203. Gang des Lichtes durch Platten.

#Geht Licht durch eine von zwei parallelen, ebenen Flächen begrenzte

Substanz# (Fensterscheibe) #und befindet sich vor und hinter der

Substanz derselbe Stoff# (Luft), #so hat der austretende Lichtstrahl

dieselbe Richtung wie der eintretende, nur ist er ein wenig verschoben#.

Geht der Strahl ~AJ~ (Fig. 261) aus Luft in Glas, so ist

sin i

~----- = n~.

sin r

Bei ~J′~ tritt er aus Glas in Luft, wird also vom Einfallslot gebrochen,

so daß

sin r′ 1 sin r

~------ = - = -----~;

sin i′ n sin i

da aber ~r′ = r~ als Wechselwinkel, so ist auch ~i′ = i~, also ~J′A′ ∥

AJ~. Die kleine Verschiebung, welche der Strahl dabei erfährt, ist bei

Fensterscheiben wegen ihrer geringen Dicke ganz unbedeutend, bei dicken

Glasplatten kann sie leicht wahrgenommen werden.

Ein in Wasser liegender Gegenstand scheint uns ^höher^ zu liegen, als er

in Wirklichkeit liegt. Das in ~A~ befindliche Auge (Fig. 262) sieht den

Punkt ~P~ nicht in der Richtung ~AP~, sondern der Strahl ~PJ~ wird, wenn

er von Wasser in Luft geht, vom Einfallslot gebrochen und kommt ins Auge

in der Richtung ~JA~; das Auge glaubt daher, der Punkt ~P~ befinde sich

in der Verlängerung von ~JA~, etwa in ~P′~.

Ähnlich erklärt sich folgendes (Fig. 262): Man nimmt ein leeres Gefäß

(Schüssel etc.) und hält das Auge so, daß es, über den Rand wegblickend,

eine auf dem Boden liegende Münze ~P~ nicht sehen kann. Man gießt Wasser

in das Gefäß, so wird man bei derselben Stellung des Auges die Münze

sehen können, wenn man das Gefäß etwa bis ~NN′~ gefüllt hat. Wenn wir in

einen klaren Bach oder See vom Ufer aus hineinsehen, so halten wir ihn

für weniger tief als er in Wirklichkeit ist. Eine schräg ins Wasser

gestellte Stange erscheint gebrochen; man trifft einen Fisch nicht, wenn

man in der Richtung auf ihn schießt, in der man ihn sieht; man muß etwas

tiefer zielen.

#Liegen mehrere Substanzen hinter einander, durch parallele, ebene

Flächen begrenzt, und ist die letzte Substanz dieselbe wie die erste, so

hat das Licht in der letzten Substanz wieder dieselbe Richtung wie in

der ersten# (Fig. 263). Geht Licht von Luft in Wasser, dann in Glas,

dann wieder in Luft, so hat es wieder dieselbe Richtung, ~AJ ∥ MA′~.

Bezeichne ich den Brechungsexponent von Luft in Wasser mit

L

~n ~,

W

und ähnlich die anderen, so ist

sin i L sin r W sin r′ G

~----- = n , ------ = n , ------ = n ~,

sin r W sin r′ G sin i L

also durch Multiplikation:

L W G G L L W L

~n · n · n = 1~; oder da ~n = 1 : n ~, so ist ~n · n = n ~.

W G L L G W G G

[Abbildung: Fig. 263.]

Aus diesem Satze folgt: Geht Licht aus einem Medium ~I~ (Luft) durch

mehrere, parallel begrenzte Medien in ein Medium ~II~, so hat es in

Medium ~II~ dieselbe Richtung, wie wenn es direkt vom Medium ~I~ in das

Medium ~II~ gegangen wäre; z. B. der aus Luft durch Wasser in Glas

gegangene Strahl ~KM~ hat dieselbe Richtung, wie wenn er direkt aus der

Luft in Glas gegangen wäre.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 215 / 340 题