235. Phosphoreszenz.

Manche Stoffe erlangen, wenn sie einige Zeit dem Lichte ausgesetzt

waren, die Fähigkeit, selbst zu leuchten; sie strahlen im Dunkeln ein

schwaches Licht aus, das ^Phosphoreszenzlicht^, da man es wegen seines

schwachen Schimmers vergleichen kann mit dem Lichte, das ein Stückchen

Phosphor im Dunkeln abgibt. Der Art nach ist es jedoch davon

verschieden; denn das Licht des Phosphors rührt von einer langsamen

Verbrennung her, und dieselbe Ursache hat auch das Leuchten von faulem

Holze, und eine ähnliche Ursache hat wohl das Glühen der

Johanniswürmchen, Leuchtkäfer u. s. w. sowie das Meeresleuchten;

derartiges Leuchten wird nur uneigentlich Phosphoreszenz genannt.

Die Phosphoreszenz, das eigentliche Nachleuten, ist besonders stark bei

den Sulfiden von Kalcium, Barium und Strontium, sowie beim Flußspat. Das

Licht ist rötlich, bläulich, grünlich, je nach der chemischen

Zusammensetzung des Stoffes, enthält aber außer diesen noch alle

Spektralfarben.

Die Dauer des Nachleuchtens ist sehr verschieden; es dauert bei manchen

Stoffen in abnehmender Stärke mehrere Stunden, bei manchen dagegen nur

sehr kurze Zeit. Fast alle Körper phosphoreszieren, wenn auch bei

manchen die Dauer des Nachleuchtens nur einige Hundertel einer Sekunde

beträgt.

Lange und stark phosphoreszierende Stoffe benützt man als „Leuchtfarbe“

zum Anstreichen mancher Gegenstände (Zündholzschachtel, Leuchter,

Glockenzug), um sie nachts leicht sehen zu können.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 248 / 340 题