Hierauf beruht die Telegraphie ohne Draht.
Der Aufgabeapparat, ^Sender^, besteht aus zwei Messingkugeln, zwischen
welchen man die Funken eines Rhumkorff’schen Induktoriums überspringen
läßt, längere oder kürzere Zeit wie bei den Strichen und Punkten des
Morse’schen Alphabetes.
Der Empfangsapparat besteht aus einem Kohärer, dessen Drähte mit einigen
Elementen und etwa einer elektrischen Klingel verbunden sind. Läßt man
nun den Sender spielen, so treffen die elektrischen Wellen den Kohärer,
und die Klingel ertönt. Der Klöppel der Klingel schlägt zugleich an den
Kohärer, erschüttert die Feilspäne und unterbricht den Strom. Solange
aber im Sender Funken überspringen, wird der Kohärer immer wieder in
Tätigkeit versetzt und man hört deshalb je nach dem Spiel des Senders
auf der Empfangsstation längere oder kürzere Klingelzeichen.
[Abbildung: Fig. 370.]
Will man den Empfänger noch empfindlicher machen, so schaltet man bei
ihm noch ein Relais ein, wie in Fig. 370 dargestellt ist.
Die Drähte des Kohärers ~C~ sind mit einem Element und dem Elektromagnet
~R~ des Relais verbunden. Sowie der Kohärer erregt wird, zieht der
Elektromagnet ~R~ einen Anker an, welcher den zweiten Stromkreis
schließt. Dieser wird von einigen Elementen gespeist und verzweigt sich;
der eine Zweig führt zum Elektromagnet ~K~ eines Klopfers, welcher den
Kohärer erschüttert, der andere Zweig führt zu einem Morse’schen
Schreibtelegraph, welcher, an Stelle der Klingel, eine kürzere oder
längere Punktreihe aufzeichnet.
Da die elektrischen Wellen des Senders sich wie Lichtwellen nach allen
Richtungen ausbreiten, so ist eine Drahtverbindung mit dem Empfänger
nicht notwendig; doch dürfen in der geraden Verbindungslinie keine
festen Gegenstände vorhanden sein. Man führt wohl auch sowohl von den
Kugeln des Senders, als von den Drähten des Kohärers parallele Drähte
hoch in die Luft, um so die „Sicht“ herzustellen.
Die drahtlose Telegraphie funktioniert bereits über Strecken von 100
Kilometer.