161. Telephon.

Das ^Telephon^ oder der Fernsprecher dient dazu, die menschliche Sprache

auf große Entfernungen zu übertragen. Das erste Telephon wurde von dem

Lehrer Ph. Reiß (1861) erfunden, fand aber wenig Beachtung und deshalb

keine Verbesserung. Das von Graham Bell (1876) erfundene

#Magnettelephon# hat folgende Einrichtung: Ein starker, stabförmiger

#Stahlmagnet# ist an seinem oberen Ende durch eine #Induktionsspule# von

sehr vielen Windungen eines feinen, isolierten Kupferdrahtes gesteckt.

Die Enden des Drahtes führen zu zwei Klemmschrauben. Vor diesem Pole des

Magnets ist ein dünnes #Eisenblech# so angebracht, daß es an seinen

Rändern festgeklemmt und mit seiner Mitte nur wenig vom Pole entfernt

ist. Der zum Festklemmen des Bleches benützte und angeschraubte Deckel

hat in der Mitte eine Öffnung, durch welche man gegen das Blech sprechen

kann.

Dies #Sprechtelephon# ist mit einem ganz gleich konstruierten

#Hörtelephon# verbunden durch isolierte (Telegraphen-)Leitungen, von

denen eine durch die Erde ersetzt werden kann. Spricht nun die eine

Person gegen die Öffnung des Telephons, so geschieht folgendes:

Die menschliche Sprache besteht aus Schwingungen der Luft, die nach

Geschwindigkeit und Art verschieden sind. Diese Luftschwingungen treffen

auf das Blech und versetzen es in eben solche Schwingungen; dadurch

kommt das Blech dem Magnetpol bald näher, bald ferner. Jede Annäherung

hat aber Verstärkung des Magnets, jede Entfernung Schwächung desselben

zur Folge. Verstärken und Schwächen des Magnetes bringt aber in den

Drahtwindungen der Spule Induktionsströme hervor, Wechselströme, die

nach Anzahl und Stärke den Luftschwingungen entsprechen. Dies geschieht

im Sprechtelephon.

Diese Ströme kommen nun durch die Leitung zum Hörtelephon, durchlaufen

die Spule und machen dadurch den Magnet bald stärker, bald schwächer

magnetisch, da sie ja Wechselströme sind; deshalb zieht der Magnet das

Eisenblech bald stärker, bald schwächer an, das Eisenblech macht deshalb

Schwingungen, die nach Anzahl und Art denen des Sprechtelephons

entsprechen. Diese Schwingungen teilen sich der Luft mit und erzeugen

den Ton, den man aus dem Telephon hören kann.

Das Telephon überträgt die Töne zwar sehr deutlich, aber sehr schwach.

Man versuchte die Telephone zu verbessern durch Anwendung größerer

Bleche, Anbringung zweier Magnetpole und hat dadurch wirklich

kräftigeren Laut erlangt; doch wurde an Deutlichkeit verloren.

[Abbildung: Fig. 211.]

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 166 / 340 题