260. Anwendung der Schrauben.

Die Schraube wird angewandt zum ^Heben schwerer Lasten^, besonders wenn

dieselben nicht hoch gehoben werden müssen, z. B. zum Aufziehen von

Schleusen. Die Schleuse ist an einer vertikalen Schraubenspindel

befestigt (Fig. 346), welche durch ein Loch eines oben angebrachten

Querbalkens geht; auf die Spindel ist die Mutter gesteckt und bis zum

Querbalken heruntergedreht. Dreht man die Mutter mittels eines

Schlüssels noch weiter, so geht die Spindel und somit die Schleuse nach

aufwärts. (Heben der Schienenträger an den Zufahrtstellen der

Schiffbrücken.)

[Abbildung: Fig. 346.]

[Abbildung: Fig. 347.]

[Abbildung: Fig. 348.]

Die ^Schraubenpresse^ (Fig. 347). Mit einer starken Unterlage ist ein

starker Eisenbügel verbunden, welcher oben die Schraubenmutter enthält;

durch diese geht die Spindel, welche oben getrieben wird durch einen

Schlüssel und unten auf eine Platte drückt; zwischen diese und die

Unterlage wird der zu pressende Körper gelegt; der Widerstand, den

dieser dem Zusammenpressen entgegensetzt, ist gleichsam die in der

Richtung der Spindel wirkende Last, die überwunden wird. Hat die

Maschine etwa 2 _cm_ Ganghöhe und 60 _cm_ Schlüssellänge, also einen

Kraftgewinn =

2 · 60 · 3,14

------------- = 188,4

2

und drückt man mit der Kraft von 20 _kg_, so gibt das einen Spindeldruck

von 188,4 · 20 _kg_ = 3768 _kg_ = 75 Ztr.; der Körper wird von der

Spindel gepreßt, wie wenn auf ihm 75 Ztr. lägen. Stempel-, Buchbinder-,

Kelterpresse, ^Schraubenzwinge^, Schraubstock, ^Klemmschrauben^. Sehr

mannigfach ist die Anwendung von Schrauben zum ^Befestigen von

Gegenständen^ aneinander. Sollen etwa zwei Metallplatten aufeinander

befestigt werden, so werden beide durchbohrt und durch dieses Loch wird

ein ^Schraubenbolzen^ gesteckt, ein runder Eisenstab, der an einem Ende

einen hervorragenden Kopf hat und am anderen Ende mit Schraubengewinde

versehen ist. Auf dies Gewinde wird eine Mutter eingedreht, bis sie die

Platte berührt, und mittels eines Schlüssels fest angezogen. Dadurch

werden beide Platten sehr stark aneinander gedrückt.

[Abbildung: Fig. 349.]

[Abbildung: Fig. 350.]

Auch um Metall auf Holz, oder Holz auf Holz zu befestigen, bedient man

sich der Schraube; es wird das Metall durchbohrt, so daß die Spindel gut

durchgeht, und ins Holz wird ein Loch gebohrt. Die Holzschraube (Fig.

349) bohrt sich dann mit ihren scharfen Gängen selbst die Mutter ins

Holz und dient zum Befestigen von Gegenständen auf Holz.

Das ^Schraubenmikrometer^ dient dazu, um die Dicke von dünnen

Gegenständen z. B. Blechen, Drähten, dünnen Achsen und Zapfen u. s. w.

zu messen, ^Kalibermaß^. Ein Eisenbügel hat an einem Arme eine

Schraubenmutter, durch welche eine Schraubenspindel, die

^Mikrometerschraube^, geht, beide müssen sehr exakt gearbeitet sein. Dem

Schraubenspindelende gegenüber ist am anderen Arm des Bügels ein

Vorsprung (Daumen) angebracht. Auf der Schraubenspindel ist oben ein

^Kreis^ oder eine Trommel angebracht, die in etwa 100 gleiche Teile

geteilt ist; neben ihr steht ein am Bügel befestigter ^Zeiger^, so daß

man am Zeiger sehen kann, wie viele ganze Schraubenumgänge, und an der

Stellung der Kreisteilung gegen den Zeiger, wie viel Hundertel des

folgenden Umgangs die Spindel gemacht hat; aus der Ganghöhe der Spindel,

z. B. 1 _mm_, kann man mit großer Genauigkeit die Dicke des Bleches

erfahren.

Stellschrauben dienen vielfach dazu, um einen Punkt, das Ende der

Spindel, genau an eine gewünschte Stelle zu bringen.

^Schiffsschraube^. Die Spindel oder Welle ragt hinten aus dem Schiffe

horizontal heraus und wird durch die Dampfmaschine in rasche Umdrehung

versetzt. Auf der Welle sind 3 oder 4 Flügel angebracht, welche wie

Schraubenflächen gestaltet sind, aber nur je einen Teil eines ganzen

Umlaufes, etwa nur ¼ oder ¹/₆ darstellen. Das umliegende Wasser bildet

gleichsam die Schraubenmutter, und da die Schraubenflügel bei der

Umdrehung einen Druck auf das Wasser ausüben, so übt das Wasser einen

Gegendruck aus auf die Schraubenflügel, und durch diesen wird das Schiff

bewegt.

^Die Schraube ohne Ende^. Die Last greift am Umfang einer Welle an etwa

mittels eines Seiles; das zugehörige Rad ist gezahnt und greift mit

seinen Zähnen zwischen die Gänge einer in Zapfen liegenden

Schraubenspindel ein, welche durch eine Kurbel gedreht werden kann. Sie

ist ein hübsches Beispiel einer zusammengesetzten Maschine, denn sie

besteht aus einem Wellrad und einer Schraube; die Kraft ~y~, die am

Umfang des Rades erforderlich ist, wirkt als Last an der Spindel der

Schraube.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 283 / 340 题