278. Stoß.

Wenn von einem Körper ~A~ eine Kraft ausgeht, welche auf einen Körper

~B~ wirkt, so unterliegt auch ~A~ selbst dem Einflusse einer von ~B~ aus

zurückwirkenden gleich großen Kraft; wird ~B~ durch die Kraft nach der

einen Richtung bewegt, so wird ~A~ nach der anderen Richtung bewegt,

^Wirkung^ und ^Gegenwirkung^. Ist z. B. eine elastische Feder zwischen

zwei Kugeln ~A~ und ~B~ gespannt und man läßt beide zugleich los, so

bewegen sich beide nach entgegengesetzten Richtungen.

Wirken die Kräfte dabei auf gleiche, frei bewegliche Massen, so erhalten

diese dieselbe Geschwindigkeit; wirken sie auf verschiedene Massen, so

erhalten sie verschiedene Geschwindigkeiten, welche sich verhalten

umgekehrt wie die Massen; denn die gleichen Kräfte bringen

Beschleunigungen hervor, welche sich umgekehrt wie die Massen verhalten,

~m₁ : m₂ = g₂ : g₁~;

die erlangten Geschwindigkeiten sind aber den Beschleunigungen

proportional,

~g₂ : g₁ = v₂ : v₁~; also folgt

~m₁ : m₂ = v₂ : v₁~; d. h. ^die in derselben Zeit erlangten

Geschwindigkeiten sind den Massen umgekehrt proportional^.

Solche Wirkungen entstehen beim Stoße, d. h. beim Zusammentreffen zweier

in Bewegung befindlicher Massen. Sind die Massen unelastisch, so tritt

beim Zusammentreffen eine Geschwindigkeitsänderung und eine bleibende

Formveränderung ein, bis beide Massen dieselbe Geschwindigkeit haben.

Es seien die Massen ~m₁~ und ~m₂~, ihre Geschwindigkeiten ~v₁~ und

~v₂~, beide nach derselben Seite gerichtet, und ~v₂ > v₁~, so daß

das folgende ~m₂~ das vorangehende ~m₁~ einholt, es sei dann ~v~

die schließliche gemeinschaftliche Geschwindigkeit so, bekommt

~m₁~ einen Geschwindigkeitszuwachs = ~v - v₁~ und ~m₂~ einen

Geschwindigkeitsverlust = ~v₂ - v~, beide verhalten sich umgekehrt wie

die Massen, also (~v - v₁) : (v₂ - v) = m₂ : m₁~; hieraus ist:

v₁ m₁ + v₂ m₂

~v = -------------~.

m₁ + m₂

Laufen die Massen einander entgegen, so ist eine Geschwindigkeit, etwa

~v₂~ negativ zu nehmen, also ist

v₁ m₁ - v₂ m₂

~v = -------------~.

m₁ + m₂

Sind die Massen einander gleich, so ist im ersten Falle ~v = ½ (v₁ +

v₂)~, im zweiten Falle ~v = ½ (v₁ - v₂)~, ist hiebei ~v₁ = v₂~, so ist

~v~ = 0, d. h. treffen gleiche unelastische Massen mit gleichen

Geschwindigkeiten aufeinander, so heben sich ihre Bewegungen auf, sie

sind nach dem Stoße beide in Ruhe.

Wenn zwei ^elastische^ Massen aufeinander stoßen, so tritt zuerst auch

eine Zusammendrückung der getroffenen Stellen ein und eine

Geschwindigkeitsänderung bis beide Körper dieselbe Geschwindigkeit

haben; aber dann kehren die einwärts gedrückten Stellen in die

ursprüngliche Lage zurück und bringen einen gegenseitigen Druck hervor,

welcher den Massen wieder eine Geschwindigkeitsänderung erteilt, welche

ebenso groß ist wie die beim Zusammendrücken erhaltene.

Es seien die Massen ~m₁~ und ~m₂~, ihre Geschwindigkeiten ~v₁~ und ~v₂~,

so ist die Geschwindigkeitsänderung beim Zusammendrücken wie vorher ~v -

v₁~ beim ersten und ~v₂ - v~ beim zweiten, wobei

v₁ m₁ + v₂ m₂

~v = -------------~.

m₁ + m₂

Beim Ausdehnen erhält jeder Körper dieselbe Geschwindigkeitsänderung;

deshalb hat ~m₁~ die schließliche Geschwindigkeit

(v₁ m₁ + v₂ m₂ )

~c₁ = v₁ + 2 (------------- - v₁)~ also

( m₁ + m₂ )

v₁ (m₁ - m₂) + 2 v₂ m₂

~c₁ = ----------------------~;

m₁ + m₂

ebenso hat ~m₂~ die schließliche Geschwindigkeit

( v₁ m₁ + v₂ m₂)

~c₂ = v₂ - 2 (v₂ - ------------)~ also

( m₁ + m₂ )

v₂ (m₂ - m₁) + 2 v₁ m₁

~c₂ =-----------------------~.

m₁ + m₂

Bewegen sich die Körper gegeneinander, so ist eine Geschwindigkeit, etwa

~v₂~, als negativ zu nehmen, dann ist:

v₁ (m₁ - m₂) - 2 v₂ m₂

~c₁ = ----------------------

m₁ + m₂

und

v₂ (m₁ - m₂) + 2 v₁ m₁

~c₂ = ---------------------~.

m₁ + m₂

Sind beide Massen einander gleich, so ist im ersten Falle ~c₁ = v₂~ und

~c₂ = v₁~ d. h. die Massen gehen mit vertauschten Geschwindigkeiten

weiter; im zweiten Falle ist ~c₁ = -v₂~, ~c₂ = v₁~ d. h. die Massen

gehen mit vertauschten Geschwindigkeiten und nach entgegengesetzten

Richtungen auseinander. Ist hiebei ein Körper zuerst in Ruhe, also im

ersten Falle ~v₁~ = 0, so ist ~c₁ = v₂~, ~c₂~ = 0, d. h. es kommt der

zweite, stoßende Körper in Ruhe, und der erste geht mit dessen

Geschwindigkeit fort.

Stößt ein Körper gegen eine feste Wand, so kann man deren Masse als

unendlich groß ansehen, also etwa im ersten Fall ~m₁ = ∞~, ~v₁~ = 0

setzen; um die Werte von ~c₁~ und ~c₂~ zu finden, dividiere man Zähler

und Nenner mit ~m₁~, setze dann ~m₁ = ∞~, also

1

~-- = 0~,

m₁

so wird ~c₁~ = 0, ~c₂~ = -~v~; der Körper ~m₂~ geht also von der Wand

mit derselben Geschwindigkeit wieder zurück.

Sind die Massen nicht vollständig elastisch, so geschieht die Ausbiegung

der getroffenen Stellen nicht vollständig und nicht mit derselben Kraft

wie die Einbiegung, es sind also auch die Geschwindigkeitsänderungen

während des Ausbiegens kleiner als die beim Einbiegen.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 313 / 340 题