297. Die drahtlose Telegraphie.

Hierauf beruht die Telegraphie ohne Draht.

Der Aufgabeapparat, ^Sender^, besteht aus zwei Messingkugeln, zwischen

welchen man die Funken eines Rhumkorff’schen Induktoriums überspringen

läßt, längere oder kürzere Zeit wie bei den Strichen und Punkten des

Morse’schen Alphabetes.

Der Empfangsapparat besteht aus einem Kohärer, dessen Drähte mit einigen

Elementen und etwa einer elektrischen Klingel verbunden sind. Läßt man

nun den Sender spielen, so treffen die elektrischen Wellen den Kohärer,

und die Klingel ertönt. Der Klöppel der Klingel schlägt zugleich an den

Kohärer, erschüttert die Feilspäne und unterbricht den Strom. Solange

aber im Sender Funken überspringen, wird der Kohärer immer wieder in

Tätigkeit versetzt und man hört deshalb je nach dem Spiel des Senders

auf der Empfangsstation längere oder kürzere Klingelzeichen.

[Abbildung: Fig. 370.]

Will man den Empfänger noch empfindlicher machen, so schaltet man bei

ihm noch ein Relais ein, wie in Fig. 370 dargestellt ist.

Die Drähte des Kohärers ~C~ sind mit einem Element und dem Elektromagnet

~R~ des Relais verbunden. Sowie der Kohärer erregt wird, zieht der

Elektromagnet ~R~ einen Anker an, welcher den zweiten Stromkreis

schließt. Dieser wird von einigen Elementen gespeist und verzweigt sich;

der eine Zweig führt zum Elektromagnet ~K~ eines Klopfers, welcher den

Kohärer erschüttert, der andere Zweig führt zu einem Morse’schen

Schreibtelegraph, welcher, an Stelle der Klingel, eine kürzere oder

längere Punktreihe aufzeichnet.

Da die elektrischen Wellen des Senders sich wie Lichtwellen nach allen

Richtungen ausbreiten, so ist eine Drahtverbindung mit dem Empfänger

nicht notwendig; doch dürfen in der geraden Verbindungslinie keine

festen Gegenstände vorhanden sein. Man führt wohl auch sowohl von den

Kugeln des Senders, als von den Drähten des Kohärers parallele Drähte

hoch in die Luft, um so die „Sicht“ herzustellen.

Die drahtlose Telegraphie funktioniert bereits über Strecken von 100

Kilometer.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 339 / 340 题