[Sidenote: Mahlen und Mischen der Materialien.]
Das =harte= oder =ächte Porcellan= ist zusammengesetzt aus einem Gemenge
von farbloser Porcellanerde mit Feldspath als wesentlichem Flussmittel,
welchem bisweilen Quarz, Kreide oder Gyps zugesetzt werden. Die
Porcellanerde, an und für sich unschmelzbar, würde im Feuer sich nur zu
einer erdigen undurchsichtigen Masse brennen, mit den Flussmitteln innig
gemischt, schmelzen letztere bei der hohen Temperatur des Glasofens,
umhüllen die Kaolinmoleküle und füllen die Poren aus. Nach =Ehrenberg='s
Beobachtungen unter dem Mikroskope lassen sich in dem Porcellan die
filzähnlich zusammengehäuften Kaolinkügelchen in der geschmolzenen Masse
deutlich erkennen. Die =Materialien der Porcellanfabrikation= finden sich
nicht in der Natur in einem solchen Zustande, in welchem sie ohne weitere
Vorbereitung zur Herstellung der Masse verwendet werden könnten. Die
Porcellanerde, Feldspath und Quarz müssen vorher in unfühlbaren Staub
verwandelt werden. Nach dem Zerkleinern wird das Ganze gesiebt. Die
fernere Trennung der fremdartigen Bestandtheile geschieht durch das
=Schlämmen=, welches sich auf die Eigenschaft des plastischen Theiles der
Porcellanerde gründet, mit Wasser ein milchähnliches Liquidum zu bilden,
welches das Kaolin suspendirt enthält. Je nach dem Grade der Feinheit
setzen sich diese Theilchen früher oder später ab, während die gröberen
Beimengungen sogleich sich absetzen, andere Unreinigkeiten organischer
Natur dagegen auf der Oberfläche schwimmend bleiben.
Aus diesen geschlämmten Materialien wird nun die Porcellanmasse
zusammengesetzt. Reines Kaolin, obgleich von grosser Plasticität, kann
für sich allein zur Herstellung des Porcellans keine Anwendung finden,
da daraus hergestellte Gegenstände beim Trocknen stark schwinden und
Risse bekommen und im Feuer erweichen und sich setzen. Diese
Uebelstände fallen hinweg, wenn man das Kaolin mit feingeschlämmtem
Quarzsand vermischt; dieser Zusatz vermindert jedoch die Plasticität
und erschwert das Formen der Masse. Ferner erhärtet eine nur aus Kaolin
und Sand bestehende Masse im Feuer zu einer wohl festen, aber auch
porösen Masse, die sich nur schwierig mit einer Glasur überziehen
lässt. Giebt man aber dem Gemisch noch einen Zusatz von Feldspath, so
bildet derselbe im Porcellanofen ein Glas, welches die poröse Masse
durchzieht und sie nicht nur undurchdringlich für Flüssigkeiten macht,
sondern auch Adhäsion der Glasur zur Masse vermittelt. Die in der
Berliner Porcellanmanufactur angewendete Masse besteht nur aus Kaolin
und Feldspath, ohne Zusatz eines sonstigen Flussmittels[95].
[95] Das fertige Berliner Porcellan besteht nach =G. Kolbe= (1863) aus
66,6 Th. Kieselerde, 28,0 Th. Thon, 3,4 Th. Kali, 0,70 Th.
Eisenoxydul, 0,6 Th. Magnesia und 0,3 Th. Kalk.
Zusammensetzung der Porcellanmasse nach den Materialien:
Nymphenburg.
Kaolin von Passau 65
Sand daraus 4
Quarz 21
Gyps 5
Biscuitscherben 5
Wien.
Kaolin von Zedlitz 34
Kaolin von Passau 25
Kaolin von Unghvar 6
Quarz 14
Feldspath 6
Scherben 3
Meissen.
