Man erhält das Kochsalz aus dem Meerwasser

a) vermittelst der Salzgärten durch Verdunstung;

b) mit Hülfe von Frost;

c) mit Hülfe von Brennmaterial.

[Sidenote: Mit Hülfe von Salzgärten.]

Die Gewinnung des Kochsalzes aus dem Meerwasser in den Meersalinen mit

Hülfe von =Salzgärten= erstreckt sich in Europa in den am Atlantischen

Ocean gelegenen Ländern (Frankreich, Spanien, Portugal) nur bis zum 48°

nördl. Breite. Ausser an den Küsten des Oceans wird von Seiten

Frankreichs und Spaniens die Meersalzgewinnung am Mittelmeere, Italiens

am Tyrrhenischen und Adriatischen Meere, Oesterreichs in Istrien und

Dalmatien betrieben. Sie geschieht auf folgende Weise: Man legt die

Salzgärten in einer flachen Gegend am Meeresufer an und zwar so, dass sie

gegen die Flut geschützt sind; das Meerwasser geht zuerst in ein grosses

Reservoir, in welchem es höchstens 2 Meter oder mindestens 0,3 Meter hoch

steht. In diesem Behälter setzen sich alle Substanzen ab, welche

suspendirt in dem Meerwasser sich befanden. Durch einen hölzernen Kanal

läuft das Wasser in kleinere Behälter, aus welchen es durch unterirdische

Röhren in die Gräben fliesst, welche den Salzgarten allenthalben umgeben,

in welchen sich das Seesalz zum grossen Theil auf der Oberfläche des

Wassers abscheidet. Das Salz wird gesammelt und auf den Gängen angehäuft.

Man bildet aus dem herausgenommenen Salze entweder Kegel oder Pyramiden,

welche man durch Bedecken mit Seegras oder Stroh gegen den Regen schützt.

Indem diese Haufen sich längere Zeit überlassen bleiben, ziehen die

zerfliesslichen Salze -- das Chlormagnesium und das Chlorcalcium -- sich

in den Boden und hinterlassen das Seesalz ziemlich rein. Die in den

Salzgärten verbleibende Mutterlauge wird auf Chlorkalium (vergl. Seite

132), Glaubersalz und Magnesiasalze verarbeitet, nach einem Verfahren,

welches ursprünglich von =Herrmann= in Schönebeck herrührt und in

Frankreich von =Balard= eingeführt und von =Merle= verbessert wurde.

[Sidenote: Mit Hülfe von Frost.]

Auch durch =Frost= lässt sich aus dem Meerwasser das Kochsalz gewinnen.

Die dabei angewendete Methode gründet sich darauf, dass eine Lösung von

Kochsalz bei einer Temperatur von einigen Graden unter dem

Gefrierpunkte des Wassers sich spaltet in fast reines gefrierendes

Wasser und eine flüssigbleibende reichhaltigere Soole. Entfernt man das

Eis und setzt man die Flüssigkeit von Neuem der Kälte aus, so lässt

sich wieder ein Theil ihres Wassers als Eis entfernen und man erhält

endlich eine Salzsoole, aus welcher sich durch schwaches Eindampfen

schon Kochsalz ausscheidet. Um ein reineres Produkt zu erhalten,

reinigt man die Soole vor dem Eindampfen durch Kalk, wodurch die

Magnesiasalze ersetzt werden.

[Sidenote: Mit Hülfe von Brennmaterial.]

Das mit Hülfe von =Brennmaterial= aus dem Meerwasser dargestellte

Kochsalz (_sel ignifère_) wird in der Normandie, besonders zu

Avranchin, in den =Laverien= auf folgende Weise gewonnen. Man benutzt

dort den salzhaltigen Sand an der Meeresküste, um des Seewasser mit dem

darin enthaltenen Salze zu sättigen. Das so erhaltene salzreiche

Seewasser wird darauf abgedampft. Häufig wird am Ufer ein Damm oder

Wall von Meeressand aufgeworfen, welcher zur Zeit der höchsten Flut vom

Meere überflutet wird. In der Zwischenzeit von einer Flut zur andern

wird der Sand theilweise trocken und bedeckt sich an der Oberfläche mit

einer Efflorescenz von Seesalz. Nur der vollkommen trockene Sand wird

gesammelt und zwar täglich zwei bis drei Mal an der nämlichen Stelle.

Die heissen Sommertage sind für das Sammeln des Sandes am günstigsten.

Um den Sand auszulaugen, werden hölzerne Kästen angewendet, deren Böden

aus schwachen Brettern bestehen, die man mit Strohschichten bedeckt.

Die Kästen werden mit dem salzhaltigen Sand gefüllt und über denselben

in jeden Kasten Seewasser gegossen. Indem dasselbe durch den Sand

sickert, erhält es ein specifisches Gewicht von 1,14 bis 1,17. Die

Dichte dieser Soole wird mit Hülfe dreier Wachskugeln bestimmt, die mit

Blei belastet sind. Die Salzsieder zu Avranchin halten Soole von 1,16

specifischem Gewicht für die zum Abdampfen am meisten sich eignende.

