Kaolin von Morl (bei Halle) 31
Quarzsand 43
Gyps 14
Porcellanscherben 12
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100
[Sidenote: Auftragen der Glasur.]
[Sidenote: Durch Eintauchen.]
Das =Auftragen der Glasur= kann, wenn wir das Glasiren im =Allgemeinen=
betrachten, auf viererlei Weise geschehen, nämlich; 1) durch Eintauchen,
2) durch Bestäuben, 3) durch Begiessen, 4) durch Verflüchtigen. Man trägt
entweder die Glasur in Substanz mit allen Ingredienzien auf (durch
Eintauchen und Begiessen), oder man führt der Masse gewisse Bestandtheile
direct (durch Bestäuben) oder durch Verflüchtigen zu, welche mit der
Masse zu Glasur zusammentreten. Das =Glasiren durch Eintauchen= ist die
zum =Glasiren des Porcellans=, der feinen Fayence und zuweilen des
Töpferzeuges angewendete Methode; sie erfordert denjenigen Grad von
Porosität der Masse, um Flüssigkeiten begierig zu absorbiren; zugleich
muss die Masse so viel Zusammenhang besitzen, dass sie vom Wasser nicht
mehr aufgeweicht wird. Um daher die geformten und getrockneten
Porcellangegenstände in den Zustand zu versetzen, in welchem sie mit
Wasser zusammengebracht, nicht mehr ihre Form verlieren, müssen sie
vorher gebrannt werden. Das ächte Porcellan wird deshalb vor dem Glasiren
einem schwachen Brand, dem =Verglühen= unterworfen. Die mit Wasser
gemahlene Glasur wird mit Wasser zu einem dünnflüssigen Teig wiederum
ungefähr von der Consistenz der Kalkmilch angerührt. Taucht man nun ein
verglühtes Geschirr in die Glasurbrühe, so wird ein Theil des Wassers von
der porösen Masse rasch absorbirt und das in dem Wasser suspendirt
gewesene Glasurmehl wird ähnlich einem Niederschlag auf einem Filter, auf
der Oberfläche des Porcellans zurückbleiben, adhäriren und sich daselbst
als eine gleichmässige Schicht verdichten.
[Sidenote: Glasieren mittelst Bestäuben.]
Das =Glasiren mittelst Bestäuben= ist die einfachste und billigste
Glasirmethode und findet nur bei gröberen Waaren Anwendung, die zu
einem so niederen Preise verkauft werden, dass ein Verglühen der Masse,
um ihr die Eigenschaft, im Wasser sich zu zertheilen, zu benehmen, als
zu kostspielig nicht möglich ist. Man beutelt über die frisch geformten
noch feuchten Waaren Bleiglätte oder Mennige, zuweilen nur
Bleiglanzpulver (Glasurerz); es bleibt alsdann eine Schicht davon auf
der feuchten Oberfläche haften. Diese Pulver liefern das Bleioxyd, die
Masse der Kieselerde und der Thonerde, welche zur Bildung der Glasur
erforderlich ist. In neuerer Zeit hat man zum Bestäuben ein fein
gepulvertes Gemenge von Zinkblende und calcinirtem Glaubersalz
vorgeschlagen.
[Sidenote: Durch Begiessen.]
Das =Glasiren durch Begiessen= findet bei Geschirren Anwendung, welche
keine Porosität und demnach kein Absorptionsvermögen mehr besitzen.
Derartige Geschirre sind das Frittenporcellan und das englische
Porcellan. Das Glasiren durch Begiessen kommt aber auch vor bei dem
gewöhnlichen Töpferzeug und bei einigen Arten von Fayence. Man giebt
der Glasurbrühe Rahmconsistenz und giesst davon in oder auf die zu
glasirenden Waaren, indem man sie durch eigenthümliches Bewegen und
durch Schwenken überall auszubreiten sucht. Durch dieses
Glasirverfahren hat man die Möglichkeit, das Innere eines Gefässes mit
einer andern Glasur als die äussere Fläche zu versehen. So sind z. B.
viele Fayencen inwendig weiss und auswendig braun glasirt.
[Sidenote: Durch Verflüchtigen.]