Kaolin von Aue 18
Kaolin von Sosa 18
Kaolin von Seilitz 36
Feldspath 26
Scherben 2
Das Mischen der abgemessenen Substanzen im breiigen Zustande erfolgt in
grossen Bottichen durch Umrühren; dies geschieht am innigsten und
zweckmässigsten indem man die Schlempe durch eine Pumpe aus dem einen
Bottich pumpt und durch ein Sieb in einen zweiten Bottich laufen lässt,
aus welchem sie eine zweite Pumpe wieder in den ersten Bottich zurück
befördert.
[Sidenote: Trocknen der Masse.]
[Sidenote: Durch Verdunstung.]
[Sidenote: Durch Absorption.]
[Sidenote: Durch Luftdruck.]
[Sidenote: Durch Pressen.]
Nachdem aus den Setzbottichen das Wasser abgelassen worden ist und die
Masse sich als Schlamm (barbotine) abgeschieden hat, muss sie durch
Trocknen auf die gehörige Consistenz gebracht werden. Das Abtrocknen (das
Massekochen) durch =Verdunstung= kann geschehen, indem man die Masse in
weiten hölzernen Kasten einem starken Luftzuge aussetzt. Dies ist eine
sehr gewöhnliche Methode, die Masse zu trocknen, da aber dieselbe nur
während des Sommers Anwendung finden kann und wohl selten eine Fabrik den
Sommer hindurch so viel zu liefern vermag, dass sie des Trocknens im
Winter überhoben wäre, so sucht man das Abtrocknen =durch Wärme= zu
bewerkstelligen. Das gewöhnlichste Mittel des Trocknens der Masse ist das
durch =Absorption=, wozu man sich als absorbirender Unterlage des
gebrannten Lehmes (der Ziegelmasse) oder des Gypses bedient. Das
Abtrocknen durch Gyps ist ziemlich kostspielig, weil die absorbirenden
Gypswände nach einiger Zeit wieder getrocknet werden müssen und häufig
sogar einer Erneuerung bedürfen; ferner geht das Trocknen ziemlich
langsam vor sich, weil der Gyps, wenn er eine gewisse Menge Wasser
aufgenommen hat, an der Aussenseite erst wieder Wasser abgeben muss, um
auf der Innenseite wieder welches aufnehmen zu können. Das Abtrocknen der
Masse kann auch geschehen =durch Luftdruck=; man bringt zu diesem Zwecke
die zu trocknende Masse in einen aus porösen Platten zusammengesetzten
Kasten, unter welchem man einen luftverdünnten Raum erzeugt, entweder
durch Condensation von Wasserdämpfen oder durch Abfliessenlassen von
Wasser. Auf letzteres Princip gründet sich der Apparat von =Talabot=.
Neuerdings hat man das Trocknen der Masse durch Gyps häufig durch das von
=Grouvelle= und =Honoré= eingeführte Verfahren des Trocknens ersetzt. Zu
diesem Zwecke bringt man die von dem grössten Theile des Wassers bereits
befreite Masse in feste hanfene Säcke und setzt sie in einer Schrauben-
oder Hebelpresse einem langsam wirkenden Drucke aus. Die gepresste Masse
hat im Allgemeinen grössere Plasticität, als die durch künstliche Wärme
entwässerte Masse; die Pressmethode ist aber kostspielig, da die Säcke
mürbe werden und bald erneuert werden müssen.
[Sidenote: Kneten und Faulen der getrockneten Masse.]
Möge man die Masse mit Hülfe von Gyps oder durch Anwendung von Pressen
getrocknet haben, in allen Fällen wird sie nicht gleichmässig getrocknet
sein; sie enthält ferner stellenweise Lufttheile, die erst ausgetrieben
werden müssen. Die Gleichförmigkeit der Masse erreicht man durch =Kneten=
und =Faulenlassen= (Rotten) der Masse, das Kneten geschieht durch Treten
mit den Füssen oder durch Schlagen. Die Plasticität der Porcellanmasse
wird wesentlich befördert, wenn man dieselbe an einem feuchten Orte
längere Zeit sich selbst überlässt, wo dann eine Art Fäulniss eintritt.