Das Wasser wird in flachen viereckigen Bleipfannen eingesotten. Während

des Siedens wird fleissig abgeschäumt und von Zeit zu Zeit neues

Salzwasser nachgefüllt, bis das Salz sich krystallisch auszuscheiden

beginnt. Ist dieser Zeitpunkt gekommen, so setzt man noch eine kleine

Menge Salzwasser hinzu, um die Bildung von neuem Schaum zu bewirken,

welchen man wieder entfernt. Hierauf wird unter fortwährendem Umrühren

die Masse zur Trockne gebracht. Die so erhaltene fein zertheilte, aber

höchst unreine Masse wird in einem Korb über der Siedepfanne

aufgehängt. Durch die Einwirkung der Wasserdämpfe werden die

zerfliesslichen Salze -- Chlormagnesium und Chlorcalcium -- zum

grössten Theile entfernt. Darauf bringt man das Salz in ein Magazin,

dessen Boden aus durch Auslaugen gereinigtem, trocknem und

festgestampftem Sand besteht. Hier vollendet sich die Reinigung des

Salzes von den zerfliesslichen Salzen, wodurch es noch gegen 20 bis 28

Proc. an Gewicht verliert. Das so erhaltene Salz ist weiss und sehr

rein. 700 bis 800 Liter Salzwasser liefern, je nach dem Salzgehalt des

angewendeten Sandes, 150 bis 225 Kilogr. Salz.

Zu Ulverstone in Lancashire wendet man jetzt noch ein Verfahren zur

Gewinnung des Seesalzes aus dem Meerwasser an, welches dem

französischen sehr ähnlich ist. Eine andere Methode ist zu Lymington an

der Küste von Hampshire, so wie auf der Insel Wight gebräuchlich; sie

besteht darin, das Seewasser durch natürliche Verdampfung etwa bis zu

1/6 des ursprünglichen Volumens zu concentriren und die erhaltene Soole

in gewöhnlicher Art in Pfannen zu verdampfen. Das Concentriren

geschieht in den sogenannten =Sonnenwerken= oder =Auswerken=, welche

mit den gewöhnlichen Salzgärten übereinstimmen und sich von diesen nur

dadurch unterscheiden, dass das concentrirte Meerwasser nicht bis zur

Ausscheidung des Salzes in den Bassins stehen bleibt. In und bei

Liverpool gewinnt man den Salzgehalt des Meerwassers auf die Weise,

dass man sich desselben zum Auflösen des zu raffinirenden Steinsalzes

bedient. Das Vortheilhafte dieses Verfahrens ist einleuchtend, wenn man

erwägt, dass dabei mindestens noch 2,3 Proc. Kochsalz aus dem

Meerwasser gewonnen werden können. An der Ostküste Englands gestattet

es der niedrige Preis der Steinkohlen, das Meerwasser durch

unmittelbares Versieden auf Kochsalz zu benutzen, ohne es vorher durch

Verdunstung zu concentriren. Aus den =Salzseen= (vergl. Seite 176)

scheidet sich während der heissen Jahreszeit Salz mitunter in so

grosser Menge ab, dass es wie eine Kruste den Boden bedeckt. Der

Eltonsee allein liefert jährlich auf diese Weise 20 Millionen Kilogr.

Salz. Enorme Mengen Salz werden ferner aus dem merkwürdigen =Salt-Lake=

im von den Mormonen bewohnten Territorium Utah in Nordamerika gewonnen.

[Sidenote: Gewinnung des Steinsalzes.]

Das =Steinsalz= ist sehr häufig von Anhydrit, Thon und Mergel begleitet.

Nicht selten findet sich das Steinsalz in unregelmässigen stockförmigen

Massen eingeschlossen, welche im Wesentlichen aus Thon bestehen

(Salzthon); oder es werden die Salzmassen durch Mergellager

(Haselgebirge) eingeschlossen und von anderen Gebirgsarten getrennt. Im

Steinsalze selbst befinden sich zuweilen andere Mineralien abgesondert,

so z. B. der =Brongniartin= (Na_{2}SO_{4} + CaSO_{4}) bei Villarrubia in

Spanien, und die merkwürdigen =Mineralien des Steinsalzlagers in

Stassfurt=. Das Steinsalzlager bei Stassfurt ist mit einer Decke von

bitteren, bunten und zerfliesslichen Salzen, sogenanntem =Abraumsalz=

(aus 55 Proc. Carnallit, Sylvin und Kainit, 25 Proc. Kochsalz, 16 Proc.

Kieserit und 4 Proc. Chlormagnesiumhydrat bestehend), in einer Dicke von

nahezu 65 Meter versehen, welches über 12 Proc. Kali enthält und dadurch

für die Technik als neue und überaus wichtige Kaliquelle auftritt.

Die Zusammensetzung des Steinsalzes zeigt sich aus folgenden Analysen:

I. II. III. IV. V. VI.

Chlornatrium 100,00 99,85 99,92 99,43 98,14 99,63

Chlorkalium -- -- -- -- Spur 0,09

Chlorcalcium -- Spur -- 0,25 -- 0,28

Chlormagnesium Spur 0,15 0,07 0,12 -- --

Calciumsulfat -- -- -- 0,20 1,86 --

-----------------------------------------

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00

I. Weisses Steinsalz von Wieliczka, II. weisses und III. gelbes

Steinsalz von Berchtesgaden, IV. von Hall in Tyrol, V. Knistersalz von

Hallstadt, VI. Steinsalz von Schwäbischhall.

Das sogenannte =Knistersalz=, welches zu Wieliczka in

krystallinisch-körnigen Massen vorkommt, hat die Eigenthümlichkeit, bei

der Auflösung in Wasser unter kleinen Detonationen Gas zu entwickeln.

Die mikroskopischen Höhlen, in denen sich das Gas eingeschlossen

befindet, erleiden allmälig in dem Maasse, als das Salz sich löst, eine

Verdünnung ihrer Wände, die das Gas sehr bald befähigt, die Wände unter

Explosion zu durchbrechen und zu entweichen. Das entweichende Gas ist

entzündlich. Es besteht aus comprimirten Kohlenwasserstoffgasen,

welche, wenn das Knistersalz von unterirdischen Wassern aufgelöst, zum

Theil als Gas zum Ausströmen gelangen, theils im verdichteten Zustande

als Petroleum oder Bergöl ausfliessen. Beachtenswerth ist, wie schon

oben erwähnt, das gleichzeitige Vorkommen von Petroleum und Steinsalz

an vielen Orten. Die im =Stassfurter= Steinsalzlager sich findenden

Mineralien sind nach F. =Bischof=, =Reichardt=, =Zincken= u. A.

folgende:

A = Chemische Formel.

