218. Die ~Camera obscura~, Dunkelkammer.

Die Dunkelkammer ist ein innen geschwärzter Holzkasten. In die vordere

Seitenwand ist eine positive Linse von mäßiger Brennweite, das Objektiv,

eingelassen, so daß sie in einer Hülse etwas verschoben werden kann. Die

gegenüberliegende Wand fängt das Bild auf (matt geschliffene Glastafel).

[Abbildung: Fig. 290.]

Von ferne liegenden #Gegenständen im ersten Raume# entwirft die Linse

ein #reelles, verkehrtes verkleinertes Bild# hinter der Linse #im

zweiten Raume#, das bei passender Stellung genau auf der Glastafel liegt

und so auf ihr gesehen werden kann. Sind mehrere Gegenstände in

verschiedenen Entfernungen vom Objektiv vorhanden, so können nicht alle

zugleich deutlich auf der Glastafel aufgefangen werden; man stellt auf

das wichtigste Bild scharf ein; die anderen sind verschwommen.

Legt man auf die Glastafel ein mit Öl getränktes Papier, so kann das

Bild leicht nachgezeichnet werden.

Anwendung beim ^Photographieren^. Der Photograph stellt die Dunkelkammer

(den photographischen Apparat) so ein, daß das Bild genau auf der

Glastafel erscheint; dann wird die Glastafel durch eine andere Glastafel

ersetzt, die mit einer ^lichtempfindlichen^ Schichte (Kollodium mit Jod-

oder Bromsilber) versehen ist. Diese Glastafel wird nun in der

Dunkelkammer dem Lichte ausgesetzt, ^exponiert^. An den vom Lichte

getroffenen Stellen wird das Jodsilber zersetzt, um so mehr, je stärker

das Licht einwirkt. Die Platte wird nun aus der Dunkelkammer genommen

und mit Eisensulfatlösung übergossen; dadurch wird an den vom Lichte

angegriffenen Stellen das Jodsilber zu metallischem (undurchsichtigem)

und wegen seiner feinen, staubförmigen Verteilung dunkel erscheinendem

Silber reduziert um so mehr, je stärker das Licht eingewirkt hat. Das

unzersetzt zurückgebliebene Jodsilber wird durch Eintauchen in

unterschwefligsaures Natron aufgelöst und entfernt. Man hat nun ein

^negatives Bild^, an welchem die hellen Stellen des Gegenstandes dunkel

erscheinen wegen des metallischen Silbers, und die dunklen Stellen

durchsichtig sind. Die Platte wird gewaschen, getrocknet retouchiert und

gefirnißt. Vom Negativ werden nun die Bilder abgezogen (kopiert). Man

nimmt photographisches Papier (mit Albumin, Eiweiß getränkt und mit

einer Schichte Chlorsilber überzogen), legt es auf die Bildfläche des

Negativs und läßt durch das Glas der negativen Platte das zerstreute

Tageslicht auf das Papier wirken, so wird dadurch das Chlorsilber

zersetzt, geschwärzt, dort am stärksten, wo das Negativ am hellsten,

durchsichtigsten ist; es entsteht auf dem Papier ^ein positives Bild^.

Dies wird fixiert, d. h. durch Eintauchen in unterschwefligsaures Natron

von dem unzersetzten Chlorsilber befreit, gewaschen, vergoldet (um ihm

eine schönere Farbe zu geben), gewaschen, getrocknet, aufgeklebt,

retouchiert und satiniert. Vom Negativ kann man beliebig viele Bilder

(Abzüge) machen.

Aufgaben:

#137.# Welche Brennweite hat das Objektiv einer ~Camera obscura~, wenn

das Bild eines 2,4 _m_ entfernten Gegenstandes achtmal verkleinert

erscheint?

#138.# Die Linse eines Phothographenapparates hat 20 _cm_ Brennweite. Wo

muß man das Objekt aufstellen, damit das Bild viermal verkleinert

erscheint?

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 231 / 340 题