Jauche und Moorwasser sind diejenigen Flüssigkeiten, welche man zur
Beförderung der Fäulniss anwendet. =Brongniart= erklärt den günstigen
Einfluss der Fäulniss auf die Masse durch die Annahme, dass sich durch
die Fäulniss Gase bilden, welche allen Theilen eine fortwährende
Bewegung ertheilen, die einer Mischung der Masse durch Kneten,
Schneiden u. s. w. gleichkommt und sie vielleicht in ihrer Wirkung noch
übertrifft, weil sie sich auch auf die feinsten Moleküle ausdehnt und
so zu sagen keines derselben an seiner Stelle duldet. Die Ursachen, aus
welchen durch die Fäulniss und das lange Liegenlassen der
Porcellanmasse eine Verbesserung derselben eintritt, sind nicht
bekannt, und man hat zur Erklärung des Vorganges bis jetzt nur
Hypothesen aufgestellt. =Salvétat= stellt die folgende Hypothese auf:
Bei der Fäulniss der Porcellanmasse treten reichliche Mengen von
Schwefelwasserstoffgas auf. Dieses Gas entsteht wahrscheinlich durch
Reduction des schwefelsauren Kalkes zu Schwefelcalcium unter Mitwirkung
der organischen Substanz und entweicht aus dem Schwefelcalcium, sowie
dasselbe mit der Kohlensäure der Luft in Berührung tritt. Die
eintretende schwarze Färbung der Masse und ihr Weisswerden an der Luft
ist eine Folge der Bildung von schwarzem Schwefeleisen, welches an der
Luft sich zu Eisenvitriol oxydirt, der mit den Waschwässern entfernt
wird. Möglicherweise kann auch durch langes Aufbewahren der Masse unter
Wasser die Zersetzung eines Theiles des feldspathhaltigen Elementes
veranlasst werden. Nach =E. von Sommaruga= (in Wien) werden die aus den
vorhandenen Sulfaten entstandenen Schwefelmetalle an der Luft in
Schwefelwasserstoff und kohlensaures Salz umgesetzt, welches letztere
zum Theil durch das aus der Masse abtropfende Wasser aufgenommen und
entfernt wird, wodurch die Feuerfestigkeit der Masse zunimmt. Die
hinreichend abgelagerte und wieder weiss gewordene Masse wird mit einem
sichelähnlichen Werkzeuge oder auch mit Hülfe hölzerner Messer in feine
Späne geschnitten, die von den Massearbeitern wieder zusammengeschlagen
und zu Ballen geknetet werden.
[Sidenote: Das Formen.]
Die geknetete und der Fäulniss unterworfen gewesene Porcellanmasse
gelangt nun in besondere Räume, in welchen dieselbe geformt wird. Das
Formen geschieht entweder: a) durch Drehen auf der Töpferscheibe, b) mit
Hülfe von Formen.
[Sidenote: Das Drehen auf der Töpferscheibe.]
Die =Töpferscheibe= (Drehscheibe) besteht in ihrer einfachsten Form aus
einer vertikalen eisernen Axe, einer oben darauf befestigten
horizontalen hölzernen Scheibe, auf welcher die Masse gedreht wird, und
einem unten angebrachten Schwungrade. Nachdem der Dreher die zu
formende Masse auf die Scheibe gebracht hat, setzt er den Apparat in
Bewegung und hält die Hände mit einem gelinden Drucke gegen die Masse.
