176. Obertöne.

[Abbildung: Fig. 227.]

Wenn man die Saite in der Mitte zwischen den festen Stegen durch den

beweglichen Steg unterstützt, und die eine Hälfte anstreicht, so gibt

sie die Oktave; zugleich schwingt auch die andere Hälfte der Saite mit,

und zwar ebenso rasch. Beide Hälften machen dabei ihre Schwingungen

stets in entgegengesetzter Richtung. Wenn man die Saite im ersten

Drittel unterstützt und das erste Drittel anstreicht, so schwingt auch

der andere Teil der Saite mit, aber nicht als ganzes, sondern indem er

sich in zwei Teile, die zwei anderen Drittel, teilt, deren jedes so

rasch schwingt wie das angestrichene Drittel. Der Punkt zwischen den

beiden Teilen schwingt hiebei nicht, bleibt in Ruhe und wird

#Schwingungsknoten# genannt. Setzt man auf die Saite kleine

Papierschnitzel (Reiterchen), so werden durch die Schwingungen der Saite

alle Reiterchen abgeworfen, nur das am Schwingungsknoten sitzende bleibt

ruhig. Ähnliches tritt ein, wenn man die Saite im ersten Viertel,

Fünftel, Sechstel etc. unterstützt, oder leicht mit dem Finger berührt.

Man sagt: die Saite teilt sich in #aliquote Teile# und gibt #Obertöne#

statt des Grundtones, wobei ^unter Oberton ein Ton zu verstehen ist, der

eine ganze Anzahl Mal so oft schwingt als der Grundton^. Diese Versuche

sowie die Benennung „Knoten und Bäuche“ rühren von Saveur (~†~ 1716)

her.

Aber auch wenn man die Saite nicht mit dem Finger berührt, sondern frei

anstreicht, teilt sie sich stets zugleich in aliquote Teile und zwar in

mehrere Arten. ^Es entstehen somit stets außer dem Grundtone zugleich

ein oder mehrere Obertöne^. Diese Obertöne sind meist einzeln nicht

hörbar, einerseits weil sie zu schwach sind, andrerseits weil unser Ohr

nicht geübt ist, auf sie zu achten; ^wohl aber beeinflussen sie je nach

ihrer Anzahl, Art und Stärke den Klang des Grundtones^.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 184 / 340 题