B = In 100 Gewichtstheilen sind enthalten:

C = Spec. Gewicht d. Verbindung.

D = 100 Gewichtstheile Wasser lösen bei 18-3/4°C.

E = Synonym und Bemerkungen.

==========+=============+=====================+======+=======+=========

| A | B | C | D | E

==========+=============+=====================+======+=======+=========

| | | | |

Anhydrit | CaSO_{4} |100 Calciumsulfat. | 2,968| 0,20 |Karste-

| | | | |nit.

{| |26,82 Magnesia. |} |fast |

Boracit {|B_{16}O_{30} |62,57 Borsäure. |} 2,91|unlös- |Stassfur-

{| Cl_{2}Mg_{7}|10,61 Chlormagnesium.|} |lich. |tit.

| | | | |

{| |26,76 Chlorkalium. |} | |

Carnallit{| KMgCl_{3} |34,50 Chlormagnesium.|}1,618| 64,5 |Enthält

{| + 6 H_{2}O |38,74 Wasser. |} | |Brom.

| | | | |

Eisen- | Fe_{2}O_{3} | 100 Eisenoxyd. | 3,35 | unlös-|{Eisen-

glimmer | | | | lich. |{glanz.

| | | | |{Eisen-

| | | | |{rahm.

| | | | |

{| MgSO_{4} + |87,10 Magnesium- |} | 40,9 |Martin-

Kieserit {| H_{2}O[38] | sulfat. |}2,517| |sit?

{| |12,90 Wasser. |} | |

| | | | |

{| 2CaSO_{4} |45,18 Calciumsulfat. |} | zer- |

{| MgSO_{4} |19,93 Magnesium- |}2,720| setzt |

Polyhalit{| K_{2}SO_{4} | sulfat. |} | sich |

{| 2H_{2}O |28,90 Kaliumsulfat. |} |bei der|

{| | 5,99 Wasser. |} | Auflö-|

{| | |} | sung. |

| | | | |

Steinsalz | NaCl |100 Chlornatrium. | 2,200| 36,2 |

| | | | |

| | | | |{Schät-

| | | | |{zellit.

Sylvin | KCl |100 Chlorkalium. | 2,025| 34,5 |{Hövelit.

| | | | |{Leopol-

| | | | |{dit.

| | | | |

{| CaCl_{2} |21,50 Chlorcalcium. |} | |

Tach- {| 2MgCl_{2} |36,98 Chlormagnesium.|}1,671| 160,3 |

hydrit {| 12H_{2}O |41,52 Wasser. |} | |

| | | | |

{| K_{2}SO_{4} |36,34 Kaliumsulfat. | | |{

Kainit {| MgSO_{4} |25,24 Magnesium- | | |{Enthält

{| MgCl_{2} | sulfat. | | |{Brom.

{| 6H_{2}O |18,95 Chlormagnesium.| | |{

{| |19,47 Wasser. | | |{

| | | | |

Schönit {| K_{2}SO_{4} |43,18 Kaliumsulfat. | | |

oder {| MgSO_{4} |29,85 Magnesium- | | |

Pikro- {| 6H_{2}O | sulfat. | | |

merit {| |26,97 Wasser. | | |

[38] Der sehr verschiedene Wassergehalt, der bei den Analysen des

=Kieserits= gefunden wurde, machen es nach =Rammelsberg= nicht

unwahrscheinlich, dass dieses Mineral ursprünglich =wasserfrei=

ist.

Der Sylvin kommt ausser in Stassfurt auch noch in grösster Menge im

Hangenden des oberen Salzthonlagers bei =Kalucz= in Galizien vor.

[Sidenote: Gewinnung des Steinsalzes.]

Das =Verfahren zur Gewinnung des Steinsalzes= ist ein sehr

verschiedenes, je nachdem das Steinsalz zu Tage tritt oder durch

Schächte, Stollen, Schürfe oder Bohrlöcher entweder unter der

Erdoberfläche oder unter einer Gebirgsdecke vorkommt. Tritt das

Steinsalz zu Tage, so wird es =steinbruchähnlich= gewonnen und diese

Methode der Gewinnung ist natürlich die einfachste und billigste. Ist

aber die unterirdische bergmännische Gewinnung erforderlich, so ist

dieselbe um so kostspieliger, in je grösserer Tiefe das Steinsalz

lagert. Häufig ist aber nicht nur die Tiefe der Steinsalzlager unter

der Oberfläche der Erde, sondern auch die Beschaffenheit der Ablagerung

selbst, auch wol die einmal eingeführte Art der Benutzung des

Steinsalzes auf die Wahl der Gewinnungsart von Einfluss. Oefters ist

das Steinsalz aus Gemengen von Steinsalz, Salzthon, Gyps, Dolomit etc.