Hält er die Daumen in den Mittelpunkt und drückt abwärts, so entsteht
eine Höhlung, welche sich erweitert, wenn er die Daumen entfernt, und
eine glockenähnliche Gestalt annimmt, sobald er die Daumen wieder
nähert. Fasst der Dreher die Wände des Gefässes zwischen Hand und
Daumen, so kann er die Wand beliebig erhöhen und verdünnen. Die Hände
werden durch Eintauchen in =Schlicker=, in Wasser fein zertheilte
Porcellanmasse, schlüpfrig erhalten. Die Masse wird entweder direct auf
der Holzscheibe oder auf einer Unterlage von Gyps, die mittelst
Schlicker auf der Scheibe befestigt ist, gedreht. Bei grossen Stücken
wendet man zum Formen die Faust an, bei tieferen Stücken, um
gewissermaassen die Finger zu verlängern, Stäbchen, die mit Schwamm
umwickelt sind. Nachdem die Form des Gefässes der wirklichen so nahe
als möglich gekommen, vollendet der Dreher die Form mit Hülfe des
=Steges=, einer Art Lehre aus Eisen, Schiefer oder Horn, deren Form
sich nach der Art des herzustellenden Gegenstandes richtet; sie ist
bald dreieckig, bald in Curven geschnitten. Hierauf schneidet er das
geformte Stück mit Hülfe eines feinen Messingdrahtes von der Scheibe ab
und bringt es vorsichtig auf ein Brett, um es hier bis zur ferneren
Verarbeitung trocknen zu lassen.
[Sidenote: Das Formen mit Gypsformen.]
Alle Gegenstände von nicht kreisförmigem Querschnitte, demnach ovaler
oder complicirter Gestalt, werden in =Formen= bearbeitet, welche
diejenigen Flächen vertieft enthalten, die auf dem herzustellenden
Gegenstande erhaben sein sollen und umgekehrt. Das Formen geschieht
entweder: a) durch Pressen und mit Anwendung von trockener Masse; b)
mit weicher Masse von Teigconsistenz, oder c) durch Giessen mit
flüssiger Masse. Man beginnt mit der Anfertigung des =Modells= oder der
=Patrone=; die massiven Stücke brauchen nur ein Modell, die hohlen
Stücke öfters zwei. Das =Material zum Modell= ist entweder Thon oder
Wachs oder Gyps, oder endlich Metall. Nur wenige Substanzen sind
geeignet, als =Material für die Masseformen= verwendet zu werden. Die
zu formende Porcellanmasse muss hinlänglich geschmeidig sein, um sich
in alle Vertiefungen der Form drücken zu lassen, auf der andern Seite
muss sie beim Entfernen aus der Form Steifigkeit genug haben, um sich
nicht mehr zu verbiegen. Die Masse muss demnach in der Form
consistenter geworden sein. Daraus folgt, dass zur Herstellung einer
Form nur ein poröses Material, welches Feuchtigkeit zu absorbiren
vermag, Anwendung finden kann. Nur der Gyps und der gebrannte Thon
besitzen Porosität in hinlänglichem Grade. Gewöhnlich wendet man
=Formen von Gyps= an. Man unterscheidet =Ballenformerei= und
=Schwartenformerei=. Nach der ersten Art wird die Porcellanmasse in
Stücken von der geeigneten Grösse, die von dem Ballen abgeschnitten
werden, entweder mit den Fingern oder mit einem besonders zugerichteten
Holze so in die Form eingepresst, dass das Stück eine gleichmässige
Scherbenstärke erhält. Zwischen die Finger und die Porcellanmasse muss
ein feines leichtes Läppchen gelegt werden. Man legt dann, wenn die
Form aus zwei Hälften besteht, die beiden Hälften auf einander und
vereinigt durch Druck die beiden geformten Hälften. Teller, Tassen und
ähnliche Hohlgefässe formt man mit Hülfe von =Schwarten=, worunter man
flache, dünne Blätter von Porcellanmasse versteht, welche man entweder
durch Schlagen mit einem hölzernen, mit Schafleder überzogenen Hammer
oder durch Auswalzen erzeugt. Am zweckmässigsten combinirt man beide
Methoden, indem man einen kleinen Masseballen erst durch Schlagen
abplattet und dann mit einem Wellholz ausrollt, wobei zwei Lineale,
welche zu beiden Seiten der Schwarte zu liegen kommen, das Maass für
die Stärke der Schwarte geben. Neuerdings fertigt man die Schwarten
häufig mit Hülfe von Maschinen.