Das =Glasiren durch Verflüchtigung= wird auf die Weise ausgeführt, dass
man gegen das Ende des Brandes in dem Ofen einen salzigen oder
metallischen Dampf bildet, der sich mit der Kieselerde der Masse zu
einem wirklichen Glase verbindet. Die nach der Verflüchtigungsmethode
glasirten Gegenstände sind so zu sagen nur auf der Oberfläche polirt,
alle Formen bleiben demnach gänzlich unverändert. Man verfährt hierbei
auf zweierlei Weise: nach der gewöhnlichen Art, die nur bei solchen
Waaren Anwendung finden kann, welche =ohne Kapseln= und offen gebrannt
werden, wirft man =Kochsalz= in den Ofen und bringt auf die Feuerungen
grünes Holz, welches zur Bildung von =wasserreichem Rauch= Veranlassung
giebt. Da das Kochsalz schon in der Rothglühhitze Dampfgestalt annimmt,
so ist das Innere des Ofens mit den Dämpfen desselben angefüllt, welche
mit den Wasserdämpfen zu Salzsäure und Natron sich umsetzen. Letzteres
schlägt sich auf die Masse nieder und bildet mit der kieselsauren
Thonerde derselben ein Glas, das den Gegenstand überzieht. Die Glasur
bildet sich eben so vollständig im Innern der Gefässe, als an der
äusseren Oberfläche.
Bei feinem Steinzeug, das in =Kapseln eingesetzt= gebrannt wird,
verfährt man behufs des Glasirens durch Verflüchtigen auf die Weise,
dass man die innere Fläche der Kapseln mit den Substanzen überzieht,
durch deren Verflüchtigung eine Glasur auf den eingesetzten Gefässen
sich bilden soll. Eine sehr gebräuchliche Mischung zum Glasiren der
inneren Kapselfläche besteht aus Potasche, Bleiglätte und Kochsalz.
Während des Brennens verflüchtigt sich einerseits Kochsalz und
andererseits Chlorblei, die mit der Kieselerde der Geschirrmasse sich
zu einer dünnen Glasschicht verbinden. Man wendet in England auch
häufig Borsäure an, die bei hoher Temperatur auch sich verflüchtigt.
Diese Art des Glasirens, besonders in England heimisch, wird _Smearing_
genannt.
[Sidenote: Lüster und Flowing colours.]
Hierher gehören auch die =Lüster= und die _flowing colours_ der
Engländer, wodurch die Weisse des Porcellangrundes auf liebliche Weise
abgeändert wird. Man erhält diese Farben, indem man die Kapseln mit
einem Gemenge von Chlorcalcium, Chlorblei und Thon bestreicht und
gewisse Metalloxyde wie Kobaltoxyd in kleinen Gefässen in die Kapseln
stellt. Die Metalloxyde werden in Chlormetall verwandelt und
verflüchtigt und setzen sich gleich einem Nebel auf dem Geschirre ab.
[Sidenote: Die Kapseln oder Kasetten.]
Porcellangefässe und überhaupt feinere irdene Waaren dürfen beim Brennen
nicht der freien Einwirkung der Flamme ausgesetzt sein, weil Flugasche
und Rauch eine Verunreinigung derselben bewirken würde; man muss sie
deshalb in einer Umhüllung brennen, welche zu diesem Zwecke eigens aus
Thon verfertigt und =Kapsel= oder =Kasette= genannt wird. Man fertigt die
Kapseln aus feuerfestem Thon, welcher mit gestossenen, schon gebrannten
Kapselscherben (=Charmotte= oder mit Quarzsand) stark versetzt ist. Durch
diesen Zusatz ist das Schwinden und auch die Gefahr des Verziehens und
Reissens der Kapsel stark vermindert. In die Kapsel legt man zuerst eine
ebengeschliffene Platte aus Kapselmasse (=Pumbse=) und stellt erst auf
diese das Porcellan. Das Einsetzen der Porcellangeschirre in die Kapseln
erheischt die grösste Sorgfalt. Hat der Arbeiter in die sorgfältig
gereinigte Kasette den Pumbs gelegt, so bringt er das betreffende
Porcellanstück, ohne dessen Glasur zu verletzen, an seinen Ort, so dass
es die Kapsel ausser mit dem Fusse nirgends berühre. Auf diese Kapsel
kommt eine zweite, darauf eine dritte u. s. f., bis eine =Säule=
entstanden ist, welche der Einsetzer nach dem Ofen hin trägt.