zusammengesetzt; das so verunreinigte Steinsalz würde als Kochsalz

nicht angewendet werden können, sondern erst durch Auflösen und

Versieden in Siedesalz umgewandelt werden müssen. Im letzteren Falle

sucht man die Förderungs- und Auflösungskosten dadurch zu ersparen,

dass man der Natur das Geschäft des Auflösens auf der Lagerstätte

selbst überträgt und die gesättigte Salzlösung zu Tage fördert. Ob man

durch =Schächte= (senkrechte Gruben) oder durch =Stollen= (horizontale

Gänge, welche von aussen bis zu dem Salzlager geführt werden) am

zweckmässigsten den Sulzberg erreicht, darüber entscheidet nicht nur

die Tiefe desselben, sondern auch die Art des zu durchbrechenden

Gesteines und die Möglichkeit, zudringende Wässer abzuleiten. Für den

Bau auf Steinsalz ist es ein höchst günstiger Umstand, dass in das

Steinsalzgebirge so leicht kein Wasser eindringt, indem der das

Steinsalz umgebende Salzthon das Wasser zurückhält und das massive

Steinsalz sich durch die entstehende gesättigte Soole einen natürlichen

Schutzdamm gegen das eindringende Wasser bildet. Nicht allein nur die

unbedeutende Menge des Wasserzuflusses, sondern auch das massenhafte

Vorkommen des Steinsalzes, dessen Cohäsionsverhältnisse es gestatten,

dass hangende Steinsalz- und Salzthonmassen keine Unterstützung

brauchen, durch deren Beschaffung die Gewinnungsarbeiten, z. B. bei den

Steinkohlen, so bedeutend erschwert und vertheuert werden, tragen zur

Erleichterung des Bergbaues auf Steinsalz wesentlich bei. Ist das

Gebirge, welches das Steinsalz bedeckt, frei von Spalten, durch welche

Wasser eintreten kann, so lassen sich Steinsalzmassen auf weite

Strecken ausbrechen, ohne den darüber lagernden Schichten eine Stütze

zu geben. Diese Abbaumethode führt den Namen =Glockenbau=; sie ist in

den südöstlichen Karpathenländern gebräuchlich. Eine andere

Abbaumethode ist der =Kammerbau=, bei welchem das Steinsalz in durch

mächtige Pfeiler von einander getrennten Räumen (Kammern) weggenommen

wird.

[Sidenote: Gewinnung der Salzsoolen.]

Die =Salzsoolen= finden sich in der Natur in den Salzquellen. In den

letzten Jahrzehnden hat man die Natur dadurch unterstützt, dass man sich

den Salzlagern, welche die süssen Quellen in Salzquellen überführten,

=durch Bohrlöcher= zu nähern oder dieselben zu erreichen suchte. Die

Bohrlöcher sind mithin künstlich dargestellte Soolquellen von solcher

Reichhaltigkeit, dass nach und nach die Benutzung der schwachen

natürlichen Salzquellen überflüssig wird. Der Salzgehalt eines Bohrloches

ist begreiflicherweise am grössten, wenn das Steinsalzlager selbst

erreicht worden ist; in einzelnen Fällen wird durch ein Bohrloch eine

Anreicherung einer salzarmen Soole herbeigeführt. Um die natürlichen

Soolquellen zu gewinnen, werden dieselben gefasst, d. h. sie werden in

einen Schacht oder Brunnen (Soolbrunnen), welcher zugleich als Reservoir

für grössere Mengen von Soole dienen kann, vereinigt. Da die meisten

natürlichen Soolen zu salzarm sind, um sofort versotten werden zu können,

sondern erst durch den Gradirprocess einen Theil ihres Wassergehaltes

verlieren müssen, so ist es beim Heben der Soole aus dem Brunnen am

vortheilhaftesten, dieselbe sogleich auf die Gradirhäuser zu heben.

Aelter als die Gewinnung der gesättigten Salzsoole mit Hülfe von tiefen

Bohrlöchern ist die Darstellung der gesättigten Soolen auf der

Salzlagerstätte in den sogenannten =Sinkwerken=, =Wöhren= oder

=Sulzenstücken=. Das älteste Verfahren zum Auslaugen des

steinsalzhaltenden Salzthones bestand darin, in den Salzthon eine Grube

oder eine Cisterne auszugraben und diese mit Wasser auszufüllen. Nachdem

das Wasser alles Salz aufgelöst hatte, wurde es ausgeschöpft und in

Kesseln eingekocht. Das ausgelaugte Gebirge heisst =Heidengebirge=. Die

aus den Sinkwerken abgelassene Soole bleibt in Reservoiren zum Abklären

einige Tage ruhig stehen, ehe sie versotten wird. Von der Bereitung

gesättigter Soolen in den Sinkwerken unterscheidet sich die Gewinnung

zahlreicher oder gesättigter Soolen mit Hülfe von =Bohrlöchern=. Diese

Soole stammt entweder von einer fliessenden Salzquelle oder einem

Soolreservoir im Steinsalzgebirge oder endlich davon her, dass

Grubenwasser oder absichtlich eingeleitetes Tagewasser Steinsalz im

Gebirge auflöste. Es ist einleuchtend, dass ein jedes Bohrloch als der

senkrechte Schenkel einer communicirenden Röhre, deren anderer Schenkel

durch gegen den Horizont geneigte Quellen gebildet wird, in der That ein

artesischer Brunnen ist; diese Quellen werden durch das Bohrloch früher

mit der Erdoberfläche in Verbindung gesetzt, als es bei dem natürlich

fortgesetzten Laufe der Quellen geschehen sein würde. Die zur Hebung der

Soole erforderliche Kraft ist von der Höhe abhängig, bis zu welcher die

Quelle im Bohrloche aufsteigt. Ist die Steigkraft so gross, dass sich das

Wasser nicht nur bis zur Mündung des Bohrloches, sondern durch

aufgesetzte Röhren noch über die Erdoberfläche erheben würde, so wird die

hebende Kraft in der Pumpe (das Einsetzen und Bewegen eines Kolbens)

