Demea. Nu, nu; ich höre ja auch schon wieder auf."

Bei dem "Lachst du mich aus?" des Demea, merkt Donatus an: Hoc verbum

vultu Demeae sic profertur, ut subrisisse videatur invitus. Sed rursus

EGO SENTIO, amare severeque dicit. Unvergleichlich! Demea, dessen voller

Ernst es war, daß er die Sängerin nicht als Sängerin, sondern als eine

gemeine Sklavin halten und nutzen wollte, muß über den Einfall des Micio

lachen. Micio selbst braucht nicht zu lachen: je ernsthafter er sich

stellt, desto besser. Demea kann darum doch sagen: "Lachst du mich aus?"

und muß sich zwingen wollen, sein eignes Lachen zu verbeißen. Er verbeißt

es auch bald, denn das "Ich fühl' es leider" sagt er wieder in einem

ärgerlichen und bittern Tone. Aber so ungern, so kurz das Lachen auch

ist: so große Wirkung hat es gleichwohl. Denn einen Mann, wie Demea, hat

man wirklich vors erste gewonnen, wenn man ihn nur zu lachen machen kann.

Je seltner ihm diese wohltätige Erschütterung ist, desto länger hält sie

innerlich an; nachdem er längst alle Spur derselben auf seinem Gesichte

vertilgt, dauert sie noch fort, ohne daß er es selbst weiß, und hat auf

sein nächstfolgendes Betragen einen gewissen Einfluß.--

Aber wer hätte wohl bei einem Grammatiker so feine Kenntnisse gesucht?

Die alten Grammatiker waren nicht das, was wir itzt bei dem Namen denken.

Es waren Leute von vieler Einsicht; das ganze weite Feld der Kritik war

ihr Gebiete. Was von ihren Auslegungen klassischer Schriften auf uns

gekommen, verdient daher nicht bloß wegen der Sprache studiert zu werden.

Nur muß man die neuern Interpolationen zu unterscheiden wissen. Daß aber

dieser Donatus (Aelius) so vorzüglich reich an Bemerkungen ist, die

unsern Geschmack bilden können, daß er die verstecktesten Schönheiten

seines Autors mehr als irgendein anderer zu enthüllen weiß: das kömmt

vielleicht weniger von seinen größern Gaben, als von der Beschaffenheit

seines Autors selbst. Das römische Theater war, zur Zeit des Donatus,

noch nicht gänzlich verfallen; die Stücke des Terenz wurden noch

gespielt, und ohne Zweifel noch mit vielen von den Überlieferungen

gespielt, die sich aus den bessern Zeiten des römischen Geschmacks

herschrieben: er durfte also nur anmerken, was er sahe und hörte; er

brauchte also nur Aufmerksamkeit und Treue, um sich das Verdienst zu

machen, daß ihm die Nachwelt Feinheiten zu verdanken hat, die er selbst

schwerlich dürfte ausgegrübelt haben. Ich wüßte daher auch kein Werk, aus

welchem ein angehender Schauspieler mehr lernen könnte, als diesen

Kommentar des Donatus über den Terenz: und bis das Latein unter unsern

Schauspielern üblicher wird, wünschte ich sehr, daß man ihnen eine gute

Übersetzung davon in die Hände geben wollte. Es versteht sich, daß der

Dichter dabei sein und aus dem Kommentar alles wegbleiben müßte, was die

bloße Worterklärung betrifft. Die Dacier hat in dieser Absicht den

Donatus nur schlecht genutzt, und ihre Übersetzung des Textes ist wäßrig

und steif. Eine neuere deutsche, die wir haben, hat das Verdienst der

Richtigkeit so so, aber das Verdienst der komischen Sprache fehlt ihr

gänzlich;[2] und Donatus ist auch nicht weiter gebraucht, als ihn die

Dacier zu brauchen für gut befunden. Es wäre also keine getane Arbeit,

was ich vorschlage: aber wer soll sie tun? Die nichts Bessers tun

könnten, können auch dieses nicht: und die etwas Bessers tun könnten,

werden sich bedanken.