[Illustration: Fig. 147.]
[Illustration: Fig. 148.]
[Sidenote: Der Porcellanofen.]
Die Einrichtung des Porcellanofens ist Fig. 147 im verticalen
Durchschnitt und Fig. 148 in der äusseren Ansicht abgebildet. Der
abgebildete Ofen ist ein verticalstehender Flammenofen mit drei Etagen
und fünf Feuerungen mit Holzfeuerung eingerichtet. Im Allgemeinen
stellt ein solcher Ofen einen hohlen Cylinder vor, dessen obere Decke
eine Kuppel bildet, aus der in der Axe der Schornstein sich erhebt. Die
flachen Gewölbe oder Etagen, in welche er abgetheilt ist, communiciren
durch Feueröffnungen. Die beiden Etagen _L_ und _L'_ dienen zum =Gar=-,
=Glatt=- oder =Starkbrennen= des Porcellans; die obere Etage _L''_, die
=Krönung= genannt, dient zum Rohbrennen. Am Boden der beiden untern
Abtheilungen sind die fünf Feuerungen angebracht, aus gemauerten
viereckigen Kästen _f_ bestehend, deren eine Wand vom Ofen selbst
gebildet ist; in jedem Kasten liegt unten ein Rost. Von jedem
Feuerkasten führt unten eine Oeffnung _g_ durch die Ofenwand in den
Ofen. _G_ ist der Aschenraum, _T_ die Oeffnung des Aschenraumes, die
während des Brennens verschlossen ist, _o_ eine Oeffnung, durch welche
das Brennmaterial auf den Rost aufgegeben wird. Die Feuerkästen können
mittelst eines eisernen Schiebers verschlossen werden. Das Innere des
Ofens besteht aus Charmottesteinen und aussen ist derselbe mit eisernen
Schienen versehen. In jede Etage führt eine Thüre _P_ zum Einsetzen und
Ausnehmen des Porcellans; sie wird nach der Beschickung mit feuerfesten
Steinen zugesetzt und verschmiert. Die Heizung geschieht zuerst in den
unter den Feuerungen befindlichen Feuerkammern, indem man etwas Holz
darin anwendet. Ist durch dieses schwache Feuer, das =Flattirfeuer=
(Lavir- oder Vorfeuer), die Waare bis zum starken Rothglühen erhitzt
worden, so beginnt man das =Scharf=-, =Gut=- oder =Glattfeuer=. Später
feuert man nicht mehr in der Feuerkammer, sondern legt das Holz in die
vorspringende Oeffnung. Hier findet das Verbrennen so statt, dass von
oben die Luft eintritt und dann durch das Brennmaterial hindurch in den
Ofen geht. Auf diese Weise wird stets der untere Theil des Holzes
verzehrt und die heisse Luft tritt aus den glühenden Kohlen sofort in
den Ofen, während bei andern Feuerungen die Luft zuletzt durch das
kalte Brennmaterial geht, das man von Zeit zu Zeit aufschüttet, und
dadurch abgekühlt wird. Die in der Feuergrube sich ansammelnden Kohlen
bilden dort eine bedeutende Glut, die zum Steigern der Temperatur nicht
wenig beiträgt, ja ohne welche der beabsichtigte Wärmegrad kaum
erreicht werden würde. Sobald die Kohle in dem Feuerkasten in solcher
Masse sich angesammelt hat, dass sie über die Ofensohle emporsteigt,
öffnet man die vorher verschlossenen Zuglöcher am Feuerkasten und
gestattet dadurch der Luft den Zutritt zu den glühenden Kohlen. Auf
solche Weise wird die Flamme durch den horizontal eintretenden
Luftstrom mehr zur Axe des Ofens hingeführt. Während des Scharffeuerns
sind die Feuerherde (die Schüren) wahre Generatoren und man hat so in
jedem Feuerraum zwei Verbrennungen über einander, die sich
wechselseitig bedingen. So lange der Ofen nicht in voller
Weissglühhitze steht, hat man nicht nöthig, sich von der Höhe der
Temperatur genauere Kenntniss zu verschaffen; ist aber Weissglühhitze
eingetreten, so sucht man durch Probeziehen den Stand näher zu
ermitteln. Nachdem nämlich die Kapselsäulen oder Stösse in den Ofen
eingesetzt waren, vermauert man, wie oben bemerkt, die Einsetzöffnung,
lässt aber in der Mauer eine =Probeöffnung=, durch welche man glasirte
Porcellanscherben in besonders dazu gefertigten Kapseln einsetzt.