überflüssig. Die aus den Bohrlöchern gehobene Soole ist meist durch

Schlammtheilchen von Salzthon oder von Gyps getrübt. Die Soole muss

deshalb in den Reservoirs einige Zeit zum Abklären stehen bleiben, ehe

sie zum Sieden verwendet wird. Zum Fortleiten der Soole wendet man

hölzerne und gusseiserne Röhren, früher auch Bleiröhren an.[39]

[39] In Berchtesgaden wird die überschüssige Sinkwerkssoole nach

Reichenhall geleitet, mit der dortigen Quellsoole gattirt und auf

den drei Salinen Reichenhall, Traunstein und Rosenheim auf Salz

verarbeitet. Die Länge der Soolenleitung von Berchtesgaden über

Reichenhall nach Rosenheim beträgt 12,5 deutsche Meilen, wozu noch

eine fast 1,5 Meilen lange Röhrenleitung vom Theilungspunkte bei

Hammer bis nach Traunstein kommt, so dass eine fast 14 Meilen

lange Röhrenfahrt erforderlich gewesen, um die Verbindung zwischen

sämmtlichen südbayerischen Salinen zu Stande zu bringen.

Man theilt je nach der Art der Verunreinigung die Soolen in zwei

Klassen, die =Soolen erster Klasse= sind mit schwefelsauren Salzen

(Bittersalz, zuweilen auch Glaubersalz) und mit Chlormagnesium

verunreinigt, die =Soolen zweiter Klasse= enthalten neben dem Kochsalz

Chlorcalcium und Chlormagnesium. Die Soolen, besonders diejenigen,

welche durch Torfgründe oder Braunkohlenlager fliessen oder in einem

solchen Terrain zu Tage treten, enthalten färbende =organische

Substanzen= (Humussäure, Quellsäure, Quellsatzsäure).

[Sidenote: Darstellung des Kochsalzes aus den Soolen.]

Die Gewinnung des Kochsalzes aus den Soolen zerfällt in zwei Operationen:

a) in die Anreicherung der Soolen

[Greek: a]) durch Erhöhung des Salzgehaltes,

[Greek: b]) durch Verminderung des Wassergehaltes;

b) in das Versieden der siedewürdigen Soole.

[Sidenote: Die Anreicherung der Soolen.]

Die natürlichen Soolquellen enthalten selten so viel Kochsalz, dass sie

siedewürdig erscheinen. Es folgt daraus die Nothwendigkeit, ihren

Salzgehalt zu erhöhen (die Soole anzureichern), was entweder ([Greek: a])

geschehen kann durch Auflösen von Salz (Steinsalz), welches im

natürlichen Zustande oft nicht zu verwenden ist und deshalb dem

Reinigungsprocess unterworfen werden muss, oder ([Greek: b]) durch

Verminderung des Wassergehaltes ohne Anwendung von Brennmaterial. Ob das

Anreicherungsmittel Steinsalz oder Meersalz oder gesättigte künstliche

Salzsoole; ob ferner das Auflösungsmittel schwache Quellsoole oder

Meerwasser oder eine nicht gesättigte Bohrlochs- oder Sinkwerkssoole ist,

hat auf die Bereitung der Soole keinen Einfluss. Bedient man sich zur

Anreicherung der Quellsoole zugleich des Steinsalzes und der Gradirung,

so ist es am zweckmässigsten, das zur Anreicherung anzuwendende Steinsalz

unter die Dornenwände des letzten Gradirfalles zu bringen.

[Sidenote: Durch Gradiren.]

Die Anreicherung einer Soole durch Verminderung des Wassergehalts heisst

das =Gradiren der Soole=. Diese Anreicherung kann geschehen durch

Frostkälte (Eisgradirung) oder durch Verdunsten des Wassers (eigentliche

Gradirung). Die =eigentliche Gradirung= durch Verdunstung eines Theiles

des Wassers ist _a_) Sonnengradirung, _b_) Tafelgradirung, _c_) Dach-

oder Pritschengradirung, _d_) Tröpfelgradirung.

Die =Sonnengradirung= wird bei der Gewinnung des Seesalzes in den

Salzgärten angewendet und geschieht auch in den Salzseen Russlands, aus

welchen des Salz blos durch Verdunsten des Wassers mittelst der

Sonnenwärme ausgeschieden wird. Setzt man die Sonnengradirung bis zur

Aussonderung des Salzes fort, so nennt man das so erhaltene Salz

=Sonnensalz=. Die =Tafelgradirung=, eine zu Reichenhall versuchsweise

angewendete Verdunstungsmethode, besteht darin, die zu gradirende Soole

langsam aus staffelförmig unter einander gestellten Reihen von Kasten

herabfliessen zu lassen. Die Soole wird also bis in die oberste Reihe

von Kasten gehoben, läuft aus dieser in die zweite Reihe, dann in die

dritte, vierte Reihe u. s. f., bis sie endlich in die unterste

Kastenreihe gelangt, aus welcher die Soole in ein Bassin läuft, um

entweder zur Siedung abgegeben zu werden oder noch einmal zur weiteren

Concentration die Kastenreihe durchzumachen. Die Vorzüge der

Tafelgradirung vor der Sonnengradirung sollen darin bestehen, dass der

Abdampfungsprocess beschleunigt wird. Die =Dach=- oder

=Pritschengradirung= ist keine besondere Gradirmethode, sondern es ist

die Bedachung der Soolenbehälter nebenbei dazu benutzt worden, die in

das Reservoir zu leitende Soole auf der geneigten Fläche, welche die

Bedachung der Behälter bildet, langsam niederfliessen zu lassen. An

hellen Sonnentagen kann die dadurch bewirkte Anreicherung der Soole

eine sehr bedeutende sein. Man hat ferner eine =Seil=- oder

=Strickgradirung= vorgeschlagen, bei welcher die Soole an Seilen

herabrinnt. Werden anstatt der Seile Streifen aus Leinwand angewendet,

so heisst die Gradirung =Coulissengradirung=.