[Sidenote: Formen durch Giessen.]
[Sidenote: Das Nachbessern und Ansetzen.]
Das Formen von Porcellangegenständen =durch Giessen= aus dickem
Massebrei beruht gleichfalls auf der Eigenschaft der Gypsformen, Wasser
zu absorbiren und auf diese Weise die Porcellanmasse consistenter zu
machen. Die zum Giessen bestimmte Porcellanmasse wird mit Wasser zu
einer dicken Schlempe angerührt, welche keine Luftblasen, keine Knoten
und Massetheilchen enthalten darf. Sie wird in ein Reservoir gebracht,
von wo aus sie in die Formen gegossen werden kann, welche auf der
inwendigen Fläche mit Hülfe eines Pinsels mit einer dünnen Schicht von
Masse überzogen wurden. Man füllt nun die Form mit dem Massebrei an,
wobei dafür zu sorgen ist, dass die Luft aus der Form entweichen kann.
Nachdem nun durch Absorption von Wasser eine dünne Masseschicht
entstanden ist, giesst man die flüssige Masse ab und füllt neue Masse
nach, was so oft wiederholt wird, bis die gewünschte Wanddicke erreicht
ist. Nach vorstehender Methode stellt man =Porcellanröhren= und
=Porcellanretorten= dar. Hierbei ist es häufig der Fall, dass die
Schablone nicht beweglich, sondern befestigt ist, wodurch der zu
formende Gegenstand einen weniger ungleichmässigen Druck erfährt. Es
kommt selten vor, dass der geformte Gegenstand ohne weiteres getrocknet
und gebrannt werden könne; in den meisten Fällen ist noch ein
=Abdrehen=, =Ausbessern=, Verzieren durch Guillochiren und endlich ein
=Ansetzen= von besonders geformten Theilen, z. B. Henkeln, nothwendig.
[Sidenote: Fertigen von Porcellangegenständen ohne Formen.]
Gewisse Porcellanarbeiten werden aus freier Hand gefertigt, so die
Sculpturarbeiten und die Anfertigung von Blumen, von welchen letzteren
man die Blätter, Stengel, Kelche und Blumenkronen so wie alle übrigen
Theile mit Hülfe des Bossirgriffels bildet. Feine Blätter werden
indessen auch häufig in grosser Anzahl auf einmal in Gypsformen
gepresst. Die Unmöglichkeit, freischwebende Theile wie Halme,
Blumenstengel in Porcellanmasse auszuführen, welche sich beim Trocknen
und Brennen verziehen oder umsinken würden, beschränkt einigermaassen
die Auswahl unter den Blumen; man formt daher die Blumen meist ohne
Stengel und macht diesen dann aus Draht. Die Blätter werden in der
inneren Handfläche geformt, deren Furchen die Aderung des Blattes
ziemlich täuschend nachbilden. Eine andere Arbeit aus freier Hand ist
die Verzierung von Figuren mit Spitzen, Stickereien u. s. w., welche
man mit Hülfe von Tüll und gehäkeltem Zeug darstellt; man benetzt es
mit Wasser, taucht es in Schlicker, legt es an die betreffende Stelle
des Porcellangegenstandes auf und lässt es trocknen. Während des
Brennens wird die organische Substanz, aus welcher der Tüll oder das
Zeug besteht, zerstört und es bleibt das Porcellangewebe allein zurück.