Nachdem der Ofen weissglühend ist, öffnet man die Probeöffnungen, nimmt
die Probescherben heraus und beurtheilt den Schmelzgrad ihrer Glasur.
Das Gutbrennen dauert 17 bis 18 Stunden; man verschliesst dann den Ofen
und lässt ihn erkalten, wozu 3-4 Tage erforderlich sind.
Zum Gelingen des Porcellanbrennens ist nicht nur eine sehr hohe
Temperatur, nicht nur eine reichliche Entwickelung, sondern auch eine
bestimmte chemische Beschaffenheit der Flamme Bedingung, insofern
letztere von wesentlichem Einflusse auf die Farbe des Produktes ist. Zu
diesem Zwecke muss die Flamme, wenn der Ofen in vollem Gange sich
befindet, so viel als möglich die Beschaffenheit der Holzgasflamme
besitzen, d. h. nicht blass und durchsichtig, sondern fett und weiss
sein. Während der ersten Periode des Feuerns wirken die Gase oxydirend,
in der Periode des Scharffeuerns ist dagegen der Ofen mit reducirenden
Gasen angefüllt.
[Sidenote: Das Entleeren des Ofens und Sortiren der Waare.]
Nachdem der Ofen gehörig abgekühlt ist, schreitet man zum =Entleeren=
desselben. Das den Kapseln entnommene Geschirr wird einer genauen
Prüfung unterworfen, wobei es in vier Sorten geschieden wird: a) in
=Feingut=, wozu alles Geschirr gehört, welches fleckenlos, milchweiss,
blasenfrei, spiegelglatt in der Glasur, nicht verbogen und nicht
gerissen ist; b) in =Mittelgut=, welches minder weiss und glatt in der
Glasur ist und nur kleine Fehler hat, die man entweder =beim Malen=
decken kann oder beim Gebrauch des Geschirres nicht nachtheilig sind;
c) zum =Ausschuss= gehören alle Stücke, deren Glasur schlecht
geschlossen oder eierschalig (d. h. wenn in der Glasur sehr viele feine
Pünktchen sichtbar werden) und deren Farbe gelblich ist, die
Verunreinigungen der Masse oder Verbiegungen zeigen; d) Stücke endlich
mit Blasen oder Rissen, mit groben Verziehungen der Formen sind
unverkäuflich und gehören dem =Bruchgeschirre= an.
[Sidenote: Fehler der Porcellanmasse und der Glasur.]
Die hauptsächlichsten Fehler der =Porcellanmasse= sind folgende: =Risse
der Masse=; die Porcellanmasse ist kurz und nur wenig plastisch; sie
zieht sich beim Trocknen stark zusammen und die kleinste Ungleichheit
in der Zusammenziehung beeinträchtigt nicht nur die Form, sondern
bewirkt selbst eine Trennung der Theile, die oft erst nach dem Brande
als Riss sich bemerklich macht. Ein Aufsitzen des Porcellans auf einer
Unterlage ist gleichfalls oft der Grund des Entstehens der Risse. Das
=Verziehen= kann davon herrühren, dass entweder die Flamme zu stark auf
gewisse Theile des Stückes wirkte, oder die Masse in Folge fehlerhafter
Zusammensetzung zu schmelzbar war. Der =Wund= oder die =Windung=: die
Porcellanmasse ist so empfindlich gegen Druck, dass sie an einer nur
etwas mehr gedrückten Stelle weit weniger schwindet als an andern
Stellen und man daher an einem auf der Scheibe gedrehten Stücke die
Spirale sieht, nach welcher der Arbeiter beim Aufdrehen mit den Fingern
von der Mitte gegen auswärts oder von unten nach auswärts gefahren ist.