[Sidenote: Dorn- oder Tröpfelgradirung.]

Die wichtigste Gradirung ohne Feuer ist die =Tröpfel=- oder

=Dorngradirung=. Die =Gradirhäuser= oder =Leckwerke= haben Dornwände, aus

Balkengerüsten bestehend, deren Zwischenräume mit Dornen (Schwarzdorn

oder Schlehdorn, _Prunus spinosa_) ausgelegt sind. Jede Gradirwand, deren

Länge sich nach der Grösse der Saline richtet, steht mit ihrem Fusse über

einem aus Bohlen construirten wasserdichten Behälter (dem =Sumpfe=,

=Bassin= oder =Hälter=), welcher die an den Dornen herabrinnende gradirte

Soole aufzunehmen bestimmt ist. Der obere Theil der Gradirhäuser ist

zuweilen mit einem Dache versehen, häufig auch nicht. Auf dem Gradirhause

läuft der ganzen Länge nach ein wasserdichter Kasten (der =Tropfkasten=

oder =Soolkasten=), der die zum Gradiren bestimmte Soole aufnimmt. Der

Tropfkasten ist mit =Tropfhähnen= versehen, aus welchen die Soole in

Rinnen, an denen Einschnitte sich befinden, läuft; aus diesen

Einschnitten gelangt die Soole auf die Dornen. Die Grösse des

Soolenabflusses aus den Tropfhähnen wird durch das =Stellen= der Hähne

regulirt. Die sogenannte =Geschwindstellung= ist eine

Umstellungsvorrichtung, welche den Zweck hat, die Soole bei geänderter

Richtung des Windes auf die entgegengesetzte Seite der Dornwände zu

leiten. Die bewegenden Kräfte auf den Salinen zum Aufbringen der Soole

auf die Gradirhäuser, so wie zur weiteren Fortleitung der gefallenen

Soole sind Wasserräder, Göpel, Dampfmaschinen und Windmühlen. Man lässt

die Soole wiederholt von den Gradirwerken herabfallen. Die Soole kann

durch das Gradiren bis zu 26 Proc. Salzgehalt angereichert werden,

obgleich eine solche Löthigkeit auf wenigen Salinen erreicht wird.

Die Tröpfelgradirung ist nicht nur ein Anreicherungsprocess, sondern

auch ein =Reinigungsprocess=, indem ein Theil des Rohsalzgehaltes der

Soole, der nicht Kochsalz ist, auf den Dornen der Wände als =Dornstein=

zurückbleibt. Die Beschaffenheit dieses Steines hängt zwar von der

Zusammensetzung der Quellsoole ab, doch ist seine Zusammensetzung

ziemlich übereinstimmend. Meist besteht er nur aus Gyps und auf dem

ersten Soolfalle aus Calciumcarbonat, wenn die Soole viel

Calciumbicarbonat aufgelöst enthielt. Wenn nach einigen Jahren der

Dornstein zu stark wird, müssen die Dornen herausgenommen und durch

frische ersetzt werden. Der Dornstein wird im getrockneten und

gemahlenen Zustande als Düngemittel verwendet. In den Sümpfen, welche

die gradirte Soole aufnehmen, setzt sich ein dicker Schlamm ab,

=Zunder= oder =Sinter= genannt. Er besteht aus Gyps, Calciumcarbonat

und Eisenoxydhydrat. Die Tröpfelgradirung hat in neuerer Zeit, seitdem

die Bohrlöcher fast allenthalben siedewürdige Soole liefern, viel von

ihrer Bedeutung eingebüsst.

[Sidenote: Das Versieden derm Soole.]

Die Aufgabe des Siedeprocesses ist, das Maximum an reinem und trocknem

Salze mit dem Minimum an Brennstoff aus einer gegebenen Soole

darzustellen. Die ältesten Siedeeinrichtungen waren kesselartige Gefässe.

Gegenwärtig wendet man =Siedepfannen= aus zusammengenieteten gehämmerten

Eisenblechplatten an, deren Länge 10 Meter, deren Tiefe 0,6 Meter

beträgt. Sie ruhen theils auf gemauerten Pfeilern, theils auf den

Mauern, wodurch zugleich der Zug bedingt wird. Die Pfannen sind mit einem

Dampfmantel (=Brodemfang=) versehen, welcher oberhalb des Daches

ausmündet und die Wasserdämpfe in die Luft führt. Die Soole, welche man

in die Siedepfanne bringt, enthält, je nachdem sie gradirte Quellsoole

oder Bohrsoole ist, 18 bis 26 Proc. Salz; die Pfannen werden damit bis

zur Höhe von 0,3 Meter angefüllt.

In vielen Salinen zerfällt der Siedeprocess in zwei Abtheilungen:

a) in die Wasserverdampfung bis zur Sättigung der Soole in der

Siedehitze (das =Stören=),

b) in die Wasserverdampfung von der siedend gesättigten Soole, damit

das Salz sich krystallinisch abscheide (das =Soggen=, Soogen oder

Socken).

