Die Schraube wird angewandt zum ^Heben schwerer Lasten^, besonders wenn
dieselben nicht hoch gehoben werden müssen, z. B. zum Aufziehen von
Schleusen. Die Schleuse ist an einer vertikalen Schraubenspindel
befestigt (Fig. 346), welche durch ein Loch eines oben angebrachten
Querbalkens geht; auf die Spindel ist die Mutter gesteckt und bis zum
Querbalken heruntergedreht. Dreht man die Mutter mittels eines
Schlüssels noch weiter, so geht die Spindel und somit die Schleuse nach
aufwärts. (Heben der Schienenträger an den Zufahrtstellen der
Schiffbrücken.)
[Abbildung: Fig. 346.]
[Abbildung: Fig. 347.]
[Abbildung: Fig. 348.]
Die ^Schraubenpresse^ (Fig. 347). Mit einer starken Unterlage ist ein
starker Eisenbügel verbunden, welcher oben die Schraubenmutter enthält;
durch diese geht die Spindel, welche oben getrieben wird durch einen
Schlüssel und unten auf eine Platte drückt; zwischen diese und die
Unterlage wird der zu pressende Körper gelegt; der Widerstand, den
dieser dem Zusammenpressen entgegensetzt, ist gleichsam die in der
Richtung der Spindel wirkende Last, die überwunden wird. Hat die
Maschine etwa 2 _cm_ Ganghöhe und 60 _cm_ Schlüssellänge, also einen
Kraftgewinn =
2 · 60 · 3,14
------------- = 188,4
2
und drückt man mit der Kraft von 20 _kg_, so gibt das einen Spindeldruck
von 188,4 · 20 _kg_ = 3768 _kg_ = 75 Ztr.; der Körper wird von der
Spindel gepreßt, wie wenn auf ihm 75 Ztr. lägen. Stempel-, Buchbinder-,
Kelterpresse, ^Schraubenzwinge^, Schraubstock, ^Klemmschrauben^. Sehr
mannigfach ist die Anwendung von Schrauben zum ^Befestigen von
Gegenständen^ aneinander. Sollen etwa zwei Metallplatten aufeinander
befestigt werden, so werden beide durchbohrt und durch dieses Loch wird
ein ^Schraubenbolzen^ gesteckt, ein runder Eisenstab, der an einem Ende
einen hervorragenden Kopf hat und am anderen Ende mit Schraubengewinde
versehen ist. Auf dies Gewinde wird eine Mutter eingedreht, bis sie die
Platte berührt, und mittels eines Schlüssels fest angezogen. Dadurch
werden beide Platten sehr stark aneinander gedrückt.
[Abbildung: Fig. 349.]
[Abbildung: Fig. 350.]
Auch um Metall auf Holz, oder Holz auf Holz zu befestigen, bedient man
sich der Schraube; es wird das Metall durchbohrt, so daß die Spindel gut
durchgeht, und ins Holz wird ein Loch gebohrt. Die Holzschraube (Fig.
349) bohrt sich dann mit ihren scharfen Gängen selbst die Mutter ins
Holz und dient zum Befestigen von Gegenständen auf Holz.
Das ^Schraubenmikrometer^ dient dazu, um die Dicke von dünnen
Gegenständen z. B. Blechen, Drähten, dünnen Achsen und Zapfen u. s. w.
zu messen, ^Kalibermaß^. Ein Eisenbügel hat an einem Arme eine
Schraubenmutter, durch welche eine Schraubenspindel, die
^Mikrometerschraube^, geht, beide müssen sehr exakt gearbeitet sein. Dem
Schraubenspindelende gegenüber ist am anderen Arm des Bügels ein
Vorsprung (Daumen) angebracht. Auf der Schraubenspindel ist oben ein
^Kreis^ oder eine Trommel angebracht, die in etwa 100 gleiche Teile
geteilt ist; neben ihr steht ein am Bügel befestigter ^Zeiger^, so daß
man am Zeiger sehen kann, wie viele ganze Schraubenumgänge, und an der
Stellung der Kreisteilung gegen den Zeiger, wie viel Hundertel des
folgenden Umgangs die Spindel gemacht hat; aus der Ganghöhe der Spindel,
z. B. 1 _mm_, kann man mit großer Genauigkeit die Dicke des Bleches
erfahren.
Stellschrauben dienen vielfach dazu, um einen Punkt, das Ende der
Spindel, genau an eine gewünschte Stelle zu bringen.
^Schiffsschraube^. Die Spindel oder Welle ragt hinten aus dem Schiffe
horizontal heraus und wird durch die Dampfmaschine in rasche Umdrehung
versetzt. Auf der Welle sind 3 oder 4 Flügel angebracht, welche wie
Schraubenflächen gestaltet sind, aber nur je einen Teil eines ganzen
Umlaufes, etwa nur ¼ oder ¹/₆ darstellen. Das umliegende Wasser bildet
gleichsam die Schraubenmutter, und da die Schraubenflügel bei der
Umdrehung einen Druck auf das Wasser ausüben, so übt das Wasser einen
Gegendruck aus auf die Schraubenflügel, und durch diesen wird das Schiff
bewegt.
^Die Schraube ohne Ende^. Die Last greift am Umfang einer Welle an etwa
mittels eines Seiles; das zugehörige Rad ist gezahnt und greift mit
seinen Zähnen zwischen die Gänge einer in Zapfen liegenden
Schraubenspindel ein, welche durch eine Kurbel gedreht werden kann. Sie
ist ein hübsches Beispiel einer zusammengesetzten Maschine, denn sie
besteht aus einem Wellrad und einer Schraube; die Kraft ~y~, die am
Umfang des Rades erforderlich ist, wirkt als Last an der Spindel der
Schraube.