213. Das Auge als optischer Apparat.

[Abbildung: Fig. 287.]

Der ^Augapfel^ ist eingehüllt von der ^harten Haut^, welche

undurchsichtig, außen weiß, innen geschwärzt und lederartig hart ist.

Vorn ist ein Teil derselben ersetzt durch die ^Hornhaut^, welche

durchsichtig und etwas stärker gewölbt ist. Das Innere des Auges ist

durch die ^Regenbogenhaut^ in zwei Teile geschieden: die vordere,

kleinere ^Augenkammer^ ist angefüllt mit einer klaren, ^wässerigen

Flüssigkeit^, die ^hintere, größere Augenkammer^ ist mit einer

gallertartigen Masse gefüllt, die ganz klar ist, das Licht stark bricht

und ^Glaskörper^ heißt. In der hinteren Augenkammer sitzt gleich hinter

der Regenbogenhaut die ^Kristallinse^, eine klare, das Licht stark

brechende, positive Linse von kurzer Brennweite, bestehend aus einer

knorpelähnlichen durchsichtigen Masse. Die Regenbogenhaut, ^Iris^, ist

undurchsichtig, vorn braun oder blau oder grau, und hat in der Mitte

eine Öffnung, das ^Sehloch oder die Pupille^, durch welches Licht ins

Auge dringt. Sieht man ins Dunkle, so erweitert sich die Pupille, um

viel Licht eindringen zu lassen; sieht man ins Helle, so verengt sie

sich, spielt also die Rolle einer ^Blende^. Die hintere Wand der

Augenkammer ist mit der Netzhaut (~retina~) ausgekleidet, in welcher

sich der ^Sehnerv^ verbreitet; dieser kommt vom Gehirne, dringt

seitwärts ins Auge ein, zerteilt sich in seine einzelnen, sehr

zahlreichen Fasern, und diese endigen in sehr dünnen Stäbchen und

Zapfen, die dicht neben einander stehend dem Lichte ihre Enden

zukehren. Werden diese Nervenenden vom Lichte getroffen, so empfinden

wir das Licht, wir sehen.

Die Lichtstrahlen werden durch Hornhaut und Kristallinse gebrochen und

in einem Punkt hinter der Linse vereinigt. Liegt der Bildpunkt genau auf

der Netzhaut, so sehen wir den Punkt klar und deutlich, liegt aber das

Bild vor oder hinter der Netzhaut, so wird nicht bloß ein Punkt, sondern

eine ganze Fläche (^Zerstreuungskreis^) der Netzhaut von den

Lichtstrahlen getroffen; das Auge empfindet noch Licht und Farbe, aber

nicht mehr deutlich, sondern verwaschen, verschwommen.

#Wir sehen einen Gegenstand nur dann deutlich, wenn das Bild genau auf

der Netzhaut liegt.# Dieses Bild ist verkleinert, reell und verkehrt

(Scheiner). Nur der Teil der Netzhaut, der von der Augenachse getroffen

wird, sieht scharf und deutlich, dort stehen die Nervenfasern am

engsten; er heißt der ^gelbe Fleck^, ~macula lutea~. Weiter entfernte

Teile der Netzhaut sehen weniger scharf; um also einen Gegenstand

deutlich zu sehen, richten wir die ^Augenachse^ auf ihn, z. B. wir

folgen mit den Augen den Buchstaben, wenn wir lesen.

Dort, wo der Sehnerv ins Auge tritt, ist er noch nicht verzweigt, dort

sind keine Nervenenden, an dieser Stelle ist also das Auge blind.

Macht man auf ein Papier zwei (dicke) Punkte horizontal etwa 5 _cm_

entfernt, betrachtet mit dem rechten Auge den links liegenden,

senkrecht auf die Papierfläche sehend, so findet man, wenn man näher

hin oder weiter weg geht, daß man den rechts liegenden Punkt nicht

mehr sieht, sein Bild liegt dann an dieser Eintrittsstelle des

Sehnerves. (Mariotte.)

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 226 / 340 题