Das Sieden wird ununterbrochen mehrere Wochen fortgesetzt. Es sondert

sich dabei Gyps und schwefelsaures Natrium theils als Schaum, welcher

abgenommen wird, theils als Absatz aus, welchen man mit einer Krücke

herausschafft. Sobald sich auf der Oberfläche der siedenden Soole eine

Salzhaut bildet, hat die Soole die Gare erreicht und man schreitet zum

Soggen des Salzes. Während der Periode des Soggens wird die Temperatur

der Flüssigkeit auf 50° erhalten. Dabei fällt nun die entstandene

Salzhaut aus der Soole in kleinen Krystallen zu Boden, es bildet sich

eine neue Haut u. s. f., bis sich endlich keine oder nur eine sehr

schwache Salzhaut erzeugt. Von nun an wird das gesoggte Salz

=ausgewirkt=, d. h. mit Schaufeln (Soggestielen) herausgenommen und in

konische Körbe aus Weidengeflecht (=Salzkörbe=) gebracht, die man auf

einem an dem Brodemfang angebrachten Gerüste abtropfen lässt, bis nichts

mehr abfliesst, worauf man das Salz in der =Trockenkammer= (Darrstube),

welche auf dem Bodenraume des Siedehauses (der =Salzkothe=) angebracht

sind, trocknet und zuletzt in Fässer oder Tonnen bringt.

Die Menge der Mutterlauge, welche nach Ablauf einer Siedeperiode von

zwei, drei oder mehreren Wochen zurückbleibt, ist, mit der Menge der

versottenen Soole verglichen, eine sehr geringe. Früher wurde sie meist

weggegossen oder zu Bädern gebraucht. Gegenwärtig bereitet man daraus

Chlorkalium, schwefelsaures Natron, schwefelsaure Magnesia, künstliches

Bitterwasser, auf einzelnen Salinen (Schönebeck und Kreuznach) auch

Brom. Begreiflicherweise erhält man aus einer Soole niemals die

Salzmenge, welche man nach dem Salzgehalte der eingelassenen Soole

erhalten sollte, indem theils fremdartige Stoffe als =Pfannenstein=

beim Sieden abgeschieden werden, theils ein gewisser Theil des Salzes

in der Mutterlauge bleibt. Hierin und in dem Verlust, welcher aus dem

mechanischen Verstreuen des Salzes bei den Arbeiten des Wirkens und dem

Transportiren des Salzes nach den Trockenstuben und nach den Magazinen

sich zeigt, besteht der =Siedeverlust=. Dieser beträgt in den Salinen

zu Reichenhall 8 Procent,

" Traunstein 8 "

" Rosenheim 8 "

" Schönebeck 9,25 "

Bei Soole aus Bohrlöchern ist er zwar geringer, doch beträgt er auch

hier noch 4 bis 6 Procent.

[Sidenote: Denaturirung des Salzes.]

In Folge des monopolistischen Zwanges, welchem das Kochsalz bei der

Gewinnung und dem Verkaufe (bis 1867) unterworfen war, kommt es vor,

dass das Kochsalz absichtlich durch die Administration verunreinigt

(denaturirt) wird, damit es zu dem innerlichen Gebrauche untauglich

werde und nur zu technischen Zwecken oder als Viehsalz (Lecksalz) oder

endlich als Düngemittel Anwendung finde. Nach der Bestimmung des

deutschen Zollbundesrathes vom 8. Mai 1868 über die =Salzdenaturirung=

sind in sämmtlichen Zollvereinsstaaten als Mischungsmittel bestimmt

worden: für Vieh- und Düngsalz 1/4 Proc. Eisenoxyd oder Röthel

(eisenschüssiger Thon), ausserdem 1 Proc. Pulver von unvermischtem

Wermuthkraut wenn Siedesalz, und wenn Steinsalz für Viehsalzbereitung

verwendet wird, 1/2 Proc. desselben Pulvers. Das Wermuthpulver kann

auch durch die doppelte Menge Heuabfälle in völlig zerkleinertem

Zustande theilweise ersetzt werden, und zwar so, dass zum Siedesalze

mindestens noch 1/4, zum Steinsalz mindestens noch 1/8 Proc.

Wermuthpulver verwendet werden muss. Auch darf bei Steinsalz, statt 1/2

Proc. Wermuthpulver, 1/4 Proc. Holzkohle zugefügt werden. Die

Denaturirung aber des zu gewerblichen Zwecken bestimmten Salzes hat zu

geschehen durch Beimischung von 5 Proc. calcinirtem oder mit 11 Proc.

krystallisirtem Glaubersalz, oder endlich mit 5 Proc. Kieserit und 1/2

Proc. gemahlener Holzkohle oder Asche. Ausserdem sind mit Genehmigung

für chemische Fabriken, Seifensiedereien, Gerbereien etc. auch andere

für sie besonders passende Denaturirungsmittel zulässig. (Im

Grossherzogthum Hessen nimmt man seit 1870 zum Denaturiren des Salzes

zum Eisenfrischen 10 Proc. Braunstein oder 3 Proc. conc. Schwefelsäure

mit 4 Th. Wasser; für die Feilenfabrikation 5 Proc. Klauenmehl oder

2-1/2 Proc. Klauenmehl mit 2-1/2 Proc. Photogen oder 33-1/3 Proc.

Lederpulver.)

[Sidenote: Eigenschaften des Kochsalzes.]

Das Kochsalz krystallisirt in farblosen Würfeln oder in einer Form, die

sich auf die Würfelform zurückführen lässt. Nach der Grösse der Würfel

unterscheidet man grob-, mittel- und feinkörniges Salz, ferner Salz von

mildem und von scharfem Korn. Ersteres besteht aus vollkommen

ausgebildeten Würfeln und fühlt sich daher rauh und scharf an. Das

milde Salz besteht zum Theil aus kleinen tafelförmigen und spiessigen

Krystallen und lässt sich mit der Hand zusammenballen, während das Salz

von grobem und scharfem Korn auseinanderfällt, sobald der Druck

nachlässt. Die Grösse der Krystalle hängt von der Zeit ab, in der die

Verdampfung der Soole erfolgt, man hat demnach in der Beschleunigung

und Verzögerung des Abdampfprocesses ein einfaches Mittel, Salz von

beliebiger Korngrösse darzustellen. Soll Salz von grobem Korne

dargestellt werden, so muss das Niedersinken der auf der Oberfläche der

Soole sich ausscheidenden Krystalle durch Ruhigstehenlassen der

Flüssigkeit verzögert werden. Das sogenannte =Sonntagssalz=, welches

während des Sonntags und der Feiertage, an denen nicht gesoggt wird, in

den Pfannen sich abscheidet, ist ein derartiges grobkörniges Salz.

