Manche Stoffe erlangen, wenn sie einige Zeit dem Lichte ausgesetzt
waren, die Fähigkeit, selbst zu leuchten; sie strahlen im Dunkeln ein
schwaches Licht aus, das ^Phosphoreszenzlicht^, da man es wegen seines
schwachen Schimmers vergleichen kann mit dem Lichte, das ein Stückchen
Phosphor im Dunkeln abgibt. Der Art nach ist es jedoch davon
verschieden; denn das Licht des Phosphors rührt von einer langsamen
Verbrennung her, und dieselbe Ursache hat auch das Leuchten von faulem
Holze, und eine ähnliche Ursache hat wohl das Glühen der
Johanniswürmchen, Leuchtkäfer u. s. w. sowie das Meeresleuchten;
derartiges Leuchten wird nur uneigentlich Phosphoreszenz genannt.
Die Phosphoreszenz, das eigentliche Nachleuten, ist besonders stark bei
den Sulfiden von Kalcium, Barium und Strontium, sowie beim Flußspat. Das
Licht ist rötlich, bläulich, grünlich, je nach der chemischen
Zusammensetzung des Stoffes, enthält aber außer diesen noch alle
Spektralfarben.
Die Dauer des Nachleuchtens ist sehr verschieden; es dauert bei manchen
Stoffen in abnehmender Stärke mehrere Stunden, bei manchen dagegen nur
sehr kurze Zeit. Fast alle Körper phosphoreszieren, wenn auch bei
manchen die Dauer des Nachleuchtens nur einige Hundertel einer Sekunde
beträgt.
Lange und stark phosphoreszierende Stoffe benützt man als „Leuchtfarbe“
zum Anstreichen mancher Gegenstände (Zündholzschachtel, Leuchter,
Glockenzug), um sie nachts leicht sehen zu können.