[Abbildung: Fig. 227.]
Wenn man die Saite in der Mitte zwischen den festen Stegen durch den
beweglichen Steg unterstützt, und die eine Hälfte anstreicht, so gibt
sie die Oktave; zugleich schwingt auch die andere Hälfte der Saite mit,
und zwar ebenso rasch. Beide Hälften machen dabei ihre Schwingungen
stets in entgegengesetzter Richtung. Wenn man die Saite im ersten
Drittel unterstützt und das erste Drittel anstreicht, so schwingt auch
der andere Teil der Saite mit, aber nicht als ganzes, sondern indem er
sich in zwei Teile, die zwei anderen Drittel, teilt, deren jedes so
rasch schwingt wie das angestrichene Drittel. Der Punkt zwischen den
beiden Teilen schwingt hiebei nicht, bleibt in Ruhe und wird
#Schwingungsknoten# genannt. Setzt man auf die Saite kleine
Papierschnitzel (Reiterchen), so werden durch die Schwingungen der Saite
alle Reiterchen abgeworfen, nur das am Schwingungsknoten sitzende bleibt
ruhig. Ähnliches tritt ein, wenn man die Saite im ersten Viertel,
Fünftel, Sechstel etc. unterstützt, oder leicht mit dem Finger berührt.
Man sagt: die Saite teilt sich in #aliquote Teile# und gibt #Obertöne#
statt des Grundtones, wobei ^unter Oberton ein Ton zu verstehen ist, der
eine ganze Anzahl Mal so oft schwingt als der Grundton^. Diese Versuche
sowie die Benennung „Knoten und Bäuche“ rühren von Saveur (~†~ 1716)
her.
Aber auch wenn man die Saite nicht mit dem Finger berührt, sondern frei
anstreicht, teilt sie sich stets zugleich in aliquote Teile und zwar in
mehrere Arten. ^Es entstehen somit stets außer dem Grundtone zugleich
ein oder mehrere Obertöne^. Diese Obertöne sind meist einzeln nicht
hörbar, einerseits weil sie zu schwach sind, andrerseits weil unser Ohr
nicht geübt ist, auf sie zu achten; ^wohl aber beeinflussen sie je nach
ihrer Anzahl, Art und Stärke den Klang des Grundtones^.