191. Definition des optischen Bildes.

Das Auge sieht einen Punkt, wenn von den Lichtstrahlen, die von dem

Punkte ausgehen, ein (kegelförmiges) Bündel ins Auge fällt.

[Abbildung: Fig. 241.]

Werden alle Strahlen eines solchen Bündels durch irgend welche Ursachen

von ihrer Bahn abgelenkt, so daß sie nachher wieder in einem Punkte ~A′~

oder ~A′′′~ (Fig. 241) zusammentreffen, so nennt man diesen Punkt ~A′~

oder ~A′′′~ ein #optisches Bild# des Punktes ~A~. Denn die Lichtstrahlen

setzen dann ihren geradlinigen Weg fort und bilden wieder ein

kegelförmiges Strahlenbündel. Trifft dieses Bündel in das Auge, so hat

es denselben Eindruck, wie wenn es vom Strahlenbündel des leuchtenden

Punktes getroffen würde; das Auge glaubt in ~A′~ den leuchtenden Punkt

zu sehen. Deshalb nennt man ~A′~ das Bild von ~A~, und zwar ein #reelles

Bild#; ebenso ~A′′′~.

Werden jedoch die Strahlen eines solchen Bündels so abgelenkt, daß sie

sich nicht wirklich in einem Punkte schneiden, aber doch so laufen, als

wenn sie alle von einem Punkte ~A′′~ herkämen, so nennt man diesen Punkt

~A′′~ ein #virtuelles Bild#. Wird ein Auge in den Gang dieser

Lichtstrahlen gebracht, so hat es den Eindruck, wie wenn die Strahlen

wirklich von ~A′′~ herkämen, es glaubt, in ~A′′~ den leuchtenden Punkt

~A~ zu sehen.

Werden aber die Strahlen so abgelenkt, daß sie nach der Ablenkung keinen

Vereinigungsort (weder einen reellen, noch virtuellen) haben, so hat das

Auge, das man in den Gang solcher Lichtstrahlen bringt, wohl noch den

Eindruck von Licht, Helligkeit, Farbe, aber nicht mehr den Eindruck, als

sehe es den Punkt ~A~. Es entsteht kein optisches Bild.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 199 / 340 题