Doch endlich vom Terenz auf unsern Nachahmer zu kommen--es ist doch

sonderbar, daß auch Herr Romanus den falschen Gedanken des Voltaire

gehabt zu haben scheinet. Auch er hat geglaubt, daß am Ende mit dem

Charakter des Demea eine gänzliche Veränderung vorgehe; wenigstens läßt

er sie mit dem Charakter seines Lysimons vorgehen. "Je, Kinder", läßt er

ihn rufen, "schweigt doch! Ihr überhäuft mich ja mit Liebkosungen. Sohn,

Bruder, Vetter, Diener, alles schmeichelt mir, bloß weil ich einmal ein

bißchen freundlich aussehe. Bin ich's denn, oder bin ich's nicht? Ich

werde wieder recht jung, Bruder! Es ist doch hübsch, wenn man geliebt

wird. Ich will auch gewiß so bleiben. Ich wüßte nicht, wenn ich so eine

vergnügte Stunde gehabt hätte." Und Frontin sagt: "Nun, unser Alter

stirbt gewiß bald.[3] Die Veränderung ist gar zu plötzlich." Jawohl; aber

das Sprichwort und der gemeine Glaube von den unvermuteten Veränderungen,

die einen nahen Tod vorbedeuten, soll doch wohl nicht im Ernste hier

etwas rechtfertigen?

----Fußnote

[1]

--De. Ne nimium modo

Bonae tuae istae nos rationes, Micio,

Et tuus iste animus aequus subvertat. Mi. Tace;

Non fiet. Mitte jam istaec; da te hodie mihi:

Exporge frontem. De. Scilicet ita tempus fert,

Faciendum est: ceterum rus cras cum filio

Cum primo lucu ibo hinc. Mi. De nocte censeo:

Hodie modo hilarum fac te. De. Et istam psaltriam

Una illuc mecum hinc abstraham. Mi. Pugnaveris.

Eo pacto prorsum illic alligaris filium.

Modo facito, ut illam serves. De. Ego istuc videro,

Atque ibi favillae plena, fumi, ac pollinis,

Coquendo sit faxo et molendo; praeter haec

Meridie ipso faciam ut stipulam colligat:

Tam excoctam reddam atque atram, quam carbo est. Mi. Placet,

Nunc mihi videre sapere. Atque equidem filium,

Tum etiam si nolit, cogam, ut cum illa una cubet.

De. Derides? fortunatus, qui istoc animo sies:

Ego sentio. Mi. Ah pergisne? De. Jam jam desino.

[2]

Halle 1753. Wunders halben erlaube man mir, die Stelle daraus anzuführen,

die ich eben itzt übersetzt habe. Was mir hier aus der Feder geflossen,

ist weit entfernt, so zu sein, wie es sein sollte; aber man wird doch

ungefähr daraus sehen können, worin das Verdienst besteht, das ich dieser

Übersetzung absprechen muß.

"Demea. Aber mein lieber Bruder, daß uns nur nicht deine schönen

Gründe, und dein gleichgültiges Gemüte sie ganz und gar ins Verderben

stürzen.

Micio. Ach, schweig doch nur, das wird nicht geschehen. Laß das

immer sein. Überlaß dich heute einmal mir. Weg mit den Runzeln von

der Stirne.

Demea. Ja, ja, die Zeit bringt es so mit sich, ich muß es wohl tun.

Aber mit anbrechendem Tage gehe ich wieder mit meinem Sohne aufs Land.

Micio. Ich werde dich nicht aufhalten, und wenn du die Nacht wieder

gehn wil1st; sei doch heute nur einmal fröhlich!

Demea. Die Sängerin will ich zugleich mit herausschleppen.

Micio. Da tust du wohl; dadurch wirst du machen, daß dein Sohn ohne

sie nicht wird leben können. Aber sorge auch, daß du sie gut

verhältst!

Demea. Dafür werde ich schon sorgen. Sie soll mir kochen, und Rauch,

Asche und Mehl sollen sie schon kenntlich machen. Außerdem soll sie

mir in der größten Mittagshitze gehen und Ähren lesen, und dann will

ich sie ihm so verbrannt und so schwarz, wie eine Kohle, überliefern.

Micio. Das gefällt mir; nun seh' ich recht ein, daß du weislich

hande1st; aber dann kannst du auch deinen Sohn mit Gewalt zwingen, daß

er sie mit zu Bette nimmt.

Demea. Lachst du mich etwa aus? Du bist glücklich, daß du ein

solches Gemüt hast; aber ich fühle.

Micio. Ach! hältst du noch nicht inne?

Hamburgische Dramaturgie · 第 42 / 55 题