühle

kommenden Ganzstoff nach einander

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 82 / 167 题