Das Auge sieht einen Punkt, wenn von den Lichtstrahlen, die von dem
Punkte ausgehen, ein (kegelförmiges) Bündel ins Auge fällt.
[Abbildung: Fig. 241.]
Werden alle Strahlen eines solchen Bündels durch irgend welche Ursachen
von ihrer Bahn abgelenkt, so daß sie nachher wieder in einem Punkte ~A′~
oder ~A′′′~ (Fig. 241) zusammentreffen, so nennt man diesen Punkt ~A′~
oder ~A′′′~ ein #optisches Bild# des Punktes ~A~. Denn die Lichtstrahlen
setzen dann ihren geradlinigen Weg fort und bilden wieder ein
kegelförmiges Strahlenbündel. Trifft dieses Bündel in das Auge, so hat
es denselben Eindruck, wie wenn es vom Strahlenbündel des leuchtenden
Punktes getroffen würde; das Auge glaubt in ~A′~ den leuchtenden Punkt
zu sehen. Deshalb nennt man ~A′~ das Bild von ~A~, und zwar ein #reelles
Bild#; ebenso ~A′′′~.
Werden jedoch die Strahlen eines solchen Bündels so abgelenkt, daß sie
sich nicht wirklich in einem Punkte schneiden, aber doch so laufen, als
wenn sie alle von einem Punkte ~A′′~ herkämen, so nennt man diesen Punkt
~A′′~ ein #virtuelles Bild#. Wird ein Auge in den Gang dieser
Lichtstrahlen gebracht, so hat es den Eindruck, wie wenn die Strahlen
wirklich von ~A′′~ herkämen, es glaubt, in ~A′′~ den leuchtenden Punkt
~A~ zu sehen.
Werden aber die Strahlen so abgelenkt, daß sie nach der Ablenkung keinen
Vereinigungsort (weder einen reellen, noch virtuellen) haben, so hat das
Auge, das man in den Gang solcher Lichtstrahlen bringt, wohl noch den
Eindruck von Licht, Helligkeit, Farbe, aber nicht mehr den Eindruck, als
sehe es den Punkt ~A~. Es entsteht kein optisches Bild.