280. Mechanisches Äquivalent der Wärme.

Mechanische Arbeit kann in Wärme verwandelt werden; wenn man mit einem

Hammer oft auf ein Stück Blei schlägt, so wird es warm; es verschwindet

dabei Energie, nämlich die lebendige Kraft des Hammers, da er beim

Aufschlagen seine Bewegung verliert; als Ersatz kommt Wärme zum

Vorschein. Es hat sich die mechanische Energie (~P s~) zuerst in

Bewegungsenergie ½ ~M v²~ (des Hammers) verwandelt, und ^diese

Bewegungsenergie verwandelt sich in Wärme^. Ähnlich: ein Bohrer, eine

Säge erhitzen sich. Jede ^Reibung erzeugt Wärme^. Graf Rumford fand in

der Geschützgießerei in München, daß ein stumpfer Kanonenbohrer sich

stark erhitzt, und daß dazugegossenes Wasser ins Kochen kommt und weiter

kocht, so lange gebohrt wird. Er schloß daraus nicht nur, daß Reibung

Wärme erzeugt, sondern auch, ^daß Wärme nicht ein Stoff^ sein könne, da

er sonst nicht in beliebiger Menge aus einem Stoffe (Bohrer)

herausgenommen werden könne, sondern daß ^Wärme selbst eine Art

Bewegung^ sein müsse, da sie aus Bewegung entsteht.

R. Mayer, Arzt in Heilbronn, und der Engländer Joule untersuchten,

^welche Quantitäten mechanischer Energie und Wärme sich entsprechen^,

also insbesondere, wie viele _kgm_ aufgewendet werden müssen, um 1

Kalorie zu erzeugen. Dies fand R. Mayer, dem man die wichtigsten

Aufklärungen über die Verwandlung von Energien verdankt, auf folgende

Art (1842). Man wußte schon längere Zeit, daß ^Luft verschiedene

Wärmekapazität^ hat, je nachdem man sie in ^offenem oder verschlossenem

Gefäße^ erwärmt. Um Luft in ^verschlossenem^ Gefäße von 0° auf 100° zu

erwärmen, sind für jedes _kg_ Luft 16,86 Kal. erforderlich; um sie aber

in ^offenem^ Gefäße zu erwärmen, ^wobei sie sich ausdehnt^, sind für 1

_kg_ 23,77 Kal. erforderlich; R. Mayer sagte nun: Hiebei sind 16,86 Kal.

erforderlich, um die Luft zu erwärmen, der Überschuß von 6,91 Kal. kommt

aber nicht als Wärme zum Vorschein, sondern ist dazu verwendet worden,

um Arbeit zu leisten; denn wenn die Luft sich ausdehnt, so muß der auf

ihr liegende Luftdruck überwunden (die Luftsäule gehoben) werden. Die

Größe dieser Arbeit ist aber leicht zu berechnen. 1 _kg_ Luft hat bei 0°

ein Volumen von 775 _l_; wenn es sich in einem Raume befindet, der 1

_qm_ Grundfläche hat, so hat es eine Höhe von 7,75 _dm_. Erwärmt man

diese Luft, so dehnt sie sich aus, der Höhe nach um 7,75 · 0,366 = 2,84

_dm_ = 0,284 _m_. Dabei muß sie den Luftdruck von 10 000 · 1,033 =

10 330 _kg_ überwinden, leistet also eine Arbeit von 10 330 · 0,284

_kgm_ = 2934 _kgm_. Zu dieser Arbeit sind 6,91 Kal. verwendet worden,

also treffen auf 1 Kal. 424 _kgm_.

^Joule^ machte viele Versuche, um durch Reibung und Stoß Wärme zu

erzeugen, und fand (später) die Richtigkeit des von R. Mayer errechneten

Wärmeäquivalents auch für die umgekehrte Verwandlung von Arbeit in Wärme

bestätigt. ^Helmholtz^ verallgemeinerte und begründete die Lehre von der

Umwandlung und Erhaltung der Kraft (Arbeit, Energie) 1847.

Diese Zahl, 425 _kgm_ (wie man jetzt annimmt), nennt man #das

mechanische Äquivalent der Wärme; sie gibt an, wie viele Einheiten der

mechanischen Energie gleichwertig oder äquivalent sind einer

Wärmeeinheit, einer Einheit der kalorischen Energie#. Ebenso ist ¼25

Kalorie das Wärmeäquivalent von 1 _kgm_.

