Das Licht der Himmelskörper geht aus dem leerem Weltraum (aus dem Äther)
in die atmosphärische Luft und wird dabei gebrochen. Die Luft ist nach
oben zu immer dünner; zerlegen wir sie in horizontale Schichten, so wird
der Lichtstrahl von Schichte zu Schichte je ein klein wenig abgelenkt;
beschreibt also eine krummlinige Bahn; ^die Richtung, die er schließlich
hat, ist dieselbe, wie wenn er direkt aus dem Äther in die unterste
Schichte der Luft übergetreten wäre^.
Diese #atmosphärische Strahlenbrechung# bewirkt, daß wir die Gestirne
^höher^ sehen, als sie in Wirklichkeit stehen, besonders wenn sie noch
nahe am Horizonte stehen; da hiebei auch noch die Kugelgestalt der Erde
mitwirkt, so kommt es, ^daß wir Sonne und Mond schon sehen, wenn sie
noch unter dem mathematischen Horizont liegen^, oder daß wir sie noch
sehen, wenn sie schon untergegangen sind. In besonders günstigen Fällen
ist es sogar möglich, bei einer totalen Mondsfinsternis den
verfinsterten, eben aufgehenden Mond und die eben untergehende Sonne
zugleich zu sehen (^Galileische Mondsfinsternis^). Der Mond ist deshalb
auch bei totaler Verfinsterung nicht ganz finster, da etwas Sonnenlicht
durch die Erdatmosphäre aus seiner Bahn abgelenkt wird, ihn trifft, und
ihm oft ein blutrotes Ansehen gibt.
Unter #absolutem Brechungskoeffizient# eines Mediums versteht man den
Brechungskoeffizient vom leeren Raum (Äther) in das Medium. Man mißt
aber gewöhnlich den Brechungskoeffizient von Luft in das Medium; beide
hängen durch die Gleichung zusammen:
Äther Äther Luft
~n = n · n ~.
Stoff Luft Stoff
Aufgaben:
~a~) Berechne den Brechungsexponent von Wasser in Glas und von Olivenöl
in Alkohol.
~b~) Welche Verschiebung erfährt ein Lichtstrahl, welcher eine 1 _cm_
dicke Glasscheibe unter einem Einfallswinkel von 70° durchdringt?