Dieser Fehler wird der Wund genannt. Die =Flecken= können von Körnern
der Kapseln herrühren, welche auf das darin befindliche Porcellan
gefallen und daraus eingeschmolzen sind. Solche Stellen kann man
zuweilen ausbessern. Häufig haben die Flecken in der Einwirkung des
Rauches auf die Porcellanmasse ihren Grund und tragen dann dazu bei,
dass das Geschirr dem Ausschuss beigesellt werden muss. Die =gelbe
Färbung=, welche die Masse zuweilen während des Brennens annimmt, rührt
theils von der Einwirkung des Rauches, theils auch von einer
oxydirenden Einwirkung der Flamme her, welche das Eisen der Masse in
Eisenoxyd überführt. In der =Glasur der Porcellanmasse= machen sich
hauptsächlich folgende Fehler bemerklich: =Blasen=, sie können in Folge
von Gasentwickelung durch die Reaction der Glasurbestandtheile auf
einander entstehen, aber auch das Resultat eines zu starken Feuers auf
normal zusammengesetzte Masse oder Glasur sein. Die =eierschalige
Beschaffenheit= ist ein Fehler, der sich bei der Glasur von Porcellan
oft zeigt und derselben das Glänzende nimmt; wenn die Glasur nicht
hinlängliche Schmelzbarkeit besass oder wenn sie nur unvollkommen
gebrannt war, oder wenn endlich unter dem Einflusse reducirender Gase
sich Alkalien verflüchtigten, so zeigt die Glasur eine
eierschalenähnliche Beschaffenheit. Wenn die Masse und die Glasur
verschiedene Ausdehnungscoëfficienten haben, so zeigen sich auf der
Oberfläche =Haarrisse=; sind dieselben zahlreich und zeigen sie eine
gewisse Regelmässigkeit, so nennt man solche Geschirre craquelirte
(vases craquelés).
[Sidenote: Porcellanmalerei.]
Die =Porcellanmalerei= ist ein Zweig der Glasmalerei, deren Wirkung
aber ausschliesslich auf das reflectirte, nie auf das durchgehende
Licht berechnet ist. Die Porcellanfarben sind gefärbte Gläser, welche
durch Aufschmelzen (Einbrennen) auf die Porcellanmasse Festigkeit und
Glanz erlangen. Zur Erzeugung jeder Farbe gehört das farbegebende
Metalloxyd und der Fluss. Je nach ihrem Verhalten im Feuer theilt man
die Porcellanfarben ein in Scharffeuerfarben und Muffelfarben. Erstere
enthalten färbende Oxyde, die vollkommen oder mindestens so
feuerbeständig sind, dass sie die zum Scharfbrennen erforderliche Hitze
unverändert ertragen. Man trägt sie =unter der Glasur= auf und schmilzt
sie mit derselben. Da die meisten Metalloxyde bei der Temperatur des
Scharffeuers ganz oder zum Theil sich verflüchtigen und einen unreinen
Ton geben, so sind die meisten Porcellanfarben =Muffelfarben=, welche
stets nach dem Glasiren auf der Glasur aufgetragen und in der Muffel
eingebrannt werden.
Die in der Porcellanmalerei angewandten Metalloxydsalze sind folgende:
Eisenoxyd für Roth, Braun, Violett, Gelb und Sepia,
Chromoxyd für Grün,
Kobaltoxyd und Kalium-Kobalt-Nitrit für Blau und Schwarz,
Uranoxyd für Orange und Schwarz,
Manganoxyd für Violett, Braun und Schwarz,
Iridiumoxyd für Schwarz,
Titanoxyd für Gelb,
Antimonoxyd für Gelb,
Kupferoxyd und Kupferoxydul für Grün und Roth,
Ferrochromat für Braun,
Bleichromat für Gelb,
Bariumchromat für Gelb,
Chlorsilber für Roth,
Platinchlorid und Platinsalmiak für Platinfarbe,
Goldpurpur für Purpur und Rosenroth.
