Die Dunkelkammer ist ein innen geschwärzter Holzkasten. In die vordere
Seitenwand ist eine positive Linse von mäßiger Brennweite, das Objektiv,
eingelassen, so daß sie in einer Hülse etwas verschoben werden kann. Die
gegenüberliegende Wand fängt das Bild auf (matt geschliffene Glastafel).
[Abbildung: Fig. 290.]
Von ferne liegenden #Gegenständen im ersten Raume# entwirft die Linse
ein #reelles, verkehrtes verkleinertes Bild# hinter der Linse #im
zweiten Raume#, das bei passender Stellung genau auf der Glastafel liegt
und so auf ihr gesehen werden kann. Sind mehrere Gegenstände in
verschiedenen Entfernungen vom Objektiv vorhanden, so können nicht alle
zugleich deutlich auf der Glastafel aufgefangen werden; man stellt auf
das wichtigste Bild scharf ein; die anderen sind verschwommen.
Legt man auf die Glastafel ein mit Öl getränktes Papier, so kann das
Bild leicht nachgezeichnet werden.
Anwendung beim ^Photographieren^. Der Photograph stellt die Dunkelkammer
(den photographischen Apparat) so ein, daß das Bild genau auf der
Glastafel erscheint; dann wird die Glastafel durch eine andere Glastafel
ersetzt, die mit einer ^lichtempfindlichen^ Schichte (Kollodium mit Jod-
oder Bromsilber) versehen ist. Diese Glastafel wird nun in der
Dunkelkammer dem Lichte ausgesetzt, ^exponiert^. An den vom Lichte
getroffenen Stellen wird das Jodsilber zersetzt, um so mehr, je stärker
das Licht einwirkt. Die Platte wird nun aus der Dunkelkammer genommen
und mit Eisensulfatlösung übergossen; dadurch wird an den vom Lichte
angegriffenen Stellen das Jodsilber zu metallischem (undurchsichtigem)
und wegen seiner feinen, staubförmigen Verteilung dunkel erscheinendem
Silber reduziert um so mehr, je stärker das Licht eingewirkt hat. Das
unzersetzt zurückgebliebene Jodsilber wird durch Eintauchen in
unterschwefligsaures Natron aufgelöst und entfernt. Man hat nun ein
^negatives Bild^, an welchem die hellen Stellen des Gegenstandes dunkel
erscheinen wegen des metallischen Silbers, und die dunklen Stellen
durchsichtig sind. Die Platte wird gewaschen, getrocknet retouchiert und
gefirnißt. Vom Negativ werden nun die Bilder abgezogen (kopiert). Man
nimmt photographisches Papier (mit Albumin, Eiweiß getränkt und mit
einer Schichte Chlorsilber überzogen), legt es auf die Bildfläche des
Negativs und läßt durch das Glas der negativen Platte das zerstreute
Tageslicht auf das Papier wirken, so wird dadurch das Chlorsilber
zersetzt, geschwärzt, dort am stärksten, wo das Negativ am hellsten,
durchsichtigsten ist; es entsteht auf dem Papier ^ein positives Bild^.
Dies wird fixiert, d. h. durch Eintauchen in unterschwefligsaures Natron
von dem unzersetzten Chlorsilber befreit, gewaschen, vergoldet (um ihm
eine schönere Farbe zu geben), gewaschen, getrocknet, aufgeklebt,
retouchiert und satiniert. Vom Negativ kann man beliebig viele Bilder
(Abzüge) machen.
Aufgaben:
#137.# Welche Brennweite hat das Objektiv einer ~Camera obscura~, wenn
das Bild eines 2,4 _m_ entfernten Gegenstandes achtmal verkleinert
erscheint?
#138.# Die Linse eines Phothographenapparates hat 20 _cm_ Brennweite. Wo
muß man das Objekt aufstellen, damit das Bild viermal verkleinert
erscheint?