179. Stehende Wellen in offenen Pfeifen. Blasinstrumente.

_Ist die Röhre (Pfeife) offen, so können auch stehende Wellen

entstehen_, doch muß mindestens ein freier Knoten da sein. Dieser liegt

in der Mitte und die Wellenlänge ist gleich der doppelten Pfeifenlänge;

bilden sich zwei Knoten oder mehrere, so sind sie stets um ½

Wellenlänge entfernt und liegen so, daß die Enden der Röhre

Schwingungsbäuche sind; bei zwei Schwingungsknoten ist die Wellenlänge

gleich der Pfeifenlänge, und die Schwingungszahl doppelt so groß als bei

einem Knoten. Bei gleicher Pfeifenlänge ist die Wellenlänge in der

offenen zweimal kürzer, also die Schwingungszahl zweimal größer als in

der gedeckten; #die offene Pfeife gibt die Oktave der gedeckten#.

Eine offene Pfeife ist die #Flöte#, bei welcher durch Öffnen der Löcher

die Länge der Pfeife und damit die Tonhöhe geändert werden kann.

#Klarinett#, Hoboe und Fagott haben am Anfang ein elastisches

Holzblättchen, #weiche Zunge#, das der einströmenden Luft nur einen

schmalen Spalt offen läßt, selbst in Schwingungen gerät und so die Luft

bald einläßt, bald nicht einläßt. Seine Schwingungen richten sich nach

den Schwingungen der Luft in der Röhre und durch kräftigeres oder

schwächeres Andrücken der Lippen unterstützt der Bläser diese Wirkung.

#Harte Zungen#, wie federnde Metallbleche können sich in ihrer

Schwingungszahl nicht nach der Länge des Rohres richten; deshalb wird

die Länge des Rohres entsprechend der Schwingungszahl der Feder gemacht;

oder es ist eine solche harte Zunge gerade vor einem Ausschnitt in einem

Stück Holz angebracht, so daß sie diesen Ausschnitt gerade bedeckt

(Mundharmonika); bläst man durch das Loch, so gerät die Zunge (Feder) in

Schwingungen, verschließt und öffnet abwechselnd den Ausschnitt, und

bringt so Stöße in der Luft hervor, die einen Ton erzeugen. Frei in der

Luft schwingend wäre der von der Feder allein erzeugte Ton sehr schwach.

Ziehharmonika, Harmonium und einige Orgelregister.

Die #Blechblasinstrumente# sind lange, offene Pfeifen von geringer

Weite. Die Luftschwingung wird erzeugt, indem der Bläser die

geschlossenen Lippen gegen das Mundstück preßt und nun durchbläst.

Ähnlich wie bei weichen Zungen geraten die Lippen des Bläsers in

schwingende Bewegung; die Luft im Rohre schwingt wie in einem offenen

Rohre, indem sich ein oder mehrere freie Knoten bilden. Indem man das

Rohr bald länger, bald kürzer macht durch Ausziehen (Posaune) oder durch

Klappen, bekommt man verschiedene Töne. Aber auch schon bei derselben

Rohrlänge versteht es der Bläser, verschiedene Töne hervorzubringen,

indem er durch Spannung der Lippen die Wellenlänge im Rohre beeinflußt,

so daß sich mehr oder weniger Knoten bilden. So bildet er leicht zu

jedem Ton die Oktave (zweimal mehr Knoten) oder wie bei den

Signaltrompeten 4 oder 5 Töne, die in naher Verwandtschaft stehen, deren

Schwingungszahlen sich etwa wie 2 : 3 : 4 : 5 : 6 : 8 verhalten, die

also 2, 3, 4, 5, 6, 8 Knoten haben.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 187 / 340 题