Von den vorstehenden Oxyden sind zu Scharffeuerfarben anwendbar das
Uranoxyd, das Kobaltoxyd, das Chromoxyd, das Mangan- und Eisenoxyd und
das Titanoxyd. Die meisten Metalloxyde, so das Eisenoxyd, das
Chromoxyd, das Iridiumoxyd, besitzen schon von Hause aus die gewünschte
Nüance; diese werden nur mit dem Flussmittel zusammengerieben und als
Farbe benutzt; einige Oxyde erlangen die verlangte Färbung erst, wenn
sie durch Schmelzen in Silicate oder Borate, überhaupt in Gläser
übergegangen sind. So müssen z. B. Kobaltoxyd und Kupferoxyd erst mit
Kieselsäure und Borsäure, Antimonoxyd mit dem Bleioxyd des Flusses
zusammentreten, damit eine blaue, grüne oder gelbe Farbe sich bilde.
Letztere Farben heissen =Schmelzfarben=, weil sie ihre Farbe erst
erhalten, wenn sie mit dem Flussmittel zusammengeschmolzen werden, zum
Unterschiede von den =Frittefarben=, deren Verwendung ein Fritten
vorausgehen muss, durch welches die Farbe in einen halbverglasten
Zustand versetzt wird.
[Illustration: Fig. 149.]
[Illustration: Fig. 150.]
Das Einbrennen der Farben geschieht bei den Scharffeuerfarben im
Gutofen mit dem Aufbrennen der Glasur, bei den Schmelzfarben dagegen in
der =Muffel= (Fig. 149) aus Kapselmasse gefertigt, welche in dem
Muffelofen zum Glühen erhitzt wird; die vordere Wand der Muffel dient
als Thüre zum Eintragen des Geschirres, das Rohr _o_, um die Temperatur
und den Grad des Aufgebranntseins zu beobachten; das von der Mitte der
oberen Wölbung der Muffel sich erhebende Rohr _m_ gestattet den sich
entwickelnden Terpentinöl- oder Lavendelöldämpfen den Abzug. Beide
Rohre sind mit Thonpfropfen verschlossen. Fig. 150 zeigt eine
eingesetzte Muffel mit Geschirr, so wie sie in der kaiserlichen
Manufactur zu Sèvres üblich ist. Sobald die Muffel lebhaft rothglüht,
beginnen die Farben zu fliessen; man öffnet von Zeit zu Zeit das
Schauloch, um den Moment wahrzunehmen, wo die spiegelnde Oberfläche
anzeigt, dass die Farben vollkommen geflossen sind. Das Schaurohr und
das obere Abzugsrohr der Muffel dürfen nie zu gleicher Zeit geöffnet
werden, damit nicht ein kalter Luftstrom in die Muffel dringt. Da die
Muffelfarben stets auf der Glasur sich befinden, so lassen sie sich
meist als fühlbare Erhabenheiten wahrnehmen; da sie ausserdem gefärbte
Bleigläser und deshalb weich sind, so unterliegen diese Farben doppelt
der Abnutzung -- Uebelstände, die bei den Scharffeuerfarben, als unter
der Glasur liegend, nicht vorkommen.
[Sidenote: Decoriren des Porcellans.]
Das Gold wird behufs der =Vergoldung von Porcellan= aus seiner Lösung
in Königswasser entweder durch Eisenvitriol oder durch salpetersaures
Quecksilberoxydul oder vortheilhafter noch durch Oxalsäure gefüllt. Vor
seiner Anwendung wird das Gold mit dem Flussmittel auf das Innigste
gemischt. Man wendet als Fluss basisch salpetersaures Wismuthoxyd an.
