ERSTER KNECHT. Sage mir eines, große christliche Majestät: Wie weit ist
es von Münster bis zum Himmel? Ich wette, du wirst rascher zum Himmel
kommen als der Himmel nach Münster. (Gelächter.)
ZWEITER KNECHT. Da du doch ein Schneider bist, Johann: kannst du mir
meinen Hosenlatz so fest zunähen, daß kein Weibsbild in der Welt ihn
aufmachen kann, so will ich an dich glauben und dich anbeten. Gelächter.
DRITTER KNECHT. König der Christenheit, ich will eine Frage an dich
richten. Was ist das? (Spuckt ihm ins Gesicht.) Was ist das? Laß dein
Licht leuchten. Seht, er zerbricht sich den Kopf! Das ist die
Wiedertaufe, die du gelehrt hast. (Gelächter.)
VIERTER KNECHT. Deine sechzehn Weiber, Johann?
ERSTER KNECHT. Wo sind sie? Zeige sie uns.
ZWEITER KNECHT. Hast du alle sechzehn gleichzeitig beschlafen? Lehre uns
das Kunststück und wir wollen gegen den Bischof rebellieren und dich zum
König ausrufen über das Münsterland.
JOHANN (betrachtet sie mit fiebernden Augen): Versündigt euch nicht, ihr
Schelme.
DIE KNECHTE (drohend): Versündigen? An wem? An dir?
JOHANN. Es ist eine zu große Erhöhung für mich, wenn ihr mich schmäht
wie die Kriegsknechte den heiligen Christ geschmäht haben!
ERSTER KNECHT (erhebt die Faust): Willst du dich mit Christus
vergleichen? (Stößt ihn hart an. Die Papierkrone fällt von Johanns
Kopf.)
JOHANN. Das sei ferne von mir. Ich bin ein armer sündiger Mensch.
Durch die Glasfenster in der Rückwand erblickt man den Bischof
mit Gefolge.
Zuerst treten einige Offiziere ein. Dann der Bischof mit einigen
geistlichen Würdenträgern. Darunter Johann v. Raesfeld und Dr.
Melchior. Zuletzt die Feldherren und Obersten, darunter Meinhard
von Hamm.
Der Bischof nimmt auf einem Sessel Platz, den man ihm hinschiebt.
Er sieht staubgrau aus. Der Triumph hat seine grauen Wangen mit
leichter Röte geschminkt. Er beachtet vorerst Johann nicht. Erst
als das Gefolge sich gruppiert hat, hebt er das Gesicht und
betrachtet Johann lange. Er bekreuzt sich. Die geistlichen Herren
folgen seinem Beispiel.
BISCHOF, (das Blut steigt ihm in das graue Gesicht. Er erhebt sich in
größter Erregung, schreit): Achthunderttausend Goldgulden hast du mich
gekostet! Achthunderttausend Goldgulden! Mein Stift Münster ist auf ein
Menschenalter verpfändet, ich bin ein Bettler geworden. Not und Elend
hast du über das Münsterland gebracht!
JOHANN. Das lügst du, Pfaffe! Du selbst hast es getan, nicht ich. Du
hattest freies religiöses Bekenntnis allen Bürgern Münsters gelobt. Du
bist es, der die Waffe erhob! (Erregung des Gefolges.)
JOHANN VON RAESFELD. Darf ich Eure fürstliche Gnaden an Eure Gesundheit
mahnen.
BISCHOF (setzt sich, ruhiger): Seht ihn euch an, ihr Herren! Seinetwegen
lagen wir achtzehn Monate vor Münster. Wie viele Gestalten hat der Satan
schon angenommen, um die Welt zu verderben! Seht, diesmal hat er die
Gestalt des Schneiders aus Leyden angenommen.