Besonders gut läßt sich die Verwandlung von Arbeit in Wärme und deren

Umkehrung bei Gasen verfolgen. Wenn man Luft komprimiert, so muß man, um

die Expansivkraft der Luft zu überwinden, Arbeit aufwenden, indem man

etwa den Kolben der Kompressionspumpe niederdrückt. Die Folge ist ^nicht

bloß eine Drucksteigerung, sondern auch eine sehr beträchtliche

Erwärmung^. Die Berechnung derselben kann nicht auf elementarem Weg

erfolgen; doch ersieht man aus folgender Tabelle, wenn man 1 _cbm_ Luft

von 0° und 1 Atm. Druck (760 _mm_) bis auf 2, 3 . . . . Atmosphären

zusammendrückt, welche Arbeit hiezu erforderlich ist, welche Temperatur

die Luft dann hat (vorausgesetzt, daß sie keine Wärme an die Gefäßwände

abgibt), und welches Volumen sie dann hat.

Kompression von 1 _cbm_ Luft von 0° und 1 Atm.

|Kompressionsarbeit|Temperatur|Volumen

Atmosph.| in _kgm_ | in ~C~°. |in _cbm_

--------+------------------+----------+--------

2 | 5639 | 60,4 | 0,611

3 | 9505 | 101,8 | 0,457

4 | 12 517 | 134,2 | 0,373

5 | 15 099 | 161,3 | 0,318

6 | 17 248 | 184,7 | 0,280

7 | 19 186 | 205,3 | 0,251

8 | 20 938 | 224,3 | 0,228

9 | 22 552 | 241,5 | 0,210

10 | 24 034 | 357,4 | 0,194

Dehnt sich die Luft sofort wieder aus, bevor sie etwas von ihrer Wärme

abgegeben hat, so kehrt sie vollständig in ihren Anfangszustand zurück;

sie leistet aber dabei eine Arbeit, denn sie übt einen ihrer jeweiligen

Expansivkraft entsprechenden Druck längs des Ausdehnungsweges aus; dies

geschieht aber auf Kosten der Wärme, denn sie kühlt sich dabei von

selbst wieder auf 0° ab; es hat sich die Wärme (ein Teil ihres

Wärmeinhaltes) in mechanische Arbeit verwandelt, und zwar leistet sie

genau ebensoviel Arbeit als vorher zu ihrer Kompression aufgewendet

wurde.

Läßt man jedoch die vorher komprimierte Luft zuerst abkühlen bis 0°,

wobei man dafür sorgt, daß sie ihre Spannkraft beibehält, und läßt sie

nun sich vermöge ihrer Spannkraft ausdehnen, so leistet sie Arbeit, aber

wieder auf Kosten der Wärme, und es zeigt sich, daß sie sich

beträchtlich abkühlt. Aus folgender Tabelle ist die hiebei

wiedergewinnbare Arbeit und die Temperaturerniedrigung zu ersehen, wenn

man die komprimierte Luft zuerst auf 0° abkühlt und dann erst sich bis

zu einer Atm. Spannkraft ausdehnen läßt.

Atmosph.|Expansionsarb.|Temperaturerniedrigung.

| in _kgm_ |

--------+--------------+-----------------------

2 | 3347 | -36,2°

3 | 5146 | -55,1

4 | 6312 | -67,6

5 | 7172 | -78,8

6 | 7845 | -84,0

7 | 8394 | -89,9

8 | 8856 | -94,8

9 | 9253 | -99,1

10 | 9602 | -102,8

Wir sahen, daß 1 _kg_ Steinkohle beim Verbrennen zka. 7500 Kalorien

liefert; könnte man diese ganze Wärmemenge in Arbeit verwandeln, so

würde das 7500 · 425 _kgm_ = 3 187 500 _kgm_ liefern. Würde diese

Arbeit während einer Stunde verrichtet, so würden zka. 12 Pferdekräfte

geleistet werden. 1 _kg_ Steinkohle müßte also hinreichen, um 1 Stunde

lang zwölf Pferdekräfte zu liefern. Tatsächlich liefern unsere

Dampfmaschinen kaum 10%, die besten nur 12-15%. Von diesem

Gesichtspunkte aus betrachtet sind also die Dampfmaschinen sehr

unvollkommene Maschinen, sie arbeiten nicht sparsam, sie verwandeln bei

weitem nicht alle Wärme in Arbeit, die meiste Wärme geht durch den

Schornstein und durch den Abdampf verloren.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 317 / 340 题