Das =Muschel=- oder =Malergold=, dessen man sich ebenfalls zum
Vergolden bedient, besteht aus den Schabinen von der Bereitung des
ächten Goldblattes. Diese Schabinen werden mit einem in siedendem
Wasser leicht löslichen Körper, wie Zucker, Salz oder Honig, fein
gerieben. Die Vergoldung muss auf die von Fett vollständig befreite
Fläche aufgetragen werden, weil sonst das Gold durchaus nicht adhäriren
würde. Das Gold wird entweder mit dem Pinsel oder durch Druck
aufgetragen. Das Einbrennen geschieht in der Muffel. Da das Gold dabei
nicht schmilzt, sondern nur durch den schmelzenden Fluss auf das
Porcellan befestigt wird, so zeigt es nach dem Brennen keinen Glanz,
welchen es erst durch das Poliren (Vorpoliren mit glattem Achat und
Reinpoliren mit Blutstein) erhält.
[Sidenote: Durch Glanzvergoldung.]
Ganz verschieden von der vorstehenden Vergoldung ist die =Meissner
Vergoldung= oder =Glanzvergoldung=, deren Glanz nicht nur durch Reiben
und Poliren hervorgebracht wird, sondern während des Brennens selbst
entsteht. Sie wird gewöhnlich durch Einbrennen einer Lösung von
Schwefelgold oder Knallgold in Schwefelbalsam erhalten. Ob ein
Gegenstand durch gefälltes metallisches Gold oder durch ein
Glanzgoldpräparat vergoldet ist, lässt sich mit Sicherheit nicht durch
Streichen mit dem Finger, mit Leder oder durch Kratzen mit den Nägeln
u. s. w. beurtheilen. Führt man aber die vergoldete Fläche einige Male
gegen das Haupthaar, so nimmt dieses die Glanzvergoldung wie eine feine
Feile weg, wogegen die echte Vergoldung davon nicht leidet.
[Sidenote: Durch Silber und Platin.]
Das =Versilbern= und =Platiniren= ist nur in geringer Ausdehnung
üblich. Das metallische Silber wird aus seiner Lösung durch Kupfer oder
Zink, das Platin aus neutralem Platinchlorid durch Kochen mit Kali und
Zucker gefällt. Das Schwarzanlaufen der Versilberung auf Porcellan
durch schwefelwasserstoffhaltige Ausdünstungen kann man nach =Rousseau=
verhindern, wenn man vor dem Brennen auf das Silber eine sehr dünne
Schicht Gold ausbreitet. Es entsteht dann eine weisse Legirung von
Gold-Silber, welche beständig ist. Es sind indessen zum Gelingen viele
Vorsichtsmaassregeln nöthig. Silber und Platin werden mit basisch
salpetersaurem Wismuthoxyd gemengt, aufgetragen und eingeschmolzen; sie
werden nachträglich polirt. =Glanzplatin= oder =Platinlüster= erhält
man durch Auftragen von Platinsalmiak mit Lavendelöl oder
Schwefelbalsam und Einbrennen.
[Sidenote: Lithophanien.]
Das Durchscheinende des Porcellans hat man zur Darstellung der
=Lithophanien= oder =Lichtbilder= benutzt; es sind dies in flachen
Gypsformen mit Reliefzeichnungen gepresste dünne und nicht glasirte
Porcellanplatten, welche im durchfallenden Lichte in Folge der
zweckmässig abgestuften Dicke Licht und Schatten der Figuren mit einer
sonst unerreichbaren Wärme und Weichheit im Uebergange der Töne zeigen.
Eine grosse Aehnlichkeit mit den Lithophanien haben die unter dem Namen
Email ombrant oder Email de Rubelles oder Lithoponien angefertigten
Porcellan- und Fayencegegenstände; in Bezug auf die Pressung zeigen sie
aber das Entgegengesetzte der Lithophanien, weil bei dem Email ombrant
die dunkelsten Stellen gerade am meisten vertieft, daher am dünnsten
sein müssen, und das Bild nicht im durchgehenden, sondern im
auffallenden Lichte betrachtet wird. Man wendet diese Verzierung auf
Tafelservice und Kacheln an; diese Gegenstände erhalten durch Formen
eingedrückte Vertiefungen, welche dann mit halbdurchsichtiger gefärbter
Glasurmasse ausgefüllt werden, wobei die tiefsten Stellen dickere
Schichten von Glasur aufnehmen und daher dunkler erscheinen als die
erhabeneren Stellen, welche weniger mit Glasur bedeckt werden und
dadurch heller bleiben.