[Abbildung: Fig. 287.]
Der ^Augapfel^ ist eingehüllt von der ^harten Haut^, welche
undurchsichtig, außen weiß, innen geschwärzt und lederartig hart ist.
Vorn ist ein Teil derselben ersetzt durch die ^Hornhaut^, welche
durchsichtig und etwas stärker gewölbt ist. Das Innere des Auges ist
durch die ^Regenbogenhaut^ in zwei Teile geschieden: die vordere,
kleinere ^Augenkammer^ ist angefüllt mit einer klaren, ^wässerigen
Flüssigkeit^, die ^hintere, größere Augenkammer^ ist mit einer
gallertartigen Masse gefüllt, die ganz klar ist, das Licht stark bricht
und ^Glaskörper^ heißt. In der hinteren Augenkammer sitzt gleich hinter
der Regenbogenhaut die ^Kristallinse^, eine klare, das Licht stark
brechende, positive Linse von kurzer Brennweite, bestehend aus einer
knorpelähnlichen durchsichtigen Masse. Die Regenbogenhaut, ^Iris^, ist
undurchsichtig, vorn braun oder blau oder grau, und hat in der Mitte
eine Öffnung, das ^Sehloch oder die Pupille^, durch welches Licht ins
Auge dringt. Sieht man ins Dunkle, so erweitert sich die Pupille, um
viel Licht eindringen zu lassen; sieht man ins Helle, so verengt sie
sich, spielt also die Rolle einer ^Blende^. Die hintere Wand der
Augenkammer ist mit der Netzhaut (~retina~) ausgekleidet, in welcher
sich der ^Sehnerv^ verbreitet; dieser kommt vom Gehirne, dringt
seitwärts ins Auge ein, zerteilt sich in seine einzelnen, sehr
zahlreichen Fasern, und diese endigen in sehr dünnen Stäbchen und
Zapfen, die dicht neben einander stehend dem Lichte ihre Enden
zukehren. Werden diese Nervenenden vom Lichte getroffen, so empfinden
wir das Licht, wir sehen.
Die Lichtstrahlen werden durch Hornhaut und Kristallinse gebrochen und
in einem Punkt hinter der Linse vereinigt. Liegt der Bildpunkt genau auf
der Netzhaut, so sehen wir den Punkt klar und deutlich, liegt aber das
Bild vor oder hinter der Netzhaut, so wird nicht bloß ein Punkt, sondern
eine ganze Fläche (^Zerstreuungskreis^) der Netzhaut von den
Lichtstrahlen getroffen; das Auge empfindet noch Licht und Farbe, aber
nicht mehr deutlich, sondern verwaschen, verschwommen.
#Wir sehen einen Gegenstand nur dann deutlich, wenn das Bild genau auf
der Netzhaut liegt.# Dieses Bild ist verkleinert, reell und verkehrt
(Scheiner). Nur der Teil der Netzhaut, der von der Augenachse getroffen
wird, sieht scharf und deutlich, dort stehen die Nervenfasern am
engsten; er heißt der ^gelbe Fleck^, ~macula lutea~. Weiter entfernte
Teile der Netzhaut sehen weniger scharf; um also einen Gegenstand
deutlich zu sehen, richten wir die ^Augenachse^ auf ihn, z. B. wir
folgen mit den Augen den Buchstaben, wenn wir lesen.
Dort, wo der Sehnerv ins Auge tritt, ist er noch nicht verzweigt, dort
sind keine Nervenenden, an dieser Stelle ist also das Auge blind.
Macht man auf ein Papier zwei (dicke) Punkte horizontal etwa 5 _cm_
entfernt, betrachtet mit dem rechten Auge den links liegenden,
senkrecht auf die Papierfläche sehend, so findet man, wenn man näher
hin oder weiter weg geht, daß man den rechts liegenden Punkt nicht
mehr sieht, sein Bild liegt dann an dieser Eintrittsstelle des
Sehnerves. (Mariotte.)