[Abbildung: Fig. 228.]
Wird ein elastischer Stab am einen Ende festgeklemmt und am anderen Ende
angeschlagen, so macht er Schwingungen und erzeugt einen Ton. Ähnlich
wie eine Saite kann er sich dabei auch in mehrere Teile teilen. Die
#Stimmgabel# teilt sich in drei Teile, so daß die beiden Zinken je nach
entgegengesetzten Richtungen schwingen und der mittlere (krumme) Teil
der Gabel auch entsprechende Schwingungen macht; letztere gehen, wenn
die Gabel vertikal gehalten wird, auf und ab, teilen sich demnach leicht
einer Platte mit, auf welche die Stimmgabel gestellt wird. Doch liegen
bei einer Stimmgabel die Knotenpunkte viel näher am Bügel als in Fig.
228 gezeichnet.
Nur wenn die #Platte# längs einer ganzen Seite befestigt ist, kann sie
als Ganzes schwingen wie ein elastischer Stab; ist sie nur in einem
Punkte befestigt, so #teilt sie sich in mehrere Teile#, ^von denen jeder
für sich schwingt^. Wenn man eine Glasscheibe an einem Punkte, etwa in
der Mitte, festklemmt, sie mit etwas Sand bestreut und nun am Rande
anstreicht, etwa in der Mitte einer Seite, so gibt sie einen Ton, die
Sandkörner werden von den schwingenden Teilen der Platte weggeschleudert
und sammeln sich an den ruhigen Stellen. Streicht man andere Stellen der
Platte, unterstützt eine Stelle mit dem Finger, oder klemmt die Platte
an einer anderen Stelle fest, so erhält man andere Einteilungen der
Platte, der Sand sammelt sich längs anderer Knotenlinien und es
entstehen so die #Chadnischen Klangfiguren#. Zwei benachbarte, durch
eine solche Linie getrennte Felder schwingen stets gleich rasch und nach
entgegengesetzten Richtungen.
Ebenso wie Platten schwingen die Glocken; bei ihnen ist der oberste
Punkt der feste Punkt; durch ihn gehen die Knotenlinien; die zwischen
ihnen liegenden, gleich großen Teile der Glocke schwingen jeder für
sich, jeder stets entgegengesetzt wie der benachbarte; die Anzahl der
Teile ist daher stets eine gerade, am einfachsten 4. Ähnlich wie eine
Saite zerlegt sich aber auch eine Glocke zugleich noch in eine andere
Anzahl Teile, z. B. 6 oder 8, und bringt dadurch noch Obertöne hervor;
von diesen sind manchmal einer oder einige so deutlich, daß sie als
eigene Töne gehört werden.