Aehnliche Verzierungen werden auch erhalten, indem ein Arbeiter mit
einem zugespitzten Holze von der Gestalt eines Bleistiftes dicklich
gehaltene Porcellanschlempe tupfweise an die passende Stelle bringt.
[Sidenote: Trocknen der Porcellanwaaren.]
Nachdem die Porcellanwaaren geformt und durch das Abdrehen u. s. w.
vollendet worden sind, werden sie an den Trockenort gebracht, wo =das
Trocknen= bei gewöhnlicher Temperatur im Schatten vor sich geht. Da die
Moleküle der Masse in dem Grade einander näher gerückt werden, als daraus
die Feuchtigkeit verschwindet, so findet ein Schwinden, d. h. ein
Abnehmen des Volumen statt, welches indessen die Proportionen
unangetastet lässt, wenn das Trocknen gleichmässig geschieht. Die zu
trocknenden Waaren bleiben auf Brettergestellen so lange sich selbst
überlassen, bis sie keine Feuchtigkeit mehr verlieren.
[Sidenote: Glasur und Glasiren.]
Nur eine geringe Anzahl von Porcellangegenständen und dann meist nur
Statuen und Figuren, kommt =unglasirt=, als sogenanntes =Biscuit=, in den
Handel. Die meisten Porcellangegenstände sind mit einem glänzenden
glasähnlichen Ueberzuge, mit der =Glasur= überzogen.
Alle Glasuren, welche in der Fabrikation von irdenen Waaren Anwendung
finden, lassen sich unter folgende vier Abtheilungen bringen: 1)
=Erdglasuren= sind durchsichtige Gläser aus Kieselerde, Thonerde und
Alkalien geschmolzen; sie sind höchst strengflüssig und schmelzen in
der Regel bei derselben Temperatur, bei welcher die Masse ihre Gare
erlangt. Die Glasur des harten Porcellans ist eine solche Erdglasur. 2)
=Bleihaltige Glasuren= sind bleihaltige durchsichtige Gläser, welche
auch zuweilen neben der Kieselsäure Borsäure enthalten; meist schmelzen
sie bei einer Temperatur, welche niedriger ist, als diejenige, bei
welcher die Masse sich gar brennt. Das gewöhnliche Töpferzeug und die
feine Fayence erhalten eine bleihaltige Glasur. 3) =Emailglasuren= sind
theils weisse, theils gefärbte undurchsichtige Glasuren, meist Zinnoxyd
neben Bleioxyd enthaltend; sie schmelzen leicht und dienen zum Maskiren
der unangenehmen Farbe der darunter liegenden Masse. 4) =Lüster= sind
meist Erd- und Alkaliglasuren, die die Masse als äusserst dünne
Schicht, gleichsam als Hauch überziehen und nicht nur die darunter
liegende Masse schützen und undurchdringlich machen sollen (wie die
Glasur des gewöhnlichen Steinzeuges, mit Hülfe von Kochsalz und
Wasserdämpfen hervorgebracht), sondern auch häufig (wenn sie
Metalloxyde enthalten) nebenbei den irdenen Gegenstand zu decoriren
bestimmt sind (Goldlüster, Kupfer- und Bleilüster).
[Sidenote: Porcellanglasur.]
Gegenwärtig handelt es sich nur um die =Porcellanglasur=. Man verlangt
von ihr, dass sie bei der Temperatur, bei welcher die Porcellanmasse nur
verglaset, schon schmilzt, dass sie ungefärbt und undurchsichtig sei; die
Glasur muss ferner glatt und glasglänzend sein, sich von der Masse nicht
lostrennen und nicht Risse bekommen, demnach fast genau denselben
Ausdehnungscoëfficienten besitzen wie die Masse selbst; sie muss endlich
hart und widerstandsfähig gegen Schnitt, Druck und Reibung sein. Die
Glasur ist eine Porcellanmasse mit reichlichem Zusatz von Flussmitteln,
so dass die Masse in dem Porcellanofen zum Schmelzen kommt.