Vollkommen reines Kochsalz ist nicht hygroskopisch; in dem gewöhnlichen

Siedesalz sind es auch nur die Beimengungen von Chlormagnesium und

Chlorcalcium, welche das Salz hygroskopisch machen. Der Wassergehalt

des Salzes beträgt 2,5-5,5 Proc. Beim Erhitzen des Kochsalzes bis zur

Glühhitze verknistert oder decrepitirt es, indem die zwischen den

Lamellen der Krystalle eingeschlossene Mutterlauge Wasserdämpfe

entwickelt und die Krystalle zersprengt. In der hellen Rothglühhitze

schmilzt das Salz zu einer farblosen ölartigen Flüssigkeit, in der

Weissglühhitze verflüchtigt es sich unverändert. Das Kochsalz ist

leicht löslich in Wasser, 100 Theile Wasser lösen bei 12° C. 35,91

Theile Kochsalz. Es ist eine Eigenthümlichkeit des Kochsalzes, von

heissem Wasser nicht in bedeutend grösserer Menge aufgelöst zu werden,

als in kaltem.

Um das Verhältniss des Kochsalzes zum Wasser in einer Soole

auszudrücken, braucht man den Ausdruck =Löthigkeit= oder

=Procentigkeit=. Eine 15löthige Soole besteht mithin in 100

Gewichtstheilen aus 15 Gewichtstheilen Kochsalz und 85 Theilen Wasser.

Die =Grädigkeit= der Soole bezeichnet die Gewichtsmenge Wasser der

Soole, welche 1 Gewichtstheil Kochsalz enthält, so ist eine 15,6grädige

Soole eine solche, in welcher 1 Gewichtstheil Kochsalz von 15,6

Gewichtstheilen Wasser in Lösung gehalten wird. Die =Pfündigkeit= der

Soole drückt die Salzmenge in Pfunden aus, welche in einem Kubikfuss

Soole enthalten ist. Die Löthigkeit einer Soole lässt sich aus dem

specifischen Gewichte nach folgender von =Gerlach= (1859) revidirten

Tabelle ermitteln:

-----------+----------+------------+----------+------------+---------

Löthigkeit.| Spec. | Löthigkeit.| Spec. | Löthigkeit.| Spec.

| Gewicht. | | Gewicht. | | Gewicht.

===========+==========+============+==========+============+=========

1 | 1,0075 | 7,5 | 1,0565 | 16 | 1,1206

1,5 | 1,0113 | 8 | 1,0603 | 17 | 1,1282

2 | 1,0151 | 8,5 | 1,0641 | 18 | 1,1357

2,5 | 1,0188 | 9 | 1,0679 | 19 | 1,1433

3 | 1,0226 | 9,5 | 1,0716 | 20 | 1,1510

3,5 | 1,0264 | 10 | 1,0754 | 21 | 1,1593

4 | 1,0302 | 10,5 | 1,0792 | 22 | 1,1675

4,5 | 1,0339 | 11 | 1,0829 | 23 | 1,1758

5 | 1,0377 | 11,5 | 1,0867 | 24 | 1,1840

5,5 | 1,0415 | 12 | 1,0905 | 25 | 1,1922

6 | 1,0452 | 13 | 1,0980 | 26 | 1,2009

6,5 | 1,0490 | 14 | 1,1055 | 26,39 | 1,2043

7 | 1,0526 | 15 | 1,1131 | |

[Sidenote: Anwendung des Kochsalzes.]

Die überaus wichtige und ausgedehnte Anwendung des Kochsalzes ist so

bekannt, dass es hier eines näheren Eingehens darauf kaum bedarf.

Ausser als Nahrungsmittel (ein Mensch von 75 Kilogr. Gewicht enthält

0,5 Kilogr. Kochsalz und braucht jährlich 7,75 Kilogr.) dient das

Kochsalz zu Zwecken der Agricultur und Viehzucht, zur Bereitung der

Soda, des Chlors, des Salmiaks, in der Weissgerberei (zur Bereitung der

Alaunbeize), in der Loh- oder Rothgerberei (beim Schwitzen der Häute),

zur chlorirenden Röstung der Silbererze (in der Amalgamation und in dem

Verfahren der Silbergewinnung von =Augustin=), bei der

Aluminiumfabrikation, zur Darstellung des Natriums, zum Salzen der

Brunnen, zum Aussalzen der Seife, zum Glasiren von Thongeschirren

(schmilzt man Kochsalz mit eisenhaltigem Thon zusammen, so oxydirt sich

das Natrium auf Kosten des Eisens zu Natron, welches sich mit der

Thonerde und Kieselerde zu Glasur verbindet, während das Eisen sich mit

dem Chlor als Chloreisen verflüchtigt), zum Conserviren von

Schiffsbauholz und Eisenbahnschwellen, zum Einsalzen der Fische, des

Fleisches und der Butter (es hält sich Butter mit Kochsalz unter Zusatz

von 2 Proc. Chlorcalcium gesalzen, weit besser als mit reinem Salz

gesalzene; die Anwendung geschieht so, dass man das Kochsalz mit einer

sehr concentrirten Lösung des Chlorcalciums befeuchtet).

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 45 / 167 题