204. Atmosphärische Strahlenbrechung.

Das Licht der Himmelskörper geht aus dem leerem Weltraum (aus dem Äther)

in die atmosphärische Luft und wird dabei gebrochen. Die Luft ist nach

oben zu immer dünner; zerlegen wir sie in horizontale Schichten, so wird

der Lichtstrahl von Schichte zu Schichte je ein klein wenig abgelenkt;

beschreibt also eine krummlinige Bahn; ^die Richtung, die er schließlich

hat, ist dieselbe, wie wenn er direkt aus dem Äther in die unterste

Schichte der Luft übergetreten wäre^.

Diese #atmosphärische Strahlenbrechung# bewirkt, daß wir die Gestirne

^höher^ sehen, als sie in Wirklichkeit stehen, besonders wenn sie noch

nahe am Horizonte stehen; da hiebei auch noch die Kugelgestalt der Erde

mitwirkt, so kommt es, ^daß wir Sonne und Mond schon sehen, wenn sie

noch unter dem mathematischen Horizont liegen^, oder daß wir sie noch

sehen, wenn sie schon untergegangen sind. In besonders günstigen Fällen

ist es sogar möglich, bei einer totalen Mondsfinsternis den

verfinsterten, eben aufgehenden Mond und die eben untergehende Sonne

zugleich zu sehen (^Galileische Mondsfinsternis^). Der Mond ist deshalb

auch bei totaler Verfinsterung nicht ganz finster, da etwas Sonnenlicht

durch die Erdatmosphäre aus seiner Bahn abgelenkt wird, ihn trifft, und

ihm oft ein blutrotes Ansehen gibt.

Unter #absolutem Brechungskoeffizient# eines Mediums versteht man den

Brechungskoeffizient vom leeren Raum (Äther) in das Medium. Man mißt

aber gewöhnlich den Brechungskoeffizient von Luft in das Medium; beide

hängen durch die Gleichung zusammen:

Äther Äther Luft

~n = n · n ~.

Stoff Luft Stoff

Aufgaben:

~a~) Berechne den Brechungsexponent von Wasser in Glas und von Olivenöl

in Alkohol.

~b~) Welche Verschiebung erfährt ein Lichtstrahl, welcher eine 1 _cm_

dicke Glasscheibe unter einem Einfallswinkel von 70° durchdringt?

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 216 / 340 题