[Sidenote: Französisches Frittenporcellan.]
Das =weiche= oder =Frittenporcellan= wird als französisches und
englisches unterschieden.
Das =französische= oder =eigentliche Frittenporcellan= (mit welchem im
vorigen Jahrhundert die Fabrikation des Porcellans überhaupt in
Frankreich und Italien begann) ist eine 1695 von =Morin= in Saint-Cloud
bei Paris erfundene glasartige Masse (ein unvollständig geschmolzenes
Alkali-Erde-Silicat), ohne Zusatz von Kaolin, mit bleihaltiger, dem
Krystallglas ähnlicher Glasur. Es gehört demnach nur uneigentlich zu den
Thonwaaren, die Aehnlichkeit mit dem Porcellan entspringt nur aus der
unvollkommenen Schmelzung der durch Uebersetzung mit Kalk und Thonerde
strengflüssig gemachten Masse. Die Masse zu dem Frittenporcellan wird
zusammengesetzt: 1) aus einer glasartigen Masse, der =Fritte=, um der
Masse Kieselerde und Alkalien zu geben, 2) aus =Mergel=, um Thon
beizufügen, 3) aus =Kreide=, als kalkigem Bestandtheil.
Die Verhältnisse dieser drei Gemengtheile sind im Allgemeinen:
Fritte 75-75
Mergel 17- 8
Kreide 8-17
Die Fritte wird mit Kreide und Kalkmergel gemischt, als dünner Brei
fein gemahlen, als Brei einige Monate lang aufbewahrt, getrocknet, von
Neuem gepulvert und durchgebeutelt. Der an und für sich kurzen Masse
ertheilt man einen gewissen Grad von Plasticität durch Zusatz von
Seifen- oder Leimwasser oder Gummischleim. Das Frittenporcellan wird in
Kapseln gargebrannt, ehe man es mit Glasur versieht; da es während des
Brennens sich leicht verzieht, so muss es auf allen Seiten gestützt
werden; man brennt es deshalb auf Formen von feuerfestem Thon, die
genau die Gestalt der Geschirre haben. Es wird schon in dem Verglühofen
des gewöhnlichen Porcellanofens gargebrannt. Die =Glasur= des
Frittenporcellans ist ein zu diesem Behufe eigens bereitetes
Krystallglas. Das Frittenporcellan ist leicht an dem Bleigehalt der
Glasur zu erkennen. Eine Auflösung einer Schwefelleber einige Zeit in
einem Gefässe aus Frittenporcellan aufbewahrt, schwärzt es
oberflächlich. -- Dem französischen Porcellan steht nahe das
=Kryolithglas= oder =Heissgussporcellan= (vergl. Seite 335).
[Sidenote: Englisches Frittenporcellan.]
Das =englische Porcellan= besteht in der Masse aus plastischem Thon, aus
Porcellanerde von Cornwallis (sogenanntem _China clay_), _Cornish stone_
(durch Verwitterung von Pegmatit entstanden), Feuerstein und
Knochenasche. Der Zusatz der letzteren, 1802 von =Ch. Spade= eingeführt,
(in neuerer Zeit zuweilen durch natürliches Calciumphosphat -- Apatit,
Phosphorit, Staffelit, Navassit und Sombrerit -- ersetzt) befördert die
Leichtflüssigkeit des Produktes. Die Glasur besteht aus Cornish stone,
Kreide, Feuerstein, Borax und Bleioxyd. Da die Glasur leichter schmelzbar
ist als die Masse, so muss letztere im ersten, stärkeren Feuer
grösstentheils gargebrannt werden, ehe im zweiten kürzeren Feuer die
Glasur aufgebrannt wird; hierin liegt ein wesentlicher Unterschied
zwischen hartem und englischem Porcellan. Beim harten Porcellan ist der
Grad der Schmelzbarkeit der Masse und der Glasur ziemlich derselbe,
namentlich stimmt in dieser Beziehung der Fluss der Masse mit der Glasur
überein, während beim englischen und überhaupt beim Frittenporcellan eine
Verschiedenheit des Flusses der Masse von dem der Glasur charakteristisch
ist. Daraus folgt, dass das englische Porcellan weit weniger haltbar sei
und leichter rissig werden muss, als das harte; auf der andern Seite ist
die Masse des englischen Porcellans plastischer, bedarf zum Garbrennen
wegen der überwiegenden leichtflüssigen Bestandtheile eines geringen
Feuers und ist deshalb dem Verziehen beim Brennen weniger ausgesetzt. Auf
dieser letzteren Eigenschaft beruht namentlich der Vorzug, dass die
englischen Porcellane ohne Schwierigkeit mit geringer Scherbenstärke
hergestellt werden können, während andererseits dieselben vermöge ihrer
leichtflüssigen bleihaltigen Glasur die Anwendung der schönsten
Farbennüancen zu Verzierungen gestatten. Das Brennen geschieht in eigenen
Etagenöfen mittelst Steinkohlen. Die Geschirre stehen in Kapseln. Die
Glasur ist stets bleihaltig. Das Glasiren wird durch Eintauchen
bewerkstelligt. In neuerer Zeit spielt die Borsäure als Mittel zum
Glasiren des englischen Porcellans eine grosse Rolle.
[Sidenote: Parian und Carrara.]
Das =parische Porcellan= oder =Parian= (dieser Name ist abgeleitet von
der durch ihren Marmor berühmten Insel Paros) ist unglasirtes
Statuenporcellan von einer dem englischen Porcellan ähnlichen, aber
strengflüssigeren Masse, weniger Fluss und mehr Kieselerde enthaltend.
Die Farbe der Masse zeigt einen etwas milden gelblichen Ton; die
Oberfläche ist wachsartig und fettähnlich schimmernd. Das Parian wurde
zuerst von =Copeland= im Jahre 1848 dargestellt, obgleich die Idee,
parischen Marmor durch Porcellanmasse nachzuahmen, nicht neu ist,
=Kühn= in Meissen und auch die Nymphenburger Fabrik haben längst
Medaillen und Statuetten geliefert, welche mit dem Statuenmarmor grosse
Aehnlichkeit haben, obgleich letztere ihrer Zusammensetzung nach sich
dem harten Porcellan anschliessen. Die Zusammensetzung des Parian ist
eine sehr verschiedene; manche Probe enthält Calciumphosphat, andere
wieder Bariumsilicat, noch andere endlich nur Kaolin oder Thon und
Feldspath.
Der =Carrara= (eine Benennung nach dem durch seinen Marmor berühmten
Carrara in Toskana) steht zwischen Parian und Steinzeug in der Mitte
und ist weniger durchscheinend als Parian und von etwas weisserer
Farbe.