#Das kurzsichtige Auge.# Durch angestrengtes, lange dauerndes Sehen in
großer Nähe, besonders in der Jugend, wird das Auge kurzsichtig, es kann
nicht mehr auf ferne Gegenstände akkommodieren; der Fernpunkt liegt sehr
nahe 2 _m_, 1 _m_, 50 _cm_ am Auge. Dies kommt daher, daß infolge
angestrengten und andauernden Sehens in die Nähe im Auge Blutandrang
entsteht, der die in der Jugend noch weichen Teile der Netzhautgrube (am
gelben Flecke) nach auswärts drückt, so daß die Entfernung der Netzhaut
von der Linse größer, die Augenachse länger wird. Deshalb können die
Bilder fern liegender Gegenstände nicht mehr auf der Netzhaut liegen.
Einen (kleinen) Vorteil hat das kurzsichtige Auge dadurch, daß es auch
noch Gegenstände näher als 20 _cm_ sehen kann, der Nahepunkt rückt näher
ans Auge (bis 5 _cm_). Die Akkommodationsbreite eines kurzsichtigen
Auges reicht also etwa von 1 _m_ bis 5 _cm_.
Man hilft dem kurzsichtigen Auge durch eine #Brille mit negativen
Linsen# und wählt deren Brennweite gleich dem Abstand des Fernpunktes
vom Auge; denn dann entwirft diese Brille von den Punkten, die zwischen
dem Unendlichen und dem Fernpunkte (Brennpunkte) liegen, Bilder, die
zwischen dem Brennpunkte (Fernpunkte) und dem Auge liegen; das Auge kann
dann auf diese Bilder akkommodieren. Für Punkte innerhalb des
Nahepunktes braucht das Auge die Brille nicht, weshalb empfohlen wird,
bei Betrachtung naher Gegenstände die Brille zu entfernen.
#Das weitsichtige Auge.# Bei vorgerücktem Alter von 40 bis 50 Jahren
wird manchmal die Kristallinse etwas härter, so daß sie sich bei
Betrachtung naheliegender Punkte nicht mehr stark genug wölben kann,
wohl auch wird die Wölbung der Hornhaut etwas flacher; dadurch wird das
Auge ^weitsichtig^, d. h. es verliert die Fähigkeit, auf ^naheliegende^
Punkte zu akkommodieren; der Nahepunkt rückt weiter weg, bis 40, bis 60,
bis 100 _cm_. Fernliegende Gegenstände sieht das Auge noch ganz gut, oft
ausgezeichnet, denn der Fernpunkt liegt im Unendlichen.
Zur Betrachtung naheliegender Gegenstände (zum Lesen und Schreiben)
bedient sich der Fernsichtige einer #Brille mit positiven Linsen#, hält
sie so, daß der Gegenstand im dritten Raume der Linse liegt, also
zwischen zweitem Brennpunkt und Linse; dann entwirft die Linse ein
vergrößertes, virtuelles, aufrechtes Bild vor der Linse, das aber in
größerer Entfernung liegt; wird nun die Brennweite der Linse so gewählt,
daß das Bild jenseits des Nahepunktes liegt, so kann das Auge darauf
akkommodieren. Bei Betrachtung fernliegender Punkte muß die Brille stets
entfernt werden.