Ist eine Linse in #der Mitte dünner# als am Rand (Fig. 276), so sind
entweder beide Flächen nach außen konkav -- #bikonkave# Linse --, oder
es ist eine davon eben -- ^plankonkav^ -- oder es ist zwar eine davon
konvex, jedoch schwächer gekrümmt, als die konkave -- ^konvexkonkav^.
Wir zerlegen den Querschnitt wieder in einzelne Stücke, so sind (Fig.
277) deren Grenzflächen die Flächen von Prismen, deren brechende Kante
diesmal der Achse zugekehrt ist.
[Abbildung: Fig. 277.]
Läßt man nun ein Bündel ^paralleler Lichtstrahlen parallel der Achse^
einfallen, so werden sie so gebrochen, daß sie sich von der Achse
entfernen, um so mehr, je größer der Abstand des Teilprismas von der
Achse ist. Hieraus erkennt man die ^Möglichkeit^, daß die gebrochenen
Strahlen so divergieren, als wenn sie von einem vor der Linse liegenden
Punkt herkämen.
Betrachtet man einen hinter einer bikonkaven Linse liegenden Gegenstand,
so sieht man ihn deutlich, wenn auch verkleinert. Dies beweist, daß die
Linse von ihm ein #virtuelles#, wenn auch verkleinertes Bild erzeugt
hat. Wir schließen aus diesem Versuch:
Parallel der Achse einfallende Lichtstrahlen werden von einer konkaven
Linse so gebrochen, wie wenn die gebrochenen Strahlen von einem vor der
Linse liegenden Punkte herkämen. Dieser Punkt heißt #erster Brennpunkt#
und ist ein ^virtueller^ Bildpunkt eines im Unendlichen liegenden
Lichtpunktes. Konkave Linsen heißen auch Zerstreuungsgläser oder
negative Linsen.
[Abbildung: Fig. 278.]
Läßt man das Licht von der andern Seite einfallen, so erhält man einen
^zweiten Brennpunkt^ in gleicher Entfernung auf der andern Seite der
Linse.
In Fig. 278 ist dargestellt, wie die Strahlen ~I~ und ~II~ von links her
parallel der Achse einfallen, und so gebrochen werden, als ~I′~ und
~II′~, wie wenn sie vom Brennpunkt ~F₁~ herkämen. Ferner kommen die
Strahlen ~III~ und ~IV~ von links her so, wie wenn sie auf den zweiten
Brennpunkt ~F₂~ hin wollten, und werden so gebrochen, daß sie als ~III′~
und ~IV′~ der Achse parallel werden.